Wie die meisten Wagen, mit deren Besitz man andere Leute beeindrucken kann, hat auch dieser BMW ein grimmiges Platz-da-Gesicht. Er passt gut dahin, wo sich alle beim Sonntagsausflug auf dem Weg in die Alpen drängen. Wir aber fahren mit ihm in den als Einöde verrufenen Norden Brandenburgs. Kaum ist die Tiefgarage in Berlin-Mitte verlassen, kaum sind die Angeln eingepackt, ein erzwungener Stopp in der letzten nicht gentrifizierten Ecke des Prenzlauer Bergs, gleich neben einem Aldi. Wie bedient man nur dieses Navi, dessen Farbbildschirm beinahe iPad-Größe hat? Da klopft es ans Fenster. Auf der leeren Straße ein Mann mit zwei Plastiktüten: »Sie dürfen hier nicht halten!«

Es gibt sozialverträglichere Fortbewegungsmittel als einen BMW. Das gleiche Geld in einen schicken Opel investiert: Man hätte Ruhe. Aber Opel geht es ja auch nicht so gut. Abneigung ist auch ein Zeichen für eine starke Marke. Also fix auf die Prenzlauer Allee, eine dieser wunderbar breiten Straßen, die einen, wenn es nötig ist, schnell aus Berlin entlassen.

Mit München verbindet Berlin, dass man, wenn man seine Ruhe haben will, meistens nach Süden flieht, weil alle glauben, dass es dort schöner ist. Nach Norden, Richtung Oranienburg, geht es erst mal auf der Autobahn in eintöniger Landschaft geradeaus. Danach zwingen enge Alleen zur Entschleunigung. Man guckt, staunt: alles so verblüffend unberührt.

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Der Wagen fährt sich geschmeidig, er hat viel Kraft. Das macht richtig Spaß, aber BMW hat sich etwas Gemeines ausgedacht: Über einen Monitor wird einem immerzu auf die Frontscheibe gespiegelt, wie schnell man fährt – und dazu das gerade gültige Limit. Ist das der bayerisch-autoritäre Geist, der Anstoß an der kleinsten moralischen Verfehlung nimmt? Er macht sich schon bei jedem Einsteigen bemerkbar: Eine Automatik strafft den Gurt so heftig, als wolle sie einen daran erinnern, dass dieser Wagen einen im Griff hat und nicht umgekehrt.

Irgendwo bei Fürstenberg dann: zarte Kurven, die durch Mischwälder schneiden. Hinterm Gehölz funkelt Wasser. Wir parken, holen die Angeln aus dem Kofferraum und gehen zum See hinunter, wo man beim Fischer ein Boot mieten kann. Der Stechlinsee glitzert für uns. Schimpfen tut keiner mehr, denn sonst ist keiner da.

Technische Daten:

Motorbauart: 4-Zylinder-Dieselmotor
Leistung: 135 kW (184 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 7,5 s
Höchstgeschwindigkeit: 235 km/h
CO₂-Emission: 120 g/km
Durchschnittsverbrauch: 4,6 Liter
Basispreis: 35.350 Euro

Jörg Burger ist Redakteur beim ZEITmagazin