ÜberschwemmungenDie Sintflut kann kommen

In den überschwemmungsgeplagten Niederlanden schwimmt die erste Öko-Arche. Das Motto: Leben mit dem Wasser. von 

Nachts um drei wache ich auf und freue mich. Mein Bett schaukelt! Wie eine Hängematte in einer sanften Brise. Oder wie es vermutlich vor sehr langer Zeit der mütterliche Uterus tat. Ich schlafe gleich wieder ein. Morgens kitzeln mich Sonnenstrahlen wach.

Für das, worin ich so glücklich übernachtet habe, gibt es in unserer Sprache kein Wort. Es ist ein Schiff, weil es auf dem Wasser schwimmt und bei Wind und Seegang schaukelt. Es ist kein Schiff, weil es keine Maschine hat, kein Ruder, keinen Anker, weder Back- noch Steuerbord, noch nicht mal einen Namen. Es hat aber auch keine Hausnummer, selbst wenn es wie ein modernes zweigeschossiges Einfamilienhaus aussieht. Ein Haus bewegt sich zudem gemeinhin nicht je nach Wasserstand horizontal um mehrere Meter.

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Ein Hausboot ist das Ding aber auch nicht, obwohl es in Maastricht am Ufer eines Seitenarms der Maas am Steg liegt. Hausboote, wie man sie aus den Amsterdamer Grachten oder aus Kopenhagen kennt, sind ehemalige Schiffe und, weil sie unter den niedrigen Brücken durchpassen müssen, schon gar nicht mehrgeschossig – man stößt sich beim Betreten den Kopf und schläft unterhalb des Wasserspiegels. Hier dagegen tritt man durch eine große Haustür ein. Und die Raumhöhe beträgt gemäß dem niederländischen Baurecht 2,60 Meter.

Aut-Ark nennt der niederländische Architekt Pieter Kromwijk sein schwimmendes zweigeschossiges Wohnhaus, autonome Arche. Das Wort »Arche« löst beim Niederländer tiefere Gefühle aus. Sein Land liegt schließlich seit dem Mittelalter teilweise unter dem Meeresspiegel, heute zu fast einem Viertel. Es wurde dem Meer abgerungen – und ist stets in Gefahr. Es drohen heftiger Regen im Hinterland und Überflutungen, Deichbrüche an der Küste oder der Ausfall der Pumpen, die immerfort Wasser aus dem niederen Land über die Deiche schaffen.

Verschärft wird die Sorge neuerdings durch die Klimaerwärmung und den steigenden Meeresspiegel. Mit 65 bis 130 Zentimeter Anstieg rechnen die niederländischen Behörden bis 2100. Dabei ist das Verhältnis des Niederländers zum Wasser durchaus paradox: Er spürt die latente Bedrohung. Und ist seinen Flüssen, Seen und Kanälen doch hoffnungslos verfallen, ob beim Wohnen oder in der Freizeit. Und deshalb spricht eine Arche gleich zwei niederländische Hauptsehnsüchte an: Sie ermöglicht das Leben auf dem Wasser. Und trotzt zugleich der Sintflut.

Die Wohnküche ist riesig. Drei Schlafzimmer liegen im Obergeschoss. Auf jeder Ebene kann man auf eine Terrasse hinaustreten. Nordisch-kühl ist die Inneneinrichtung. Riesenfenster öffnen den Blick auf viel Himmel, viel Wasser, Enten und Haubentaucher. Vis-à-vis liegen ein paar klassische Hausboote, die Drogenbaronen gehören. Das vermutet jedenfalls Pieter Kromwijk, der mit mir am Frühstückstisch sitzt.

Kromwijk ist gelernter Landschaftsarchitekt, er verantwortet zum Beispiel eine große Parkanlage in Antwerpen, arbeitet aber seit Jahren mit einem Architekturbüro zusammen. Nun sind die Zeiten für die Bauwirtschaft schlecht. Viele Architekten haben keine Arbeit mehr. Da entdeckte er ein neues Betätigungsfeld. International etabliert sich gerade eine Architekturrichtung, die sich gelegentlich Noah’s Architecture nennt. Architekten fragen sich, welche Architektur der Mensch braucht, um die Folgen der globalen Erwärmung zu überleben.

Ein Beispiel wäre eine zeitgemäße, also halbwegs luxuriöse und zugleich nachhaltige Arche Noah. Kromwijk entwickelte zusammen mit einem vermögenden Freund für fast eine halbe Million Euro den Prototypen des schwimmenden Ökohauses. Denn erstens, sagte er sich, wachse das Interesse an Nachhaltigkeit. Zudem spare auch der Niederländer bei der Freizeit zuletzt. Darüber hinaus mache die globale Erwärmung Schwimmhäuser womöglich weltweit interessant.

Leserkommentare
  1. ... doch darf ich pedantisch darauf hinweisen, dass die die Vorbilder bauenden Tierchen "Blässhuhn" (nicht Blesshuhn) heißen.

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    • Sikasuu
    • 19. Januar 2013 17:05 Uhr

    Darf ich auch darauf hinweisen, das in den Niederlanden schon zig Häuser, sogar im größeren Mengen, auf Pontons mit Dalben am Ufer gebaut wurden!Die mit dem Wasserstand steigen und fallen. keinen Motor haben und sich zum ganzjährigen wohnen eignen.
    .
    Was ist also NEU! Außer, dass es der Ator erst vor kurzem erfahren hat?
    .
    Sikasuu

    allerdings ist das bless auf die blesse des huhns, nicht auf die blässe des huhns zurückzuführen.

