AfrikaSchneller wachsen ohne Demokratie

Mit ihren Erfolgen stellen Ostafrikas autoritäre Herrscher das Entwicklungsmodell des Westens infrage. von Pierre-Christian Fink

In einem Café in Kampala arbeiten drei Männer an ihren Laptops (Archivbild)

In einem Café in Kampala arbeiten drei Männer an ihren Laptops (Archivbild)  |  © Michele Sibiloni/AFP/Getty Images

Ruandas Regierung steckt ihre Kritiker ins Gefängnis. Ugandas Regierung droht Bürgerrechtsaktivisten mit Verboten. Und Äthiopiens Regierung sperrt die Internetseiten von Oppositionsgruppen. Es sind solche Geschichten, mit denen die drei ostafrikanischen Länder in westlichen Medien auftauchen. Worüber jedoch so gut wie nie berichtet wird, sind drei erstaunliche Zahlen: 8,1 Prozent. 7,4 Prozent. 9,7 Prozent. Das sind die durchschnittlichen Wachstumsraten Ruandas, Ugandas und Äthiopiens in den vergangenen fünf Jahren. Sie liegen deutlich über 4,6 Prozent, dem Durchschnitt für das subsaharische Afrika.

Geprägt haben die drei Länder drei starke Männer: In Ruanda regiert Paul Kagame, in Uganda Yoweri Museveni. In Äthiopien herrschte bis zu seinem Tod im vergangenen August Meles Zenawi. Autoritäre Herrschaft und astronomisches Wirtschaftswachstum – wie passt das zusammen?

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Nur schwer. Jahrzehntelang waren in Afrika Diktatur und Misswirtschaft synonym. Idi Amin etwa ließ mehr als 300.000 Ugander foltern und töten. Gleichzeitig sank das durchschnittliche Einkommen um 20 Prozent. Als Amins neunjährige Herrschaft 1979 zu Ende ging, waren die Märkte leer und das Benzin knapp. Ähnliche Geschichten lassen sich erzählen über Mobutu Sese Seko im Kongo, über Jean-Bedel Bokassa in der Zentralafrikanischen Republik, über Charles Taylor in Liberia.

Für westliche Entwicklungsexperten ergab das ein eindeutiges Bild. Der Zusammenhang zwischen Regierungsform und Wirtschaftswachstum in Afrika sei »kristallklar«, schreibt Steven Radelet, Co-Autor eines Standardlehrbuchs zur Entwicklungsökonomik. »Demokratische Regierungen waren erfolgreich, während autoritäre Regierungen grundsätzlich zu Fehlschlägen führten.«

Äthiopien

Hungersnöte

Hilflose Väter, weinende Mütter, Kinder mit aufgeblähten Bäuchen – viele solcher Aufnahmen entstanden Mitte der achtziger Jahre in Äthiopien. Bis heute prägen sie das Bild des Landes. Dabei exportiert Äthiopien inzwischen Gemüse und Fleisch. Doch im Land brechen noch immer Hungersnöte aus

Chefwechsel

Äthiopien ist ein starker Staat, der manche Erfolge feiert, aber immer wieder ohnmächtig bleibt. Bestimmt wurde diese Politik rund 20 Jahre lang von Regierungschef Meles Zenawi. Der autoritäre Herrscher starb im August 2012. Ob sein Nachfolger Hailemariam Desalegn es anders macht als Zenawi, ist noch unklar

Uganda

Kindersoldaten

Mehr als 70 Millionen Internetnutzer haben im vergangenen März das Video »Kony 2012« einer US-Aktivistengruppe gesehen. Es erweckt den Eindruck, der Rebellenchef Joseph Kony kommandiere eine Armee von Kindersoldaten in Norduganda. Bald aber stellte sich heraus: Die Gruppe ist auf wenige Kämpfer geschrumpft und längst aus Uganda geflüchtet

Regionalmacht

Vertrieben wurden die Rebellen in jahrelangem Kampf durch die ugandische Armee – ein Machtmittel von Präsident Yoweri Museveni. Museveni entsandte Tausende Soldaten zur Friedenstruppe in Somalia und entwickelte sein Land damit zu einer Regionalmacht

