»Es ist zwar nötig, Geld in den Wiederaufbau zu stecken«, sagt Rhodes, »aber Japan kann sich das kaum noch leisten.« Ito stimmt dem zu und fordert eine massiv erhöhte Mehrwertsteuer. Werden neue Ausgaben stattdessen weiter durch Kredite finanziert, könnte Japan in eine Schuldenkrise rutschen. Bisher konnte das Land seine riesige Verschuldung bewältigen, weil mehr als 90 Prozent der Staatsanleihen im Inland gehalten werden. Bald dürfte die Kapazität des japanischen Marktes, neue Anleihen zu kaufen, aber erschöpft sein. Durch die alternde Bevölkerung steigt der Anteil derer, die kein Geld zurücklegen, sondern Ersparnisse aufbrauchen.

Sollte der Staat nach Gläubigern im Ausland suchen müssen, dürften höhere Zinsen die Folge sein. Nach Berechnung des Finanzministeriums würde schon ein Anstieg um einen Prozentpunkt zusätzliche Zinskosten von 80 Milliarden Euro pro Jahr verursachen. Zudem ändert Abes Kampf gegen die Deflation nichts an den tieferen Problemen der japanischen Wirtschaft. Viele Unternehmen sind international kaum wettbewerbsfähig. Bürokratie hemmt die Wirtschaft. »Alle Sektoren müssen sich für wirklichen Wettbewerb öffnen und die oft zu starke Bindung zur Regierungsbürokratie abbauen. Und die allgegenwärtigen Hierarchien im Alltag belohnen derzeit nicht Leistung, sondern Dienstalter«, sagt Rhodes.

Da zuletzt das Lohnniveau gesunken ist und es derzeit wenig Anzeichen für ein Ende der Rezession gibt, dürften zwei oder drei Prozent Inflation außerdem auf die Kaufkraft drücken. Damit würden weder Konsum noch Investitionen angekurbelt werden. »Womöglich ist Deflation gar nicht so schlecht«, meint James Rhodes. Inflation könnte alles noch schlimmer machen.