SolarenergieDunkle Sonne
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Unsteter Ökostrom sorgt für Probleme im Stromnetz

Das werden sie, wenn sie entweder den Betrieb ihrer Elektrogeräte umständlich an die unstete Erzeugung des Sonnenstroms anpassen – oder wenn sie Strom speichern und bei Bedarf wieder abrufen. Genau das leisten die Akkus, die zwar noch unwirtschaftlich sind, aber zum Retter der Solarfirmen werden könnten, sollten sie dank staatlicher Förderung und Massenfertigung billiger werden. Darauf hofft die Solarbranche.

Vor einem halben Jahr bot Solarworld bereits ein System aus Solaranlage und Speicher an – mit dem Argument, Strom vom eigenen Hausdach sei »längst billiger als der aus der Steckdose«. Wer möglichst viel davon selbst nutze, »entlastet die Netze« und trage »persönlich zur Energiewende bei«, kommunizierte Unternehmenschef Frank Asbeck die knapp 20.000 Euro teure Offerte.

Schön wär’s. Selbst wenn der Anteil erneuerbaren Stroms auf 40 Prozent kletterte (heute liegt er bei knapp 25 Prozent), überstiege die Erzeugung grünen Stroms bei vernünftig ausgebautem Netz den Verbrauch nur in etwa 44 der 8760 Stunden des Jahres, heißt es in einer Studie des Verbandes der Elektrotechnik (Energiespeicher für die Energiewende). Unmissverständlich steht darin, dass die Speicher heute und in näherer Zukunft weniger der erneuerbaren Elektrizität dienen als vielmehr der »Einsatzoptimierung thermischer Kraftwerke«, vor allem der »Verstetigung der Braunkohlekraftwerke«. Das sind ausgerechnet Deutschlands klimaschädlichste Stromfabriken. Von wegen gut für die Wende.

Um kein Missverständnis entstehen zu lassen: Die unstete Erzeugung von Wind- und Solarstrom bereitet im Stromnetz Probleme. Die Lösung dafür heißt allerdings bis auf weiteres Netz-, nicht Speicherausbau. Deshalb spricht sich auch die von dem Grünen Rainer Baake geleitete Denkwerkstatt Agora Energiewende dafür aus, »erst langfristig« auf Batteriespeicher zu setzen. »Netze sind billiger als Speicher«, heißt eine der zwölf Thesen, mit denen die ungrünen Denkens unverdächtige Baake-Truppe sich vor Kurzem zu Wort meldete.

Damit nicht genug. Die Speicher, die Altmaier jetzt mit rund 2.000 Euro pro Stück fördern will, werden sogar für neue Probleme sorgen, jedenfalls dann, wenn ihre Eigentümer bestimmen, wie sie genutzt werden. Folgen sie ihrem Renditekalkül, dann speichern sie den tagsüber erzeugten Strom, um ihn abends zu verbrauchen – unabhängig davon, was sich im Stromnetz tut. Herrscht während des Tages Windflaute, müssen deshalb wegen des im Netz fehlenden Solarstroms fossile Kraftwerke angeworfen werden, während abends, weht der Wind nicht zu knapp, Windanlagen heruntergeregelt werden müssen, weil die Solaranlagenbesitzer Strom aus dem Speicher abrufen. Energiewende geht anders.

Der normale Stromkunde guckt in die Röhre

Tatsächlich können Speicher bei renditeorientiertem Betrieb regelrecht »netzbelastend« wirken, wie aus einer aktuellen Studie der halbstaatlichen Deutschen Energie-Agentur hervorgeht. Netzdienlich wären sie nur, würden Netzbetreiber, beispielsweise Stadtwerke, die Anlagen steuern; der private Eigentümer hätte dann allerdings keine Kalkulationsgrundlage mehr. Es wäre so, als würde dem Besitzer eines Autos vorgeschrieben, wann und wo er zu tanken hat.