Ruanda

Genozid

Bis heute ist Ruanda vor allem verknüpft mit dem Völkermord der Hutu an den Tutsi 1994. An den Genozid erinnern etwa der Kinofilm »Hotel Ruanda« und das Theaterstück »Hate Radio«. In Ruanda selbst unterdrückt die Tutsi-geführte Regierung von Paul Kagame die Debatte über das Thema

Vertreibung

Die ethnischen Spannungen wirken noch immer fort. So soll die ruandische Regierung die Rebellen der Gruppe M23 im Ostkongo unterstützen. Experten der Vereinten Nationen zufolge steht der ruandische Verteidigungsminister an der Spitze der M23-Befehlskette. Die Rebellen sollen Hunderte Zivilisten ermordet und Tausende vertrieben haben

Regieren mit harter Hand

Februar 2011: Ugandas Präsident Yoweri Museveni erklärt sich für wieder- gewählt. Sein Herausforderer Kizza Besigye spricht von Wahlbetrug

November 2011: Der regierungskritische Journalist Charles Ingabire aus Ruanda wird erschossen

Dezember 2011: Zwei schwedische Journalisten werden zu Haftstrafen verurteilt, weil sie über einen Konflikt im Osten Äthiopiens berichtet haben

Januar 2012: Menschenrechtlern zufolge hat die äthiopische Regierung Zehntausende Bürger vertrieben, um deren Land an ausländische Agrar- investoren zu verpachten

August 2012: Human Rights Watch wirft den Machthabern in Uganda vor, die Arbeit von Nicht- regierungsorganisationen zu behindern

Oktober 2012: Die ruandische Oppositionsführerin Victoire Ingabire wird zu acht Jahren Haft verurteilt

Quelle: BBC, Human Rights Watch

Was aber ist mit Kagame, Museveni und Zenawi – jenen autoritären Herrschern, die ihre Volkswirtschaften nicht ruinierten, sondern blühen ließen? Bislang haben Entwicklungsforscher für das neue Phänomen noch kaum Erklärungen, aber immerhin einen Namen: afrikanische Löwen.

Deren wirtschaftlicher Erfolg wirft beklemmende Fragen auf: Ist Demokratie ein Luxus, den sich arme Länder nicht leisten können? Wachsen Entwicklungsländer schneller, wenn die Regierung die Opposition unterdrückt, die Justiz gleichschaltet und die Presse mundtot macht? Aber auch: Was passiert, wenn der starke Mann nicht mehr herrscht – so wie Zenawi? Diese Fragen müssen sich Afrikas Mächtige stellen, wenn sie nächste Woche in Addis Abeba zum Gipfel der Afrikanischen Union zusammenkommen.

Eines jedenfalls steht fest: Viele Mächtige in Afrika haben genug vom Entwicklungsmodell des Westens. Jahrzehntelang predigten Amerika und seine europäischen Verbündeten politische und wirtschaftliche Freiheit – ohne dass es spürbar bergauf ging mit Afrika. Außerdem knüpfte der Westen viele seiner Hilfszahlungen an Fortschritte bei der Demokratisierung. Afrikas Politiker fühlten sich gegängelt. Und betrogen von der Doppelmoral Amerikas, das dann doch dem schlimmsten Potentaten unter die Arme griff, sobald es amerikanischen Rohstoff- oder Sicherheitsinteressen diente.

Nun bietet sich für Afrika eine Alternative zum westlichen Modell an: der chinesische Weg. Statt der leeren Worte Amerikas hat China seine eigene Erfolgsgeschichte vorzuweisen: in 30 Jahren vom Armenhaus der Weltwirtschaft zu ihrem Wachstumsmotor.

Der Washington Consensus bekommt Konkurrenz durch den Beijing Consensus, jenes neue Entwicklungsmodell, das der Cambridge-Forscher Stefan Halper als stille Absprache zwischen Regierung und Bürgern definiert: »politische Unterdrückung in der Öffentlichkeit im Tausch gegen relative wirtschaftliche Freiheit und eine steigende Lebensqualität«.

