Anschreiben: Der Bewerber als Marke
Wie sich ein Anschreiben ohne Worthülsen formulieren lässt und was einen Lebenslauf originell macht, erklärt Kommunikationsberater Matthias Berg.
DIE ZEIT: Herr Berg, die notwendige Angeberei eines Bewerbungsschreibens ist den meisten Menschen zuwider. Sie sind Kommunikationsberater und leiten in Hamburg eine Schule für Werbetexter, haben Sie einen Tipp?
Matthias Berg: Man darf gar nicht erst anfangen zu erzählen, was man alles kann. Besser ist, sich wie bei einer Marke zu überlegen, wozu die eigenen Fähigkeiten gut sind. So ist man weniger selbstzentriert und kann gezielt das ansprechen, was das Unternehmen auch benötigt. Was passiert mit dem Nutzer der Marke? Was ist das Versprechen? So ein Versprechen kann auch jeder Bewerber für sich formulieren. Das bringt einen sofort aus der Angeberposition heraus.
ZEIT: Ich bin die Marke, und die Firma soll mich kaufen…
Berg: Genau. Als Kommunikationsberater würde ich sagen, das Unternehmen ist in diesem Fall die Zielgruppe. Man muss genau wissen, was sie bewegt und welches Bedürfnis sie hat. Und dann überlegt man sich: Was in meinem Leben ist dazu geeignet, dieses Bedürfnis zu erfüllen.
ZEIT: Trotzdem: Vielen ist es unangenehm, sich selbst so anzupreisen.
Berg: Im Anschreiben würde das auch überheblich wirken. Deshalb gibt es den Lebenslauf. In den schreibt man alles Tolle, was man so geleistet hat. Wissen Sie, was eine Kommunikationsstrategie ist?
ZEIT: Nein.
Berg: Das ist das Papier, das man vor dem Start einer Werbekampagne schreibt. Es sorgt dafür, dass die Werbung für eine Marke überall gleich aussieht. Eine Kommunikationsstrategie hat fünf Teile: die Definition der Zielgruppe, das – möglichst alleinstellende – Versprechen an den Nutzer, dessen Begründung, der Nutzen des Produkts für den Anwender. Schließlich wird noch die Tonalität festgelegt, also wie man auftritt.
ZEIT: Auf eine Bewerbung übertragen heißt das…
Matthias Berg ist Kommunikationsberater in Hamburg.
Berg: Das Anschreiben ist nichts weiter als eine möglichst einprägsame Nutzenformulierung: Worin besteht der Gewinn für den Adressaten, wenn er niemand anders als mich einstellt? Die ausführliche Begründung des Nutzenversprechens – meine Stärken also – gehört nicht ins Anschreiben, sondern in den Lebenslauf.
ZEIT: Und die Tonalität? Wie tritt man auf?
Berg: Selbstbewusst. Man muss dem Adressaten das Gefühl geben, einen Fehler zu machen, wenn er einen nicht einstellt. Aber hinschreiben darf man das nicht! Die Kunst besteht darin, charmant zu sein, aber zugleich verbindlich und ernst. Im Zweifel lieber etwas zurückhaltender.






Warum muss oder sollte sich ein Mensch im 21. Jahrhundert als Marke verkaufen?
Der geistige Faden der hier so schamlos gesponnen wird, dass ein Mensch prinzipiell mit einem Produkt vergleichbar ist offenbart teifste gesellschaftliche Abgründe.
Eine Marke die nicht überzeugt wirft man weg. Ein Mensch bleibt und es gibt keine Gesellschaft die es sich leisten kann auch nur einen Menschen wegzuwerfen denn die Folgen wiegen schwerer als der kurzfristige Profit.
Unsere Persönlichkeit, mehr noch unser Humankapital sind das Produkt. Facebook die Werbefläche und der Markt, über den die Zielgruppe erreichbar ist. Aufmerksamkeit und Zuspruch, sei es durch Mitmenschen, sei es durch einen Arbeitsvertrag, ist der Gewinn.
Und sieht man sich die Marktführer (z. B. Ikea oder H & M) an, dann ist alles, was der Herr im Interview gesagt hat, Realität. Denn die Marktführer bestechen vor allem durch wenig Originalität, ständige Verfügbarkeit und günstige Preise. Also alles, was einen guten Arbeitnehmer heute ausmacht.
„Ein Mensch bleibt und es gibt keine Gesellschaft die es sich leisten kann auch nur einen Menschen wegzuwerfen denn die Folgen wiegen schwerer als der kurzfristige Profit.“
Das stimmt zwar eigentlich, aber es geht hier ja um einen Unternehmer und nicht die Gesellschaft und der Unternehmer kann es sich schon leisten. Da geht es ums Geschäft. Unser aktuelles Wirtschaftssystem ist auf kurzfristige Profite ausgelegt. Man muss das Spiel schon nach den Regeln spielen, wenn es mit der Eigentumswohnung in der Hafen City klappen soll.
