SyrienkriegIm Namen der Rebellen
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 "Als würde man Laien erlauben, im Krankenhaus zu operieren"

Rauchend steht eine Gruppe der Freien syrischen Anwälte in einem Büros des Gerichtsgebäudes, ohne die Scharia-Gelehrten.

»Was haben die Imame hier am Gericht zu suchen?«, flüstert einer erregt. »Wie könnt ihr die hier reinlassen? Das ist so, als würde man Laien erlauben, im Krankenhaus zu operieren!«

»Wir brauchen die«, flüstert ein anderer genauso erregt, »ohne die unterstützen uns die Brigaden nicht. Nach dem Krieg werden wir sie wieder los!«

In dem Moment geht die Tür auf, und Abu Muthanna schaut herein. Er sucht den Gerichtsdiener. Die Anwälte wechseln das Thema. »Wir müssen irgendwo einen sicheren Lagerraum mieten«, sagt einer der Anwälte, der eine Kommission aus 15 Advokaten leitet. In der ganzen Stadt suchen sie nach Verwaltungsakten, um sie zu retten.

Denn was passiert nach dem Krieg mit der Stadt, wenn sie diese Unterlagen jetzt nicht sichern? Das Chaos bliebe für immer. Keiner könnte dann mehr klären, wem was gehört, wer was verschenkt hat, wer wem wie viel schuldet. »Freies Komitee zum Schutz der Dokumente« haben sie ihre Gruppe genannt. Der Leiter des Komitees lebt mit seiner Familie in einem Stadtteil, der vom Regime kontrolliert wird. Zur Hauptverkehrszeit, morgens und abends, quert er mit seinem Wagen die Kampflinie. Die Gefahr, von einer Gewehrkugel getroffen zu werden, ist in dieser Zeit am geringsten. »Ich muss bald wieder los«, mahnt er die Kollegen zur Eile.

An diesem Tag kann die Brigade von Abu Jassin, dem Deutschen, wie er von seinen Leuten genannt wird, dem Gegner ein Haus entreißen. Mehrere Sprengsätze haben sie hineingeworfen. Abu Jassin, der gegen Abend wieder am Dieselofen sitzt, weiß nicht, wie viele Assad-treue Soldaten bei der Aktion starben, aber gewarnt waren sie. Das nächste Ziel sei die Tankstelle, dann die Werkstätte dahinter, dann, sehr bald schon, sei ganz Aleppo befreit.

Ein General der syrischen Armee liegt in Abu Jassins Zimmer und schaut sich in den Fernsehnachrichten an, wie sein ehemaliger Stützpunkt von den Rebellen eingenommen wird. Der Mann ist erst vor wenigen Stunden übergelaufen. Die Zigarette in der Hand, betrachtet er die Leichen derer, mit denen er noch am Nachmittag gekämpft hat. »Allah ist groß!«, ruft er am Ende der Nachrichten wie alle anderen. Der General entkam mit drei weiteren Offizieren, die im Nachbarraum auf dem Sofa liegen, hektisch atmend und nah am Kreislaufkollaps. »Du bist jetzt noch gar nichts für mich, weder Freund noch Feind«, sagt Abu Jassin zum General. Sie überprüfen die Namen von übergelaufenen Soldaten, denen der General bei der Flucht geholfen haben will. Möglicherweise wird aus dem Gast später ein Gefangener, das ist für Abu Jassin noch nicht abgemacht. Im Verlies seiner Brigade setzen die Kämpfer die Verdächtigen unter Drogen. »Junge, das wirkt, ich staune immer noch«, sagt er. Die Delinquenten zwinge man, ihre eigenen Aufputschtabletten zu schlucken. »Alle Pillen auf einmal, dann sagen die dir alles.« Die schlimmsten Verbrecher bringen die Rebellen zur Aburteilung nicht zum Vereinigten Gerichtshof. Abu Jassin und die Kommandeure haben die Sorge, dass sie dort freigesprochen werden könnten. Ist jemand des Mordes oder der Vergewaltigung schuldig, überantworten sie ihn den geheimen Scharia-Gerichtshöfen. Was dort dann mit ihnen geschieht? Abu Jassin schweigt.

