EhegattensplittingMehr für die Frauen

Die FDP will die Steuerklasse 5 streichen, um Ehefrauen zu Vollzeitarbeit zu motivieren. Brächte das etwas? von 

Als Gott das deutsche Steuerrecht schuf und dann sah, dass es ihm allzu simpel geraten war, erfand er noch schnell die Steuerklassen und ergänzte sie um besondere Kombinationsmöglichkeiten im Fall von Eheleuten. Um der ganzen Sache einen zusätzlichen Kniff zu verleihen, entschied er sich bei der Benennung für römische Ziffern. Und so stehen bis heute Paare in Deutschland, bei denen beide berufstätig sind, vor der geldbewegenden Frage: III/V oder IV/IV?

Dabei soll es aber nicht länger bleiben, jedenfalls wenn es nach Johannes Vogel geht, einem jungen Bundestagsabgeordneten der FDP. Der arbeitsmarktpolitische Sprecher seiner Fraktion hat einen Vorstoß unternommen. Er sähe es gerne, wenn mehr Frauen mehr arbeiten würden. Um das zu erreichen, will Vogel die Steuerklasse V abschaffen. Sie demotiviere verheiratete Frauen, die vor der Wahl stehen, ob sie arbeiten gehen oder nicht.

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Tatsächlich erfahren viele Frauen in der Steuerklasse 5 – wir wechseln der Verständlichkeit halben zu arabischen Zahlen – derzeit vergleichsweise hohe Abzüge von ihrem Lohn, sodass manche zu dem Schluss kommen, ihre Arbeit lohne sich kaum. Anders sieht es bei dem besserverdienenden Ehepartner aus, der regelmäßig in der Klasse 3 besteuert wird. Auf seinem Gehaltszettel und Konto schlagen sich steuerliche Vorteile nieder.

Ziemlich vertracktes System

Die Sache ist sicherlich ärgerlich. Es wird allerdings niemand in die Steuerklassenkombination 3/5 gezwungen, im Gegenteil: Man muss das beim Finanzamt erst beantragen. Die Kombi stellt nämlich eigentlich eine Vergünstigung für das Paar dar. Die Ganze ist ziemlich vertrackt.

Wenn sie nichts anderes beantragen, wird jeder der beiden Eheleute in der Steuerklasse 4 besteuert. Das bedeutet: Sie werden während des Jahres wie Ledige behandelt. Ihre Arbeitgeber ziehen ihnen genauso viel an Steuern vom Gehalt ab, als wenn sie nicht verheiratet wären. Der Vorteil aus dem Splittingverfahren fließt solchen Paaren erst zu, wenn sie im folgenden Jahr ihre Einkommensteuererklärung machen. Anschließend bekommen sie (meistens) Geld vom Finanzamt zurück.

Das Ehegattensplitting trägt diesen Namen, weil die Finanzämter dabei so vorgehen: Die Einkommen der beiden Eheleute werden zusammengezählt, dann durch zwei geteilt (»gesplittet«), und dann jeweils einzeln versteuert. Zum Schluss werden beide Steuerbeträge addiert.

Wenn die Ehepartner gleich viel verdienen, haben sie aus dieser Methode keinerlei Vorteil. Wenn sie aber unterschiedlich hohe Einkommen haben, führt das Verfahren dazu, dass sie weniger Steuern zahlen als ein unverheiratetes Paar. Der Vorteil kommt daher, dass der besserverdienende Partner einen niedrigeren Prozentsatz vom Einkommen als Steuer zahlt, als wenn er ein Single wäre. Am größten ist der Splittingvorteil, wenn ein Partner viel verdient und der andere gar nichts.

Kritiker sehen im Splitting eine ungerechtfertigte Subvention der Ehe. Tatsächlich ist es aber eine gute und vom Bundesverfassungsgericht bestätigte Methode, um Ehepaare zu besteuern, die ihr Leben von einem gemeinsam erwirtschafteten Familieneinkommen bestreiten. Hinter dem Splitting steht die Vorstellung, dass die Eheleute ihr Geld zusammenwerfen und gemeinsam konsumieren, was in den meisten Familien wohl auch heute tatsächlich noch so ist. In solchen Fällen wäre es aber nicht gerecht, wenn der Besserverdienende in einer Ehe genauso stark besteuert würde wie ein Alleinstehender, der sein ganzes Einkommen für sich allein verwenden kann.

Durch das Splittingverfahren ist auch sichergestellt, dass zwei Ehepaare mit gleich hohen Gesamteinkommen gleich besteuert werden. Ohne Splitting würde ein Paar, bei dem einer 20.000 Euro verdient und der andere 40.000 Euro, höhere Steuern zahlen als ein Paar, bei dem beide 30.000 Euro verdienen.

Leserkommentare
  1. wenn die Kommentare zu einem so zutreffenden und informativen Artikel so ausfallen, wie ganz überwiegend bisher, so ist das recht trostlos.

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  • Schlagworte Steuer | Steuerpolitik | Steuerreform | Ehegattensplitting
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