Lässt es sich in einer Autokratie also besser wirtschaften als in einer Demokratie?

Ja, sagt Sospeter Nyambok. Der 34-Jährige wanderte vor rund drei Jahren von Kenia nach Uganda aus. Dabei ist sein Heimatland wesentlich demokratischer – so sehen es Ranglisten wie die des amerikanischen Thinktanks Freedom House. Doch Nyambok erinnert sich vor allem an die Unruhen nach der Wahl in Kenia 2007. »Uganda ist stabiler, weil Museveni einfach an der Macht bleibt.«

Nyambok mietete einen Stand auf dem Nakasero-Markt in Kampala. Seitdem steht er morgens um vier Uhr auf und kauft von lokalen Bauern Bananen und Süßkartoffeln. Die verkauft seine Frau dann tagsüber an Kunden aus Ugandas wachsendem Mittelstand. Nyambok beliefert währenddessen zwei Hotels mit Obst – eine sichere Einnahmequelle.

Mit den Gewinnen hat er vor rund einem Jahr eine Metallwerkstatt gegründet, draußen im billigen Viertel Wabigalo. Seine vier Mitarbeiter haben schon rund hundert Milchkannen für eine ugandische Molkerei repariert. Nyambok hat die sauberen Schweißnähte fotografiert, die Abzüge trägt er in einer Ledertasche bei sich. Mit den Fotos ist er zur Shell-Zentrale in Kampala gegangen. »Wenn wir für so ein großes Unternehmen Öltanks schweißen könnten – das wäre ein toller Auftrag! So etwas ist möglich in Uganda, weil die Wirtschaft wächst und ich alle Freiheiten habe.«

Unternehmern ein stabiles Umfeld bieten – das ist eine Erklärung für den Erfolg der afrikanischen Löwen. Aber es ist nicht die ganze Geschichte. Denn gleichzeitig greifen die Regierungen in die Wirtschaft ein – ganz nach chinesischem Vorbild. Ruanda hat erst kürzlich einen Wirtschaftsplan beschlossen, die »Vision 2020«.

»Damit die Aktivitäten des privaten Sektors der Entwicklung des Landes dienen, muss er von der Regierung gelenkt werden«, sagt Clare Akamanzi. Die 33-Jährige mit Kurzhaarfrisur arbeitet auf einem Hügel über dem Geschäftsbezirk der Hauptstadt Kigali, in der obersten Etage eines sechsstöckigen Neubaus mit Glasfront. Sie leitet das Rwanda Development Board – eine Behörde, die direkt dem Präsidenten untersteht. Das Development Board ist besetzt mit den Top-Wirtschaftsabsolventen und soll die Entwicklung des Landes antreiben.

Das ist nicht einfach bei Ruandas Ausgangsbedingungen. Der Genozid der Hutu an den Tutsi liegt nicht einmal 20 Jahre zurück. Er ließ rund 800.000 Leichen und ein Land in Trümmern zurück. Wie sollte sich das Land entwickeln? »Der typische Weg armer Länder mit niedrigen Lohnkosten ist uns versperrt«, sagt Akamanzi. »Wir können keine billigen Textilien und Elektronik exportieren, weil wir 1.000 Kilometer vom nächsten Hafen entfernt liegen – die Transportkosten würden unsere Waren viel zu teuer machen für den Weltmarkt.«

Stattdessen versucht Ruanda, das Beste aus seiner Landwirtschaft herauszuholen. Noch vor zehn Jahren exportierte das Land Kaffee in niedriger Qualität. Der Markt allein ließ keine Verbesserung zu. »Die Kaffeebauern haben keine besseren Sorten angepflanzt, weil die Röstereien so schlechte Maschinen hatten. Und die Röstereien haben nicht in bessere Maschinen investiert, weil die Kaffeebauern so schlechte Bohnen lieferten«, erinnert sich Akamanzi. Also griff der Staat ein. »Wir haben Kaffeebauern und Röster an einen Tisch gesetzt und sie eine gemeinsame Qualitätsverbesserung vereinbaren lassen.« Heute wird ruandischer Kaffee in amerikanischen Starbucks-Läden als Premiumsorte angeboten.

