MachtergreifungAm Ziel
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 Rache und Machtspiele bereiteten Hitler den Boden

»Mein Fränzchen, du hast schon wieder einen Schnitzer begangen«

Ende 1932 mehrten sich überdies erste Anzeichen einer konjunkturellen Erholung. Die saisonbedingte Zunahme der Arbeitslosigkeit erreichte nicht mehr das Ausmaß des Vorjahres. Die Talsohle der Wirtschaftskrise schien durchschritten; vorsichtiger Optimismus machte sich breit. Land!, verhieß die Schlagzeile im Wirtschaftsteil der Frankfurter Zeitung am Neujahrstag 1933.

Doch nur vier Wochen später war eingetreten, womit kaum noch jemand gerechnet hatte: Hitler ist Reichskanzler. Diese überraschende Wende war kein »Triumph des Willens«, zu dem die NS-Propaganda die »Machtergreifung« bald verklärte – sie war das Ergebnis eines sinistren Ränkespiels hinter den Kulissen, bei dem nur wenige Akteure die Strippen zogen.

Die Figur, von der alles abhing, war Hindenburg. Der bereits 85-jährige Reichspräsident war keineswegs der halb demente Alte, als den man ihn nach 1945 gern entschuldigt hat, sondern von erstaunlicher geistiger Frische und jederzeit Herr seiner Entschlüsse. Als seine wichtigsten Gehilfen agierten der frühere Reichskanzler von Papen, Staatssekretär Otto Meissner, der schon unter dem sozialdemokratischen Reichspräsidenten Friedrich Ebert gedient hatte, und der »in der Verfassung nicht vorgesehene« Sohn des Reichspräsidenten, Oskar von Hindenburg.

Den Auftakt machte das Treffen Papens mit Hitler am 4. Januar 1933 in Köln, das der Bonner Historiker Karl Dietrich Bracher 1955 in seinem klassischen Werk Die Auflösung der Weimarer Republik zu Recht als »die Geburtsstunde des ›Dritten Reiches‹« bezeichnet. Eingefädelt hatte es der Kölner Bankier Kurt von Schröder, der Mitglied im sogenannten Keppler-Kreis war – einer auf Betreiben des früheren Reichsbankpräsidenten und Hitler-Sympathisanten Hjalmar Schacht eingerichteten Arbeitsstelle, welche die wirtschaftspolitischen Ziele der Nazis mit denen der Privatwirtschaft in Einklang bringen sollte.

Franz von Papen, ein Herrenreiter aus altem westfälischem Adel, hatte mit dem neuen Kanzler Schleicher noch eine Rechnung offen. Zwar war es der politisierende General gewesen, der ihn nach Brünings Entlassung Ende Mai 1932 zum Reichskanzler im »Kabinett der Barone« gemacht und sich selbst mit dem Posten des Reichswehrministers begnügt hatte – in der Annahme, den bislang weitgehend unbekannten Hinterbänkler der Zentrumsfraktion im Preußischen Abgeordnetenhaus als Werkzeug der eigenen Machtambitionen lenken zu können. Doch hatte es Papen verstanden, sich bei Hindenburg einzuschmeicheln, und sich bald von Schleichers Vormundschaft emanzipiert. Enttäuscht brach der General mit Papen und setzte sich Anfang Dezember 1932 selbst an dessen Stelle.

Papen sann auf Rache und sah in einer Verbindung mit Hitler die Möglichkeit, nun seinerseits Schleicher aus dem Amt zu drängen und wieder eine wichtige Rolle zu spielen. Hitler wiederum erkannte in einer Verständigung mit Papen die Chance, aus der desolaten Lage, in die er seine Partei hineingesteuert hatte, herauszukommen und das Blatt zu seinen Gunsten zu wenden. Er wusste, dass Papen immer noch das Ohr Hindenburgs hatte, und konnte hoffen, mit seiner Hilfe den Widerstand des Reichspräsidenten gegen seine Kanzlerschaft zu brechen.

Das zweistündige Gespräch in Schröders Kölner Villa brachte zwar noch keine Einigung: Papen schlug eine Art »Duumvirat«, eine Teilung der Macht zwischen ihm und Hitler, vor; Hitler aber beharrte auf der alleinigen Kanzlerschaft. Man trennte sich mit dem Versprechen, das Gespräch fortzusetzen.

Die Absicht, alles geheim zu halten, schlug indes fehl. Als Papen vor Schröders Haus aus dem Auto stieg, wurde er von einem Reporter fotografiert. Tags darauf erschien die Tägliche Rundschau, ein Schleicher nahestehendes Blatt, mit der Schlagzeile: Hitler und Papen gegen Schleicher. Tagelang wurde in den Zeitungen darüber spekuliert, was die beiden Verschwörer wohl im Schilde führten.

