AfrikaSchneller wachsen ohne Demokratie
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Ohne wirtschaftlichen Erfolg keine Unterwürfigkeit

Die Softwarebranche unterstützen, Kaffeebauern und Röster an einen Tisch bringen – so sanft sind die Eingriffe der afrikanischen Löwen in ihre Wirtschaften nicht immer. In seiner Zeit als äthiopischer Ministerpräsident habe Zenawi, so der Vorwurf von Menschenrechtlern, ganze Häuserzeilen in der Hauptstadt Addis Abeba abreißen lassen, mit kurzer Vorwarnung und oft ohne Entschädigung für die Bewohner. Willkürherrschaft? Oder effektive Stadtplanung? Denn es entstanden ein neuer Flughafen und neue Straßen. In Addis Abeba kommen Geschäftsleute heute schnell von einem Termin zum anderen – ganz anders als in Kenias Hauptstadt Nairobi. »Einparteienherrschaft kann große Vorteile haben, wenn sie von hinreichend aufgeklärten Politikern geführt wird«, meint der amerikanische Globalisierungsvordenker Thomas Friedman. Dann könne die Regierung jene Politik durchsetzen, die politisch schwer kommunizierbar, aber sachlich richtig sei.

Aber was ist sachlich richtig? Orientieren sich Autokraten nicht viel zu stark am Wirtschaftswachstum und vernachlässigen darüber andere Dimensionen der Entwicklung wie Bildung und Gesundheit? Diesen Vorwurf formulierte Nobelpreisträger Amartya Sen in den achtziger Jahren, als schon einmal eine Ländergruppe Wachstum mit Autokratie verband – die Tigerstaaten in Südostasien. Um seine Position zu untermauern, entwickelte Sen ein neues Maß für Entwicklung: den Human Development Index (HDI). Der berücksichtigt zum Beispiel die Lebenserwartung, die Schulversorgung und die Armutsquote.

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Wenn Sens These stimmt, dürften die afrikanischen Löwen kaum Fortschritte beim HDI erzielt haben. Doch auf dem Index ist jedes der drei Länder deutlich gestiegen.

Nur Einzelfälle – oder können Autokratien auch andernorts die Entwicklung vorantreiben? Als die Vereinten Nationen die Rangliste für 2010 vorlegten, untersuchte eine Begleitstudie den Zusammenhang zwischen Regierungsform und HDI-Platzierung. Das Ergebnis der Analyse: Demokratie und Entwicklung gehen nicht notwendigerweise Hand in Hand. Ihren Ausführungen gaben die Autoren die Überschrift: »Gute Dinge geschehen nicht immer alle gleichzeitig.«

Die erfolgreichen Autokratien sind also nur die halbe Geschichte. Die andere Hälfte sind Demokratien, die Entwicklung behindern. Wie kann das sein? Weil solche Demokratien nicht über halbwegs freie Wahlen hinausgehen, so Paul Collier, Leiter des Zentrums für afrikanische Volkswirtschaften in Oxford. Funktionierende Demokratie benötige außerdem eine freie Presse, eine wachsame Zivilgesellschaft, eine unabhängige Justiz.

Wo diese Institutionen fehlen – wie in den meisten afrikanischen Demokratien –, bringen Wahlen mehr Schlechtes als Gutes, argumentiert Collier. Der Wahlsieger kann sich ungestört bereichern. Um seine Pfründen zu verteidigen und eine spätere Rache der politischen Gegner zu vermeiden, wird er die Opposition ausbooten. Unter solchen Bedingungen entwickelt sich der Wahlkampf zu »einer Frage von Leben und Tod«, geführt mit Drohungen, Stimmenkauf, Betrug und Gewalt.

In Afrika kommen die Stämme hinzu. Sachpolitisch zu argumentieren ist für Kandidaten oft weniger erfolgversprechend als die Ankündigung, nach einem Wahlsieg die öffentlichen Gelder vor allem an die eigene Ethnie zu verteilen. Bei den jüngsten Wahlen in Kenia stimmten 98 Prozent aller Luo für den Kandidaten aus ihrem Stamm, Raila Odinga. Unter solchen Bedingungen, meint Collier, sei die Stimmabgabe kein Akt politischer Partizipation, sondern vergleichbar »dem Tragen des Fanschals eines Fußballvereins«.

Die Autokratien der afrikanischen Löwen mögen für das wirtschaftliche Wachstum besser sein als zerrüttete Demokratien – aber deshalb sind sie noch lange nicht besser als intakte Demokratien. Botsuana etwa steht im afrikanischen Vergleich weit oben auf den Ranglisten sowohl für Freiheit als auch für Wohlstand.

