ItalienDer alte Löwe

Silvio Berlusconi kämpft auf allen Fernsehkanälen. Und legt nach jedem Auftritt in den Umfragen zu. von 

Silvio Berlusconi

Silvio Berlusconi während eines Auftritts in der Fernsehsendung "Porta a Porta" auf Rai 1  |  © Tiziana Fabi/AFP/Getty Images

Es ist Wahlkampf, und Italien guckt Silvio Berlusconi. Ob man will oder nicht, man kann sich ihm gar nicht entziehen. Denn egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit man den Fernseher einschaltet – Berlusconi sitzt schon da, auf irgendeinem Stuhl, in irgendeinem Studio, auf irgendeinem Kanal. Er erzählt, dass er die Steuern senken will, dass er eine Million neue Arbeitsplätze schafft (mindestens), dass er der erfahrenste, beliebteste und erfolgreichste Unternehmer, Staatsmann und Fußballpräsident aller Zeiten ist.

Wenn man Berlusconi zuhört, muss man den Eindruck gewinnen, seine Partei habe im vergangenen Jahr verzweifelt Fundamentalopposition gegen die Sparpolitik von Ministerpräsident Mario Monti betrieben. Dabei hat sie die amtierende Expertenregierung 13 Monate lang unterstützt. Man bekommt Zweifel daran, dass Berlusconi selbst das Land vor noch nicht mal anderthalb Jahren an den Rand des Staatsbankrotts geführt hat – denn er behauptet ja steif und fest, nie sei es Italien so gut gegangen wie mit ihm. Und man muss es faszinierend finden, wie dieser alte Mann, den man unter seinen Prozessen und Skandalen schon erledigt wähnte, in den Arenen des Fernsehens kämpft wie ein Löwe.

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Diesmal beschränkt sich Berlusconi nicht auf Monologe vor den üblichen Hofberichterstattern. Sondern er sucht die Konfrontation, sogar mit seinen alten Gegnern. Vergangene Woche besuchte er erst die frühere Europa-Abgeordnete Lilli Gruber, dann den populären Talkmaster Michele Santoro. Als Premier hatte Berlusconi einst dafür gesorgt, dass die Fernsehkarriere der beiden unterbrochen wurde, Santoro warf er sogar einmal öffentlich den »kriminellen Missbrauch des Fernsehens« vor.

Erinnerungen an die Dschungelcamp-Politik

Jetzt, Jahre später, verschaffte Berlusconi diesem Erzfeind einen Zuschauerrekord. Neun Millionen sahen, wie die Gegner einander zuerst beschnupperten, sich dann die Bälle zuwarfen und zum Schluss auch mal anbrüllten. Fast drei Stunden beste Unterhaltung mit einer Menge Showeinlagen. Berlusconi am Schluss: »Grazie. Ich habe mich bestens amüsiert.« Das galt auch für das Publikum.

In den Meinungsumfragen liegt Berlusconi zwar noch deutlich hinter den Sozialdemokraten des Partito Democratico (PD) – aber er legt nach jedem Fernsehauftritt ein bisschen zu. Es ist, als wenn Italien Nostalgie nach der Dschungelcamp-Politik der Berlusconi-Jahre verspürte, wo die Lage hoffnungslos war, aber doch wenigstens nicht ernst.

Die Show muss weitergehen

Mögen Berlusconis Versprechen auch so absurd sein wie seine Deutung der Vergangenheit, unterhaltsam ist er allemal. Da kann Mario Monti noch so eindringlich warnen:»Er ist ein Rattenfänger.« Berlusconi gibt zurück: »Was will Monti? Auch noch meine Flöte besteuern?«

Auch das Mailänder Gericht, vor dem gegen ihn verhandelt wird, würde Silvio Berlusconi am liebsten in ein Fernsehstudio verwandeln. Er ist dort wegen Förderung der Prostitution mit Minderjährigen angeklagt, das Urteil könnte noch vor dem Wahltermin kommen. Das wäre unangenehm, deshalb spielt der Angeklagte auf Zeit. Seine Anwälte haben schon beantragt, dass George Clooney und Cristiano Ronaldo als Zeugen geladen und gehört werden sollen.

Für Berlusconi ist vor allem eines wichtig: dass die Show weitergeht.

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Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Kein konstruktiver Kommentar. Die Redaktion/kvk

    • drohne
    • 26. Januar 2013 21:29 Uhr
    2. [...]

    Der Kommentar auf den Sie sich kritisch beziehen wurde inzwischen entfernt. Danke. Die Redaktion/kvk

    • drohne
    • 26. Januar 2013 21:30 Uhr
    3. [...]

    Entfernt. Kein konstruktiver Kommentar. Die Redaktion/kvk

  2. Never change a winning Team. Ob Senat oder Medien, the Show Must go On.

    • Toskano
    • 26. Januar 2013 22:02 Uhr

    Seit wann lassen sich Löwen Haare transplantieren?

    Eine Leserempfehlung
  3. berlosconi hat nur eine moeglichkeit nicht in die unanehmlichkeiten des italienischen justizvollzuges kennen zu lernen - wieder regierungschef zu werden! darum geht es ihm. er wird kaepfen wie ein loewe (vor mit seiem medienreich) um nicht 'einruecken' zu muessen. ein obskurer gedanke wenn das reaitaet wuerde - hoffentlich laesst das moderene italien das nicht zu.

    4 Leserempfehlungen
  4. Stultorum plena sunt omnia.

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    Entfernt. Kein konstruktiver Kommentar. Die Redaktion/kvk

    • SuR_LK
    • 26. Januar 2013 22:56 Uhr

    Die Italiener haben derzeit die Top Auswahl, Mr.Bunga-Bunga oder Goldmonti. Könnte man fast beneiden wenn ich unsere Regierung anschaue.

    3 Leserempfehlungen

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  • Schlagworte Wahlkampf | Italien | Silvio Berlusconi | Fernsehen
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