SyrienkriegIm Namen der Rebellen
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Der Richter besucht das alte Gericht – und wird von einem Angriff überrascht

Im Stau quält sich der Richter Mohammed Malik Dalati der Ruine des alten Gerichts entgegen. In dem Gebäude, in dem er früher als Anwalt mit Assads Richtern verhandelt hat, hat auch das Archiv des Zivilgerichts seine Räume. Die Akten sollen in Sicherheit gebracht werden, und der Richter will den Transport vorbereiten. Das Gebäude ist kurz nach der Eroberung durch die Rebellen von der Luftwaffe des Regimes bombardiert worden. Das hat System. Was immer die FSA einnimmt, wird zerstört. »Im Archiv lagern die Grundbücher, die Kaufurkunden, die Erbschaftsunterlagen, alles«, sagt Dalati. Es geht Stoßstange an Stoßstange voran, bisweilen blockieren quergestellte Wracks von Autobussen den Weg, als Barriere gegen Panzerangriffe. Immer wieder klaffen in den Häuserreihen Lücken, die Fliegerbomben geschlagen haben. Die Straßen versinken im Abfall, sind wie Hohlwege im Müll. Meterhoch türmen sich am Fahrbahnrand Rinderknochen und Kadaver von Schlachthühnern. Seit dem Sommer funktioniert die Müllabfuhr nicht mehr. Assad hat die Laster abgezogen, die Deponie befindet sich in umkämpftem Gebiet. Nach einer Dreiviertelstunde Fahrt liegt endlich das alte Gericht vor Richter Dalati, ein vierstöckiger grauer Bau. Zwischen den Häusern des Viertels, mit den Familien und Kindern darin, wirkt es wie abgestorbenes Gewebe im noch durchbluteten Fleisch.

Dalati streift durch die Büroräume, sieht die Betondecken, die an losen Stahlstreben herabhängen. Der Richter bückt sich, hebt Dokumente und Papiere auf, die den Boden bedecken. Es ist alles geplündert, das Mobiliar, sogar die Fassungen der Steckdosen. »Nicht so schlimm«, sagt er wie zu sich selbst. »Wir werden es viel besser wieder aufbauen.« Als er zum Keller hinuntergehen will, wo die Akten gelagert sind, hört er das Rauschen eines Kampfjets. Es entfernt sich, und Dalati steigt das Treppenhaus hinab, langsam, um nicht über den Schutt zu stolpern, dann nähert sich das Dröhnen wieder. Der Jet kreist über der Nachbarschaft des Gerichtes. Dalati beeilt sich jetzt, rennt schließlich, erreicht die Kellertür, reißt mit beiden Händen daran, aber sie ist verschlossen. Über ihm beginnt der Pilot seinen Angriff.

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»Was haben die Imame hier am Gericht zu suchen?«, flüstert der Anwalt

Die Rakete schlägt 200 Meter vom Gericht entfernt ein und trifft den Gebetsraum einer Moschee. Richter Dalati, aus dem Gericht geflohen, fährt an den Überlebenden vorbei, die in weißen Staub gehüllt sind, brüllen, sich würgend die Kehle halten. »Mein Vater«, schreit eine Frau, »mein Vater!« Dalati fährt weiter. Jederzeit kann der Pilot eine zweite Rakete auf die Menschenmasse abfeuern. Das Geschoss hat die Moschee zur Gebetszeit getroffen. 15 Menschen sind getötet worden, auch der Imam, wird Dalati später erfahren. 42 sind verletzt.

»Sage die Wahrheit. Füge nichts hinzu, und lasse nichts weg.« Am nächsten Tag ist Dalati wieder mit dem Scharia-Gelehrten Abu Muthanna im Verhandlungszimmer und lässt schwören. Seine Daumen kreisen umeinander. Abu Muthanna führt an diesem Tag den Großteil der Verhöre. Dalati sitzt stumm daneben und scheint nur selten zuzuhören.

Im Umland der Stadt gewinnen die Rebellen immer mehr Terrain. Sie konnten in den vergangenen Wochen die meisten Militärstützpunkte erobern. Wie ein Ring liegen die Kasernen um Aleppo. Eine Festung nach der anderen haben die Aufständischen gestürmt und dabei Panzer und schwere Geschütze erbeutet. Die neuen Waffen machen die Erstürmung der nächsten Bastionen einfacher. Die Truppen des syrischen Regimes sind nahezu abgeschnitten vom Rest des Landes. Die Verbindungen nach Damaskus und ans Mittelmeer sind gekappt. Die Luftwaffe versucht, die Soldaten von Helikoptern aus mit Nachschub zu versorgen, was offensichtlich nur unzulänglich gelingt. In den Reihen der Rebellen steigt die Bedeutung der Islamisten. Oft sind die Siege der Aufständischen die Siege von Al-Nusra. Todesmutiger als alle anderen, besser ausgerüstet auch als alle anderen, kämpfen die Al-Nusra-Leute gegen Assads Männer. Es heißt, Gönner aus den Golfstaaten versorgen sie mit Geld und Waffen. Die Mitglieder von Al-Nusra gelten als berechenbarer und weniger raubsüchtig als die Brigaden der FSA. Fast sind sie im Chaos des Krieges eine Art moralische Instanz.