Kanzler Schleicher selbst zeigte sich wenig beunruhigt. Beim Tee mit dem französischen Botschafter André François-Poncet am 6. Januar in Berlin äußerte er sich herablassend über seinen Vorgänger: »Mein Fränzchen, du hast schon wieder einen Schnitzer begangen«, wolle er ihm bei ihrer nächsten Zusammenkunft zu verstehen geben. Dabei hatte Schleicher allen Grund, besorgt zu sein. Denn seit seiner (vom Rundfunk übertragenen) Regierungserklärung am 15. Dezember 1932, in der er sich als »sozialer General« präsentiert und öffentliche Beschäftigungsprogramme versprochen hatte, war die Großindustrie auf Distanz zu ihm gegangen.

Gleichzeitig begann der Reichslandbund, die mächtige Lobbyorganisation der ostelbischen Großgrundbesitzer, das Kabinett Schleicher zu attackieren. Es wurde beschuldigt, nicht genug zum Schutz der Agrarier gegen billige Lebensmittelimporte zu tun und einer »Verelendung der deutschen Landwirtschaft« Vorschub zu leisten, wie man sie »selbst unter einer rein marxistischen Regierung nicht für möglich« gehalten hätte.

In mancher Beziehung erinnerte diese Agitation an die Kampagne gegen den angeblichen »Agrarbolschewismus« des Reichskanzlers Heinrich Brüning, die maßgeblich zu dessen Sturz acht Monate zuvor beigetragen hatte. Hindenburg, der als Besitzer des Gutes Neudeck in Ostpreußen für die Interessen der preußischen Junker stets aufgeschlossen war, zeigte sich auch diesmal von den Klagen der Agrarier beeindruckt. Jedenfalls konnte sich Schleicher seines Rückhalts beim Reichspräsidenten nicht mehr sicher sein.

In der Nacht vom 10. auf den 11. Januar traf sich Hitler mit Papen in der Villa des Sekthändlers Joachim von Ribbentrop in Berlin-Dahlem. Ribbentrop, ein ehemaliger Offizier, der nach dem Krieg ins Spirituosengeschäft eingestiegen war und es durch die Heirat mit der Tochter des Sektfabrikanten Henkell zu Wohlstand gebracht hatte, war Hitler im August 1932 zum ersten Mal begegnet und bald darauf der NSDAP beigetreten. Durch die Konnexionen, über die er als Mitglied des exklusiven Berliner Herrenklubs verfügte, bot er sich für eine Vermittlerrolle zwischen Konservativen und Nationalsozialisten an.

Was in dem zweiten Vieraugengespräch zwischen Hitler und Papen besprochen wurde, ist nicht bekannt. Offenbar kam man nicht recht weiter, denn die Einladung, bei einem Mittagessen in Dahlem am 12. Januar den Meinungsaustausch fortzusetzen, sagte Hitler kurzfristig ab. »Alles noch in der Schwebe«, bemerkte Goebbels.

Leserkommentare
    • thwe74
    • 30. Januar 2013 11:07 Uhr

    "Wir machen A.H. zum Reichskanzler und "kreisen" Ihn im Kabinett ein, damit der Gefreite nicht über die Stränge schlägt..."

    Es ist und bleibt ein Treppenwitz der Geschichte. Ein Treppenwitz mit tödlichen Folgen für viele Menschen.

    Eine Unterschätzung des Potentials der NSDP-Bewegung und Ihrer Führer. In erster Linie durch die konservativen Kreise inkl. Militärs und Grossindustrie. Aber auch der wählenden Bevölkerung, insbesondere aber auch der damals in Berlin vertretenden Diplomaten aus aller Welt.

    Man kann nur spekulieren wie lange die Weimarer Republik auch ohne Machtergreifung weiterbestanden hätte.
    Hat diese demokratische Republik - auch in dem damaligen politischen Klima in Ganzeuropa - überhaupt eine Chance gehabt? Bei den antidemokratischen Kräften im Lande fraglich.

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    ZITAT
    Hat diese demokratische Republik - auch in dem damaligen politischen Klima in Ganzeuropa - überhaupt eine Chance gehabt?

    Ich glaube eigentlich gab es nur die Chance über ein autoritäres Regime wieder eine Demokratie zu werden, wenn die bevölkerung dieses Regime dann irgendwann wieder satt hat.

    Man darf nicht vergessen, dass Europa damals kein Kontinent der gefestigten Demokratien war !

