Kopf oder Zahl, das ist die Frage im Management. Viele Führungskräfte entscheiden sich für die Zahl. Ihr starrer Blick richtet sich auf Quartalsergebnisse, auf Bilanzen, auf die Entwicklung des Gewinns. Sie glauben, mithilfe dieser Zahlen lasse sich ein Unternehmen steuern. Aus der Tatsache, dass die Zahlen steigen, schließen sie: Der Kurs stimmt, ich mache alles richtig!

Doch wer die Zahlen ehrt, dem sind der Kopf und das logische Denken oft zu wenig wert. Denn was spiegelt sich in den Zahlen? Das, worauf es ankommt, die Zukunft des Unternehmens? Nein, nur das, worauf es nicht mehr ankommt: seine Vergangenheit.

Ein Manager, der nur auf die Zahlen starrt, erinnert mich an einen Autofahrer, der bei Tempo 200 nur in den Rückspiegel schaut, während er auf eine Baustelle zurast. Die Mitarbeiter als Beifahrer rufen und warnen ihn, dass die Bedürfnisse der Kunden sich verändern, dass ein Wettbewerber zum Überholen ansetzt, dass eine Krise am Horizont aufzieht. Doch sie hören Antworten wie: »Seien Sie still, wir schreiben gerade das beste Ergebnis aller Zeiten!«

Manager sollten es wie Einstein halten, sich mehr für die Zukunft und weniger für die Vergangenheit interessieren. Denn Märkte haben es an sich, dass sie den Zahlen weit vorauslaufen. Fehlentscheidungen, die ein Manager heute fällt, und Zukunftschancen, die er heute verpasst, spiegeln sich erst in ein paar Jahren in den Zahlen wider.

Die Zahlen sind das falsche Instrument, um ein Unternehmen in die Zukunft zu führen. Bis eine Fehlentwicklung dort angekommen ist, kann alles zu spät sein. Gute Manager schauen nicht in den Rückspiegel, sondern nach vorne. Sie hören nicht zuletzt auf das, was die Beifahrer ihnen zurufen, denn Mitarbeiter haben einen scharfen Blick für Chancen und Risiken.