Die Regierung kennt das Problem. Zentrale Fördervoraussetzung solle »ein Beitrag zur Netzentlastung« sein, heißt es in einem Vermerk aus dem Hause Altmaier. Es wird ein frommer Wunsch bleiben, denn der direkte Zugriff eines Netzbetreibers auf die kleinen Stromspeicher ist mit den in der Stromwirtschaft geltenden Entflechtungsvorschriften unvereinbar. Kein Wunder, dass es in der Förderrichtlinie ganz bescheiden heißt: »Ein Eingriff in das System des Anlagenbetreibers bedarf grundsätzlich seiner Zustimmung.«

So droht im Stromnetz nicht nur neues Chaos. Auch die Neiddebatte, der ständige Begleiter der Energiewende, wird genährt. Schließlich verabschieden sich die Solarstromer, bei aller Liebe zur Selbstversorgung, nicht vollständig vom Stromnetz. Die Kosten für Masten und Leitungen bleiben deshalb unverändert, während das Netz weniger Kilowattstunden transportiert. Die Netzkosten werden aber nach Strommenge abgerechnet. Wer guckt also in die Röhre? Der normale Stromkunde.

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Leserkommentare
  1. Wenn wir längerfristig auf Batteriespeicher setzen wollen, dann ist es sinnvoll, die Entwicklung solcher Speicher mit spezifischer Förderung des Markts "anzustoßen". Diese Förderung, von der (wie Sie richtig feststellen) die PV-Branche profitiert, ist allerdings kein "Geschenk", sondern quasi eine Gegenleistung der Gesellschaft für ein ausdrücklich gewünschtes - und ohne diese Förderung derzeit nicht wirtschaftliches - Angebot im Markt.

    Ihre Sorge, dass die derzeit angedachte Förderung in relevantem Umfang "Störungen im Stromnetz" erzeugen könnte, ist doch recht weit hergeholt: Nach meinem derzeitigen Informationsstand sollen ausdrücklich nur Speicher für private Hausdachanlagen gefördert werden, also Anlagen in der Größenordnung bis etwa 5 kWp. Die Speicherförderung käme damit (wenn sich gegenüber den Vorjahren nicht Wesentliches ändert) im Schnitt für weniger als 2 % der jährlich installierten PV-Leistung überhaupt infrage.

    Wenn nun tatsächlich in Zukunft einige Betreiber solcher Kleinstanlagen sich entscheiden, tagsüber zu Speichern und abends zu Verbrauchen, wird davon das Abendland kaum untergehen.

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    • H.v.T.
    • 26. Januar 2013 11:01 Uhr

    Richtig.
    Zudem spricht der Autor nur von einer privaten Stromerzeugung am Tag mittels PV, übersieht dabei aber (absichtlich ?) z.B. Wind-PV-Hybrid-Systeme.

    Im Übrigen kann man diese Förderung auch als Anschubsfinanzierung für die weitere Entwicklung besserer Stromspeicher sehen; und mit den besseren Stromspeichern ließe sich dann im Verbund mit einem E-Mobil Zuhause eine private Stromtankstelle realisieren. Das entlastet wiederum die Umweltprobleme verursacht durch den Verbrennungsmotor.

    • Infamia
    • 26. Januar 2013 12:46 Uhr

    Ich kann nicht beurteilen, ob das, was im Artikel steht, der Wahrheit entspricht, da mein technisches Verständnis gen 0 tendiert.

    Allerdings frage ich mich, was wir eigentlich wollen. Fakt scheint doch zu sein, dass die Speicherung von Strom derzeit das limitierende Element ist. Egal wo man hinsiert, die Akkus knicken relativ schnell ein, wie ich auch an meinem Smartphone sehen kann. Bei intensiver Nutzung ist das Ding nach einem Tag leer, bzw. soweit leer, dass ich damit nicht einen zweiten Tag ohne Aufladen auskäme.

    Also müssen wir uns Gedanken hinsichtlich der Speicherung von Strom machen. Und das geht nun mal nicht ganz ohne staatliche Förderung, will man die selbstgesteckten Ziele erreichen.

    Mir scheint es eher derzeit envogue zu sein, auf alles einzudreschen, was irgendwie mit erneuerbaren Energien zu tun hat. Wie schnell man doch einem Rösler auf den Leim geht....