    ;-)

    • Sikasuu
    • 19. Januar 2013 17:05 Uhr

    Darf ich auch darauf hinweisen, das in den Niederlanden schon zig Häuser, sogar im größeren Mengen, auf Pontons mit Dalben am Ufer gebaut wurden!Die mit dem Wasserstand steigen und fallen. keinen Motor haben und sich zum ganzjährigen wohnen eignen.
    .
    Was ist also NEU! Außer, dass es der Ator erst vor kurzem erfahren hat?
    .
    Sikasuu

    3 Leserempfehlungen
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    • FloH48
    • 19. Januar 2013 17:49 Uhr

    die Autarkie und damit verbunden die bedingunslose Mobilität. Pontonhäuser sind zwar schön und gut, müssen aber trotzdem noch an Versorgungsleitungen angeschlossen werden und sind meiner Ansicht nach fest verankert.

    Darf ich auch darauf hinweisen dass ich schon vor circa zehn Jahren, in Berlin-Tegel, wo der Tegeler Fließ in die Havel mündet, hinter der Humboldt-Bibliothek, auch so ein Haus schwimmen sehen habe!

    • FloH48
    • 19. Januar 2013 17:49 Uhr

    die Autarkie und damit verbunden die bedingunslose Mobilität. Pontonhäuser sind zwar schön und gut, müssen aber trotzdem noch an Versorgungsleitungen angeschlossen werden und sind meiner Ansicht nach fest verankert.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Noch nen Pedant:-)"
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    • Sikasuu
    • 19. Januar 2013 20:17 Uhr

    Ganzjährig, Sicher.......
    .
    Was kostet das denn. Das so etwas geht, hier in unseren Breiten stelle ich nicht in frage, ob sich das rechnet wohl!
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    Ob die Energie und Ressourcenbilanz über den ganzen Zyklus Bau/Nutzen/Abbau.... dann auch nachhaltig ist? Passivhaus heißt nicht anders als: Ich muss keine foss. Energie zu führen.

    .
    Zwischen den Wendekreisen wahrscheinlich auch bezahlbar, wenn nur die Wartung der aufwendigen Technik nicht wäre:-))
    .
    Hi-End für Entwicklungs/Schwellenländer na ja, ob das die richte Richtung ist?
    .
    Fragt sich
    Sikasuu
    .
    Ps. Die ISS ist auch machbar, aber erstrebenswert, stimmt Ertrag und Aufwand?:-))

  2. Neu ist so ein Haus auf dem Wasser keineswegs.
    Ein Mast zum Segel setzten fehlt noch an der Ökoarche.
    Da könnte man sogar eine Windmühle dran befestigen, wenn die Sonne weg ist.

    Hatte Noah damals nicht schon einen Mast mit aufgebaut?
    Strom allerdings brauchte der überhaupt nicht, was seine Arche im Nachhinein noch ökologischer erscheinen läßt,
    als die des Landschaftsarchitekten.

    gms

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  3. Darf ich auch darauf hinweisen dass ich schon vor circa zehn Jahren, in Berlin-Tegel, wo der Tegeler Fließ in die Havel mündet, hinter der Humboldt-Bibliothek, auch so ein Haus schwimmen sehen habe!

    Antwort auf "Noch nen Pedant:-)"
    • Grotter
    • 19. Januar 2013 18:47 Uhr

    "pimp my Pontonhaus" damit es verbal zur Klimakatastrophe passt und man einen Extraprofit ziehen kann.
    Autarke Arche? Im Leben nicht.

    2 Leserempfehlungen
  4. rund um die sogenannte Klimakatastrophe. Einen gewissen Charme hat so ein Haus ja durchaus (mit Außenbordmotor wäre es aber geiler!).

    Daß man damit einem mutmaßlich steigenden Meeresspiegel ein Schnäppchen schlägt, ist allerdings Illusion.
    Denn was bringt das trockene Zuhause, wenn die komplette Infrastruktur rundherum abgesoffen ist?

    2 Leserempfehlungen
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    Vielleicht , dass du und deine Familie noch überlebst?

    • Sikasuu
    • 19. Januar 2013 20:17 Uhr

    Ganzjährig, Sicher.......
    .
    Was kostet das denn. Das so etwas geht, hier in unseren Breiten stelle ich nicht in frage, ob sich das rechnet wohl!
    .
    Ob die Energie und Ressourcenbilanz über den ganzen Zyklus Bau/Nutzen/Abbau.... dann auch nachhaltig ist? Passivhaus heißt nicht anders als: Ich muss keine foss. Energie zu führen.

    .
    Zwischen den Wendekreisen wahrscheinlich auch bezahlbar, wenn nur die Wartung der aufwendigen Technik nicht wäre:-))
    .
    Hi-End für Entwicklungs/Schwellenländer na ja, ob das die richte Richtung ist?
    .
    Fragt sich
    Sikasuu
    .
    Ps. Die ISS ist auch machbar, aber erstrebenswert, stimmt Ertrag und Aufwand?:-))

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    Antwort auf "Der Clou ist wohl,"
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    ... Bangladesh die Hütten auf Pontons zu setzen. Wenn dann die alljährlichen Überschwemmungen kommen, können die Bewohner im Trockenen sitzen( Dach von oben und Ponton von unten ), haben trockene Kleidung und die Gelegenheit, sich Wasser abkochen, sich Essen zubereiten und sich auch mal schlafen legen zu können, anstatt bis zum Bauch oder bis zum Hals im Wasser stehen zu müssen. Da braucht man keine weitere Anschlüsse ( haben die auch heute so nicht ), sondern nur eine Ankerkette.

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