Die vom Gesetzgeber angebotene Steuerklassenkombination 3/5 soll den Eheleuten schon während des Arbeitsjahres zu einem höheren verfügbaren Einkommen verhelfen. Sieht man beide Partner zusammen, so zahlen sie bei dieser Kombination tatsächlich weniger Steuern, wie eine Beispielrechnung zeigt. Nur leider sind ausgerechnet bei dem weniger verdienenden Partner die Abzüge unverhältnismäßig hoch.

Es handelt sich im Kern um ein steuertechnisches Problem, das aber unerwünschte Auswirkungen auf anderen Feldern hat. Die hohen Abzüge in der Steuerklasse 5 sind wohl einer der Gründe dafür, warum sich viele Frauen für einen Minijob entscheiden. Bei solchen geringfügigen Beschäftigungen, die mit höchstens 450 Euro im Monat entlohnt werden, übernehmen die Arbeitgeber die Sozialversicherungsbeiträge und führen in der Regel eine Pauschalsteuer von zwei Prozent ab. Insgesamt sind die Abzüge moderat.

Vielen Frauen erscheinen solche Jobs daher attraktiv. Würden sie mehr Stunden oder sogar Vollzeit arbeiten, kämen sie unter Umständen auf niedrigere Netto-Stundenlöhne. Solange es die Möglichkeit des Minijobs gibt, wird sich daran wahrscheinlich nichts ändern. Es ist daher zweifelhaft, ob der FPD-Vorschlag etwas bringt und die Abschaffung der Steuerklasse 5 mehr Frauen dazu bewegt, Vollzeit zu arbeiten.

Schon heute haben Ehepaare die Möglichkeit, die Steuerlasten zwischen ihnen gleichmäßiger zu verteilen. Dafür hat in der Großen Koalition 2009 der damalige Finanzminister Peer Steinbrück gesorgt. Seit 2010 können Eheleute beim Finanzamt beantragen, nach dem sogenannten Faktorverfahren besteuert zu werden. Sie müssen dazu beide ihren voraussichtlichen Jahresbruttolohn nennen und Angaben über ihre Vorsorgeaufwendungen machen. Daraus errechnet das Finanzamt die voraussichtliche Höhe der gemeinsamen Einkommensteuer nach dem Splittingtarif und den fällig werdenden Steuerabzug in der Steuerklasse 4. Das Verhältnis der beiden Summen ergibt den Faktor, der dann auf den Lohnsteuerkarten eingetragen wird.

Kaum bekanntes Faktorverfahren

Die Methode führt dazu, dass die Vorteile aus dem Splitting schon beim monatlichen Abzug der Lohnsteuer bei beiden Partnern berücksichtigt werden und nicht nur beim besserverdienenden. Das Problem: Kaum ein Steuerzahler kennt diese Möglichkeit, und sie wird daher in der Praxis bisher so gut wie nie genutzt.

Würde die Steuerklassenkombi 3/5 tatsächlich abgeschafft, wie das die FDP vorschlägt, dann würden sich aber vermutlich mehr Ehepaare die Mühe machen, auf das Faktorverfahren umzusteigen. Auf die Finanzämter käme allerdings einiges an zusätzlicher Arbeit zu.

Dass Faktorverfahren führt dazu, dass das Nettogehalt des weniger verdienenden Ehepartners höher ausfällt. Die Summe des Lohnsteuerabzugs des Ehepaares entspricht der voraussichtlichen Jahressteuer im Splittingverfahren. Es werden daher selten Steuernachzahlungen fällig, anders als bei der Steuerklassenkombination 3/5.

Man sollte aber auch wissen, dass man durch die Wahl der Steuerklassen auf längere Sicht keine Steuern einsparen kann. Ob 3/5 oder 4/4, am Ende – nämlich nach der Einkommensteuerveranlagung – ist die Belastung immer gleich. Der Unterschied besteht nur darin, ob man im Jahr darauf Geld erstattet bekommt oder nachzahlen muss.

Als wäre die Sache nicht schon kompliziert genug, müssen die deutschen Steuerbürger aber noch etwas anderes im Blick haben. Denn je nachdem, in welche Lohnsteuerklasse sie eingestuft sind, bekommen sie mehr oder weniger Geld aus den sogenannten Lohnersatzleistungen.

Leistungen wie das Arbeitslosengeld, das Krankengeld, das Mutterschaftsgeld und das Elterngeld richten sich in ihrer Höhe danach, wie viel der Arbeitnehmer zuvor netto verdient hat. Das aber hängt auch von der Steuerklasse ab. Wie die Beispielrechnung der Grafik zeigt, kann eine Ehefrau, die 1.500 Euro brutto verdient und deren Mann 3.500 Euro nach Hause bringt, allein dadurch, dass sie die Steuerklasse wechselt, ihr monatliches Nettoeinkommen um 186 Euro steigern.

Manche machten es so. Und das Bundessozialgericht hat es in einem Urteil vom 25. Juni 2009 als »zulässige Gestaltungsmöglichkeit« bezeichnet, wenn sich Paare durch Steuerklassenwechsel ein höheres Elterngeld sichern. Seit Beginn dieses Jahres ist das aber schwieriger geworden. Für die Berechnung des Elterngeldes zählt neuerdings die Steuerklasse, in der sie in den vergangenen zwölf Monaten überwiegend eingeordnet waren. Der Wechsel bringt Paaren also nur noch dann etwas, wenn er mindestens sieben Monate vor der Geburt des Kindes passiert.

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