Außerdem soll sich Ruanda zu einem Zentrum der afrikanischen Softwarebranche entwickeln. »Wir haben diesen Sektor ausgewählt, weil hier die hohen Transportkosten keine Rolle spielen«, sagt Akamanzi. Um für ausländische Kunden zu programmieren, braucht Ruanda nur eine schnelle Internetverbindung. Also ließ die Regierung 2.500 Kilometer Glasfaserkabel verlegen in dem Land, das etwa so groß ist wie Mecklenburg-Vorpommern. Außerdem verhandelte das Rwanda Development Board mit der Carnegie Mellon University, deren Informatik-Fakultät zu den besten der Welt gehört. Ende August eröffnete die Universität aus Pittsburgh eine Außenstelle in Kigali.

»Ich brauche dringend neue Mitarbeiter«, sagt Clement Uwajeneza, der Chef von Access Information Systems. Sein Unternehmen stellt Spezialanwendungen für Firmen her – zum Beispiel ein Programm, mit dem Bauern per SMS die optimale Düngermenge erfahren. Der 32-Jährige hat Informatik in Montpellier studiert. Nach dem Abschluss kam er sofort zurück nach Ruanda – »hier gibt es einfach viel bessere Geschäftsmöglichkeiten. Man fasst Mut, weil man jeden Tag sehen kann, wie die Wirtschaft wächst.« Vor zwei Jahren habe es in Kigali noch keine Flachbildfernseher gegeben, jetzt bekomme man sie in Dutzenden Geschäften.

Das sagt Clement Uwajeneza, der Konsument. Aber was sagt Clement Uwajeneza, der Bürger? »Sicherlich gibt es in Ruanda nicht die gleichen politischen Freiheiten wie in Frankreich. Aber wenn ich mir die Politik der beiden Regierungen anschaue, gibt es in Ruanda auch nicht annähernd so viel Bedarf an Opposition wie in Frankreich.«

Die Softwarebranche unterstützen, Kaffeebauern und Röster an einen Tisch bringen – so sanft sind die Eingriffe der afrikanischen Löwen in ihre Wirtschaften nicht immer. In seiner Zeit als äthiopischer Ministerpräsident habe Zenawi, so der Vorwurf von Menschenrechtlern, ganze Häuserzeilen in der Hauptstadt Addis Abeba abreißen lassen, mit kurzer Vorwarnung und oft ohne Entschädigung für die Bewohner. Willkürherrschaft? Oder effektive Stadtplanung? Denn es entstanden ein neuer Flughafen und neue Straßen. In Addis Abeba kommen Geschäftsleute heute schnell von einem Termin zum anderen – ganz anders als in Kenias Hauptstadt Nairobi. »Einparteienherrschaft kann große Vorteile haben, wenn sie von hinreichend aufgeklärten Politikern geführt wird«, meint der amerikanische Globalisierungsvordenker Thomas Friedman. Dann könne die Regierung jene Politik durchsetzen, die politisch schwer kommunizierbar, aber sachlich richtig sei.

Aber was ist sachlich richtig? Orientieren sich Autokraten nicht viel zu stark am Wirtschaftswachstum und vernachlässigen darüber andere Dimensionen der Entwicklung wie Bildung und Gesundheit? Diesen Vorwurf formulierte Nobelpreisträger Amartya Sen in den achtziger Jahren, als schon einmal eine Ländergruppe Wachstum mit Autokratie verband – die Tigerstaaten in Südostasien. Um seine Position zu untermauern, entwickelte Sen ein neues Maß für Entwicklung: den Human Development Index (HDI). Der berücksichtigt zum Beispiel die Lebenserwartung, die Schulversorgung und die Armutsquote.