Und auch die Gesellschaft wirft einen nicht unerheblichen Teil der Menschen weg. Wen Interessierts?
Ich denke auch, dass die Bewerbungstipps eher für Berufe sind, die sowie überflüssig sind. So Werbefritzen, PR Berater, Investmentbanker oder so was. Bei einer Zeitarbeitsfirma wird es wohl auch zukünftig besser sein anzurufen und direkt einen Termin für ein Vorstellungsgespräch vereinbaren.
Unsere Persönlichkeit, mehr noch unser Humankapital sind das Produkt. Facebook die Werbefläche und der Markt, über den die Zielgruppe erreichbar ist. Aufmerksamkeit und Zuspruch, sei es durch Mitmenschen, sei es durch einen Arbeitsvertrag, ist der Gewinn.
Und sieht man sich die Marktführer (z. B. Ikea oder H & M) an, dann ist alles, was der Herr im Interview gesagt hat, Realität. Denn die Marktführer bestechen vor allem durch wenig Originalität, ständige Verfügbarkeit und günstige Preise. Also alles, was einen guten Arbeitnehmer heute ausmacht.
„Ein Mensch bleibt und es gibt keine Gesellschaft die es sich leisten kann auch nur einen Menschen wegzuwerfen denn die Folgen wiegen schwerer als der kurzfristige Profit.“
Das stimmt zwar eigentlich, aber es geht hier ja um einen Unternehmer und nicht die Gesellschaft und der Unternehmer kann es sich schon leisten. Da geht es ums Geschäft. Unser aktuelles Wirtschaftssystem ist auf kurzfristige Profite ausgelegt. Man muss das Spiel schon nach den Regeln spielen, wenn es mit der Eigentumswohnung in der Hafen City klappen soll.
Und auch die Gesellschaft wirft einen nicht unerheblichen Teil der Menschen weg. Wen Interessierts?
Ich denke auch, dass die Bewerbungstipps eher für Berufe sind, die sowie überflüssig sind. So Werbefritzen, PR Berater, Investmentbanker oder so was. Bei einer Zeitarbeitsfirma wird es wohl auch zukünftig besser sein anzurufen und direkt einen Termin für ein Vorstellungsgespräch vereinbaren.
ich habe schon einige von diesen Bewerbungen vor mir gehabt.
Die waren am wenigsten zu gebrauchen. Man bekommt alles Mögliche versprochen und dann holpern sich die Leute durch die Praxis, als ob sie soeben einen Volkshochschulkurs absolviert haben.
Da sind mir die Bewerbungen lieber, wo kurz beschrieben wird, was die Leute können und wo sie ihre Stärken sehen. natürlich muss man da auch zwischen den Zeilen lesen und auf Phrasen achten. Aus dem Lebenslauf kann man nur bedingt die Stärken rauslesen. Nach meinem Lebenslauf müsste ich auch für einige Aufgaben spezialisiert sein, was ich aber persönlich garnicht so sehe.
Diese ganzen Maschen um sich selber zu verkaufen können mir gestohlen bleiben, ich will die Person, und keine Marke.
Unsere Persönlichkeit, mehr noch unser Humankapital sind das Produkt. Facebook die Werbefläche und der Markt, über den die Zielgruppe erreichbar ist. Aufmerksamkeit und Zuspruch, sei es durch Mitmenschen, sei es durch einen Arbeitsvertrag, ist der Gewinn.
Und sieht man sich die Marktführer (z. B. Ikea oder H & M) an, dann ist alles, was der Herr im Interview gesagt hat, Realität. Denn die Marktführer bestechen vor allem durch wenig Originalität, ständige Verfügbarkeit und günstige Preise. Also alles, was einen guten Arbeitnehmer heute ausmacht.
„Ein Mensch bleibt und es gibt keine Gesellschaft die es sich leisten kann auch nur einen Menschen wegzuwerfen denn die Folgen wiegen schwerer als der kurzfristige Profit.“
Das stimmt zwar eigentlich, aber es geht hier ja um einen Unternehmer und nicht die Gesellschaft und der Unternehmer kann es sich schon leisten. Da geht es ums Geschäft. Unser aktuelles Wirtschaftssystem ist auf kurzfristige Profite ausgelegt. Man muss das Spiel schon nach den Regeln spielen, wenn es mit der Eigentumswohnung in der Hafen City klappen soll.
Und auch die Gesellschaft wirft einen nicht unerheblichen Teil der Menschen weg. Wen Interessierts?
Ich denke auch, dass die Bewerbungstipps eher für Berufe sind, die sowie überflüssig sind. So Werbefritzen, PR Berater, Investmentbanker oder so was. Bei einer Zeitarbeitsfirma wird es wohl auch zukünftig besser sein anzurufen und direkt einen Termin für ein Vorstellungsgespräch vereinbaren.
Es ist alpha-peinlich, dass in Deutschland eine Photographie in Bewerbungsunterlagen erforderlich ist.
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