Rafael und Sylvie van der Vaart © Andreas Rentz/Getty Images

An Weihnachten war noch alles in bester Ordnung: Sylvie, hoch toupiert, gehalten von Rafael, im Hintergrund der Tannenbaum, Glitzer überall. Silvester war es dann vorbei: Sylvie, geschlagen von Rafael. Die erste Bild-Schlagzeile 2013 lautet: Eklat in Silvesternacht: Van der Vaart – Ehe kaputt!

Wenn zwei sich trennen, hat oft nur einer Mitleid verdient, weil er verletzt wurde, enttäuscht, beleidigt. Im Fall der van der Vaarts ist das ganz eindeutig: die Stadt Hamburg.

München hat die Schickeria, Berlin die Clubs – und Hamburg? Die Hafenrundfahrt. München hat Christian Ude (begabter Kabarettist), Berlin Klaus Wowereit (begabter Partylöwe), Hamburg hat Olaf Scholz (Spitzname Scholzomat). In München ist das Wetter schön, in Berlin egal, in Hamburg hofft man noch auf den Klimawandel. Die Hamburger finden zwar, ihre Stadt sei die schönste der Welt (Alster), wollen damit aber nicht protzen (Understatement), und wenn sie es dann doch versuchen (Elbphilharmonie), haut es nicht hin (Baustopp). Der Stadt fehlt einfach der Glamour. Auf den hoffte ganz Hamburg, als die van der Vaarts im Sommer 2012 an die Elbe zurückkehrten.

Die trugen dann auch gleich so dick auf, wie es sich der Hamburger nie trauen würde: In Madrid, so Rafael, hätten Sylvie und er »nur an Hamburg gedacht«. Hamburg, so Sylvie, sei »schöner als London«. Sie könnten »weinen vor Glück«, so beide, dass sie endlich wieder an der Elbe leben dürften. Und schon hatte Hamburg sein Herz verloren: Rafael sei ein »Erlöser«, »Messias«, »Heilsbringer«. Sylvie »fleischgewordene Verheißung« und »Hamburgs neue Perle«. Beide zusammen: die »Mini-Beckhams«.

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München hat die Pinakothek, Berlin die Museumsinsel, Hamburg das Miniatur-Wunderland. Vor diesem Hintergrund wirken selbst Mini-Beckhams ziemlich groß. Sylvie wurde in einer Umfrage zur beliebtesten Hamburger Promi-Frau gewählt, auf den Plätzen hinter ihr folgten Ina Müller, Judith Rakers, Maria Ketikidou, Cosma Shiva Hagen ... gähn. Die Glamour-Personaldecke in Hamburg ist halt dünn. Kurz: Rafael rettete den HSV aus der Krise, Sylvie Hamburg vor der Langeweile. Für lächerliche 12,5 Millionen Euro Ablösesumme (Elbphilharmonie: geschätzte 575 Millionen) ein ziemlich guter Deal.

Jetzt, wo es das Traumpaar nicht mehr gibt, ist auch Hamburg wieder zu haben, für eine Handvoll Glamour. An der Elbphilharmonie soll jedenfalls schon im Frühjahr weitergebaut werden.