Bildungsstudien: Ranglisten sind gefährlich
Welchen Wert haben Bildungsstudien? Darüber streiten der Hamburger Schulsenator Ties Rabe und der Bildungsforscher Olaf Köller.
DIE ZEIT: Herr Senator, wird Hamburg aus den regelmäßigen Schulvergleichen zwischen den Bundesländern aussteigen?
Ties Rabe: Wie kommen Sie auf die Idee?
ZEIT: In Ihrem zurückliegenden Jahr als Präsident der Kultusministerkonferenz haben Sie wenige Gelegenheiten ausgelassen, die Leistungsvergleiche zu kritisieren.
Rabe: Da haben Sie etwas missverstanden. Was ich kritisiere, ist, dass wir mit den bisherigen Studien nicht weiterkommen. Ob Pisa, Iglu oder Timss: Wir werden geflutet mit Untersuchungen...
hat wie kaum ein anderer Wissenschaftler Erfahrung mit der Beratung von Schulpolitikern. Von 2004 bis 2009 war der Pädagogische Psychologe Gründungsdirektor des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB), das im Auftrag der Kultusministerkonferenz Bildungsstandards für die Schulen entwickelt. Seit 2009 ist er Chef des Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und der Mathematik in Kiel.
Olaf Köller: Von was für einer Flut sprechen Sie? Pisa findet alle drei Jahre statt. Die Grundschulen vergleichen wir mit der Iglu-Untersuchung alle fünf Jahre, alle vier Jahre testen wir mit Timss die naturwissenschaftlichen Fähigkeiten. Das dürfte weder die Schulen noch die Politik überfordern.
Rabe: Auch die einzelnen Bundesländer machen ihre Erhebungen sowie diverse Stiftungen, Wirtschaftsverbände und Medien. Kein Bildungspolitiker kann all diese Studien noch wahrnehmen, geschweige denn mit Bedacht analysieren.
ZEIT: Das müssen Sie auch gar nicht, denn so originell sind die Ergebnisse ja meist nicht.
wird mit zahllosen Schulstudien konfrontiert, seit er 2011 das Amt des Hamburger Bildungssenators übernommen hat. Im Jahr 2012 war er turnusgemäß Präsident der Kultusministerkonferenz. In dieser Funktion hat sich der ehemalige Gymnasiallehrer wiederholt darüber beklagt, dass die Bildungsforscher zwar ein genaues Bild der Schwächen der Schulen zeichneten, aber wenig zur Verbesserung anzubieten hätten.
Rabe: Das genau ist doch ein Problem. Seit mehr als zehn Jahren wissen wir, dass die Schüler in einigen Bundesländern mehr können als in anderen. Zwar gibt es leichte Verschiebungen, doch die Reihenfolge bleibt im Grunde dieselbe. Dennoch gibt es jedes Mal in den Medien eine große Aufregung. Warum Schüler in Bayern oder Baden-Württemberg jedoch besser sind als in Berlin oder Hamburg, wissen wir bis heute nicht.
Köller: Die Rankings langweilen mich auch, zumal einzelne Platzveränderungen nicht viel bedeuten, weil die Bundesländer oft sehr nah beieinanderliegen. Ich halte die Trivialisierung der Ergebnisse durch die Ranglisten sogar für gefährlich. Denn sie stiften Frust bei den ewigen Verlierern und Selbstzufriedenheit bei denen, die stets gut abschneiden. Da heißt es dann: Bei uns ist alles in Ordnung. Vergessen wird dabei, dass wir in allen Bundesländern eine zu große Gruppe von schwachen Lesern und Rechnern haben.
ZEIT: Sie lesen die Studien also auch nicht mehr?
Köller: Doch. Ich vergleiche Untersuchungen wie Pisa mit einem Routinecheck beim Arzt. Da gibt es glücklicherweise auch nicht immer spektakuläre Befunde. Im Detail aber gibt es immer wieder interessante Ergebnisse. Wir wissen zum Beispiel, dass sich die Lernergebnisse der Migrantenkinder über die Jahre verbessert haben. Das hat der letzte Grundschulvergleich noch einmal bestätigt. Ebenso zeigte sich, dass die Leistungen etwa in Mathematik leiden, wenn der Lehrer das Fach nicht studiert hat. Bundesländer mit einem hohen Anteil an fachfremdem Unterricht schneiden im Schnitt schlechter ab.





"...ich jedes Kind die maximale Förderung bekommen. Und wer wenn nicht Deutschland kann sich das leisten. Leider ist das nicht das kinderfreundlichste Land. Eine kulturelle Strafe????"
Wenn die Eltern der Kevins, Justins und Jasons nicht ihren Beitrag zur Bildung leisten, sieht das schlecht aus. Man kann nur auf vorhandenem aufbauen, wenn keine Grundlage da ist, wird das schwierig.
"Bundesländer mit einem hohen Anteil an fachfremdem Unterricht schneiden im Schnitt schlechter ab."
Stimmt nicht so ganz. Habe auch fachfremd Französisch unterrichtet und die SchülerInnen haben durchaus gut abgeschnitten, auch diejenigen mit Migrantenhintergrund. Vielleicht ist das bei Mathe anders, kann ich nicht nachvollziehen.
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