Fashion Week BerlinNa endlich: Mode und Magen kommen zusammen

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Model Hanna Wähmer in der "Bar Raval" in Berlin, Kleid von Akris

Model Hanna Wähmer in der "Bar Raval" in Berlin, Kleid von Akris  |  © Nacho Alegre

Es gab eine Zeit, da war es in New York angesagt, die Küche aus dem Apartment aus- und stattdessen einen begehbaren Kleiderschrank einzubauen. Das Essen war der natürliche Feind der Mode. Essen bedeutete Kalorien, und die hasste man. Karl Lagerfeld hat vor etlichen Jahren gesagt, dass er bei Einladungen im Restaurant die Speisen grundsätzlich nur ein bisschen mit der Gabel auseinanderziehe, aber nie anrühre.

Heute würde man sich hüten, Derartiges über Essen zu sagen. Wer nichts vom Essen versteht, versteht wenig vom Leben. Richtig essen ist heute essenziell. Man muss nicht nur wissen, wo in der Stadt man essen geht, sondern auch, was genau man zu sich nimmt – und bestenfalls kann man es auch selbst zubereiten.

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Dass Essen und Mode etwas miteinander zu tun haben, konnte man schon bei der Show von Prada ahnen, wo das Fingerfood, das gereicht wurde, stets die Farben der Kollektion aufgriff. Mittlerweile ist das Essen allerdings selbst zur Mode geworden. Es gibt viele Gemeinsamkeiten: Es ist wichtig, sich der Saison gemäß zu ernähren, es bedarf absoluter Kennerschaft, um das Gute vom Billigen zu scheiden. Man muss wissen, was flüssiger Blattsalat ist und wie Arancini schmecken sollen. Und wie bei der Mode ist es erstrebenswert, zu einem ausgesuchten Kreis zu gehören. In Berlin gibt es Kaffeebars, wo man sich als Banause outet, wenn man Zucker in die Tasse schüttet. Und natürlich geht der Gastro-Hype auch mit dem modetypischen Elitedenken einher. Man würde es als eher ungehörig empfinden, wenn jemand damit prahlt, welche Summen er für einen Mantel investiert hat. Darüber, wie viel Geld sie für gutes Essen ausgeben, reden Menschen jedoch völlig ungehemmt. In diesem Sinne ist die Maultasche die neue Handtasche.

Dass Mode und Menü zusammenkommen, folgt einer gewissen Logik. Bezog sich Mode einmal vor allem auf Kleidung, geriet in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr der Körper selbst in den Mittelpunkt. Nicht die Kleider sollten die Silhouette formen, der Körper selbst wurde modelliert. Mittlerweile kommt es nicht nur darauf an, sich äußerlich zu perfektionieren – die Schönheit soll von innen kommen. Durch das, was man sich zuführt. Das erklärt das Disziplinierte am neuen Genuss: Es wird dem Geschmack gehuldigt, nicht der Völlerei.

Aber wir sind ja erst am Anfang der Food-Manie. Vielleicht schmeckt es uns ja so gut, dass wir bald nicht mehr genug von den tollen Gerichten bekommen können. Und alle gleichzeitig so zulegen, dass wir nicht mehr in unsere Skinny Jeans passen. Wäre ja nicht das Schlechteste.

Mehr Appetit auf Mode? ZEITmagazin und ZEIT Online twittern von der Berliner Fashion Week auf dem Kanal: @zeitonline_live

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Leserkommentare
  1. Hanna my muse <3

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  • Schlagworte Essen | Gericht | Jeans | Körper | Logik | Mode
  • Models present creations from the Felder &amp; Felder Autumn/Winter 2013 collection during London Fashion Week, February 15, 2013. REUTERS/Olivia Harris (BRITAIN - Tags: FASHION)

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