    Fakt ist nun mal, Technik ist nicht perfekt, sondern Forschung und damit Weiterentwicklung findet am "lebenden Objekt" statt. Die Autos von heute sehen nicht deswegen so aus, weil sie heute so entwickelt worden, sondern weil man Jahrzehnte vorhandene Technik weiterentwickelt und perfektoniert hat. So wird es auch bei den Erneuerbaren sein. Wer etwas anderes erwartet, wird lange warten können.

    Sie befürworten viel Geld für nichts auszugeben.

    Klasse!

  2. der Chancen für die Solarstromspeicherung. Die netze müssen flexibler werden, intelligenter und dies ist eine riesige Chance für Innovationen.
    Dezentralisierte Energieerzeugung und Speicherung heißt das Schlüsselwort.
    Das Problem ist, dass der Baum der Energieverteilung, wie sie bisher betrieben worden ist, auf den Kopf gestellt werden muss!

    Das ist so wie vor 100 Jahren, als der Schienenverkehr durch Autos zum Individualverkehr anfing umgebaut zu werden.

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    Ein gewisser Mao hat versucht die Schwerindustrie auf den Kopf zu stellen. Ist ein klein wenig schief gelaufen; aber es war doch so eine tolle Idee und er hats auch nur gut gemeint.

    hat man ein Deja Vu Erlebnis. Und dann fallen die Schuppen von den Augen und man sieht die Segnungen der Planwirtschaft.

    • Wolf3
    • 27. April 2013 10:40 Uhr

    dieser Umbau hat zwar zu einem flexibleren aber nicht gerade zu einem umweltfreundlichen Verkehrssystem geführt.

    Die Elektro-Netze sind, seit dem es Elektroenergie-Versorgung gibt, schon immer „flexibel“ gewesen, denn sie mussten, auf die sich ständig ändernde Netzlast reagieren! Dabei mussten die EVU schon ziemlich intelligent arbeiten, um die Grund-, Mittel- und Spitzenlast abzudecken. Das ist also nichts NEUES!

    Früher waren die EVU sogar so intelligent, dass sie die Kraftwerke in der Nähe von Industrie- und Gewerbegebieten und sogar mitten in Städten installierten, um sich teuere Hochspannungs-Überlandleitungen zu ersparen. Sie installierten keine Kraftwerke, wie z.B. heute Windkraft-Offshore-Anlagen von ca. 35 GW Nennleistung (ist nicht verfügbare Leistung) weit weg von Industrie oder anderen Großverbrauchern, die teure Hochspannungsleitungen erfordern - denn das ist auf KEINEN Fall dezentralisierte Energieversorgung!

    Das technische Problem der alternativen Energien (AI) ist nur, diese kostengünstig umzuwandeln und zum benötigten Zeitpunkt auch zur Verfügung zu haben. Die sogenannten AI haben zwar einige Vorteile:

    - keine Kosten für die Energieträger
    - umweltverträgliche Energieumwandlung
    - keine Ressourcenverknappung

    Aber die Nachteile sind recht drastisch:

    - hohe spezifische Anlagekosten
    - zu geringe Energiedichte
    - fluktuierendes Angebot
    - mangelnde Verfügbarkeit
    - mangelnde Speicherfähigkeit

    An der Speichertechnologie für die AE wird zwar seit Jahren unter Hochdruck gearbeitet, aber bis jetzt liegen keine großtechnischen und wirtschaftlichen Lösungen vor.

    • bayert
    • 26. Januar 2013 10:57 Uhr

    gibt es seit Jahrzehnten. Gute Beispiele ist das Kraftwerk Kaprun und die Speicherkraftwerke der Wasserkraftwerke im Zillertal.

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    Denn Kaprun wird dann angeworfen, wenn Strom fehlt. Bei den geplanten Maßnahmen der individuellen Energiespeicherung wird er der Strom dann ins Netz gespeist, wenn man ihn selbst gerade nicht braucht.

  3. Das hab ich auch schon beim lesen in der ZEIT nicht verstanden, warum soll das ein Geschenk an die Solarbranche sein? Die verkauft doch keine Speicher? Sehr ungenau formuliert.

    "Allerdings nicht zugunsten der Energiewende, sondern allein um der Solarwirtschaft neue Geschäfte zu ermöglichen"

    Das halte ich für unberechtigte Kritik. Nicht 100% falsch, aber doch falsch genug.

