Kim Jong Un Will Nordkoreas Diktator sein Land modernisieren?

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Kim Jong Un

Kim Jong Un (2012)  |  © KCNA/Reuters

Gute Nachrichten aus Nordkorea, und das zu Jahresbeginn! Wer wollte sich nicht freuen, als Machthaber Kim Jong Un in seiner Neujahrsansprache eine "radikale Wende" in der Politik seines Landes ankündigte und ein Ende der Feindschaft mit Südkorea in Aussicht stellte, ja sogar die Wiedervereinigung. Dazu noch ein Feuerwerk über Pjöngjang. Und die jungen Leute tanzten an Silvester im Schnee! Hatte es bisher auch noch nicht gegeben.

Bis sich dann die Experten über Kims Redetext beugten. Und die befanden: alles kalter Kaffee! Wissenschaftler nahmen frühere Reden zur Hand, Zeitungsartikel und Agenturmeldungen, und siehe da: Gab es alles schon mal. Zu 90 Prozent sei die Rede ein "Wiederaufguss" gewesen, sagen Leute, die solche Texte seit Jahren analysieren.

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Einhellig warnen Diplomaten und humanitäre Helfer vor falschen Hoffnungen. "Vor Ort merkt man ganz wenig von Veränderungen", heißt es etwa bei der Deutschen Welthungerhilfe, die seit über 15 Jahren in Nordkorea arbeitet.

Immerhin, der Stil hat sich geändert. Kim Jong Un wandte sich über das Fernsehen an das Volk, so wie sein Großvater, der "Große Führer" Kim Il Sung, dies zu tun pflegte. Dessen misanthropischer Sohn Kim Jong Il mochte keine Kameras, er ließ seine Neujahrsworte lieber als Leitartikel in der Parteizeitung verbreiten. Der Enkel, in Aussehen und Gebaren dem Großvater verblüffend ähnlich, gibt sich wie der Gründer der roten Dynastie volkstümlich. Dessen Ausstrahlung mag er nicht haben. Aber er geht unter die Leute, schüttelt jovial die Hände seiner Untertanen. Er habe "ein paar Herrschaftsgesten gelernt", sagt einer, der ihn aus der Nähe beobachten konnte. Kim besucht mit seiner Frau auch schon mal Vergnügungsparks und Popkonzerte. Was man so macht, wenn man gerade 30 Jahre alt geworden ist.

Nur, täusche sich niemand in dem vergnügten Pummel: Das Diktatorenhandwerk beherrscht er wie die Alten. Als Erstes hat er die Armeeführung gründlich gesäubert. Von den vier Spitzenmilitärs, die im Dezember 2011 mit ihm den Sarg seines Vaters im Trauerzug begleiteten, ist keiner mehr im Amt.

Gehalten hat sich Chang Song Taek, der Onkel des jungen Diktators und Pjöngjangs graue Eminenz. Der Mann von Kim Jong Ils Schwester Kim Kyong Hee dürfte der zweitmächtigste Mann in Nordkorea sein. Man muss sich nicht all diese Namen merken, man muss nur das Prinzip verstehen: Dies ist keine klassische marxistische Parteiherrschaft wie in China oder einst in der DDR und in der Sowjetunion. Nordkorea ist ein Land in Familienbesitz, und das inzwischen in dritter Generation. Der Kim-Clan und die Familien einiger anderer Revolutionsveteranen haben sich das Land mithilfe von Armee und Partei unterworfen. Zwanzig Familien mit vielleicht zweihundert Mitgliedern: Das ist der innere Zirkel der Macht.

Diese zweihundert Leute stehen an der Spitze der gesellschaftlichen Pyramide. Und die Sicherung ihrer Macht ist oberstes Ziel aller Politik. Deshalb gilt die Maxime "Das Militär zuerst" bis heute. Und deswegen fließt das meiste Geld in dem bitterarmen Land noch immer in die Rüstung. Kurz vor Weihnachten hat Nordkorea wieder eine Langstreckenrakete getestet; nach westlichen Schätzungen verfügt es über acht bis zwölf nukleare Sprengsätze. Bankrotteure mit Atomwaffen: Diese furchterregende Kombination war immer wieder dafür gut, humanitäre Hilfe zu erpressen. Bis Südkoreas jetziger Präsident alle Lieferungen einstellte.