Und wer kann schon garantieren, dass ein erfolgreicher Diktator erfolgreich bleibt? Vorvergangenes Jahr gingen Ugandas Geschäftsleute auf die Straße, weil sie genug hatten nach einer Serie von Stromausfällen. Es war eine Lektion für die Herrscher der afrikanischen Löwen: Sobald sie ihren Teil der stillen Absprache mit den Bürgern nicht mehr erfüllen, steigen auch die Bürger aus. Ohne wirtschaftlichen Erfolg keine Unterwürfigkeit.

Wie werden die Mächtigen der afrikanischen Löwen auf solchen Widerstand reagieren? Werden sie ihre Gesellschaften öffnen? Oder mit noch härterer Hand regieren? Wer wird das Vorbild sein – Amerika oder China?

Die USA haben ihre Entwicklungshilfe zuletzt um rund zwei Milliarden Dollar gekürzt. Unterdessen eilt China in Afrika von einem Investitionsrekord zum nächsten – und bedankt sich bei den gastgebenden Regierungen mit Prachtbauten. Vergangenes Jahr eröffnete die Afrikanische Union in Addis Abeba ihr neues Hauptquartier, 200 Millionen Dollar teuer, 100 Meter hoch, mit einem Auditorium für 2500 Besucher. Wenn die Mächtigen Afrikas von Montag an über die Zukunft ihres Kontinents diskutieren, dann in einem Geschenk aus China.

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Leserkommentare
    • Fuka
    • 27. Januar 2013 21:17 Uhr

    Zu den gerne dozierten Glaubenssätzen des Westens gehört, dass nur demokratische Verhältnisse langfristig wirtschaftlichen Aufstieg garantieren. Das ist falsch. Demokratie und breit verteilter Wohlstand können gleichzeitig auftreten, doch sie bedingen einander nicht. Ein vernünftig agierender Diktator kann sein Land weiter bringen als eine "demokratische" Regierung, die sich nur auf eine Mehrheit von Stammeskoalitionen stützt und die Vorteile dieser Gruppen im Auge hat. Wenn ein solcher Diktator dann auch noch Zeitgefühl hat und weiß, wann es an der Zeit ist, die Macht an einen geeigneten Nachfolger weiterzugeben, steht einem über längere Zeit prosperierenden Staat wenig im Weg.
    In vielen afrikanischen Ländern sind die Verhältnisse so, dass die Mehrheit der Menschen um ihre Existenz kämpfen muß. Interessiert Menschen unter solchen Bedingungen, ob ihre Regierung demokratisch gewählte ist oder von einem Diktator geführt wird? Nein, sie interessieren dafür, was die Regierung dafür tut, dass die eigene Existenz sicherer ist und vielleicht besser wird.
    Zudem hat der Westen wie richtig angemerkt zu oft Wasser gepredigt und Wein getrunken, sprich die Diktatoren gefördert, die im Interesse des Westens agierten. Nach der Machtergreifung Saddam Husseins soll ein US-Diplomat nach Hause berichtet haben: "Saddam Hussein ist ein Schweinehund - aber er ist unser Schweinehund". Soviel zum Thema "Vermittlung demokratischer Werte durch den Westen". Da sind die Chinesen wenigstens ehrlicher.

    5 Leserempfehlungen
  1. .. dem das Wohl seines Volkes das wichtigste ist, kann wohl wirklich mehr tun um sein Land voranzubringen, allerdings sind solche Leute äußerst (!) selten. Meist ist nach kurzer Zeit die Armee der Privatspiel-Platz des Diktators und diese frisst dann auch immer höhere Teile des BIPs, was auch logisch ist, da die Armee ja auch aufgrund ihrer Bevorzugung zur größten Stützte des Diktators wird.

    Auch wenn viele auf die Demokratie schimpfen (gibt ja angeblich seit 20 Jahren in allen Ländern des Westens nurnoch Flaschen in der Politik), so hat diese zumindest die Tendenz eher selten völlig abzufriften und alles Geld für die Truppen rauszublasen (ums vorwegzunehmen: Ja die Amis buttern auch ordentlich Geld ins Militär, aber die habens ja im Prinzip auch).

