Anschreiben : Der Bewerber als Marke
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"Das Foto ist extrem wichtig"

ZEIT: Das Beispielanschreiben fanden Sie etwas selbstverliebt…

Berg: Als Geschäftsführer mehrerer Agenturen habe ich etliche Bewerbungen gelesen. Ich fand meist die gut, die kurz waren und gleichzeitig ein gutes Argument für den Bewerber enthielten. Das sind oft die sympathischsten.

ZEIT: Wie wichtig ist das Foto?

Berg: Extrem wichtig. Und das macht es auch so gefährlich, man kann viel falsch machen. Wenn jemand versucht, es besonders gut zu machen, dann geht es höchstwahrscheinlich in die Hose. Ich kann nur empfehlen, ein möglichst natürliches Bild zu wählen, nicht zu freundlich und nicht zu unfreundlich. An den Klamotten und der Frisur sollte man erkennen können, dass dieser Mensch in der Mitte unserer Gesellschaft lebt. Das Foto ist auch der wichtigste Hinweis darauf, ob der Mensch vom Typ her in meine Unternehmenskultur passt.

ZEIT:Der Lebenslauf lässt nicht viel Spielraum für Originalität. Was kann man tun, um trotzdem aufzufallen?

Berg: Bei Berufsanfängern gehören auch Hobbys dazu, die man während der Schulzeit entwickelt hat. Es interessiert mich, ob jemand gern schreibt, vielleicht eine Schülerzeitung geleitet hat, im Sport herausragend war oder in der Musik. Wenn jemand eine Goldmedaille im Segeln gewonnen hat, weiß ich zum Beispiel, dass er keine Angst vor Belastung hat. Wenn jemand katholisch ist und sich in der Jugendarbeit engagiert hat, dann kann ich bei ihm ein überdurchschnittliches Sozialverhalten voraussetzen.

ZEIT: Und bei Älteren?

Berg: Wenn man schon ein paar Jobs hinter sich hat, dann haben sich meist Dinge herauskristallisiert, die man besonders gut kann. Die können das Thema für den Lebenslauf vorgeben. Denn auch chronologisch geordnete Stationen kann man so beschreiben, dass sie auf einen bestimmten Punkt hinauslaufen. Voraussetzung ist natürlich, dass man ein paar eigene Stärken identifiziert hat.

ZEIT: Es war schwierig, Leute zur Veröffentlichung ihres Anschreibens in der ZEIT zu überreden. Die meisten schämen sich dafür, finden ihre Texte verkrampft. Wie macht man sich locker?

Berg: Indem man sich statt eines Unternehmens einen bestimmten Menschen vorstellt. Ich denke beim Schreiben also an jemanden, den ich mag und mit dem ich gern arbeiten würde. Ihn spreche ich an. Das ist ein probates Mittel, sich die Angst zu nehmen und die Distanziertheit. Dadurch bekommt das Anschreiben gleich einen ganz anderen Ton. Das ist wichtig: Denn es geht doch nur darum, dem Menschen in diesem Unternehmen eine möglichst große Sicherheit zu geben, das Richtige zu tun, wenn er mich einlädt. Das klappt eher, wenn man nicht in Worthülsen schreibt, sondern die Authentizität erhöht.

ZEIT: Das ist doch immer die größte Schwierigkeit, Aussagen wie »Ich bin offen, kommunikativ und belastbar« zu umschreiben…

Berg: Diese Sätze muss man umgehen, indem man Fakten schreibt. BMW war mal einer meiner Kunden. Die betonen immer gern, wie agil und sportlich ihre Autos sind. Ich habe ihnen dann erklärt, dass es viel schöner wäre, das mit der Beschreibung etwa der Arbeit der fünf Querlenker an der Hinterachse in extremen Situationen zu vermitteln. Das haben wir dann gemacht, und es kam genau ihre Botschaft rüber: Das Auto ist agil, dynamisch und sicher. Und so würde ich es auch in einer Bewerbung erzählen. Lieber eine kleine Anekdote, die die entscheidende Stärke besonders gut beweist. Menschen, die Worthülsen benutzen, sind zu angepasst und wollen keine Fehler machen. Ich bevorzuge unangepasste Menschen, die sind interessanter.

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