FrauenrechteBrief an meinen Grapscher

Ein Mann bedrängte Noorjahan Akbar. Womit er nicht rechnete: Sie wehrte sich, mitten in Kabul. von Noorjahan Akbar

Sehr geehrter Herr,

ich kenne Ihren Namen nicht, aber wir sind uns in der Woche nach dem Ramadanfest auf dem Basar in Kabul begegnet. Vielleicht erinnern Sie sich an mich. Ich stand an einem Gemüsestand und feilschte um den Preis von frischer Minze, als Sie an mir vorübergingen und mir einfach so in den Po kniffen. Ich wurde rot. Der alte Mann, der sein Gemüse verkaufte, bemerkte das, aber er sagte nichts. Er sieht so etwas wahrscheinlich jeden Tag. Mir ist das schon mehr als einmal passiert, aber dieses Mal schämte ich mich mehr, weil der alte Mann es gesehen hatte.

Ich bin Ihnen hinterhergerannt und habe Sie am Handgelenk gepackt. Ich hatte Angst und schwitzte. Ich fing an zu schreien. »Warum haben Sie das gemacht? Wie können Sie es wagen?« Und Sie schrien zurück, noch lauter: »Sie verrückte Frau! Ich habe gar nichts gemacht. Sie sind es gar nicht wert, Ihnen irgendetwas anzutun.«

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Ich schämte mich dafür, vor aller Augen zu sagen, was Sie getan hatten. Sie erinnern sich wahrscheinlich, wie uns jeder anstarrte. Einige Frauen rieten mir, ruhig zu bleiben, da alles andere nur meinen Ruf ruinieren würde. Wenn es bedeutet, seinen Ruf zu ruinieren, weil man bei Unrecht laut aufschreit, dann soll es so sein, sagte ich mir. Wenn eine Frau einen guten Ruf und Respekt dadurch erlangt, dass sie ihre Unterdrückung hinnimmt, dann kann dieser Respekt auch nur unterdrückend sein.

Noorjahan Akbar

21, ist Studentin und freie Journalistin aus Kabul. Sie engagiert sich für die Frauenrechtsorganisation Safe World for Women International.

Ich fing an zu schreien. Kurze Zeit später kam die Polizei und nahm uns mit auf die Wache. Ich war gelähmt vor Angst. Die Polizei in meinem Land ist nicht gerade dafür bekannt, dass sie Frauen gut behandelt. Was würde passieren, wenn sie nun plötzlich mich beschuldigten? Was würde ich machen, wenn sie mich schlugen? Was wäre, wenn, wenn, wenn...

Ein großer Mann in Uniform fragte mich, was passiert war. Ich erzählte es ihm. Sie, mein Peiniger, wollten gerade etwas sagen, aber der Polizist schrie: »Sie sind jetzt ruhig!« Das Nächste, was ich mitbekam, war, dass er Sie schlug. Sie lagen auf dem Boden, und er trat Sie mit seinen gigantischen Schuhen. Schweißperlen rannen ihm aus seinen dicken Augenbrauen. Er muss genauso wütend gewesen sein wie ich.

Ich habe Sie seitdem nicht wieder gesehen, aber Ihr Freund, der Sie begleitete, folgte mir bis nach Hause. Er sagte zu mir: »Warum die Aufregung? Es ist doch nicht so, als hätte er Sie gefickt.« Aber für einen zweiten Kampf war ich an diesem Tag zu müde.

Sie und Ihr Freund behaupten wahrscheinlich, Muslime zu sein. Sie beten bestimmt auch jeden Freitag oder noch häufiger in der Moschee. Womöglich sagen Sie Ihren Frauen, dass sie nicht aus dem Haus gehen sollen, weil die Welt da draußen voll mit schrecklichen Menschen ist, die sie entwürdigen. Vielleicht glauben Sie sogar, dass Sie das Recht hätten, meinen Po zu berühren, weil eine »gute« Frau niemals ohne einen Mann auf die Straße geht. Wäre ich eine »gute« Frau, dann würde ich mich auch so verhalten. Diese Straßen gehören den Männern.

