BMW 320dVon A nach B

Jörg Burger fährt mit dem BMW 320d von Berlin-Mitte zum Stechlinsee. von 

Ein weißer BMW 320d

Der BMW 320d  |  © BMW AG

Wie die meisten Wagen, mit deren Besitz man andere Leute beeindrucken kann, hat auch dieser BMW ein grimmiges Platz-da-Gesicht. Er passt gut dahin, wo sich alle beim Sonntagsausflug auf dem Weg in die Alpen drängen. Wir aber fahren mit ihm in den als Einöde verrufenen Norden Brandenburgs. Kaum ist die Tiefgarage in Berlin-Mitte verlassen, kaum sind die Angeln eingepackt, ein erzwungener Stopp in der letzten nicht gentrifizierten Ecke des Prenzlauer Bergs, gleich neben einem Aldi. Wie bedient man nur dieses Navi, dessen Farbbildschirm beinahe iPad-Größe hat? Da klopft es ans Fenster. Auf der leeren Straße ein Mann mit zwei Plastiktüten: »Sie dürfen hier nicht halten!«

Es gibt sozialverträglichere Fortbewegungsmittel als einen BMW. Das gleiche Geld in einen schicken Opel investiert: Man hätte Ruhe. Aber Opel geht es ja auch nicht so gut. Abneigung ist auch ein Zeichen für eine starke Marke. Also fix auf die Prenzlauer Allee, eine dieser wunderbar breiten Straßen, die einen, wenn es nötig ist, schnell aus Berlin entlassen.

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Mit München verbindet Berlin, dass man, wenn man seine Ruhe haben will, meistens nach Süden flieht, weil alle glauben, dass es dort schöner ist. Nach Norden, Richtung Oranienburg, geht es erst mal auf der Autobahn in eintöniger Landschaft geradeaus. Danach zwingen enge Alleen zur Entschleunigung. Man guckt, staunt: alles so verblüffend unberührt.

Von A nach B
Alle Folgen der Serie "Von A nach B" aus dem ZEITmagazin

Alle Folgen der Serie "Von A nach B" aus dem ZEITmagazin  |  © .marqs/Photocase

Der Wagen fährt sich geschmeidig, er hat viel Kraft. Das macht richtig Spaß, aber BMW hat sich etwas Gemeines ausgedacht: Über einen Monitor wird einem immerzu auf die Frontscheibe gespiegelt, wie schnell man fährt – und dazu das gerade gültige Limit. Ist das der bayerisch-autoritäre Geist, der Anstoß an der kleinsten moralischen Verfehlung nimmt? Er macht sich schon bei jedem Einsteigen bemerkbar: Eine Automatik strafft den Gurt so heftig, als wolle sie einen daran erinnern, dass dieser Wagen einen im Griff hat und nicht umgekehrt.

Irgendwo bei Fürstenberg dann: zarte Kurven, die durch Mischwälder schneiden. Hinterm Gehölz funkelt Wasser. Wir parken, holen die Angeln aus dem Kofferraum und gehen zum See hinunter, wo man beim Fischer ein Boot mieten kann. Der Stechlinsee glitzert für uns. Schimpfen tut keiner mehr, denn sonst ist keiner da.

Technische Daten:

Motorbauart: 4-Zylinder-Dieselmotor
Leistung: 135 kW (184 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 7,5 s
Höchstgeschwindigkeit: 235 km/h
CO₂-Emission: 120 g/km
Durchschnittsverbrauch: 4,6 Liter
Basispreis: 35.350 Euro

Jörg Burger ist Redakteur beim ZEITmagazin

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Leserkommentare
  1. Auf der obigen Abbildung ist das alte Modell, der E90, zu sehen. Das neue Modell (seit 2012) ist der F30.

    Welches Modell haben Sie denn getestet?

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    Bevor nun in der Redaktion Panik ausbricht, weil der Fahrbericht ja auch in der (Print-Version) im Zeit Magazin stehen wird: Im Jahr 1962 wurde der damalige Generaldirektor des Volkswagenwerkes, Heinz Nordhoff, gebeten, die Prototypen des neuen Käfers anzuschauen. Um den Unterschied deutlich zu machen, war der aktuelle Käfer daneben gestellt. Nordhoff ging schnurstracks zum "alten" Käfer. Die Mitarbeiter mußten viel protokollarisches Potential investieren, um den Chef doch noch zum richtigen Auto zu bewegen. Also: Das kann passieren.

