Es ist ein Machtkampf, der Schriftsteller und Wissenschaftler umtreibt. Im Zentrum steht der Suhrkamp Verlag. Auf der einen Seite: die Verlegerwitwe Ulla Unseld-Berkéwicz. Auf der anderen Seite: der Unternehmer Hans Barlach, der ihre Ablösung will. Kaum war die Nachricht von dem Gerichtsbeschluss zugunsten von Hans Barlach in der Welt, meldeten sich die Autoren zu Wort. Hans Magnus Enzensberger drohte mit seinem Weggang, sollte der Mann zum Geschäftsführer werden. Alexander Kluge und viele andere ergriffen Partei für Unseld-Berkéwicz. Peter Handke bot 100.000 Euro an und appellierte an die Solidarität der Leser, auch Geld zu geben, damit der »böse Mann« wieder verschwinde.

Hier hat die Ad-hoc-Mobilisierung der Intellektuellen zum Schutz des kulturellen Kapitals funktioniert. Es wird debattiert, gestritten, um Lösungen gerungen. Das ist die zentrale Botschaft der Suhrkamp-Soap: Irgendwo da draußen im intellektuellen Universum gibt es eine publizistische Plattform, ein auratisches Zentrum des Denkens und Schreibens, für dessen Erhalt es sich zu kämpfen lohnt.

Wie anders ist hingegen die Situation, wenn man sich die Wortmeldungen zur gegenwärtigen Krise der Qualitätszeitungen vor Augen führt. Hier schreiben und debattieren Journalisten im Wesentlichen über sich selbst, begleitet von den Hohn- und Spottgesängen einzelner Blogger und Social-Media-Berater, für die das Medium als ewig gestrig gilt. Hier stößt man auf einen modernisierungshungrigen Opportunismus, der das gesamte Gewerbe (»Print ist tot«) leichtfertig verloren gibt; hier entdeckt man Prognostiker und Propheten, die den exakten Todeszeitpunkt der Zeitung voraussagen.

Und es gibt eben gerade keine normative, groß angelegte, die Öffentlichkeit elektrisierende Debatte über das Wesen und den Wert des Gedruckten.

Die wenigen Einsprüche und Essays von Nichtjournalisten, die demokratie- und medientheoretisch argumentierenden Stellungnahmen von Eric Alterman (New Yorker) etwa, Miriam Meckel (FAZ) oder Jürgen Habermas (Süddeutsche Zeitung), liegen schon Jahre zurück. Man entdeckt momentan keine Solidaritätsadressen in Richtung der gebeutelten Zeitungen und der Feuilletons. Es fehlt die massive Intervention der Geistes- und Sozialwissenschaftler, die sich eigentlich schon aus reinem Eigeninteresse einmischen müssten, waren und sind es doch die großen Zeitungen, die ihre Arbeit kritisch begleitet, aber auch verteidigt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht haben.

Die schlichte Formel, auf die sich die aktuelle Situation bringen lässt: Vielen Qualitätsblättern des Landes geht es nicht gut. Und die akademische Intelligenz beobachtet – sieht man von einem Häuflein von Medienwissenschaftlern einmal ab – weitgehend gleichgültig ihr Ringen um Auflage, Erlöse und neue Geschäftsmodelle. Man reagiert auf die Krise des Printgewerbes mit Ignoranz.

Dabei ist die Lage tatsächlich ernst. Laut der Bundesagentur für Arbeit gab es im vergangenen Jahr die größte Entlassungswelle in der Presse seit Kriegsende. 2012 ist die Financial Times Deutschland vom Markt verschwunden, die Frankfurter Rundschau in die Insolvenz gerutscht. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat Millionenverluste gemacht, die Süddeutsche Zeitung faktisch einen Einstellungsstopp verhängt. Der Spiegel kündigt einen Sparkurs an. Und der Freitag plant, etliche Stellen zu streichen. Alle Qualitätsblätter, auch die ZEIT, haben Anzeigenkunden verloren und manche in den letzten Jahren auf diese Weise gar bis zu einem Drittel ihrer Erlöse eingebüßt.