Ich schreibe Ihnen diesen Brief, um Ihnen zu sagen, dass ich niemals beabsichtigt habe, dass Sie geschlagen und gedemütigt werden. Aber ich bereue es auch nicht, laut geworden zu sein. Ich schreibe Ihnen, um Ihnen zu sagen, dass ich weiß, was Sie vorhaben. Sie wollen mir drohen, mir Angst machen. Sie wollen, dass ich zu Hause bleibe, wo ich lernen kann, mich um viele Kinder zu kümmern und für jemanden wie Sie zu kochen, und mich einem Mann unterwerfe, der mich eines Tages heiraten soll. Sie wollen, dass ich mich vor der Welt da draußen fürchte und dort nicht meinen Weg und meinen Ort finde. Sie wollen mir glauben machen, dass die einzigen sicheren und »passenden« Orte für mich die Küche und das Schlafzimmer sind.

Ich weiß aber, dass der richtige Ort für mich wie für jede andere Frau die Straßen unserer Stadt sind. Die Schulen dieses Landes. Die Polizei-Akademie. Das Parlament. Die Regierung. Die Moschee. Die Gewerkschaften. Der Kampf oder jeder andere Ort, von dem wir träumen.

Ich schreibe Ihnen, um Ihnen mitzuteilen, dass ich Ihnen nie wieder etwas abkaufen werde. Niemand kann mich überzeugen, dass ich weniger wert bin als ein Mann und dass das beste Leben für mich in einer »sicheren« Küche ist, wo ein Mann oder eine Schwiegermutter jeden meiner Schritte kontrolliert. Ich kaufe euch das nicht ab. Nie wieder.

Ich werde jeden Tag aus dem Haus gehen und mit erhobenem Haupt durch die Straßen meiner Stadt laufen, nicht weil ich es muss, sondern weil ich es kann. Und weder Ihre Belästigung noch eine sexuelle Nötigung oder die unterdrückende Regierung können mich davon abhalten.

Trotzig,

eine Frau, die Sie belästigt haben

Aus dem Englischen von Justus von Daniels

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

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Leserkommentare
  1. Ich finde den Mut von Frau Akbar einfach beeindruckend. Ich denke auch hier in Deutschland können sich Frauen an ihrem Selstbewusstsein ein Beispiel nehmen. Es sind kleine Schritte wie dieser die langfristig etwas ändern können und deshalb so unglaublich wichtig sind.
    Übrigends würde auch mich interessieren wo das Original dieses Artikels veröffentlicht wurde.

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  2. wurde der Brief auch in Afhansitan veröffentlich.
    Hier ist er nur halb so sinnvoll.

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    Auch hier werden Frauen begrapscht - täglich. Und für deutsche Frauen ist es nicht weniger erniedrigend, so behandelt zu werden.

    • 0nc3
    • 18. Januar 2013 9:14 Uhr

    Was hier, auch in den Kommentaren, mal wieder diskret unter den Teppich fällt: Auch in Deutschland (im Übrigen auch in Österreich) gilt ein vom Opfer ungewollter Griff ans Gesäß NICHT als sexueller Übergriff, sondern maximal (kontextabhängig) als Beleidigung und ist somit nicht strafbar, da als sexueller Übergriff nur Berührungen der primären und sekundären Geschlechtsmerkmale verstanden werden und das Gesäß nicht als solches gilt.

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  3. ...dann würde der belästigte Mann ins lächerliche gezogen ("was stellst du dich so an, sie hat doch nur deinen Hintern berührt") und der/die Polizist/in verteufelt, weil sie die Täterin verprügelt hat.

