Liebeskolumne / Liebeskolumne : Ist er nur noch ein Termin von vielen?

Eine Frau studiert ihren Terminkalender

Die Frage: Fred ist nach einem gescheiterten Sinologiestudium sehr zufrieden mit seiner Arbeit als Erzieher. Seine Freundin Betty arbeitet in einer Steuerkanzlei und bereitet sich jetzt intensiv auf die Prüfung zur selbstständigen Beraterin vor. Fred hat zwar versprochen, sie zu unterstützen, aber es nervt ihn, dass Betty so wenig Zeit für gemeinsame Unternehmungen hat.

Lesen Sie hier alle bisherigen Ratschläge von unserem Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer

Betty bemerkt das und fragt, was er hat. "Wann kannst du endlich wieder was mit mir machen?" – "Mal sehen", sagt Betty und zückt ihr Smartphone. "Ich könnte den ganzen Samstag eintragen!" – "Du und dein Equipment!", sagt Fred zornig. "Ich existiere nur noch in deinem Organizer! Was bedeute ich dir eigentlich? Ein Termin unter vielen? Ich würde nie ein Treffen vergessen, das wir vereinbart haben!"

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Fred steht am Anfang eines gefährlichen Weges. Er rühmt sich als Gefühlsvertreter und entwertet Bettys unschuldige Freude an genauer Organisation als Kälte und Gleichgültigkeit. Ich vermute, dass ihm die ganze Richtung nicht passt, die Betty mit ihrer Weiterbildung eingeschlagen hat. Fred hat seinen Ehrgeiz begraben, mit diesem aber auch viel von seinem Verständnis für die Wünsche anderer, sich in ihrem Beruf zu entwickeln.

Seine Polemik gegen den Organizer beweist keine kernige Gefühlsnatur, eher Trotz gegen Bettys Pläne. Fred scheint Planung und Organisation als Übermacht zu erleben, die Emotionen unterdrückt und ihm Betty wegnehmen kann. Betty aber wird mehr Zeit mit ihm verbringen, wenn er ihren Organizer nicht als Feind, sondern als Freund erlebt.


Kommentare

3 Kommentare Kommentieren

Machtspielchen

Schnee schippen find ich gut. Macht Laune, durchblutet die Muskeln und befreit die Gedanken.... und danach dann bitte wieder ohne Terminplan... richtig gut und lauschig f..

Die ganze Story hat mir etwas Aufgesetztes. Das soll wohl Lifestyle sein und ist doch nichts weiter als der Anstoß zu dekadenten Machtspielchen.

Arme Frauen, die das nötig haben. Arme Männer, die sich darüber echauffieren müssen.