In Berlin setzt sich eine neue Art durch, seine Kinder zu transportieren, das Lastenfahrrad. Wer es beruflich geschafft hat, kauft sich keinen Sportwagen, um seinen Status zu demonstrieren, sondern ein sperriges Rad. Die beliebtesten Modelle sind solche, die in einer dänischen Hippie-Kommune fabriziert werden. Sie können durchaus so viel kosten wie ein Auto und sind auch in etwa so breit.

Als Statussymbole sind Lastenräder allerdings ungleich wertvoller. Schließlich kommuniziert man nicht nur, dass man mit Kindern gesegnet ist. Man ist auch um die Umwelt besorgt, deshalb verschont man den Planeten vor Abgasen und tritt lieber in die Pedale, mit den Kindern vorne im Lastenkasten. Ich bin ein großer Freund von Statussymbolen. Und noch mehr mag ich solche, die moralisches Oberwasser als Ausstattungsmerkmal haben. Was ich nicht so gerne mag, sind außerordentliche Anstrengungen. Da kommt mir das umaZooma, das in einer kleinen Berliner Manufaktur gefertigt wird, gerade recht. Es ist ein Lastenfahrrad, aber die wahre Last wird dem Fahrer abgenommen: das Treten.

Für den Antrieb sorgt ein kleiner Elektro-Nabenmotor, der sich aus einer Batterie speist, die unauffällig am Rahmen klemmt wie eine Thermoskanne. Das umaZooma fährt, anders als die meisten Lastenräder, auf zwei Rädern, nicht auf drei. Das macht es ein wenig instabil, aber auch leichtgängiger. Ich habe Befürchtungen, dass ich mit meinen Kindern vorn im Korb umkippen könnte. Also fahre ich damit erst mal zum Baumarkt. In der Gartenabteilung stehe ich plötzlich vor einer Eberesche, zweieinhalb Meter hoch. Ich lade das Ding in die Lastenkiste, schlingere etwas, dann geht es. Ich fahre mit einem Baum vor dem Lenker durch Berlin. Ein Umweltdenkmal auf zwei Rädern! Touristen deuten auf mich, ich habe mich selten im Leben besser gefühlt, es fehlen nur die Blumen im Haar. Danach setze ich meine Tochter Greta in die Lastenbox.

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Wir fahren nach Prenzlauer Berg. Heißt ja nicht umsonst Prenzlauer Berg. Bald sehe ich Väter vor mir, die, schwer pumpend, auf ihren Lastenrädern ihren Nachwuchs die Steigung hochkurbeln. Mit dem Elektromotor fliegen wir an ihnen vorbei. Greta johlt und ballt die Faust. Ich johle auch. Die Väter schauen ungläubig. Sie verstehen nicht, dass ich den Sportwagen unter den Gutmenschenrädern fahre, ich Bestmensch.

Technische Daten:

Rahmen: Stahl
Schaltung: 7-Gang-Nabenschaltung
Motor: 250 W
Gesamtlänge: 2,46 m
Bremsen: Cantilever-Felgenbremse (vorn), Rollerbremse (hinten)
Basispreis: 1800 Euro

Tillmann Prüfer ist Style Director beim ZEITmagazin