JapanWette mit Billionen

Japans neuer Premier will sein Land mit viel Geld aus der Krise holen. Dafür riskiert er noch höhere Staatsschulden. von 

Der neue Premierminister war noch nicht im Amt, da öffneten sich schon die Geldschleusen. Mitte Dezember verkündete Japans Zentralbank, sie kaufe mehr Staatsanleihen. Statt bisher für 91 Billionen werde sie Papiere im Wert von 101 Billionen Yen erwerben. Umgerechnet 900 Milliarden Euro fließen dadurch an den Staat. Damit erfüllten die Notenbanker bereits eine Forderung des neuen Regierungschefs Shinzo Abe. Er, seit Ende Dezember im Amt, will Japans Wirtschaft vor allem mit einem Mittel aus der Krise holen: mit viel, viel Geld.

Die meisten Ökonomen sind sich einig, dass die Geldpolitik Experten überlassen werden sollte. Eigentlich ist Japans Notenbank, wie auch die Europäische Zentralbank, nur dem Ziel stabiler Preise verpflichtet. Aber die wirtschaftliche Situation Japans ist schwierig. Seit gut zwei Jahrzehnten plagt das Land eine Deflationsspirale, in der fallende Preise heute zu Erwartungen eines auch morgen sinkenden Preisniveaus führen. Das hemmt die Investitions- und Konsumbereitschaft von Unternehmen und Haushalten. So ist Japans Wirtschaft in den letzten zwei Jahrzehnten kaum gewachsen. Durch den starken Yen stockt auch die Exportindustrie.

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Es ist diese Lage, mit der Shinzo Abe es rechtfertigt, Druck auf die Notenbank auszuüben. Er will der Bank of Japan ein Inflationsziel von zwei bis drei Prozent verpassen, das wäre doppelt bis dreimal so hoch wie bisher. Um diese Marke zu erreichen, soll die Notenbank unbegrenzt japanische Staatsanleihen kaufen. Wenn sie sich weigert, warnte Abe, sähe er sich gezwungen, ihre Unabhängigkeit zu überdenken. Ohnehin will er in diesem Frühjahr den Zentralbankchef durch einen ihm genehmen Banker ersetzen.

Auf den Märkten bringt der Vorstoß zunächst die erwünschten Effekte. Seit offensichtlich war, dass Abes Liberaldemokratische Partei die Wahl gewinnen würde, hat der Yen an Wert verloren. Der Tokioter Aktienindex Nikkei 225 erreichte seinen höchsten Wert seit 21 Monaten. »Das ist ein gutes Zeichen«, sagt der Wirtschaftsprofessor Takatoshi Ito von der Universität Tokio, der als Kandidat für den Posten des Zentralbankgouverneurs gilt.

Durch ein höheres Inflationsziel und weitere Anleihekäufe verlöre der Yen weiter an Wert, was die Exporte antreibt. »Von der bisher schüchternen Politik der Zentralbank waren die Märkte ja wenig beeindruckt«, sagt Ito. »Deswegen sollte Abe schon aggressiv sein.« Ito sorgt sich nicht um die Unabhängigkeit der Bank of Japan.

Nicht jeder ist so zuversichtlich. Die Regierung werde zwar die Unabhängigkeit formal nie antasten, glaubt der Ökonom James Rhodes vom Tokioter Graduate Institute for Policy Studies. Dabei gehe es aber nur darum, für ein Scheitern nicht verantwortlich gemacht zu werden.

Dass die Politik des Premiers scheitert, ist durchaus möglich. Seit Japans Blasenökonomie vor 20 Jahren platzte, wurde immer wieder versucht, die Wirtschaft durch lockere Geldpolitik und Konjunkturprogramme anzukurbeln. Die gewünschten Effekte traten höchstens vorübergehend ein. Langfristig häufte der Staat einen Schuldenberg an, der gemessen an der Wirtschaftskraft der höchste der Welt ist und wahrscheinlich nun noch größer wird. Abe will 1,9 Billionen Euro für Infrastrukturprojekte ausgeben, größtenteils für den durch den Tsunamie verwüsteten Nordosten des Landes.

Leserkommentare
  1. Tja, wer kann das schon wissen?

    Man kann natürlich sich grundsätzlich auf den Standpunkt stellen, das man nie wirklich etwas sicher wissen kann und damit rechtfertigen, dass man nix tut.

    Oder man kkn versuchen alle verfügbaren Informationen und Ansichten zusammenzutragen und versuchen eine analyse der gegenwärtigen Situation zu machen.

    Es gibt glaube ich kaum Zweifel, dass Japan seit 20 Jahren eine Deflation hat, da sinken und Preise und Löhne und die überwältigende Mehrheit der Ökonomen nennen das einen Teufelskreislauf.

    Dann zu sagen OK, wenn die Löhne sinken, dann ist es doch gut, wenn wenn die Preise sinken und schlecht wenn sie steigen, dann kann sich bald ja gar niemand mehr was leisten, geht völlig an der aktuellen Lage vorbei: Geld gibt es in Japan genug auszugeben, der Rest der Welt ist bei Japan verschuldet, nur ein paar auslndische Anleihen (per Saldo) verkaufen und schon ist cash da zu shoppen.

    Genau das soll Inflation bewirken, dass das Geld das da ist ausgegeben wird und zirkuliert so lange (die Leute glauben), dass es noch was wert ist.

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