Er geht in den Keller, spätnachts, wenn das Tagewerk erledigt ist, niemand mehr etwas von ihm will, er viel Zeit hat. Diese Ausflüge ins Untergeschoss, zu den Gefangenen, sind seine Art, zur Ruhe zu kommen – eine Art der Entspannung, wie sie vielleicht nur der Krieg hervorbringt. An diesem Abend sitzt Abu Jassin einem 18-Jährigen gegenüber, den sie zusammen mit seinem Vater eingesperrt haben. »Komm, sag es noch einmal«, befiehlt ihm Abu Jassin, als er den Gefangenen dem Übersetzer der ZEIT vorführen will. Er habe die Vergewaltigung dreier Mädchen zugegeben und müsse laut der Scharia mit dem Tod bestraft werden. »Ich hab’s nicht getan«, sagt der Junge. Die Männer von Abu Jassins Einheit haben ihn an der Front gefasst, ihn dann zum Schein freigelassen und ein zweites Mal in Arrest genommen. Sie sagten ihm, er sei wieder bei Assad. Da habe er von den Vergewaltigungen erzählt, um sich das Vertrauen zurückzuerkaufen. Jetzt, wo er weiß, dass er bei der FSA ist, leugnet er wieder. Er ist völlig verwirrt. Abu Jassin sagt zum Jungen: »Küss die Hand deines Vaters, und verabschiede dich von ihm.« Den Vater haben sie gleich mit eingesperrt, als Strafe, dass er den Jungen zur Armee geschickt hat. Abu Jassin lässt den zitternden Burschen seinen Vater küssen, alle wissen, was diese Geste bedeutet: das Ende. Der Junge wird in den Vorraum geführt, wo sich ein Bewaffneter anschickt, ihm zum Schein eine Augenbinde überzuziehen. »Pack ihn!«, sagt Abu Jassin. Er meint es nicht ernst. Er will ihn nur ein bisschen quälen.

Die Stadt ist in ihrem Wahnsinn sich selbst überlassen. Es ist eine der größten Katastrophen der Gegenwart, doch nur wenige internationale Hilfsorganisationen sind in Aleppo zu sehen. Sie alle sammeln Spenden für Flüchtlingslager jenseits der Grenze in der Türkei und in Jordanien. Die Regierungen des Westens haben Aleppo eine Flugverbotszone verweigert. Jetzt verweigern sie humanitären Beistand. Nur wenig Hilfe aus dem Westen erreicht die Stadt. Die Stimmung gegenüber ausländischen Reportern ist gereizt. Die Menschen rufen ihnen wütend hinterher. Verschwörungstheorien florieren. Der Westen, glauben viele, habe einen geheimen Plan, ganz Syrien auszulöschen.

Leserkommentare
    • gooder
    • 20. Januar 2013 18:02 Uhr

    Bildlich muss man sich das ganze wohl so vorstellen.

    http://www.tagesschau.de/...

    Das ist vermutlich keine Satire-Sendung und auch der Kommentator scheint es ernst zu meinen.

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  1. Zeit-Zitat:"Im Umland der Stadt gewinnen die Rebellen immer mehr Terrain. Sie konnten in den vergangenen Wochen die meisten Militärstützpunkte erobern. Wie ein Ring liegen die Kasernen um Aleppo. Eine Festung nach der anderen haben die Aufständischen gestürmt und dabei Panzer und schwere Geschütze erbeutet. Die neuen Waffen machen die Erstürmung der nächsten Bastionen einfacher. Die Truppen des syrischen Regimes sind nahezu abgeschnitten vom Rest des Landes. Die Verbindungen nach Damaskus und ans Mittelmeer sind gekappt. Die Luftwaffe versucht, die Soldaten von Helikoptern aus mit Nachschub zu versorgen, was offensichtlich nur unzulänglich gelingt. In den Reihen der Rebellen steigt die Bedeutung der Islamisten. Oft sind die Siege der Aufständischen die Siege von Al-Nusra"

    Gratuliere zu dem Heldenepos.