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    • bayert
    • 26. Januar 2013 13:03 Uhr

    nicht die Modul- sondern die Hersteller von Wechselrichter verkaufen Speicher.

    • lesar
    • 27. Januar 2013 15:37 Uhr

    @Cello4ever
    Natürlich verdient die Solarbranche an den Speichern. Sie kauft diese z.B. bei Panasonic ein und verkauft sie mitsamt Solarmodulen hier in Deutschland weiter. Panasonic gehört zu den großen Lieferanten für Solarspeicher und dürfte von dieser neuen Förderung profitieren. Der Gewinn für das deutsche Solarunternehmen ist: sie werden die Speicher sicherlich mit einem deutlichen Aufschlag verkaufen.

    • H.v.T.
    • 26. Januar 2013 11:01 Uhr

    Richtig.
    Zudem spricht der Autor nur von einer privaten Stromerzeugung am Tag mittels PV, übersieht dabei aber (absichtlich ?) z.B. Wind-PV-Hybrid-Systeme.

    Im Übrigen kann man diese Förderung auch als Anschubsfinanzierung für die weitere Entwicklung besserer Stromspeicher sehen; und mit den besseren Stromspeichern ließe sich dann im Verbund mit einem E-Mobil Zuhause eine private Stromtankstelle realisieren. Das entlastet wiederum die Umweltprobleme verursacht durch den Verbrennungsmotor.

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Nur keine Panik!"
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    • H.v.T.
    • 26. Januar 2013 11:14 Uhr

    Auch scheinen mir die im Artikel vorgetragenen Einwände gegen die Förderung zu sehr auch mit dem Hintergrund gefasst, eine private eigenständige Stromtankstelle könnte zuviel Unabhängigkeit in der Mobilität hervorrufen. Immerhin beträgt der tägliche Aktionsradius des privaten Autofahrers nicht mehr als ca. 35 Kilometer; nachtanken also immer Zuhause.

    Was das wirtschaftspolitisch bedeuten könnte, kann sich jeder bestimmt denken.

    Ein ganz neues Problemfeld auch für den Staat, entfallen doch große Einnahmen über die Mineralölsteuer/Stromsteuer.

  4. Ein gewisser Mao hat versucht die Schwerindustrie auf den Kopf zu stellen. Ist ein klein wenig schief gelaufen; aber es war doch so eine tolle Idee und er hats auch nur gut gemeint.

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    ... Kommunismus (Arbeiter und Bauern) und Innovationskraft aufgrund von Technologie?

  5. Die Verteilung der 50 Mill. beschäftigt dann wieder mehr Beamte und Verwaltungsjuristen als das Geld wert ist.

    So produziert man Bürokratie.

    Wie harmlos solche Batterien sind, sieht man ja gerade bei den Flugzeugen von Boing die nicht fliegen.

    In den Keller gehören solche Akkus schon gar nicht, weil dann nicht auffällt wenn sie undicht werden oder sich auflösen.

    Die Entsorgung ist dann auch noch ein Problem.
    Bei den Windrädern wird finanzielle Sicherheit für den Rückbau am Lebensende verlangt.
    Dabei sind die nur ein ästhetisches Problem.

    Bei solchen hochgiftigen Akkus ist das aber nicht nötig.

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    • H.v.T.
    • 26. Januar 2013 11:14 Uhr
    8. Zusatz

    Auch scheinen mir die im Artikel vorgetragenen Einwände gegen die Förderung zu sehr auch mit dem Hintergrund gefasst, eine private eigenständige Stromtankstelle könnte zuviel Unabhängigkeit in der Mobilität hervorrufen. Immerhin beträgt der tägliche Aktionsradius des privaten Autofahrers nicht mehr als ca. 35 Kilometer; nachtanken also immer Zuhause.

    Was das wirtschaftspolitisch bedeuten könnte, kann sich jeder bestimmt denken.

    Ein ganz neues Problemfeld auch für den Staat, entfallen doch große Einnahmen über die Mineralölsteuer/Stromsteuer.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "@ FrankBusse"

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