    Italien, Ungarn, Österreich, Polen - Diktaturen oder zumindest autoritäre Systeme.
    Es ist auch kein Zufall dass fast zeitgleich mit Hitler in Griechenland + Portugal Diktaturen an die Macht kamen.
    Und auch General Franco kam nicht aus dem Nichts, auch wenn Hitler + Musolini in unterstützten.

    Die Nazis fanden also durchaus fruchtbaren Boden vor.
    Die Demokratie war damals alles andere als selbstverständlich.
    Was sie so einzigartig machte war ihr fantischer Rassenwahn !

  1. oder "Wunder" ist heute die beste Strategie der Bürgerlichen ihre Schuld zu vertuschen. Dabei haben entscheidende Teile des Finanzkapitals Hitler und die NSDAP seit Gründung unterstützt und bewußt die Macht übergeben....

    http://www.bag-antifaschismus.de/publikationen/rundbrief/

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    • thwe74
    • 30. Januar 2013 11:38 Uhr

    Hallo,

    Das Kapital und Grossindustrie, auch ostdeutsche Grossgrundbesitzer Ihren Teil dazu getan haben, keine Frage.

    Aber das "Bürgertum" hat viele Facetten, nicht nur ein antidemokratisches Element. Z.B. auch ein liberales.

    Zu Ihrer zitierten Quelle bzw. dem Link: Na ja...

    ZITAT: Die Mär von Zufall
    Wo steht denn in dem Artikel was von Zufall ???

    ZITAT
    Dabei haben entscheidende Teile des Finanzkapitals Hitler und die NSDAP seit Gründung unterstützt und bewußt die Macht übergeben
    Unterstütz haben sie ihn.
    Sie haben ihm auch die macht übergeben.
    Nur wollten sie das eigentlich nicht, weil sie dachten, dass sie ihn instrumentalisieren können.
    Steht aber alles auch so in dem Artikel.

    Eine andere meinung haben ist das eine.
    Historische Fakten ignorieren und hier Unsinn schreiben was anderes !

  2. Hitler kam an die Macht, weil eine Mehrheit der Deutschen die Ideen des Parlamentarismus und der Bürgerrechte als Verfälschung des Volkswillens ablehnte und sich nach einem Anführer sehnte, der den "wahren" Volkswillen exekutiert.

    Hitler kam an die Macht, weil die Mehrheit der Deutschen in den Angehörigen einer bestimmten Religion als Fremdkörper in der deutschen Kultur ansah und davon überzeugt war, das diese Gruppe das Deutsche Volk zerstören und unterwerfen wollte.

    Und wer meint, das alles in der heutigen Gesellschaft wiederzufinden, der täuscht sich leider nicht.

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    sondern durch einen faktischen Putsch. Seit Brüning 1930 wurde der Parlamentseinfluß per Artikel 48 beseitigt. Dann der papenputsch. Hitler war sozusagen der Abschluss des Faschisierungsprozesses....

    • thwe74
    • 30. Januar 2013 11:49 Uhr

    Wie ich oben bereits geschrieben habe, auch aus meiner Sicht war das gemeine Volk, aber auch diverse Kreise im Lande in grossen Teilen noch nicht reif für die Demokratie.
    Das mag alles sein.
    Hier sei die Frage erlaubt warum noch nicht?

    Das aber kann man nun heutzutage gemütlich aus dem Bürostuhl aus beurteilen. Natürlich.

    Auch wenn man gerne versucht, den Antisemitismus fest in der deutschen Gesinnung zu verankern, auch wenn ich gerne glaube das viele Menschen nur zu gerne die Ursachen für Weltwirtschaftskrise und Hunger bei anderen gesucht haben und mit der Erklärung "Finanzjudentum" zufrieden waren, nein, da denke ich trotzdem nicht das die Mehrheit deswegen NSDAP gewählt haben.
    In der Not greift man nach jedem Strohhalm, oder wie möchten Sie erklären das die Stimmenzahlen für die NSDAP mit der Krise explodiert sind und nach Überwindung der Krise wieder zurückgegangen sind?

    • lonetal
    • 30. Januar 2013 12:12 Uhr

    Sie schreiben: "Hitler kam an die Macht, weil eine Mehrheit der Deutschen die Ideen des Parlamentarismus und der Bürgerrechte als Verfälschung des Volkswillens ablehnte und sich nach einem Anführer sehnte, der den "wahren" Volkswillen exekutiert."