Seine Nachfolgerin, die im Februar ihr Amt antritt, will einen anderen Weg versuchen. Park Geun Hye, Tochter des früheren Militärdiktators Park Chung Hee, setzt auf eine "Politik des Vertrauens" und möchte die Hilfe für den vom Hunger geplagten Norden, aber auch den Handel zwischen den beiden Landesteilen wieder aufnehmen. Die Neujahrsansprache Kim Jong Uns dürfte auch eine Geste an die neue Präsidentin gewesen sein: Wir können miteinander ins Geschäft kommen.

Von Park Geun Hye heißt es, sie sei bestens in Peking vernetzt. Was für eine mögliche Annäherung von Vorteil sein könnte. Denn China ist das einzige Land, das – in Grenzen – auf den Norden Einfluss zu nehmen vermag.

Leserkommentare
  1. ob er will sondern was die wollen die hinter ihm stehen auch im Ausland zB. China -
    alleine kann er doch nichts machen, eine Öffnung würde ihm sicherlich Verbannung oder direkte Hinrichtung erbringen.

  2. manchmal liest man im Internet scheinbar seriöse Artikel und stellt sich die Frage: "Woher nehmen Journalisten nur all die dummen Fragen?"

    Ob der nordkoreanische Diktator sein Land modernisieren möchte kann nur er selbst beantworten!
    Das hatte er bereits im Oktober 2012!

    Wenn Kim Jong Un chinesischen Medien Interviews gegeben hatte und darin mehrfach seinen festen Willen Ausdruck verlieh sein in Armut befindliches Land modernisieren und dem Süden annähern zu wollen dann sollte der Verfasser dieses Artikels auch den Mut aufbringen diesen nordkoreanischen Diktator einen "Lügner" zu nennen - wenn hier schon Zweifel gesät werden sollen?

    Und was ist das für ein "gestreuter" Blödsinn die vier in Ruhestand gegangenen Spitzenmilitärs seien ja auch nicht mehr im Amt weil? - den Rest sollte man sich dann praktischerweise wohl zusammenreimen: "wurden vielleicht inklusive Betonkübel an den Beinen im Meer versenkt? Oder ohne Betonkübel den Haien zum Fraß vorgeworfen?"
    Sicher scheint beinahe, dass hier ein noch junger Alleinherrscher - derer es in der jüngeren Geschichte Europas Viele gegeben hatte - den Medien-"Haien" zum Fraß vorgeworfen werden soll?

    Nordkorea muß von Innen heraus zur Demokratie finden, ALLES ANDERE kann nicht funktionieren.
    DDR-Absturz 2.0 spielt es in Asien nicht.

    PS.: Der Artikel scheint autorenlos - wie wohl so VIELES hier auf zeit-online.

    3 Leserempfehlungen
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    Der Autor heißt Matthias Naß und das seht sehr deutlich und erkennbar rechts neben dem Artikel! Das herauszufinden hat mich nur ein paar Sekunden gekostet!

    Was bitte schön sollte Kim Jong Un in einem Interview den sonst sagen, dass er vorhat Hunger und Elend zur Sicherung seiner Herrschaft aufrecht zu erhalten? Das ihm das Volk kein bisschen interessiert?

    Jeder kann ohne Probleme mit großen Worten herum schmeißen ohne daraus irgendwelche Konsequenzen zu ziehen, deswegen kann man Personen nur anhand ihrer Taten beurteilen!

    PS: Nordkorea und Demokratie?! Das ist nur noch naiv!

    ........und sie glauben auch sonst immer alles was man ihnen sagt? Menschen in Machtbesitz (siehe unsere Bundesregierung)und insbesondere Diktatoren (siehe Assad) haben doch schon oft genug bewiesen dass sie ein sehr - entspanntes - Verhältnis zur nackten Wahrheit haben. Oft genug geht es um ihr Bild in der Öffentlichkeit oder die Verwirrung ihrer Gegner. Ich will jetzt nicht kategorisch jedem Politiker unterstellen zu lügen oder die Wahrheit zu verdrehen. Ich halte es nur für gefährlich ihnen bedingungslos zu glauben.

    Zeitungen, Journalisten haben die Aufgabe solche Aussagen zu analysieren und auf ihre Absicht und Wahrheitsgehalt zu prüfen. Und genau das hat der von ihnen so kritisierte Autor auch getan.

  3. Der Autor heißt Matthias Naß und das seht sehr deutlich und erkennbar rechts neben dem Artikel! Das herauszufinden hat mich nur ein paar Sekunden gekostet!

    Was bitte schön sollte Kim Jong Un in einem Interview den sonst sagen, dass er vorhat Hunger und Elend zur Sicherung seiner Herrschaft aufrecht zu erhalten? Das ihm das Volk kein bisschen interessiert?

