Mobile PaymentHandy statt Münzen

Mit dem Smartphone im Supermarkt bezahlen könnte einer der großen Trends des Jahres 2013 werden. von 

Manche prophezeien, dass der Alltag bald viel einfacher wird: kein Warten mehr in Supermarktschlangen, weil die Einkaufenden im Portemonnaie nach Münzen kramen. In Zukunft wird es genügen, der Kassiererin das Handy hinzuhalten. Das Bezahlen funktioniert dann kontaktlos; Funkgeräte an Kassen senden Signale an Chips in den Handys, nach einem Bestätigungsklick werden die fälligen Beträge abgebucht.

Technisch ist all das schon möglich. Händler, Supermärkte und Gastronomieketten experimentieren längst mit dem Bezahlen im Vorbeigehen. Es spart Zeit – und Zeit ist Geld: Wenn Supermärkte schneller Kunden abkassieren, ist das gut für ihren Umsatz. Gäste, die in Schnellrestaurants nur noch drei statt fünf Minuten in der Schlange stehen, sind zufriedener und kommen eher wieder. Und wenn Kunden nicht jede Münze in die Hand nehmen müssen, die sie ausgeben, kaufen sie am Kiosk vielleicht etwas mehr ein, als sie geplant hatten. Geräteanbieter und Händler wittern daher im mobilen Bezahlen ein Riesengeschäft.

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Zwar ist vom Durchbruch der mobilen Bezahlverfahren in der Technologiebranche schon länger die Rede. »Seitdem ist es so etwas wie ein Dauerwitz geworden, dass Experten jedes Jahr ankündigen: Jetzt kommt der Durchbruch wirklich«, sagt Achim Himmelreich, Partner des Beratungsunternehmens Mücke & Sturm. Aber selbst Skeptiker wie er sind der Meinung: 2013 wird das Thema tatsächlich Fahrt aufnehmen.

Denn erstens ist die Technik erst seit Kurzem so ausgereift, dass sich die Kontaktlos-Funkchips mühelos in die SIM-Karte jedes Smartphones einbauen lassen, 2011 ging das noch nicht. Nokia, HTC und Samsung rüsten ihre Handys bereits auf, Apple kündigten es für die nächste Smartphone-Generation an. Halten sie alle Wort, könnte mit einem Großteil der deutschen Handys kontaktlos bezahlt werden. Zweitens versuchen immer mehr Unternehmen, der Technik zum Durchbruch zu verhelfen – in den vielfältigsten Kooperationen. Schließlich müssen nicht nur Gerätehersteller und Einzelhändler mitmachen, sondern auch Mobilfunkbetreiber bei der Datenübertragung und Banken bei der Abwicklung. Die deutsche Telekom etwa kündigte für 2013 eine NFC-fähige SIM-Karte an, mit der kontaktloses Bezahlen möglich ist.

NFC

Mehr als vier Zentimeter dürfen es nicht sein, nur innerhalb dieses kurzen Abstandes funktioniert die Nahbereichskommunikation, englisch: Near Field Communication (NFC). Sie ist ein internationaler Standard für den kontaktlosen Datenaustausch und wird auch zum mobilen Bezahlen eingesetzt. Sie gilt als aussichtsreichste Technologie in diesem Bereich.

Manchen Akteuren dauert das Herumexperimentieren mit funkenden Handys zu lange. Sie haben Behelfslösungen entwickelt: Auch mit Bankkarten kann man kontaktlos bezahlen, wenn man dort Funkchips einbaut. Das lässt sich viel schneller realisieren, als auf die Handyhersteller zu warten. Sparkassen und Volksbanken wollen bis 2015 die 45 Millionen im Umlauf befindlichen EC-Karten gegen Karten mit Chips austauschen. Bei der Parfümeriekette Douglas und Aral-Tankstellen läuft ein Feldversuch, bei dem man an der Kasse bloß die EC-Karte vor ein Lesegerät hält. Zudem sollen 2013 in einem Großtest alle Berliner mit Funkchips in Bankkarten bestückt werden.

Die Starbucks-Cafés oder die Restaurantkette Vapiano würden es zwar lieber sehen, dass ihre Kunden per Handy zahlten, aber weil die Funkchips noch nicht weit genug verbreitet sind, haben sie erst einmal Apps programmiert. Nun scannen die Käufer mit dem Smartphone an der Kasse einen Code ein, der die App aktiviert, der Betrag wird von einem Extra-Guthabenkonto abgebucht. Dazu kommt eine weitere Techniklösung, die einige Start-up-Firmen entwickelt haben: Sie verkaufen kleine Plastikaufsätze, die an Handys gestöpselt werden und durch die man den Magnetstreifen von Bankkarten zieht. Damit können Taxifahrer oder Handwerker nun Kartenzahlungen abrechnen, ohne dafür teure Terminals kaufen zu müssen oder langfristige Mietverträge mit Abrechnungsfirmen einzugehen. In Amerika sind solche Geräte schon weit verbreitet, und auch hierzulande sollen Zehntausende im Umlauf sein.

Leserkommentare
  1. Wieso soll ich mein Bezahlsystem an einen sowieso überbelasteten Smartphoneakku abschieben? Sicherheitsaspekte mal außen vor gelassen: Es ist auch einfach nur unpraktisch gegenüber Kreditkarten, EC-Karten und ähnlichen.

    Auch dieser Smartphone-Hype wird wieder abflauen.

    8 Leserempfehlungen
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    Oder besser noch: "640 kB sollten eigentlich genug für jeden sein." - Bill Gates

    Ich weiß nicht, was Sie für ein Billig-Handy haben, aber der durchschnittliche Handy-Akku wird dadurch mit Sicherheit nicht überfordert.