    • rho
    • 28. Januar 2013 2:16 Uhr

    der Autor, Herr Fink, hat wohl noch nicht in diesen Ländern gelebt.
    Woimmer diese Wachstumsstatistiken herkommen, Papier ist geduldig. Bei den Bevülkrtungen dieser Länder kommt bestimmz nichts an und wäre bei dem Bevölkerungswachstum sowieso unerheblich. Nein, es sind die lokalen Eliten, die diese Länder schamlos ausbeuten. Den Reichen geht´s tatsächlich besser.Den kleinen Leuten geht´s immer schlechter. Ich lebe noch in Uganda: Preise steigen, kleine Einkommen stagnieren. Gebessert hat sich nur die Sicherheitslage. Kagame macht das recht gut, Musuvenis Bilanz ist durchwachsen. Seine korrupte Offiziersclique kriegt Kony nicht in Griff. Will ja gar nicht. Äthiopien ist ein bisschen anders. Ich will als Politologe ( 40 Jahre in der Gegend) Herrn Fink keine Nachhilfe erteilen, soll er doch selbst dahinterkommen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    selbst in ihrer ursprünglichen Form hatte die Demokratie unfreie/ versklavte Bevölkerungsteile. Die US Demokratie war bis vor 40 Jahren auch alles andere als Demokratisch. Die Französische ist es bis heute nicht! Die EU ist ebenfalls weit davon entfernt demokratisch zu sein.

    Bitte erklaeren sie mir einmal den Bevoelkerungswachstum in Afrika!

  2. ... schwarz noch ganz weiß, es ist irgendwo dazwischen auf den 256 Graustufen.
    Jedwede Herrschaftsform kann nur dann erfolgreich sein, wenn die Mehrheit ( und mehr als nur 50% ) freiwillig! mitmachen. Das kann eine Demokratie sein, in der alle Optionen ausdiskutiert werden und dann alle mitmachen, dass kann auch eine Demokratur oder Diktatie sein, wenn die Führenden entweder geschickt die Mehrheitsmeinung zu ihren Gunsten beeinflussen oder eben die Mehrheitsmeinung als Marschrichtung ausgeben.

  3. In beiden Fällen kann es auch total schief gehen, wenn entweder bis zur allgemeinen Paralyse nur noch lamentiert ( "diskutiert" ) wird oder wenn es Entscheidungen von unfähigen, unwilligen oder korrupten Befehlshabern und/oder deren Nachfolgern sind. Es gibt genügend Beispiele in der Geschichte.
    Die Basis ist, dass jeder Mensch will, dass er als Individuum geachtet wird und dass es ihm und auch seinen Kindern besser gehen soll als seinen Eltern. Wenn dieses Ziel erreicht wird, ist im Grunde jede Regierungsform recht, wenn nicht, ist jede falsch. Es gibt hinlänglich Beispiele in der Geschichte, dass manche Diktatur stark angefangen und dann ganz schnell nachgelassen hat. Mit der Demokratie haben wir noch nicht so viele Erfahrungen, aber ich kann mir vorstellen, dass auch da Unfähigkeit, Korruption, Günstlingswirtschaft und die Sucht nach dem "Antrag zur Geschäftsordnung" das Ende einläuten kann. Nur hat die Demokratie einen Vorteil: Der Pool für die Auswahl von Personen ist deutlich größer und damit wird auch ein möglicher Absturz nie so tief enden wie bei einer anderen Herrschaftsform.

  4. Ist es eigentlich eine Art für Sie nicht kontrollierbarer Reflex, dass Sie selbst in einem Artikel in dem Sie von guten Wirtschaftszahlen bestimmter Länder in den tiefsten Tiefen Ihres Archivs stets nur Bilder aus afrikanischen Slums finden?

    Afrika, das ist z.B. auch dies hier:

    http://djeya14.d.j.pic.centerblog.net/o/f4312ecb.jpg

    oder dies

    http://4.bp.blogspot.com/_HP7IhG7-Umc/TMstAsewD0I/AAAAAAAAA-0/gqk4yHeSWU...

    Und nicht immer wieder nur das gleiche Slum Bild aus dem Archiv. Dabei beschäftigt sich Ihr Artikel noch nicht einmal mit der Verteilung des Reichtums und auf die riesigen sozialen Unterschiede gehen Sie gar nicht ein.

    Finden Sie es gut, permanent so ein Bild von Afrika zu verbreiten?

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    Redaktion

    Liebe/r BlackPower,

    danke für den Hinweis - das Bild ist getauscht.

    Herzlich,
    Alexandra Endres

  5. Investieren verlangt gewisse Sicherheit und die kann nur von funktionierenden Strukturen - staatlich und gesellschaftlich - geschaffen werden.
    Solche Strukturen sind die Grundvoraussetzung dafür, dass die Länder Fortschritte machen können. Imho das Problem in Afrika, dass viel der Staaten dort nur auf dem Papier existieren, aber nicht wirklich in Form einer einheitlichen Verwaltung oder in den Köpfen der Menschen.

  6. Redaktion

    Liebe/r BlackPower,

    danke für den Hinweis - das Bild ist getauscht.

    Herzlich,
    Alexandra Endres

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Liebe Zeit-Redaktion"

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  • Schlagworte Afrika | Äthiopien | Uganda | Ruanda | Demokratie
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