Leserkommentare
    • gooder
    • 20. Januar 2013 18:02 Uhr

    Bildlich muss man sich das ganze wohl so vorstellen.

    http://www.tagesschau.de/ausland/syrien2550.html

    Das ist vermutlich keine Satire-Sendung und auch der Kommentator scheint es ernst zu meinen.

    4 Leserempfehlungen
  1. Zeit-Zitat:"Im Umland der Stadt gewinnen die Rebellen immer mehr Terrain. Sie konnten in den vergangenen Wochen die meisten Militärstützpunkte erobern. Wie ein Ring liegen die Kasernen um Aleppo. Eine Festung nach der anderen haben die Aufständischen gestürmt und dabei Panzer und schwere Geschütze erbeutet. Die neuen Waffen machen die Erstürmung der nächsten Bastionen einfacher. Die Truppen des syrischen Regimes sind nahezu abgeschnitten vom Rest des Landes. Die Verbindungen nach Damaskus und ans Mittelmeer sind gekappt. Die Luftwaffe versucht, die Soldaten von Helikoptern aus mit Nachschub zu versorgen, was offensichtlich nur unzulänglich gelingt. In den Reihen der Rebellen steigt die Bedeutung der Islamisten. Oft sind die Siege der Aufständischen die Siege von Al-Nusra"

    Gratuliere zu dem Heldenepos.

    Al Kaida steht mal wieder im Mittelpunkt der Syrienberichterstattung.

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    Hmm...Und seit dem 11. machen die Franzosen "Klar Schiff" in Mali gegen diese Brüder. Komisch?!? Täte mich mal interessieren,ob Hr. Bauer (Zeitsoldat&Kriegsdienstverweigerer?!)nun in Aleppo direkt vor Ort war oder dies eine "Auftragsarbeit",vom Schreibtisch aus, darstellt. Wenn Aleppo zutrifft,dann ist "Das" dürftig.

  2. Man kann nur fassunglos an Gott und Mensch zweifeln , wenn man die Situation in Syrien verfolgt und dieser Artikel von Hrn. Bauer 'kratzt' nur sehr leicht an der Oberflaeche , die wahren Tatsachen sind um Welten schauerlicher.
    Ohne Zweifel traegt der Westen die Hauptschuld an dem 'Jahrhundertdrama' in Syrien.
    Die Fuehrer der NATO/GCC muessen fuer Verbrechen an die Menschlichkeit an den Pranger , besser frueher als spaeter.

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    Entfernt. Bitte belegen Sie Ihre Aussagen mit seriösen Quellen. Danke, die Redaktion/ls

  3. An dieser Situation ist das syrische Regime zweifelsohne mit schuldig. Andereseits wird den Syrern nun auf brutale Weise klar, welches ihre Alternativen sind. Vor allem die syrischen Frauen dürften unter dem Horror leiden, aber auch von ihnen wird letztendlich eine Entscheidung abverlangt. Nach diesem Krieg wird es für Assad zweifelsohne nicht so weitergehen wie vorher. Die Syrer werden mündig. Der Westen wird aber mit Zeugen und Richtern konfrontiert werden und die Allianz mit dem Islamismus wird ihn teuer zu stehen bekommen.

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  4. Laut Merkel wird die Freiheit Deutschlands am Hindukushk verteidigt. Dies war natuerlich eine massive Uebertreibung , wenn nicht ein Hirngespinst.
    Vor 4 Tagen war Hollande in den VAE , um Geld bei den Sheichs einzutreiben , da das bankrotte Frankreich sonst den Mali-Einsatz nicht finanzieren kann.
    Daher wird die Diktatur der VAE wohl in Mali verteidigt , nach Verstaendnis von Merkel.
    Und die Diktaturen in Saudi Arabien und Katar wurden in Libyen und jetzt in Syrien verteidigt.
    Und die Tuerkei verteidigt osmanische Grossreichträume wohl auch in Syrien ...
    Es ist ein Jammer und umsomehr eine Schande fuer die gesamte sog. westliche "Wertegemeinschaft" , wenn es so etwas ueberhaupt gibt.
    Angerachter waere wohl der Ausdruck "die vereinigten Kriegsmaechte" mit Al-Kaida , Al-Nusra , etc. fuer die ganz dreckige Arbeit und Saudi Arabien und Katar als unversiegbare Quelle von Geld und Hard-Core Extremisten.

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  5. Hmm...Und seit dem 11. machen die Franzosen "Klar Schiff" in Mali gegen diese Brüder. Komisch?!? Täte mich mal interessieren,ob Hr. Bauer (Zeitsoldat&Kriegsdienstverweigerer?!)nun in Aleppo direkt vor Ort war oder dies eine "Auftragsarbeit",vom Schreibtisch aus, darstellt. Wenn Aleppo zutrifft,dann ist "Das" dürftig.

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  6. 8. [...]

    Entfernt. Bitte belegen Sie Ihre Aussagen mit seriösen Quellen. Danke, die Redaktion/ls

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