    Ja, ich erkenne, dass es hier generell um Frauenrechte in Afghanistan und anderen, Ländern geht, wo Frauen unterdrückt werden. Und es ist auch wichtig, dass dieses Thema in den Medien auftaucht.
    Aber, dieser konkrete Fall ist lächerlich trivial, moralisch zweischneidig, wegen der Misshandlung des Grapschers durch die Polizei und erweckt den falschen Eindruck, dass "kleine" sexuelle Belästigungen die Probleme sind und nicht Zwangsheiraten, Vergewaltigungen und andere Gewalt gegen Frauen.

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    und die drückt sich eben nicht nur in Zwangsheiraten und Vergewaltigungen aus, sondern eben auch in diesen kleinen Respektlosigkeiten! Ich finde es gut, genau dort anzusetzen. Man kann sich nicht gegen Vergewaltigungen und Zwangsehen wehren, wenn man sich noch nicht einmal gegen Grapschen wehren kann. Das muss man auch lernen. Und da sieht man natürlich, dass sie überreagiert hat. Wie sie richtig sagen, wäre es lächerlich, wenn es umgekehrt wäre. Es ist aber nicht umgekehrt. Diese Frau schreit auch ihre Wut, die sie von tausend anderen Grapschern vorher angesammelt hat, heraus. Und es ist nicht leicht, das richtige Maß zu finden, wenn man sich noch nie gewehrt hat. Das lernt man eben erst mit der Zeit und mit der Übung. Es ist ganz normal, am Anfang übers Ziel hinauszuschießen. Die Rolle der Polizisten würde ich da mal ganz außen vor lassen in der Diskussion. Da sind wir uns sicher einig, was die betrifft. Aber das hat ja erst mal nicht so direkt mit ihr zu tun und sie schreibt auch, dass sie das nicht wollte. Dass sie das auch noch den Polizisten klar machen würde, das wäre dann erst recht fortgeschritten. Dazu braucht es wahrscheinlich noch viel Zeit.

    • M.Gh.Re
    • 18. Januar 2013 11:16 Uhr

    Es mag für Sie vielleicht trivial sein, und ich gebe Ihnen recht, dass es in vielen Ländern durchaus schlimmere Vorfälle gibt - nichtsdestotrotz war es richtig von Frau Akbar bereits bei so einem "trivialen" Vergehen laut zu werden. Wie sonst wollen Sie diese Männer in ihre Schranken zurückweisen? Wenn man ein Grapschen hier und ein Anfassen dort "gestattet", ist der Übergang zu Schlimmeren doch schon gelegt! Niemand hat das Recht eine andere Person gegen ihren Willen wo auch immer/wie auch immer zu berühren! Das ist absolut ein Eingreifen in die Intimsphäre - auch mein großer Zeh ist mein Körper, mein privates, das niemand Fremdes anzufassen hat!

    dass auch in Afghanistan eine vergewaltigte Frau ins Gefängnis geworfen wurde (wegen Ehebruchs, ihr Peiniger war verheirate) und erst nach besonderer Intervention aus dem Westen Präsident Karsai eine Lösung für die Frau fand: Sie mussten ihren Peiniger heiraten, dies musste natürlich "freiwillig" geschehen, worauf die Frau wohl auch einging damit das bis dahin geborene Kind nicht weiter im Gefängnis aufwachsen sollte.
    Das sind doch nur Einzelfälle, die ans Licht kommen, weil im Westen davon Notiz genommen wird.
    Gerade die Situation von vergewaltigen Frauen in diesen muslimischen Frauen sind doch einfach nur menschenverachtend: Kommt die Vergewaltigung ans Tageslicht, wird die Frau bestraft - mit "Glück" dann noch zu Gefängnisstrafe, mit weniger, weil authentisch konservativ nach Schariah abgeurteilt, durch Steinigung oder Enthauptung.
    Wenn nicht auch diese "kleinen Dinge des Lebens wie ein Begrapschen" von mutigen Frauen, die dabei ganz harten Überlegungen ausgesetzt sind - es geht IMMER um die Familienehre; ob sie dabei beobachtet wurde und deshalb ins Gerede und in Verruf gerät oder, "schlimmer" noch, wenn sie den Täter anzeigt die Tat offenbart und dann doppelt um ihr Leben fürchten muss; von Seiten der muslimischen Gesellschaft ("Unehre"), dann von Seiten der Täter(familie) wegen Rache ob des Verrats und des Stürzens der Familie in die "Unehre" - wegen einer Frau!