Wenn Sens These stimmt, dürften die afrikanischen Löwen kaum Fortschritte beim HDI erzielt haben. Doch auf dem Index ist jedes der drei Länder deutlich gestiegen.

Nur Einzelfälle – oder können Autokratien auch andernorts die Entwicklung vorantreiben? Als die Vereinten Nationen die Rangliste für 2010 vorlegten, untersuchte eine Begleitstudie den Zusammenhang zwischen Regierungsform und HDI-Platzierung. Das Ergebnis der Analyse: Demokratie und Entwicklung gehen nicht notwendigerweise Hand in Hand. Ihren Ausführungen gaben die Autoren die Überschrift: »Gute Dinge geschehen nicht immer alle gleichzeitig.«

Die erfolgreichen Autokratien sind also nur die halbe Geschichte. Die andere Hälfte sind Demokratien, die Entwicklung behindern. Wie kann das sein? Weil solche Demokratien nicht über halbwegs freie Wahlen hinausgehen, so Paul Collier, Leiter des Zentrums für afrikanische Volkswirtschaften in Oxford. Funktionierende Demokratie benötige außerdem eine freie Presse, eine wachsame Zivilgesellschaft, eine unabhängige Justiz.

Wo diese Institutionen fehlen – wie in den meisten afrikanischen Demokratien –, bringen Wahlen mehr Schlechtes als Gutes, argumentiert Collier. Der Wahlsieger kann sich ungestört bereichern. Um seine Pfründen zu verteidigen und eine spätere Rache der politischen Gegner zu vermeiden, wird er die Opposition ausbooten. Unter solchen Bedingungen entwickelt sich der Wahlkampf zu »einer Frage von Leben und Tod«, geführt mit Drohungen, Stimmenkauf, Betrug und Gewalt.

In Afrika kommen die Stämme hinzu. Sachpolitisch zu argumentieren ist für Kandidaten oft weniger erfolgversprechend als die Ankündigung, nach einem Wahlsieg die öffentlichen Gelder vor allem an die eigene Ethnie zu verteilen. Bei den jüngsten Wahlen in Kenia stimmten 98 Prozent aller Luo für den Kandidaten aus ihrem Stamm, Raila Odinga. Unter solchen Bedingungen, meint Collier, sei die Stimmabgabe kein Akt politischer Partizipation, sondern vergleichbar »dem Tragen des Fanschals eines Fußballvereins«.

Die Autokratien der afrikanischen Löwen mögen für das wirtschaftliche Wachstum besser sein als zerrüttete Demokratien – aber deshalb sind sie noch lange nicht besser als intakte Demokratien. Botsuana etwa steht im afrikanischen Vergleich weit oben auf den Ranglisten sowohl für Freiheit als auch für Wohlstand.

Und wer kann schon garantieren, dass ein erfolgreicher Diktator erfolgreich bleibt? Vorvergangenes Jahr gingen Ugandas Geschäftsleute auf die Straße, weil sie genug hatten nach einer Serie von Stromausfällen. Es war eine Lektion für die Herrscher der afrikanischen Löwen: Sobald sie ihren Teil der stillen Absprache mit den Bürgern nicht mehr erfüllen, steigen auch die Bürger aus. Ohne wirtschaftlichen Erfolg keine Unterwürfigkeit.

Wie werden die Mächtigen der afrikanischen Löwen auf solchen Widerstand reagieren? Werden sie ihre Gesellschaften öffnen? Oder mit noch härterer Hand regieren? Wer wird das Vorbild sein – Amerika oder China?

Die USA haben ihre Entwicklungshilfe zuletzt um rund zwei Milliarden Dollar gekürzt. Unterdessen eilt China in Afrika von einem Investitionsrekord zum nächsten – und bedankt sich bei den gastgebenden Regierungen mit Prachtbauten. Vergangenes Jahr eröffnete die Afrikanische Union in Addis Abeba ihr neues Hauptquartier, 200 Millionen Dollar teuer, 100 Meter hoch, mit einem Auditorium für 2500 Besucher. Wenn die Mächtigen Afrikas von Montag an über die Zukunft ihres Kontinents diskutieren, dann in einem Geschenk aus China.