    Al Kaida steht mal wieder im Mittelpunkt der Syrienberichterstattung.

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    Hmm...Und seit dem 11. machen die Franzosen "Klar Schiff" in Mali gegen diese Brüder. Komisch?!? Täte mich mal interessieren,ob Hr. Bauer (Zeitsoldat&Kriegsdienstverweigerer?!)nun in Aleppo direkt vor Ort war oder dies eine "Auftragsarbeit",vom Schreibtisch aus, darstellt. Wenn Aleppo zutrifft,dann ist "Das" dürftig.

  2. Man kann nur fassunglos an Gott und Mensch zweifeln , wenn man die Situation in Syrien verfolgt und dieser Artikel von Hrn. Bauer 'kratzt' nur sehr leicht an der Oberflaeche , die wahren Tatsachen sind um Welten schauerlicher.
    Ohne Zweifel traegt der Westen die Hauptschuld an dem 'Jahrhundertdrama' in Syrien.
    Die Fuehrer der NATO/GCC muessen fuer Verbrechen an die Menschlichkeit an den Pranger , besser frueher als spaeter.

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    Entfernt. Bitte belegen Sie Ihre Aussagen mit seriösen Quellen. Danke, die Redaktion/ls

  3. An dieser Situation ist das syrische Regime zweifelsohne mit schuldig. Andereseits wird den Syrern nun auf brutale Weise klar, welches ihre Alternativen sind. Vor allem die syrischen Frauen dürften unter dem Horror leiden, aber auch von ihnen wird letztendlich eine Entscheidung abverlangt. Nach diesem Krieg wird es für Assad zweifelsohne nicht so weitergehen wie vorher. Die Syrer werden mündig. Der Westen wird aber mit Zeugen und Richtern konfrontiert werden und die Allianz mit dem Islamismus wird ihn teuer zu stehen bekommen.

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  4. Laut Merkel wird die Freiheit Deutschlands am Hindukushk verteidigt. Dies war natuerlich eine massive Uebertreibung , wenn nicht ein Hirngespinst.
    Vor 4 Tagen war Hollande in den VAE , um Geld bei den Sheichs einzutreiben , da das bankrotte Frankreich sonst den Mali-Einsatz nicht finanzieren kann.
    Daher wird die Diktatur der VAE wohl in Mali verteidigt , nach Verstaendnis von Merkel.
    Und die Diktaturen in Saudi Arabien und Katar wurden in Libyen und jetzt in Syrien verteidigt.
    Und die Tuerkei verteidigt osmanische Grossreichträume wohl auch in Syrien ...
    Es ist ein Jammer und umsomehr eine Schande fuer die gesamte sog. westliche "Wertegemeinschaft" , wenn es so etwas ueberhaupt gibt.
    Angerachter waere wohl der Ausdruck "die vereinigten Kriegsmaechte" mit Al-Kaida , Al-Nusra , etc. fuer die ganz dreckige Arbeit und Saudi Arabien und Katar als unversiegbare Quelle von Geld und Hard-Core Extremisten.

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  5. Hmm...Und seit dem 11. machen die Franzosen "Klar Schiff" in Mali gegen diese Brüder. Komisch?!? Täte mich mal interessieren,ob Hr. Bauer (Zeitsoldat&Kriegsdienstverweigerer?!)nun in Aleppo direkt vor Ort war oder dies eine "Auftragsarbeit",vom Schreibtisch aus, darstellt. Wenn Aleppo zutrifft,dann ist "Das" dürftig.

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  6. 8. [...]

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