    Selbst hier in Deutschland haben wir mit den Folgen solcher Verletzung der Familien"ehre" durch die Familie der Täter zu kämpfen
    http://www.faz.net/aktuel...

    Die Mutter wurde mit den Schreien zitiert, wieso man ihren Sohn wegen solch einer Lappalie verurteilt - dem Mord dieses Bruders an der Tochter der Mutter!

    Die Frauen haben immer den Toad durch zwei Familien zu fürchten, weil diese Familien sich in der Familien"ehre" beschmutzt sehen: der Opfer- UND der Täterfamilie, oder soll ich schreiben der Täter- UND der Ofpferfamilie?

    Frauen müssen unwahrscheinlich mutig sein, selbst solche "Lappalien" wie Begrapschen öffentlich zu machen

    aber nur mit diesem Mut von Einzelnen können Frauen etwas für sich und andere Frauen erreichen - denn sie stehen auf der untersten Sprosse der Gesellschaftsstruktur - nur knapp oberhalb der Ungläubigen.

    Soweit zu der "Sonderrolle" der Mädchen und Frauen in diesen Gesellschaften.

  4. Jeder Versuch, eine Frau als Objekt zu betrachten, sie herabzuwürdigen, ihre Fähigkeiten als minderwertig darzustellen, zu schlagen, ihre Gleichstellung und ihre Rechte in Frage zu stellen und einzuschränken, sie gegen ihren Willen zu etwas zu zwingen, gehört mit aller Härte bestraft.Kein Mann würde sich die Dinge antun lassen wollen, denen Frauen auf der ganzen Welt in offener, manchmal auch subtiler Form immer noch ausgesetzt sind. (Gott sei Dank gibt es auch welche, die das genauso sehen und sich auf die Seite der Frauen stellen.)

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  5. ich haben Ihren Brief an Ihren Grapscher gelesen. Leider habe ich offensichtlich einen anderen Brief gelesen als meine Vorkommentatoren.
    Ich habe nämlich gelesen, dass Sie einem Mann _nach_gelaufen sind und ihn beschuldigt haben, Sie begrapscht zu haben.

    Missverstehen Sie mich bitte nicht, ich habe nicht die Absicht, dass Verhalten dieses Mann zu beschönigen, falls er Sie begrapscht hat. Allerdings wäre meine Sympathie sicher eindeutiger verteilt, wenn Sie dem Mann nicht _nach_gelaufen wären, sondern ihn spontan beschuldigt hätten.

    Ich habe auch gelesen, dass Polizisten Sie und den Mann mit auf die Wache genommen haben. Ich ziehe daraus den Schluss, dass es ganz offenkundig zumindest in Kabul gegen das Gesetz verstößt, eine Frau zu begrapschen, dass Frauen also, zumindest in Kabul, keinesfalls rechtlos sind.

    Und ich habe gelesen, dass ein Polizist in Uniform und im Dienst einen Beschuldigten niedergeschlagen und auf den am Boden Liegenden eingetreten hat.

    Daraus ziehe ich den Schluss, dass es zumindest in Kabul bereits die "Unschuldsvermutung für Zeuginnen" gibt, die hierzulande immer noch so schmerzlich vermisst wird wohingegen die klassische, rechtsstaatliche Unschuldsvermutung für Beschuldigte bereits den Status eines Unwortes hat.

    Offen gesagt: Nach der Lektüre Ihres Briefes denke ich, dass in Afghanistan kein Mann mehr für Frauenrechte sein Leben lassen muss.

    Ich verbleibe in tiefer Trauer um jene Soldaten, die bereits gefallen sind.

