KriegsführungWenn Roboter töten

Weltweit planen Militärs den Maschinenkrieg – das darf nicht sein. von 

Krieg ist eine schreckliche Angelegenheit. Die meisten Menschen wollen mit ihm nichts zu tun haben – ganz besonders die Deutschen. Doch gleichzeitig glaubt eine Mehrheit der Menschen, dass es Kriege immer geben wird, dass sie eine Art unausrottbare Plage sind, die jederzeit und überall ausbrechen kann. Wie aber kann man an etwas nicht teilnehmen, das es immer geben wird und das potenziell allgegenwärtig ist?

Darauf gibt es eine klassische Antwort: Wir lassen dieses grausame Geschäft verrichten. Andere kämpfen für unsere Interessen. Stellvertreterkrieg lautet der Begriff dafür. Ob in Afghanistan, im Irak, in Syrien oder Vietnam – die Geschichte hält zahllose Beispiele parat.

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Das Problem mit Stellvertretern ist, dass sie Menschen sind. Sie haben eigene Vorstellungen und Interessen. Der afghanische Präsident Hamid Karsai etwa ist von den USA in sein Amt befördert worden, als Bollwerk gegen die Taliban. Aber er hat Wünsche der amerikanischen Regierungen immer wieder ignoriert. Er spielt sein eigenes Spiel. Stellvertreter sind nun einmal unberechenbar.

Maschinen jedoch können wir steuern. Sie tun das, wozu sie programmiert werden. Einen eigenen Willen haben sie nicht. Was für eine beruhigende Vorstellung, wenn Roboter für uns in die Schlacht ziehen würden. Schon in weniger als zwei Jahrzehnten könnte es so weit sein. In einem Bericht des amerikanischen Verteidigungsministeriums mit dem sperrigen Titel Unmanned Systems Integrated Roadmap FY 2011–2036 wird die Entwicklung von Waffensystemen beschrieben, bei denen »das Maß der menschlichen Kontrolle« nach und nach abnehmen wird. Bereits um 2030 könnte es Waffen geben, die selbstständig darüber entscheiden, ob sie einen Menschen angreifen oder nicht.

Schon heute gibt der Einsatz von Drohnen einen Vorgeschmack auf den Roboterkrieg von morgen. Drohnen sind unbemannte, bewaffnete Flugzeuge, die aus Tausenden Kilometern Distanz gesteuert werden können. Amerikanische Kampfdrohnen sind seit einigen Jahren vor allem in Pakistan und Afghanistan im Einsatz. Noch bestimmen Menschen, wann eine Drohne ihre Raketen abfeuert. Doch im jüngsten Krieg zwischen der israelischen Armee und der palästinensischen Hamas im Gazastreifen tauchte ein sich selbst steuernder Panzerwagen auf, der auf Patrouille ging. Dieser Wagen namens Guardium kann bewaffnet werden und auch ohne das Kommando eines Menschen schießen: Guardium feuert, wenn ein Mensch mit gewissen Merkmalen vor seinem elektronischen Auge auftaucht.

Roboter unterminieren das, was man die Gesetze des Krieges nennt. Dazu gehört zum Beispiel, dass man seine Gegner unterscheiden kann. Wer ist ein feindlicher Kämpfer und wer nicht? Dafür reicht es nicht, dass der Kämpfer an einer bestimmten Uniform zu erkennen ist. Es zählt auch seine Absicht. Wie kann aber eine Maschine beurteilen, ob ein Mensch die Absicht hat anzugreifen oder nicht? Und weiter: Wenn eine Maschine beispielsweise unbeteiligte Zivilisten tötet, wer ist dann schuld? Derjenige, der den Roboter losgeschickt hat, oder derjenige, der die Software programmiert hat? Das sind grundlegende Fragen, auf die es keine klaren Antworten gibt.

Robotisierung senkt die Schwelle zum Krieg. Wer Maschinen für sich kämpfen lassen kann, der entscheidet sich schneller und leichter für einen Angriff. Es sterben keine eigenen Soldaten, die Kosten des Einsatzes halten sich in Grenzen. Der Preis ist also insgesamt gering.

Leserkommentare
  1. Ein Roboter, der selbst entscheidet, wen er tötet, ist Science Fiction. Wer die entsprechende Science Fiction gelesen hat, weiß, daß das unpraktisch und gefährlich ist. Davon unbedingt zu trennen ist der übliche pazifistische Aufschrei in Deutschland, wenn sich Waffentechnik ändert. Man kann nach Auschwitz immer noch Gedichte schreiben, aber nicht mehr Pazifist sein.

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