    Mehrheit?
    /Zitat
    Die Reichstagswahl am 5. März 1933 war die Wahl zum achten Deutschen Reichstag in der Weimarer Republik. Sie war die letzte Reichstagswahl, an der mehr als eine Partei teilnahm, und stand bereits unter dem Eindruck der beginnenden Diktatur. Der Wahlkampf war von Übergriffen von Mitgliedern der NSDAP auf politische Gegner insbesondere von KPD und SPD geprägt. Daneben setzte bereits die staatliche Verfolgung ein. Dabei kam der Regierung auch der Reichstagsbrand zugute. Mit Hilfe der Reichstagsbrandverordnung wurden die Grundrechte außer Kraft gesetzt und die Strukturen der KPD wurden praktisch zerschlagen. Bei der Wahl selbst konnte die NSDAP stark zulegen, erhielt aber nicht wie gehofft die absolute Mehrheit.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Reichstagswahl_M%C3%A4rz_1933
    Zitat/

    Trotz alldem das Wahlergebnis der NSDAP: 43,9%

    Sie unterschlagen bei Ihrem Deutschen-Bashing, daß in den Jahren 1924-1929, als unsere netten Nachbarländer unserer Existenz vorübergehend mal halbwegs akzeptable Rahmenbedingungen einräumten, das Wahlvolk durchaus den demokratischen Parteien seine Stimme gab. Und immerhin hatte sich die Demokratie ja 1919 in einer Revolution gegen andere Kräfte durchgesetzt. Das wäre nicht ohne Rückhalt aus der Bevölkerung geschehen.

    Ihr Kommentar klingt leider so, als ob Sie seit Jahrzehnten (mindestens) Ihr gefestigtes Geschichtsbild in die Welt hinausposaunen und keine andere Sicht der Dinge mehr an sich heran lassen, aber falls Sie doch an einem ernsthaften Austausch an Argumenten interessiert sind, sollten Sie sich die Zeit nehmen, sich den folgenden Essay einmal zu Gemüte zu führen:
    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/essayunddiskurs/1248604/

    "Bitte aufhören..."

    Da macht sich ein Historiker die Mühe, die hochinteressanten Details und Vorgänge zu beleuchten und zu analysieren, die zur Machtübergabe an die Nazis geführt hatten, und Sie halten sich die Ohren zu, um Ihr beneidenswert einfaches Weltbild nicht infrage stellen zu müssen.

    Ihre Parolen werden nicht dadurch richtiger, indem man sie dauernd wiederholt. Erinnert mich an Honnecker, ehrlich gesagt.

    An Volker Ulrich: Danke für den Artikel, mit Gewinn gelesen!

    In welcher Verschwörungstheorien-Mottenkiste haste denn diese Weisheiten gefunden?

  3. Es ist vollkommen richtig, wenn gesagt wird, dass die Machtergreifung der Nazis keine historische Selbstverständlichkeit war und keinem geschichtlichen Naturgesetz folgte. Die Weimarer Republik war wieder im Aufwind und hatte, im Gegensatz zu Frankreich, international einen sehr guten Ruf genossen, zudem stand Deutschland als führende Nation in Kultur und Zivilisation in der Welt da. Russland bewunderte die Deutschen. Hitler ist und bleibt das schlimmste, was uns selbst - von den Opfern ganz abgesehen - passieren konnte. Alles, wofür er eintrat, richteten er und seine Anhänger eigenhändig zugrunde, verspielten die deutschen Ostgebiete für immer und ewig und machten aus den philosophischen Romantikern ein für alle mal Verbrecher und Halunken. Es gibt noch vieles mehr, das sich aufzählen ließe.

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  4. sondern durch einen faktischen Putsch. Seit Brüning 1930 wurde der Parlamentseinfluß per Artikel 48 beseitigt. Dann der papenputsch. Hitler war sozusagen der Abschluss des Faschisierungsprozesses....

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    Der Parlamentseinfluss wurde durch den Artikel 48 nicht völlig beseitigt. Das Parlament konnte gegen Notverordnungen stimmen. Der Reichspräsident saß allerdings am längeren Hebel, da er dann das Parlament auflösen konnte. Die Präsidialkabinette bewegten sich im Rahmen der Weimarer Verfassung - auch das vom 30. Januar 1933. Diese Fehlkonstruktion wurde im unserem Grundgesetz vermieden.

  5. Die Sub-Headline "Machtergreifung", über dem Artikel ohne Anführungszeichen, erstaunt mich. Stammt dieser Begriff doch direkt aus der NS-Propgandaküche, die gerne ein revolutionäres Ereignis aus der Machtübergabe machen wollte.
    Fast ebenso so unscharf ist die überhebliche Formulierung Ullrichs, Hitler sei Ende 32 mit seinem Anspruch auf Alleinherrschaft in der Sackgasse gewesen. Die Geschichte zeigt ja, dass er das gerade nicht war: Hoch gepokert und am Ende doch ans Ziel gelangt, katastrophalerweise ...