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    vielen Dank, Herr Robert A.C., dass Sie hier genau das tun, was hierzulande und weltweit leider sehr oft das Problem ist - bei Übergriffen auf Frauen wird anschließend die Schuld verkehrt, die Täterin zum Opfer.

    Sie haben das mit Ihrem Kommentar sehr anschaulich vorgeführt.

    Offenbar wurden Sie Herr A.C. in Ihrem Leben noch nie begrapscht - sonst würden Sie verstehen, dass es danach einen Moment des Schocks, der Demütigung und der Ungläubigkeit gibt, welcher eine ganz schnelle Reaktion verhindern kann.

    Dem Mann nachzulaufen ist wohl unmittelbar genug und wie kann für Sie das das "Hauptvergehen" sein???

    Dass in einer Kabuler Polizeistation ein Beschuldigter misshandelt wird, heißt, dass dieses Land in dieser Hinsicht rückständig ist, so etwas darf natürlich nicht passieren.

    Aber dies steht grundsätzlich in keinem Zusammenhang zur Wahrung des Rechtes auf Unversehrtheit des Körpers und der Würde dieser Frau. Dies scheint Sie grundsätzlich nicht zu interessieren, die Frage ist warum?

    Auch hierzulande sind Übergriffe auf Frauen leider noch immer Alltag und ohne Ihnen unterstellen zu wollen, dass Sie daran beteiligt sind, klingen Sie eben für mich zumindest einer von jenen vielen, die den Opfern das Leben zusätzlich schwer machen, indem Sie ihm die Schuld geben.

    Finden Sie das tatsächlich angemessen?

    Das ist doch zutiefst zynisch, was Sie da schreiben.

    Sie können doch nicht aus der Tatsache, dass die Polizisten den Mann misshandelt haben, schließen, dass es ein Gesetz gegen das Begrapschen von Frauen gibt und dass für Frauen die Unschuldsvermutung gilt. Das Ganze hat nicht in Deutschland stattgefunden, wo man mit einem vertretbaren Maß an Naivität davon ausgehen könnte, dass alles mit rechten Dingen zugegangen ist, sondern in Afghanistan. Glauben Sie wirklich, die Polizisten haben vorher überlegt, was im Gesetz steht? Glauben Sie wirklich andere Polizisten hätten in der gleichen Situation auf jeden Fall genauso gehandelt? Ist Ihnen gar nicht aufgefallen, dass gar keine vernünftige Anhörung stattgefunden hat, geschweige denn eine Verurteilung? Sind Korruption und Willkür Dinge, die vielleicht über ihre Vorstellungswelt hinausgehen? Ja, es ist natürlich schön zu hören, dass die Polizisten dieser Frau geglaubt haben und über das Vorgefallene in Wut geraten sind (wenn sie nicht vorher schon wütend waren und das nur als Anlass genutzt haben). Wie die Polizisten dann damit umgegangen sind, ist weniger schön zu hören und zeigt, dass sowohl Frauen als auch Männer in Afghanistan noch einen weiten Weg haben um wirklich in einem Rechtsstaat zu leben.

    Ihr Statement, Robert A. C., will die Aussage von Frau Akbar über das "Bekrabscht werden" anzweifeln, nicht wahr? Sie Schreiben: "... falls er Sie begrabscht hat."
    Mit der Saat des Zweifelns an den Worten der Frau Akbar wird in Ihrem weiteren Text die Frau, deren körperliche Integrität missachtet wurde, zur noch nicht erkannten Täterin.
    Sie verdrehen die Sachen und Ihre Worte wirken demütigend und (erneut) verletzend gegenüber einer Frau, die sich zu Recht wehrt.

    • R_IP
    • 18. Januar 2013 17:39 Uhr

    so eine Ansammlung von Fehlinterpretationen gelesen wie bei Ihnen.

