DänemarkDie Spiel-Schule
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Unser Schulsystem stammt aus der Industriegesellschaft

Im Deutschunterricht sollen Christian und seine Mitschüler die RAF-Terroristin Ulrike Meinhof, gespielt von Deutschlehrerin Iris Sanders-Depcik, davon abhalten, Bomben zu bauen – auf Deutsch. »Warum schreibst du nicht für eine Zeitung?«, fragt Christian etwas stockend. »Weil die Leute es nicht anders verdient haben«, ruft Sanders-Depcik und springt auf den Tisch.

Lisa Gjedde, Lernforscherin an der Universität Aalborg, hat die Østerskov Efterskole ein Schuljahr lang begleitet. Gjedde ist überzeugt, dass das Rollenspielkonzept die Schüler besser auf ihre Zukunft vorbereitet als Frontalunterricht. »Unser Schulsystem ist ja das der Industriegesellschaft, in der die Schüler ein paar wenige Rollen lernen sollten: pünktlich erscheinen, Instruktionen entgegennehmen.« Heute seien aber vielmehr Innovation und Kreativität gefragt. Es sei wichtig, den Schülern beizubringen, sich immer wieder neu zu erfinden. »Es tauchen doch ständig neue Dinge auf, die sie können müssen.«

Vorteile des traditionellen Unterrichts

Beate Wischer hingegen, Professorin für Schulpädagogik an der Universität Osnabrück, sieht auch Vorteile im traditionellen Unterricht: »Ich halte es für übertrieben zu sagen: Unsere Gesellschaft braucht demnächst nur noch Leute, die innovativ und kreativ sein müssen. Wir stecken doch auch noch in vielen anderen Strukturen. Ich erkläre meinen Studenten den »heimlichen Lehrplan« der Schule etwas provokativ immer so: Die Schüler sollten auch gelernt haben, sich anderthalb Stunden so zu langweilen, dass man es ihnen nicht gleich ansieht.«

Anfang 2013 wird Lisa Gjedde das Konzept von Østerskov an zwei dänischen Volksschulen ausprobieren – angepasst an deren Rahmen. Hier sind die Stundenpläne freilich weniger flexibel als im Internat. Das fächerübergreifende Rollenspiel soll an den Regelschulen ein Werkzeug sein, dessen sich die Lehrer phasenweise bedienen. In solch einer abgewandelten Form wären Rollenspielschulen auch hierzulande denkbar, meint Pädagogik-Professorin Wischer. »Ich denke, dass so etwas in Deutschland auch kommen könnte. Schulen können und sollen sich ja mit speziellen Konzepten profilieren. Und wenn es Eltern gibt, die das nachfragen, dann würde das hier auch funktionieren.«

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Leserkommentare
  1. Beispiele können für alles herhalten. Nicht jeder Schüler ist immer bereit und i der Lage, bei einem solchen rollenspiel mitzumachen.
    Diese Forma von Unte4rricht - auch - einzuführen, wäre allerdings sinnvoll. Da es bisher nur eine Schule in DK gibt, die das macht, gehen dort sicher auch überwiegend Schüler hin, die darauf gut ansprechen.
    Esbenso wie es visuell, auditiv udn kinästhetisch aufnehmende Menschen gibt (60,30 und 10 %, ca.), worauf man aber noch keinen Unterricht aufbaut, gibt es sicher Schüler, die durch aktives Tun und solche, die durch passives Aufnehmen oder Beobachtung am besten aufnehmen.

    2 Leserempfehlungen
  2. Wir haben hier zwei vollkommen unterschiedliche Unterrichtsformen. Eine davon scheint zunächsteinmal für leicht bessere schulische Leistung verantwortlich zu zeichnen. Anstatt jetzt darüber zu debattieren, was man nun machen sollte, wäre die zentrale Frage zunächst, WELCHE Ursachen dieser Unterschied hat. Sind es die Unterrichtselemente selbst, z.B. das Rollenspiel? Oder ist es die Motivation der Lehrenden? Ist es das "Selber-Machen", bei dem einfach mehr hängen bleibt?

    Die Antwort darauf wäre wichtig, weil sie - wenn empirisch abgesichert - eine echte Entscheidungsgrundlage dafür liefert, wie man den Unterricht hierzulande besser gestalten könnte.

    2 Leserempfehlungen
  3. Ich bin bei "modernen Methoden" in der Pädagogik meist skeptisch. Ich durfte selber einige erleben und habe leider wenig Gutes und viel Mist erfahren. Das ist allerdings keine verallgemeinerbare Aussage.

    Ich sehe das Problem beim "modernen" Unterrricht darin, dass er zu sehr auf die "soft skills" aus ist. Sehr wichtig, allerdings, wenn die "hard skills" fehlen, dann kann man nur ein guter Blender werden.