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    • thwe74
    • 30. Januar 2013 11:38 Uhr

    Hallo,

    Das Kapital und Grossindustrie, auch ostdeutsche Grossgrundbesitzer Ihren Teil dazu getan haben, keine Frage.

    Aber das "Bürgertum" hat viele Facetten, nicht nur ein antidemokratisches Element. Z.B. auch ein liberales.

    Zu Ihrer zitierten Quelle bzw. dem Link: Na ja...

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    .. war in deutschland aber von jeher ziemlich schwach ausgeprägt. tatsächlich war es das (gehobene) bürgertum, das schon lange zuvor als träger und verbreiter (vernichtungs)antisemitischer und radikalvölkischer ideen fungierte, den judenhass als 'kulturellen code' etablierte und verschwörungsideologische hetzschriften wie die 'protokolle der weisen von zion' zu bestsellern machte.
    gegen das antisemitische gift hitlers besaß das deutsche bürgertum keine antikörper, da es selbst spätestens seit ende des 19.jahrhunderts hoffnungslos damit infiziert war.

    Die Legendenbildungen zu den Ursachen der Machtübergabe an die NSDAP begannen bereits am 30. Januar 1933. Die deutschen Faschisten selbst sprachen von »Revolution« und »Machtergreifung«. Bürgerliche Autoren haben diese terminologischen Verschleierungsmanöver der Nazis übernommen, zu denen auch die Selbstbezeichnung der deutschen Faschisten als »Nationalsozialisten« gehört. Sie sind hierzulande Allgemeingut in den Schulbüchern und den herrschenden Medien sowie in den am meisten verbreiteten Darstellungen zur Geschichte des Faschismus.

    Derartige Praktiken dienen seit mittlerweile acht Jahrzehnten einem einzigen Ziel: Ein genetischer Zusammenhang zwischen der Entstehung und dem Wachstum der Nazibewegung einerseits und der herrschenden bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaftsordnung andererseits sowie die aktive Unterstützung der Faschisten durch einflußreiche Kreise des Großkapitals dürfen um keinen Preis in das Geschichtsbewußtsein breiter Bevölkerungskreise eindringen; sie müssen auch im akademischen Betrieb unerwünschte, ja beschwiegene Themen bleiben. Die berühmte Formulierung Max Horkheimers: »Wer vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus schweigen«, so heißt es, sei durch empirische historische Forschung gegenstandslos geworden.
    http://www.verbrechen-der-wirtschaft.de/texte/0059_keppler-kreis.htm
    http://www.jungewelt.de/2013/01-30/006.php

  6. Am 30. Januar fand der 21. Regierungsechsel in den 14 Jahren der Weimarer Republik statt. Daraus erklärt sich die fast schon gelangweilte Unterschätzung, die die zitierten Diplomaten für das "Ereignis" aufbrachten.
    Zumal: Hitler wurde zu einem Zeitpunkt zum Reichskanzler berufen und mit allen präsidialen Vollmachten ausgestattet, als seine Partei, die in freien Wahlen nur einmal knapp mehr als ein Drittel der Wählerstimmen erringen konnte, von Austrittswellen und Flügelkämpfen geplagt wurde. Diese Entscheidung vom 30. januar 1933 wurde dennoch zur folgenreichsten Fehlentschheidung unserer Geschichte.
    Durch das abstoßende Intrigenspiel der Papen-Meissner-Gruppe wurde Hitler die Macht praktisch zu Füßen gelegt. Insofern trifft der Begriff "Machtergreifung" nicht zu. Die Macht wurde erst in den folgenden 18 Monaten mit den bekannten Folgen ergriffen
    Diese Machtübertragung ist noch widersinninger angesichts der Tatsache, dass der Tiefpunkt von Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit bereits durschritten war, dass das Reparationsproblem im deutschen Sinne gelöst und eine weitreichende Revision des Versailler Vertrags abzusehen war. Der Aufstieg kam nun der NS-Propaganda und der "Heilsbotschaft" des Dritten Reiches zugute.
    Doch Papen war bis zu seinem Tod 1969 zu keinem Wort der Selbstkritik zu bewegen
    Anmerkung: Das Zitat "Der in der Verfassung nicht vorgesehene Sohn" Oskar Hindenburg steht etwas unvermittelt im Text. Es handelt sich um einen in dieser Zeit kursierenden Witz.

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