    1."spontane Beschuldigung": Wie Frau Akbar geschrieben hat, gehört es zu der gesellschaftlichen Rolle der Frau in Afghanistan, sich den Kapriolen der Männerwelt zu fügen. Eine "spontane Beschuldigung" würde einen Bruch mit dieser Rolle darstellen. Es ist nicht normgerecht, dass eine Frau in Afghanistan einen Mann der sexualisierten Gewalt beschuldigt, noch dazu, weil Sie weiß, dass diese Beschuldigung brüskiert von der Männerwelt zurückgewiesen werden würde. Daher auch Ihr zögerliches Handeln. Haben Sie darüber hinaus mal etwas von Schockzustand, Irritation, Überlegen gehört? Offenbar nicht. Möchte wissen, wie Sie als afghanische Frau in so einer Situation reagiert hätten. Situationen haben es übrigens so an sich, dass sie situativ sind, d.h. entweder es wird gar nicht reagiert, affektiv reagiert oder erst nach einem gewissen Grad an Überlegung. Mir scheint hier eindeutig der letzte Fall vorzuliegen.

    2. "Ich habe auch gelesen, dass Polizisten Sie und den Mann mit auf die Wache genommen haben. Ich ziehe daraus den Schluss, dass es ganz offenkundig zumindest in Kabul gegen das Gesetz verstößt, eine Frau zu begrapschen, dass Frauen also, zumindest in Kabul, keinesfalls rechtlos sind."

    und 3. "Und ich habe gelesen, dass ein Polizist in Uniform und im Dienst einen Beschuldigten niedergeschlagen und auf den am Boden Liegenden eingetreten hat.

    • R_IP
    • 18. Januar 2013 17:44 Uhr

    Daraus ziehe ich den Schluss, dass es zumindest in Kabul bereits die "Unschuldsvermutung für Zeuginnen" gibt, die hierzulande immer noch so schmerzlich vermisst wird wohingegen die klassische, rechtsstaatliche Unschuldsvermutung für Beschuldigte bereits den Status eines Unwortes hat."

    Ist eher ein Beleg dafür, dass in Kabul eine gewisse Form der Polizeiwillkür herrscht (bzw. herrschen kann). Dass Sie hier rechtstaatliche Prinzipien voraussetzen, ist kein zwingend logischer Schluss, im Gegenteil. Die Polizei wollte den Sachverhalt nicht in aller Öffentlichkeit klären; deshalb wurde die beiden auf die Polizeiwache mitgenommen. Dass der Grapscher dort verprügelt wurde, deutet nicht gerade auf eine "Unschuldsvermutung für Zeuginnen" hin, sondern auf ein vermutlich illegitimes, aber vor Ort praktiziertes Verhalten von Ordnungskräften. Wo Sie da ein juristisches Prinzip erkennen wollen, ist mir schleierhaft.

    "Ich verbleibe in tiefer Trauer um jene Soldaten, die bereits gefallen sind."

    Welcher Seite?

    • Laoyafo
    • 28. Januar 2013 16:38 Uhr

    Wenn eine Frau mit dem Einkauf beschäftigt ist und wird in den Po gekniffen, dann braucht sie erst einmal einen Moment, um zu begreifen, was passiert ist (bei großen Unverschämtheiten dauert es einen Moment, in meiner Jugend ist mir das auch mal passiert, ich habe ziemlich lange gebraucht, um das zu begreifen). Und mit flottem Schritt kann der Mann schon fünf, sechs Schritte gegangen sein, bis sie sich so weit gefasst hat, dass sie beschließt, den Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen.
    Angesichts der massiven Nutzung von Erniedrigung als politischem Mittel in Ägypten, Indien und eben auch hier ist von einer breiten Campagne zu rechnen, die die politischen und emanzipatorischen Aktivitäten von Frauen im Keim ersticken sollen.

  6. Das Original dieses Briefes wurde wohl auf dem Blog von Frau Akbar veröffentlicht. Ob er jedoch auch in einer Landessprache veröffentlicht wurde, bleibt unklar:
    http://www.asafeworldforw...