    Alles, was das Bezahlen an der Kasse erleichtert und verkürzt, ist begrüßenswert. Wer gegen Fortschritt ist, dem bleibt es überlassen, weiterhin mit dem Stinke-Bargeld zu bezahlen und sich im Holzhaus mit Alufolien-Hut vor den Kamin zu setzen.

  2. Ich habe den Mail-Account auf meinem Smartphone deaktiviert.
    Ich muss und möchte dort keine Mails empfangen, ich möchte nur telefonieren. Ich muss nicht jeden Schnickschnack haben.

    6 Leserempfehlungen
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    "Ich habe den Mail-Account auf meinem Smartphone deaktiviert.
    Ich muss und möchte dort keine Mails empfangen, ich möchte nur telefonieren."

    Sie wollen mit einem Smartphone wirklich nur telefonieren?
    Das kann doch jedes Handy für achtzehnfuffzich.
    Sie fahren wohl auch mit dem Ferrari nur um die Ecke zum Brötchen holen?

  3. wird aber leider erst mit einem großen zeitverzug wirken.

    denn, die die an den kassen der supermärkte so unendlich langsam und umständlich ihre 7,87 € zusammensuchen

    => die haben garkein smartphone

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    Und diese sind immer noch schneller als die, die während des Bezahlens auf ihrem SmartPhone WhatsApp-Nachrichten beantworten.

    • reineke
    • 18. Januar 2013 19:36 Uhr

    die Wartezeit bis jemand mittels Kreditkarte,wenn man den die richtige gefunden hat, seinen PIN eingibt,sagenhaft auch die darauffolgende Wartezeit bis die Kasse dies registriert
    dauert mit dem Phone dann wahrscheinlich nochmal so lang,
    in dieser Zeit hab ich die 7,87 Euro in bar dreimal bezahlt

    • Untoter
    • 18. Januar 2013 19:36 Uhr

    Was soll der Nonsens, eine Geldkarte an der Supermarktkasse zu zücken? Da kann der Supermarkt sehr gut die Einkaufsgewohnheiten auskundschaften und personalisierte Werbung nach Hause schicken. Oder die Hersteller der Lieblingsmargerine bekommt einen Tipp, das sie ein guter Kunde der Margerine ist.
    Dazu kommt, das Menschen, die nur mit Karte bezahlen mehr ausgeben, als dass sie sich das leisten können.

    Nur bares ist wares!

    8 Leserempfehlungen
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    Du liebe Zeit, wo leben sie denn - und wieviele Jahrzehnte ist man da hinter dem Rest der Republik hinterher? Da muss ich mal im Urlaub hinfahren, da mag ich es nämlich geruhsam :-)

    Da wo ich lebe (Wiesbaden, 2013) sind die Leute die an der Kasse mit Karte zahlen nicht langsamer oder schneller als die Barzahler.

    Und dass die sich das Alle gar nicht leisten können, wage ich doch arg zu bezeifeln, sonst würde die Karte nämlich nicht funktionieren. Die Barzahler holen mit GENAU DERSELBEN Karte nämlich ihre Kohle vorher am Geldautomaten oder am Schalter - und da gelten die selben Bonitätskriterien wie an der Supermarktkasse.

    Ob man im Dispo ist oder nicht, macht also bei Bar oder Kartenzahlung genau KEINEN Unterschied.

  4. Und diese sind immer noch schneller als die, die während des Bezahlens auf ihrem SmartPhone WhatsApp-Nachrichten beantworten.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "klingt wunderbar"
    • reineke
    • 18. Januar 2013 19:36 Uhr

    die Wartezeit bis jemand mittels Kreditkarte,wenn man den die richtige gefunden hat, seinen PIN eingibt,sagenhaft auch die darauffolgende Wartezeit bis die Kasse dies registriert
    dauert mit dem Phone dann wahrscheinlich nochmal so lang,
    in dieser Zeit hab ich die 7,87 Euro in bar dreimal bezahlt

    10 Leserempfehlungen
    Antwort auf "klingt wunderbar"
    • hh59
    • 18. Januar 2013 20:13 Uhr

    In England gibts NFC schon lange (mehr als zwei Jahre) in normalen debit cards ("EC-Karten"). Ist sehr praktisch, schnell und unkompliziert. Ich sehe keinen Grund, warum man sowas einfaches mit einer smartphone app machen sollte, zumal ja nun wirklich nicht jeder ein smart hat/will.

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  5. Ich bin für das Abschaffen des Bargelds. Der Transport der Kassen und Bargelds kostet ebenfalls Geld, so dass durch den Wegfall Produktpreise sinken können. Ich bin für ausschliessliche Kartenzahlung, vorrangig mit der neuen kontaktlosen Geldkarte.
    Aber ich bin gegen das Bezahlen mit Smartphones aus folgenden Gründen:

    1) Es wird momentan die kontaktlose Geldkarte eingeführt (integriert auf den neuen Girokarten). Das reduziert die Warteschlangen in den Supermärkten enorm, da keine PIN-Eingabe erforderlich. Man hält die Karte nur kurz hin.

    2) Wer wird beim Zahlen, wo man sowieso immer eine Hand zuwenig hat, zusätzlich noch eine Hand mit seinem Smartphone belasten?

    FAZIT:
    Ich halte dieses Szenario für unrealistisch.
    Eine kontaktlose Geldkarte ist leicht und schnell herausgeholt und wieder eingesteckt, mit einem Smartphone geht das meist nicht so schnell: Man muss ja schliesslich erstmal entriegeln usw., und die meisten benötigen fürs Bedienen zwei Hände. Das kostet wieder Zeit!

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    die nicht kreditwürdig sind und keine ec-Karte besitzen?

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