Damit das Thema »Geld und Leben« in dieser ersten Kolumne des neuen Jahres eine seriöse Einordnung erfährt, ist es notwendig, einige Worte darüber zu verlieren, was in Deutschland verdient wird und was das Leben kostet. Ausgangspunkt dafür ist ein Bericht aus dem alten Jahr, wonach viele Durchschnittsverdiener auf der Nordseeinsel Sylt nicht mehr leben können, weil ihr Geld nicht reicht, um die dort üblichen Mieten zu zahlen. Sylt war zwar schon immer ein Tummelplatz der Reichen. Nun allerdings scheint es, als blieben diese Reichen und Wohlhabenden zunehmend unter sich. Die anderen müssen aufs Festland ziehen.

Ergänzt wird dieser Bericht durch eine Studie der Bertelsmann-Stiftung, wonach sich die Segmentierung der Gesellschaft in oben, Mitte und unten zunehmend verfestigt. Die Mittelschicht sei geschrumpft, die Aufstiegsmöglichkeiten aus den unteren Schichten würden immer geringer, und zugleich wachse in der Mitte die Angst vor dem Absturz, schreibt die Stiftung. Kurzum: In Deutschland sind die Zeiten härter geworden, allerdings überwiegend für jene, die in der Gesellschaft in der Mitte oder unten stehen.

Warum darüber hier geschrieben wird? Unter anderem deshalb, weil sich diese Kolumne, in der es ja meist um die Frage geht, wie man mit seinem Geld sinnvoll sein Leben verbessert, nicht nur an jene wenden will, die ohnehin schon genug davon haben. Wie aber soll – nur als Beispiel – ein ausgebildeter Kellner für sein Alter vorsorgen, wenn er mit seinem Verdienst in Sylt nicht einmal eine einigermaßen vernünftige Wohnung bezahlen kann?

Das Wort Gerechtigkeit war in Deutschland lange Zeit ziemlich aus der Mode gekommen. Im heraufziehenden Wahlkampf des Jahres 2013 ist es von der ein oder anderen Partei nun wiederentdeckt worden. Gut so. Über Gerechtigkeit kann gar nicht genug diskutiert werden.