Hotel im Pinzgau Hinter den sieben Bergen

Dem Glemmtal im österreichischen Pinzgau fehlte bisher die Weltläufigkeit anderer Skigebiete. Nun lässt das Wiesergut allen kleinkarierten Alpenkitsch weit hinter sich. von Patricia Engelhorn

Ein puristisches Haus mit Durchblick

Ein puristisches Haus mit Durchblick  |  © PR

Skifahrer wissen, wo das ist: Saalbach-Hinterglemm im Pinzgau, Salzburger Land, Österreich. Doch obwohl sich ringsum das größte Skigebiet der Republik, der »Skicircus«, erstreckt, kann es das 2-Dörfer-Kaff im Glemmtal an Bekanntheit nicht mit Kitzbühel, Sankt Anton oder Seefeld aufnehmen – alles Wintersportorte mit gewachsener Infrastruktur, Après-Ski-Kultur und hoher Prominentendichte. Was Saalbach-Hinterglemm lange fehlte, war Glamour: Restaurants und Hotels einer Kategorie, die auch den Beckenbauers und Schwarzeneggers dieser Welt gefällt.

Doch in den vergangenen Jahren haben auch hier Hotels eröffnet, deren Betreiber wissen, dass es mit Skihütten-Romantik und Kellersaunen nicht getan ist, wenn man in der Oberliga mitspielen möchte. Mit dem Wiesergut ist nun endgültig klar, wohin die Reise geht: weg vom rustikalen Alpen-Charme und hin zu einem großzügigen und puristischen Wohnstil. Schon beim ersten Blick auf die wie Würfel im Schnee liegenden Gartensuiten mit Flachdach und hohen Glasfronten wird klar, dass hier jemand alles anderes machen wollte.

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Empfang und Lobby sind in einem verglasten Zwischenbau untergebracht, der den Trakt der Gartensuiten und das Gutshaus verbindet. Sofort ist zu sehen, was die Architektur des Wieserhofs ausmacht: Dielen aus angegrautem Eichenholz, hohe Decken aus Sichtbeton, Natursteinwände, breite Fensterfronten, sehr viel Platz. Neben dem Empfangstisch blubbert auf einer Heizplatte ein Sud aus Orangen, Sternanis, Nelken und Zimt, der winterlichen Duft verbreitet. Die Rezeptionistin trägt ein minimalistisches Dirndl und bringt zur Begrüßung hausgemachtes Gebäck und einen Kräutertee samt Eieruhr, die anzeigt, wie lange der Tee noch ziehen muss. Ein Auftakt, der gefällt.

Viel Platz zwischen Badewanne und Kamin: Eine Gartensuite des Wiesergut.

Viel Platz zwischen Badewanne und Kamin: Eine Gartensuite des Wiesergut.   |  © PR

Zwei Jahre haben sich Sepp Kröll und seine Frau Martina mit dem Bau Zeit gelassen. Und sich genau überlegt, wie sie ihr Hotel haben wollten. Das archaisch wirkende Keramik-Service von Petra Lindenbauer, die Glaslampen von Isabell Hamm, die weiße Leinen-Bettwäsche von Indira Danusch – jedes Detail ist sorgfältig ausgesucht. Dass der Hausherr in Turnschuhen, Kapuzen-Shirt und Jeans durch die Räume läuft, gehört ebenso zum optischen Konzept wie die Thermoskannen mit Filzmanschette oder die Hirschleder-Ablagekästchen.

Information

Wiesergut; Wiesern 48, 5754 Saalbach-Hinterglemm, Tel. 0043-6541/63 08

Suite ab 300 Euro inkl. Frühstück

Man spürt, dass hier eine Vision in einer Konsequenz umgesetzt wurde, die nur möglich ist, wenn Geld vorhanden ist und keiner dazwischenfunkt. Die Familie Kröll lebt seit Generationen in der Gegend, als Großgrundbesitzer und Landwirte. Noch immer stehen gleich nebenan gut 40 Pinzgauer Rinder im Stall. Die Krölls waren auch die ersten Einheimischen, die Ende des 19. Jahrhunderts Feriengäste in ihrem Gutshof aufnahmen. An dessen Stelle steht jetzt der Neubau mit 17 Suiten, Bar und Restaurant.

Die sieben Gartensuiten wurden buchstäblich auf die grüne Wiese gebaut. Jede hat einen Kamin und ein offenes Bad mit freistehender Wanne. Wer arbeiten möchte, findet einen Schreibtisch und WiFi, für Faulenzer gibt es ein breites Sofa, auf der privaten Terrasse lockt ein mit warmem Quellwasser gefüllter »Hotpot«. Die Gartensuiten sind durch einen Gang verbunden, an dessen Ende eine Tür ins Badehaus führt. Ein türkisfarbenes Becken zieht sich wie ein Infinity-Pool bis ans Panoramafenster. Dazu kommen Sauna, Dampfbad und Behandlungskabinen – in gewohnt großzügigen Dimensionen und mit so viel Aussicht wie möglich. Dass man sich bei all dem Glas manchmal wie auf dem Präsentierteller fühlt – schließlich steht das Wiesergut in Sichtweite des Gondellifts und anderer Häuser – wird sich selbst durch zusätzlich gepflanzte Bäume kaum vermeiden lassen. Und dass man aus den Fenstern nicht nur die Berge, sondern auch die verbaute Umgebung sieht, kann keiner schönreden. Die Verschmelzung von drinnen und draußen bringt eben nicht nur Vorteile.

Nie wieder falsch liegen: Um weitere Hoteltests zu lesen, klicken Sie bitte auf dieses Bild.

Nie wieder falsch liegen: Um weitere Hoteltests zu lesen, klicken Sie bitte auf dieses Bild.   |  © Design Hotels

Im Restaurant dagegen fühlt man sich wieder behaglich. Die beiden Küchenchefs Matthias Schütz und Gerhard Rieger greifen zum Teil auf Produkte des Familienguts zurück, andere Zutaten stammen aus der Umgebung, wie das Wild, das rosa gebraten und mit Rotkraut und gerösteten Schwarzwurzeln an den Tisch kommt. Kein Wunder, dass das Restaurant gut besucht ist, nicht nur von Hotelgästen. Am Abend sitzen viele junge Leute an den Holztischen, der Dresscode ist locker. Wenn an der Bar noch eine Flasche Champagner geöffnet wird, wirkt Saalbach-Hinterglemm gar nicht mehr hinterwäldlerisch. Und auch nicht so altbacken-mondän wie Kitzbühel oder Sankt Anton. Schade, dass man als Nicht-Skifahrer eher selten hier vorbeikommt.

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Leserkommentare
    • Felefon
    • 04. Februar 2013 3:16 Uhr

    "Neben dem Empfangstisch blubbert auf einer Heizplatte ein Sud aus Orangen, Sternanis, Nelken und Zimt.."

    Des hams schö ogrächt, e?
    http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Piefke-Saga

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  • Serie Hoteltest
  • Schlagworte Hotel | Österreich | Wintersport | Salzburg
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