    • Zeugma
    • 10. Januar 2013 14:43 Uhr
    2. ? ? ?

    Hatte der E90 nicht etwas weniger Leistung?

    Jetzt hatte ich mich schnell gefreut, mal keinen Pressinform-Artikel im Ressort Auto zu lesen und dann das ... na ja, solange man nur das falsche Modell abgebildet, aber das neue gefahren hat, ist es eigentlich halb so schlimm. Besser jedenfalls als von einem Foto-Laien und Textredakteur selbst geknippste Bilder einzustellen.

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    • r0me
    • 11. Januar 2013 10:51 Uhr

    ... die E9x-Serie hatte auch kein Head-Up-Display, das gibt es erst seit dem F30 in einem 3er.
    Der 2.0d im E9x reicht von 163 bis 177 PS, je nach Modell und Modelljahr.

    Zum Artikel:
    Leider ist die öffentliche Meinung zu der Aussage "Ich fahre einen 3er BMW" in etwa so freundlich wie es der Autor im Halteverbot gesagt bekommt. Eine verschwindend geringe Anzahl an (deutschen) Menschen ist frei von Vorurteilen gegenüber 3er Fahrern, was wirklich bedauernswert ist, da das Volumenmodell die Charaktereigenschaften eines BMW verkörpern soll: Kompakt, ausbalanciert, sportlich, alltags- und familientauglich.

  2. Bevor nun in der Redaktion Panik ausbricht, weil der Fahrbericht ja auch in der (Print-Version) im Zeit Magazin stehen wird: Im Jahr 1962 wurde der damalige Generaldirektor des Volkswagenwerkes, Heinz Nordhoff, gebeten, die Prototypen des neuen Käfers anzuschauen. Um den Unterschied deutlich zu machen, war der aktuelle Käfer daneben gestellt. Nordhoff ging schnurstracks zum "alten" Käfer. Die Mitarbeiter mußten viel protokollarisches Potential investieren, um den Chef doch noch zum richtigen Auto zu bewegen. Also: Das kann passieren.

    Antwort auf "Altes Modell"
    • spalter
    • 10. Januar 2013 15:01 Uhr

    Wenn ich mir heutzutage ein aggressiv guckendes "Premium"-Auto kaufen wollte, würde ich zu Audi gehen.

    Ich finde, da wirkt BMW im Vergleich mittlerweile eher technisch-unterkühlt, vielleicht sogar streberig und im Design etwas unbeholfen. Was ich der Aggression aber vorziehen würde.

  3. Entfernt. Bitte äußern Sie sich zum konkreten Artikelthema. Danke. Die Redaktion/kvk

  4. "Also fix auf die Prenzlauer Allee, eine dieser wunderbar breiten Straßen, die einen, wenn es nötig ist, schnell aus Berlin entlassen."

    Auf der Prenzlauer Allee. :D Aber wirklich nur am Sonntag :D

  5. 7. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/jz

    • r0me
    • 11. Januar 2013 10:51 Uhr

    ... die E9x-Serie hatte auch kein Head-Up-Display, das gibt es erst seit dem F30 in einem 3er.
    Der 2.0d im E9x reicht von 163 bis 177 PS, je nach Modell und Modelljahr.

    Zum Artikel:
    Leider ist die öffentliche Meinung zu der Aussage "Ich fahre einen 3er BMW" in etwa so freundlich wie es der Autor im Halteverbot gesagt bekommt. Eine verschwindend geringe Anzahl an (deutschen) Menschen ist frei von Vorurteilen gegenüber 3er Fahrern, was wirklich bedauernswert ist, da das Volumenmodell die Charaktereigenschaften eines BMW verkörpern soll: Kompakt, ausbalanciert, sportlich, alltags- und familientauglich.

    Antwort auf "? ? ?"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... dann hat die CSR-Abteilung von BMW noch nicht den richtigen Ton getroffen.

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