    Sie erhielt für ihre Arbeit im Juli 2012 den "Women of Distinction Award".
    http://www.youtube.com/wa...

    Eine gute Zusammenfassung des von ihr selbst verfassten Lebenslaufes findet sich hier:
    http://www.asafeworldforw...

    Sie besuchte demnach ab 2005 die internationale Schule in Kabul, schrieb zu diesem Zeitpunkt Drehbücher für das afghanische Kinderprogramm von Radio & TV, besuchte ab 2008 das College in Pennsylvania USA, unterrichtete in einem Sommerkurs 2010 afghanische Jugendliche in kreativem Schreiben, war 2011 Mitbegründerin der afghanischen Frauenrechtsbewegung YWC und studiert aktuell am at Dickinson College,Pennsylvania, USA.

    4 Leserempfehlungen
    • TDU
    • 18. Januar 2013 9:52 Uhr

    Ein Gentleman weiss in erster Linie, was er nicht tut. Und er weiss, das das Lächeln einer Frau, hervorgerufen durch uaufdringlichen respektvollen Umgang oder verbunden mit einer charmanten nicht anzüglichen Bemerkung etwas Wunderbares ist.

    Man geht ganz anders durchs Leben, wenn man das versucht und bald erreicht hat. Und vielleicht wird ja mehr draus.

    Man muss nicht alles haben, was man sieht, und man atmet die Atmosphäre von Leichtigkeit, vebunden mit der Fähigkeit, das "Schöne", Anführungszeichen weil subjektiv, auch mit Abstand zu geniessen.

    Und wenns gar nicht geht, dann legt Hand an Euch selbst. Ist nicht gesundheitsschädlich, fördert die Phantasie und belästigt nicht.

    Anderenfalls: Dass Ihr Schmierfinken seid, verbunden mit einer Verachtung für Frauen wird man euch irgendwann ansehen.

    Und dann läuft gar nichts mehr mit einer Frau, was befriedigend und belebend sein könnte. Ihr werdet arme Schlucker in dieser Beziehung, und selbst wenn ihr reich werdet, könnt Ihr nur kaufen oder auf den Erfolg von billigen Tricks bei den Unerfahrenen hoffen. Beispiele gibts ja.

    Und wers gar nicht kapiert: Hände bei Euch. Und gibts aucn noch so fürchterliche Prügel, auf meinen und vieler Männer Beistand könnt Ihr nicht hoffen.

    Dass man als Mann manchmal "triebgebeutelt" ist, weiss ich auch und gegen wilde Zeiten im Einvernehmen ist nichts einzuwenden. Aber grapschen oder übergriffig? Niemals. Nicht mal betrunken. Schämt Euch.

    16 Leserempfehlungen
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    ich befürchte, hier ging es um mehr als nassforsches, sexuell orientiertes Verhalten!
    Es geht um Machtdemonstration eine männlichen Gesellschaftspolitik!
    Frau Akbar hat das treffend ausgeführt in ihrem mutigen Brief!

    "Und wenns gar nicht geht, dann legt Hand an Euch selbst. Ist nicht gesundheitsschädlich, fördert die Phantasie und belästigt nicht."

    Da haben Sie recht gesprochen. Zumal Mann ja auch angesichts der auffallend hohen Zahl von Konsumentinnen eines männliche Dominanz verherrlichenden Schmuddelschmökers wie "50 Shades of Grey - geheimes Verlangen" gewisse Erwartungshaltungen nicht erfüllen will.

    "Ich erlebe häufig, dass Frauen davon träumen, Gewalt in der Sexualität zu leben, während sich die Männer nicht trauen, weil sie den Frauen nicht wehtun wollen."
    Vanessa del Rae

    http://www.zeit.de/lebens...

    Schon nicht so einfach, zumal für Mann am Rande der Kriminalität. Insofern ist selber machen tatsächlich unkomplizierter, kostengünstiger und nicht selten befriedigender.

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  • Schlagworte Gewalt | Frauenrechte | Kabul | Afghanistan
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