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Leserkommentare
    • Fuka
    • 27. Januar 2013 21:17 Uhr

    Zu den gerne dozierten Glaubenssätzen des Westens gehört, dass nur demokratische Verhältnisse langfristig wirtschaftlichen Aufstieg garantieren. Das ist falsch. Demokratie und breit verteilter Wohlstand können gleichzeitig auftreten, doch sie bedingen einander nicht. Ein vernünftig agierender Diktator kann sein Land weiter bringen als eine "demokratische" Regierung, die sich nur auf eine Mehrheit von Stammeskoalitionen stützt und die Vorteile dieser Gruppen im Auge hat. Wenn ein solcher Diktator dann auch noch Zeitgefühl hat und weiß, wann es an der Zeit ist, die Macht an einen geeigneten Nachfolger weiterzugeben, steht einem über längere Zeit prosperierenden Staat wenig im Weg.
    In vielen afrikanischen Ländern sind die Verhältnisse so, dass die Mehrheit der Menschen um ihre Existenz kämpfen muß. Interessiert Menschen unter solchen Bedingungen, ob ihre Regierung demokratisch gewählte ist oder von einem Diktator geführt wird? Nein, sie interessieren dafür, was die Regierung dafür tut, dass die eigene Existenz sicherer ist und vielleicht besser wird.
    Zudem hat der Westen wie richtig angemerkt zu oft Wasser gepredigt und Wein getrunken, sprich die Diktatoren gefördert, die im Interesse des Westens agierten. Nach der Machtergreifung Saddam Husseins soll ein US-Diplomat nach Hause berichtet haben: "Saddam Hussein ist ein Schweinehund - aber er ist unser Schweinehund". Soviel zum Thema "Vermittlung demokratischer Werte durch den Westen". Da sind die Chinesen wenigstens ehrlicher.

    5 Leserempfehlungen
  1. .. dem das Wohl seines Volkes das wichtigste ist, kann wohl wirklich mehr tun um sein Land voranzubringen, allerdings sind solche Leute äußerst (!) selten. Meist ist nach kurzer Zeit die Armee der Privatspiel-Platz des Diktators und diese frisst dann auch immer höhere Teile des BIPs, was auch logisch ist, da die Armee ja auch aufgrund ihrer Bevorzugung zur größten Stützte des Diktators wird.

    Auch wenn viele auf die Demokratie schimpfen (gibt ja angeblich seit 20 Jahren in allen Ländern des Westens nurnoch Flaschen in der Politik), so hat diese zumindest die Tendenz eher selten völlig abzufriften und alles Geld für die Truppen rauszublasen (ums vorwegzunehmen: Ja die Amis buttern auch ordentlich Geld ins Militär, aber die habens ja im Prinzip auch).

    • rho
    • 28. Januar 2013 2:16 Uhr

    der Autor, Herr Fink, hat wohl noch nicht in diesen Ländern gelebt.
    Woimmer diese Wachstumsstatistiken herkommen, Papier ist geduldig. Bei den Bevülkrtungen dieser Länder kommt bestimmz nichts an und wäre bei dem Bevölkerungswachstum sowieso unerheblich. Nein, es sind die lokalen Eliten, die diese Länder schamlos ausbeuten. Den Reichen geht´s tatsächlich besser.Den kleinen Leuten geht´s immer schlechter. Ich lebe noch in Uganda: Preise steigen, kleine Einkommen stagnieren. Gebessert hat sich nur die Sicherheitslage. Kagame macht das recht gut, Musuvenis Bilanz ist durchwachsen. Seine korrupte Offiziersclique kriegt Kony nicht in Griff. Will ja gar nicht. Äthiopien ist ein bisschen anders. Ich will als Politologe ( 40 Jahre in der Gegend) Herrn Fink keine Nachhilfe erteilen, soll er doch selbst dahinterkommen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    selbst in ihrer ursprünglichen Form hatte die Demokratie unfreie/ versklavte Bevölkerungsteile. Die US Demokratie war bis vor 40 Jahren auch alles andere als Demokratisch. Die Französische ist es bis heute nicht! Die EU ist ebenfalls weit davon entfernt demokratisch zu sein.

