»Stop Fracking!« lautet derzeit der Schlachtruf gegen eine neue Technik der Erdgasförderung. Die Aufspaltung von Schiefergestein mit einem Wasser-Chemikalien-Mix, der unter hohem Druck in bis zu fünf Kilometer tiefe Bohrlöcher gepresst wird, wurde in Deutschland erst ein einziges Mal erprobt. Dennoch ist Fracking jetzt zum Wahlkampfthema avanciert. In Niedersachsen, wo 95 Prozent des deutschen Erdgases gefördert werden, überbieten sich Politiker aller Parteien darin, die Protestbürger zu umschmeicheln.

Und es ist ja richtig: Wer tief in der Erde mit gefährlichen Substanzen hantiert, muss streng kontrolliert werden. Welche Schäden drohen, wenn das nicht passiert, lässt sich in den USA besichtigen: Schlampige Bohrungen verseuchen dort Grundwasser und Böden. Der Umweltvorteil, den der Umstieg von dreckiger Kohle auf sauberes Erdgas bei der Stromerzeugung eigentlich hat, wird durch den unnötigen Austritt von Methangas zunichte gemacht.

Ein allgemeines Fracking-Verbot wäre dennoch falsch. Erdgas ist für die Energiewende unverzichtbar, der Verbrauch wird in den nächsten zwei Jahrzehnten noch ansteigen. Schiefergestein ist eine wichtige Quelle. In Deutschland könnten wir zeigen, wie sie sicher angezapft werden kann. Denn unsere Umweltlobby ist stärker, die Umwelttechnik ausgereifter und die Bohrindustrie weniger mächtig als in den meisten Ländern, aus denen wir das Gas importieren, das wir selber nicht fördern.