    Ich denke, dass durch vernünftige Projektarbeit, also das längerfristige relativ freier beschäftigen mit einer Sache sehr gut gelehrt werden kann.
    Allerdings muss der Schüler auch lernen, dass sich die Welt nicht um ihn dreht und er sich in ein Gefüge einpassen muss. Dafür ist ein gut geführter Frontalunterricht nicht schlecht.

    Die Mischung macht es wohl, so dass ich glaube, dass eine Schule, die nur Rollenspiele macht, auch nichtdas Wahre ist.

    Zum besseren Abschluss: Das ist mit den Daten aus dem Artikel keine treffbare Aussage. Man müsste zuerst die Herkunft der Schüler betrachten und dann eine äquivalente Gruppe aus einer normalen Schule vergleichen. Denn hier dürften Auswahleffekte eine große Rolle spielen.

    Aber Mathe und Statistik gehören zu den Hard-Skills... Oder es steckt Absicht dahinter, dann ist es einfach eine Lüge

    5 Leserempfehlungen
  4. Bevor Politiker wie Frau Schavan das pädagogische Konzept begriffen haben schauen sich die ersten Abgänger der Schule nach einem Altersheim um.

    Eine Leserempfehlung
    • chrummy
    • 28. Januar 2013 22:32 Uhr

    Die Professorin, die Sie hier zitieren, wird sicherlich bessere Vorteile des traditionellen Unterrichts sehen, als dass Kinder lernen, still zu sitzen. Wenn schon andere Stimmen erwähnen, dann auch richtig....

  5. Wann wird man endlich damit aufhören, Lehrer, Schüler, Eltern und unsere bildungsbeflissenen Intellektuellen damit anzulügen, dass man ihnen pausenlos (auch durch Bsp. wie diese) eintrichterr, Lernen müsse, bzw. könne nur Spaß machen?

    Fragen Sie einen Sportler, einen Musiker oder irgendeinen, der in seiner Disziplin Hochleistungen erbringt oder erbracht hat, ob er dabei immer nur Spaß hat und ob zum Erfolg nicht auch der Willen, die Disziplin und simple Dinge wie Durchhaltevermögen gehören.

    Oh, ich rede nicht der Rückkehr zu einer Schule der alten Zeit das Wort, doch wir sollten endlich damit aufhören, die Leute zu überfordern, die Schule vorrangig ausmachen: die Schüler und die Lehrer.

    Beiden Gruppen wird es nicht immer nur Spaß machen (können) - deshalb muss man aber doch kein schlechtes Gewissen haben!

    Also noch einmal anders: Hört endlich auf, Schule mit Theater oder Kino zu verwechseln! (Dafür liebe ich das Kino und das Theater zu sehr.)

    6 Leserempfehlungen
  6. Mag sein, dass ein wenig Brimborium rund um die eigentliche Wissensvermittlung "amüsant" sein mag. Nur verzögert das die Sache beträchtlich, senkt die Effizienz. Und wenn man pro Tag nur fünf oder sechs Unterrichsstunden zur Verfügung hat, sollte man schon zusehen, dass man in denselben auch ordentlich was rüberbringt. Römertogen und Ritterrüstungen gehören auf den Schulfasching, aufs Sommerfest oder meinetwegen noch in eine Projektwoche, ganz sicher aber nicht flächendeckend in den Alltagsunterricht.

    3 Leserempfehlungen
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    Ich fürchte, Sie haben keinen blassen Schimmer, wie Wissensvermittlung funktioniert. Stichwort Motivation, Neugierde usw.
    Da können Sie noch so fröhlich mit ihren Effizienzbegriffen um sich werfen, Sie werden doch nur an der Oberfläche kratzen.
    Davon ab, sind Sie denn wirklich der Meinung, dass das aktuell vermittelte Wissen in der Schule Not tut? Teilweise ist dieses so speziell und nach 3 Jahren wieder vergessen. Das Augenmerk sollte doch eher darauf liegen, dass Kinder das Lernen lernen und erfahren, dass Wissensvermittlung etwas Gutes ist (andernfalls bräuchten wir es nämlich nicht).
    Es gibt allerdings viele Kinder, die kommen mit Zwang und Hierarchie trotzdem gut zurecht, dass mag dann an ihrer Sozialisation und dem Elternhaus liegen. Ob dies gleichzeitig gut ist, bezweifle ich allerdings.

    Was die Neugierde betrifft: In der aktuellen Brand Eins ist ein lesenswerter Artikel zur Forschung in diesem Bereich enthalten.

    • Varech
    • 29. Januar 2013 1:32 Uhr

    Daher doch die ständige Sorge, jemand könne aus der Rolle fallen.

    Viel wäre schon gewonnen, wenn wenigstens die Lehrer sich darüber klar würden, welche Rolle sie eigentlich spielen und welche sie spielen sollten.

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