    Bitte erklaeren sie mir einmal den Bevoelkerungswachstum in Afrika!

  2. ... schwarz noch ganz weiß, es ist irgendwo dazwischen auf den 256 Graustufen.
    Jedwede Herrschaftsform kann nur dann erfolgreich sein, wenn die Mehrheit ( und mehr als nur 50% ) freiwillig! mitmachen. Das kann eine Demokratie sein, in der alle Optionen ausdiskutiert werden und dann alle mitmachen, dass kann auch eine Demokratur oder Diktatie sein, wenn die Führenden entweder geschickt die Mehrheitsmeinung zu ihren Gunsten beeinflussen oder eben die Mehrheitsmeinung als Marschrichtung ausgeben.

  3. In beiden Fällen kann es auch total schief gehen, wenn entweder bis zur allgemeinen Paralyse nur noch lamentiert ( "diskutiert" ) wird oder wenn es Entscheidungen von unfähigen, unwilligen oder korrupten Befehlshabern und/oder deren Nachfolgern sind. Es gibt genügend Beispiele in der Geschichte.
    Die Basis ist, dass jeder Mensch will, dass er als Individuum geachtet wird und dass es ihm und auch seinen Kindern besser gehen soll als seinen Eltern. Wenn dieses Ziel erreicht wird, ist im Grunde jede Regierungsform recht, wenn nicht, ist jede falsch. Es gibt hinlänglich Beispiele in der Geschichte, dass manche Diktatur stark angefangen und dann ganz schnell nachgelassen hat. Mit der Demokratie haben wir noch nicht so viele Erfahrungen, aber ich kann mir vorstellen, dass auch da Unfähigkeit, Korruption, Günstlingswirtschaft und die Sucht nach dem "Antrag zur Geschäftsordnung" das Ende einläuten kann. Nur hat die Demokratie einen Vorteil: Der Pool für die Auswahl von Personen ist deutlich größer und damit wird auch ein möglicher Absturz nie so tief enden wie bei einer anderen Herrschaftsform.

  4. Ist es eigentlich eine Art für Sie nicht kontrollierbarer Reflex, dass Sie selbst in einem Artikel in dem Sie von guten Wirtschaftszahlen bestimmter Länder in den tiefsten Tiefen Ihres Archivs stets nur Bilder aus afrikanischen Slums finden?

    Afrika, das ist z.B. auch dies hier:

    http://djeya14.d.j.pic.centerblog.net/o/f4312ecb.jpg

    oder dies

    http://4.bp.blogspot.com/_HP7IhG7-Umc/TMstAsewD0I/AAAAAAAAA-0/gqk4yHeSWU...

    Und nicht immer wieder nur das gleiche Slum Bild aus dem Archiv. Dabei beschäftigt sich Ihr Artikel noch nicht einmal mit der Verteilung des Reichtums und auf die riesigen sozialen Unterschiede gehen Sie gar nicht ein.

    Finden Sie es gut, permanent so ein Bild von Afrika zu verbreiten?

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    Redaktion

    Liebe/r BlackPower,

    danke für den Hinweis - das Bild ist getauscht.

    Herzlich,
    Alexandra Endres

  5. Investieren verlangt gewisse Sicherheit und die kann nur von funktionierenden Strukturen - staatlich und gesellschaftlich - geschaffen werden.
    Solche Strukturen sind die Grundvoraussetzung dafür, dass die Länder Fortschritte machen können. Imho das Problem in Afrika, dass viel der Staaten dort nur auf dem Papier existieren, aber nicht wirklich in Form einer einheitlichen Verwaltung oder in den Köpfen der Menschen.

  6. Redaktion

    Liebe/r BlackPower,

    danke für den Hinweis - das Bild ist getauscht.

    Herzlich,
    Alexandra Endres

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    Antwort auf "Liebe Zeit-Redaktion"

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