    Jeder kann ohne Probleme mit großen Worten herum schmeißen ohne daraus irgendwelche Konsequenzen zu ziehen, deswegen kann man Personen nur anhand ihrer Taten beurteilen!

    PS: Nordkorea und Demokratie?! Das ist nur noch naiv!

  4. 4. "None"

    Ist es beabsichtigt, dass im Untertitel "None" steht?

    ...sozusagen als Antwort auf die Frage "Will Nordkoreas Diktator sein Land modernisieren?"

    Falls ja, bin ich einfach schwer von Begriff, falls nein, ist es ein außerordentlich netter Verschreiber :-)

    Eine Leserempfehlung
  5. ... herrschenden Klasse zu kritisieren, aber der Stil dieses Artikels, der sich meinem Eindruck gar nicht bemüht, differenziert zu berichten, sondern eher agitiert, gefällt mir nicht. Ich will solche Beiträge zur Meinungsformung nicht lesen.

    2 Leserempfehlungen
  6. Das Individuum besitzt Sachen, die Familie vererbt Grundstückchen usw.
    Wenn Kim's das auch so machen, wo ist das Problem ?

  7. Fundierter Auslandsjournalismus ist das wohl eher nicht, der Erkenntnisgewinn nach der Lektüre ist gleich null. Zudem, dass Kim Jong Un unter Adipositas leidet, ist für jedermann ersichtlich, Bezeichnungen wie "vergnügter Pummel" erscheinen mir dennoch eher unjournalistisch.Vielleicht sollte man zumindest "Glosse" über diesen seltsamen Beitrag schreiben, damit der Leser ahnt, welch selbstvergnügter Text auf ihn wartet.

    2 Leserempfehlungen
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    Man weiss eben (z.B. wegen der Abschottung) nicht, was in Nordkorea wirklich passiert. Wenn man trotzdem etwas darüber schreiben will, muss man die wenigen Fakten eben mit Spekulationen garnieren. Mir wäre es lieber, wenn man bei den Fakten bliebe und nur einen kurzen Absatz schreibt, als das ganze mit Spkulationen aufzuhübschen.
    Im übrigen spricht die Entsorgung der Lieblingsmilitärs seines Vaters wohl eher für als gegen den jungen Mann. Wir kennen seine Absichten nicht, es düfte sich aber jedem einfach erschliessen, dass das Einleiten des Wandels in einem derartigem Staat eine Herkulesaufgabe sein dürfte.
    Ich würde es darauf ankommen lassen, und die Hand reichen, um das Ganze entweder klar als Propaganda zu entlarven oder eben mitzumachen.
    Darüberhinaus ist es wohl klar, dass die Sanktionen Nordkoreas nur der Bevölkerung schaden, was dem Autor des Artikels angesichts der Statur des Genannten wohl auch klar sein dürfte.
    War da nicht was mit dem Friedensnobelpreisträger Gorbatschow und einer Beschimpfung durch Herrn Kohl, der seine wichtigste politische Leistung eben diesem Herren zu verdanken hat?

    Entfernt, da unsachlich. Danke, die Redaktion/jp

  8. Man weiss eben (z.B. wegen der Abschottung) nicht, was in Nordkorea wirklich passiert. Wenn man trotzdem etwas darüber schreiben will, muss man die wenigen Fakten eben mit Spekulationen garnieren. Mir wäre es lieber, wenn man bei den Fakten bliebe und nur einen kurzen Absatz schreibt, als das ganze mit Spkulationen aufzuhübschen.
    Im übrigen spricht die Entsorgung der Lieblingsmilitärs seines Vaters wohl eher für als gegen den jungen Mann. Wir kennen seine Absichten nicht, es düfte sich aber jedem einfach erschliessen, dass das Einleiten des Wandels in einem derartigem Staat eine Herkulesaufgabe sein dürfte.
    Ich würde es darauf ankommen lassen, und die Hand reichen, um das Ganze entweder klar als Propaganda zu entlarven oder eben mitzumachen.
    Darüberhinaus ist es wohl klar, dass die Sanktionen Nordkoreas nur der Bevölkerung schaden, was dem Autor des Artikels angesichts der Statur des Genannten wohl auch klar sein dürfte.
    War da nicht was mit dem Friedensnobelpreisträger Gorbatschow und einer Beschimpfung durch Herrn Kohl, der seine wichtigste politische Leistung eben diesem Herren zu verdanken hat?

    Eine Leserempfehlung

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  • Schlagworte Nordkorea | Kim Jong Un | Südkorea | Pjöngjang | Reform
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