Dass zurzeit allerorts an technischen Lösungen gefeilt wird, bestärkt Experten in ihrer These, dass der Durchbruch nahe ist: In Studien von Technologiekennern heißt es, mobiles Bezahlen sei der zentrale Trend im Zahlungsverkehr. Bis 2020 soll fast jeder zweite Kaufvorgang im deutschen Handel kontaktlos über Funkchips laufen, prognostiziert eine Studie des Center for Payment Studies der Steinbeis Hochschule Berlin.

Selbst die Behelfslösungen sind recht erfolgreich: Weltweit beziffert die Marktforschungsgruppe Gartner den mithilfe solcher Verfahren erzielten Umsatz bereits auf 171 Milliarden Dollar. Allein bei Starbucks haben die Kunden laut Firmenangaben schon 45 Millionen Tassen Kaffee mit der Handy-Scanner-App gekauft. Spätestens von 2015 an könnte das mobile Bezahlen für uns alle ganz normal geworden sein. Wenn zwei Voraussetzungen erfüllt sind: Zuerst müssten sich die vielen Akteure, die mitmischen, einigen. Händler, Gerätehersteller, Mobilfunkfirmen und Banken. »Die vielen Parteien machen die Sache nicht gerade einfacher. Es war schon im bisherigen Modell, das nur aus Kunde, Handel und Bank bestand, nicht ganz leicht, einen Konsens zu finden«, sagt Horst Rüter, Leiter des Forschungsbereichs Zahlungssysteme beim EHI Retail Institute. Es geht darum, wer welche Daten übermittelt, wo abgerechnet wird – und vor allem: wer den Mehraufwand bezahlt. Die Banken als Abwickler werden bei den Handyzahlungen wohl kaum etwas verdienen. »Wir haben daher die Befürchtungen, dass die Parteien keinen Konsens finden und mobile Zahlungen mit erheblichen Mehrkosten verbunden sein werden«, warnt Rüter – entweder für die Händler oder für die Kunden. Das wiederum könnte den Durchbruch der neuen Technologie gefährden.

Zwar würden, laut Umfrage, zwei von drei Deutschen kontaktlose Bezahlmöglichkeiten nutzen. Aber nur, wenn sie das nichts extra kostet. Dabei ist es ohnehin nicht ganz einfach, die Bürger hierzulande vom Bargeld wegzubringen: Damit zahlen sie immer noch am liebsten. Schon die Zahlung mit Bank- oder Kreditkarte an der Kasse widerstrebt vielen. Und bei Handyzahlungen treibt die Kunden vor allem die Sicherheitsfrage um. »Es besteht eine natürliche Skepsis«, sagt Linda Winker von der Dresdner Stadtteilinitiative Viertel-Dollar, die das Handyzahlen in verschiedenen Läden erprobt.

Die Kunden treiben viele Sorgen um: Wenn das Handy eine Verbindung zum Konto aufbaut, kann sich dann jemand in die Verbindung einklinken? Wie kann man sicher sein, dass bei der Funkübertragung an der Kasse niemand Daten ausspäht? Vor allem die Aufsteckgeräte auf Handys sind vielen noch suspekt. Wenn jeder Taxifahrer oder Flohmarktverkäufer künftig Kartenzahlungen an seinem Handy abwickeln kann, wer garantiert, dass er die fremden Daten nicht missbraucht? Bisher lägen noch keine Daten zu Betrugsfällen vor, sagt Harald Schmidt, Geschäftsführer der Zentralen Geschäftsstelle der Polizeilichen Kriminalprävention. Aber das könne auch daran liegen, dass die Bezahlformen noch so selten seien, dass sich bisher kein Betrüger die Mühe gemacht habe, sie anzugreifen. Beruhigend ist diese Aussage nicht gerade.

Außerdem sind viele der Behelfslösungen nicht unbedingt schneller als das klassische Prozedere: Mit den Handyaufsätzen dauert das Bezahlen rund 25 Sekunden, weil immer noch Beträge, Geheimnummer und Bestätigungsklicks eingetippt werden müssen. Mancher eilige Taxigast könnte da nervös werden, und an der Supermarktkasse, sagt Handelsexperte Rüter, »sind 16 bis 18 Sekunden die Referenzzeit. Alles darüber hinaus ist ein K.-o.-Kriterium.«

Der große Durchbruch kommt also wohl doch erst mit den neuen Funkhandys. Dann klärt sich auch die letzte Frage: Wird der Kunde dauerhaft mit Handy zahlen, wenn er weiß, dass er bei jedem Brötchenkauf eine breite Datenspur vom Bäcker bis zur Bank hinterlässt?