Liebeskolumne: Ist er nur noch ein Termin von vielen?
- Datum: 07.01.2013 - 13:14 Uhr
Die Frage: Fred ist nach einem gescheiterten Sinologiestudium sehr zufrieden mit seiner Arbeit als Erzieher. Seine Freundin Betty arbeitet in einer Steuerkanzlei und bereitet sich jetzt intensiv auf die Prüfung zur selbstständigen Beraterin vor. Fred hat zwar versprochen, sie zu unterstützen, aber es nervt ihn, dass Betty so wenig Zeit für gemeinsame Unternehmungen hat.
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Betty bemerkt das und fragt, was er hat. »Wann kannst du endlich wieder was mit mir machen?« – »Mal sehen«, sagt Betty und zückt ihr Smartphone. »Ich könnte den ganzen Samstag eintragen!« – »Du und dein Equipment!«, sagt Fred zornig. »Ich existiere nur noch in deinem Organizer! Was bedeute ich dir eigentlich? Ein Termin unter vielen? Ich würde nie ein Treffen vergessen, das wir vereinbart haben!«
Wolfgang Schmidbauer antwortet: Fred steht am Anfang eines gefährlichen Weges. Er rühmt sich als Gefühlsvertreter und entwertet Bettys unschuldige Freude an genauer Organisation als Kälte und Gleichgültigkeit. Ich vermute, dass ihm die ganze Richtung nicht passt, die Betty mit ihrer Weiterbildung eingeschlagen hat. Fred hat seinen Ehrgeiz begraben, mit diesem aber auch viel von seinem Verständnis für die Wünsche anderer, sich in ihrem Beruf zu entwickeln.
Seine Polemik gegen den Organizer beweist keine kernige Gefühlsnatur, eher Trotz gegen Bettys Pläne. Fred scheint Planung und Organisation als Übermacht zu erleben, die Emotionen unterdrückt und ihm Betty wegnehmen kann. Betty aber wird mehr Zeit mit ihm verbringen, wenn er ihren Organizer nicht als Feind, sondern als Freund erlebt.
- Die Liebeskolumne
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Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE. Sein aktuelles Buch Partnerschaft und Babykrise ist im Gütersloher Verlag erschienen.
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Betty steht am Anfang eines gefährlichen Weges. Sie rühmt sich als rationale Macherin und entwertet Freds unschuldige Freude an gefühlvoller Beziehungsarbeit als hitzig und zu großer Anhänglichkeit. Ich vermute, dass ihr die ganze Richtung nicht passt, die Fred mit seinem neuen Rollenverständnis eingeschlagen hat. Betty hat ihren übertriebenen Ehrgeiz entdeckt, mit diesem aber auch viel von ihrem Verständnis für die Wünsche anderer, sich in Gefühlsdingen zu entwickeln.
Ihre kühle Reaktion gegen die Vorschläge für gemeinsame Unternehmungen beweisen keine kernige Berufsqualitäten, eher Trotz gegen Freds Pläne. Betty scheint gemeinsame Unternehmungen als Übermacht zu erleben, welche Emotionen freisetzt und ihm Fred zu nahe bringt. Fred wird aber seine Wünsche auf gemeinsame Unternehmungen stärker zurücknehmen, wenn sie seinen Wunsche auf gemeinsame Unternehmungen nicht als Feind, sondern als Freund erlebt.
GENIAL!
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Nun macht "Mann" das Richtige und von "Frau" Geforderte und fühlt sich sogar wohl: er übernimmt soziale Funktionen. Und Frau übernimmt unreflektiert die bei Männern zu Recht kritisierte Rolle des coolen Karrieristen. Nun fordert er Freiheit, Spontanität im emotionalen Bereich der Partnerschaft. Ach ja, auch schon wieder verkehrt gemacht. Das Recht, das zu fordern, haben nur Frauen. Ist ja auch ihre typische Stärke!? Herr Schmidbauer hat mal wieder Rechts und Links vertauscht in seiner Argumentation. Mit dieser Einschätzung wird das nun leider nichts mit der freien Wahl von Mann und Frau für die Teilrollen einer Partnerschaft. Jungs, geht lieber Schnee schippen. Und aktiviert beim Sex den Timer auf dem Smartphone. Eine starke Frau wie Betty findet das sicher richtig.
Schnee schippen find ich gut. Macht Laune, durchblutet die Muskeln und befreit die Gedanken.... und danach dann bitte wieder ohne Terminplan... richtig gut und lauschig f..
Die ganze Story hat mir etwas Aufgesetztes. Das soll wohl Lifestyle sein und ist doch nichts weiter als der Anstoß zu dekadenten Machtspielchen.
Arme Frauen, die das nötig haben. Arme Männer, die sich darüber echauffieren müssen.
Geht es hier um Organizer und technisches Equipment? Wohl eher nicht, und Fred hat im Kern sehr genau gesagt, was er sich wünscht: "Wann kannst du endlich wieder was mit mir machen", verbunden mit der Frage "Was bedeute ich dir eigentlich?"
Ihm ist nicht klar, wie Betty zu ihm steht, ob ihre Beziehung zueinander etwas besonderes ist oder nur "ein Termin unter vielen". Betty geht darauf nicht ein, ihre Antwort ist sehr indirekt "Ich könnte den ganzen Samstag eintragen!" und Fred würde gut daran tun, weiter nachzufragen und umgekehrt klarzumachen, welche Beziehung und Beziehungsintensität er sich wünscht. Bettys Organizer spielt dabei eine untergeordnete Rolle.
Jede Beziehung brauch Zeitinvestitionen. Wenn jemand sich diese Zeit regelmäßig nicht nimmt und kaum das aktive Interesse an dem Partner zeigt (ob Mann oder Frau) , ist nicht wirklich an der anderen Partei interessiert...
(Es gibt übrigens Beziehungen, die für jemanden einfach "bequem" erscheinen (eine günstige Gelegenheit, warum denn nicht?). Solche "Verbindungen" sind aber nicht wirklich wert, weil oberflächlich).
Wenn ein Partner sich weigert, mit dem anderen Zeit zu verbringen und nicht da ist, wann er emotional gebraucht wird, soll man sich vielleicht nach einem anderem Partner umschauen (der im Bezug auf emotionale Bedürfnisse mehr Sensibilität und Entgegenkommen zeigt).
Zielstrebig und ambitiös zu sein ist gut, aber bei gewissen Übertreibungen kann man irgendwann Anschluss an den anderen Mensch komplett verpassen.. Wenn jemand dazu emotional nur geschlossen und deswegen innerlich als unerreichbar reagiert (und nur höflich-distanziert antwortet) - ist mit großer Wahrscheinlichkeit zu tieferen Gefühlen nicht fähig... Bevor man sich enttäuschen lässt und in einer solchen Verbindung „vereist/erfriert“, soll man lieber gleich gehen!
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