SolarenergieDunkle Sonne

Vor der Wahl macht die Bundesregierung der Solarbranche ein Millionengeschenk – zulasten der Verbraucher. von 

Trotz aller Kritik an den Exzessen der Solarförderung hat sich die Bundesregierung ein neues Geschenk zugunsten der Branche einfallen lassen. Schon in Kürze soll es – neben der üblichen Förderung für jede per Photovoltaik erzeugte und ins Netz eingespeiste Kilowattstunde – eine zusätzliche Wohltat geben: für Investoren, die sich nicht nur ein Kraftwerk aufs Dach schrauben, sondern obendrein einen Batteriespeicher in den Keller oder in die Scheune stellen lassen.

Das Vorhaben ist nicht nur überflüssig. Es ist auch schädlich, denn es hat das Zeug, für Störungen im Stromnetz zu sorgen. Ganz zu schweigen davon, dass auf die Stromkunden zusätzliche Kosten zukommen. Was die Regierung da vorhat, schlägt den Rat sämtlicher Experten in den Wind – und ist vor allem eins: ein Wahlgeschenk.

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Genau so nennt es der Regensburger Hochschulprofessor Michael Sterner, der in Sachen Energiewende und -speicher zu den Beratern der Bundesregierung gehört. »Teurer Unsinn«, sagt Felix Matthes, Energieexperte des Öko-Instituts. Die Fachzeitschrift Photon schrieb, die Sache mit den Speichern erweise sich »mehr und mehr als Schnapsidee«. Selbst die zuständigen Mitarbeiter in der von Peter Altmaier (CDU) neu gegründeten Abteilung E (»Energiewende«) des Bundesumweltministeriums machen keinen Hehl daraus, was sie von dem geplanten »Marktanreizprogramm für Stromspeicher« halten: nichts.

Stoppen lässt es sich allerdings nicht mehr. Altmaier hat sich öffentlich verpflichtet, die Speicher mit jährlich 50 Millionen Euro zu fördern. Das ist zwar keine Riesensumme; der Vorgang ist trotzdem ein Lehrstück. Dafür, wie die Politik zum Opfer ihrer eigenen Taktik wird – und wie individuelle und kollektive Vernunft miteinander in den Clinch geraten.

Der Branchenverband BSW drängt schon seit Längerem auf ein »100.000-Speicher-Programm«. In einem Positionspapier vom Mai 2011 behaupteten die Lobbyisten, dezentrale Speicher dienten der »Verbesserung der regionalen Netz- und Systemintegration von Solarstrom« – ein Argument, das die Mehrheit der Parlamentarier gern glaubte. Die Regierung solle »Vorschläge für ein Marktanreizprogramm für Speicher vorlegen«, beschloss der Bundestag im Frühjahr vergangenen Jahres.

Wenn viele Verbraucher Energie im Keller speichern, schaden sie den Netzen

Als es anschließend um die zwischen dem Bund und den Ländern umstrittene Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) ging, tat sich die FDP als Anwalt der Solarbranche und der Besserverdienenden hervor. Der Freidemokrat Sven Morlok drängte auf das Förderprogramm, er ist Wirtschaftsminister in Sachsen, das Standort von sechs Tochtergesellschaften der Bonner Solarworld AG ist. »Wir haben uns durchgesetzt bei der Förderung dezentraler Stromspeicher für den privaten Häuslebauer und den kleinen Unternehmer«, frohlockte Morlok, nachdem der Bundesrat der EEG-Novelle zugestimmt hatte. Tatsächlich konnte Altmaier den Erfolg in der Länderkammer nur einfahren, weil er in einer Protokollerklärung versprach, die Speicher zu fördern: »Aus Bundesmitteln in Höhe von mindestens 50 Millionen Euro« und »spätestens ab 1. Januar 2013«.

Den Termin ließ der Umweltminister verstreichen. Doch das Vorhaben ist beschlossene Sache, die versprochenen Millionen werden demnächst fließen. Allerdings nicht zugunsten der Energiewende, sondern allein um der Solarwirtschaft neue Geschäfte zu ermöglichen.

Tatsächlich zerbröselt gerade das alte Geschäftsmodell der Branche. Es basiert auf dem Umstand, dass die staatlich garantierten Tarife für ins Netz eingespeisten Solarstrom jahrelang höher waren als der Preis, den private Verbraucher für Strom aus der Steckdose zahlen müssen. Obwohl die Einspeisevergütungen inzwischen deutlich gesenkt wurden und laufend weiter sinken, lassen sich wegen der ebenfalls dramatisch gesunkenen Modulpreise an sonnenreichen Standorten zwar auch heute noch Renditen erzielen, die weit über denen herkömmlicher Geldanlagen liegen; doch die absehbare Entwicklung der Einspeisevergütungen (sie sinken) und der Strompreise (sie steigen) macht den Eigenverbrauch immer lukrativer. Geld verdienen lässt sich mit einer neuen Solaranlage demnächst womöglich nur noch, wenn ihr Betreiber möglichst viele Kilowattstunden selbst nutzt – statt teuren Strom aus dem Netz zu beziehen. Wollen sie in Zukunft noch Geschäfte machen, müssen die Anbieter von Solaranlagen deshalb dafür sorgen, dass ihre Kunden zu Eigenverbrauchern werden.

Leserkommentare
    • OlbersD
    • 03. Februar 2013 17:44 Uhr

    Der Deckel liegt bei 52, Mitte 2012 waren es 27, der jährliche Zubau liegt bei 7. In drei Jahren ist es vorbei!

    • OlbersD
    • 04. Februar 2013 10:55 Uhr

    Die Einspeisevergütung wurde bereits drastisch reduziert und läuft in wenigen Jahren ganz aus. Neue Photovoltaik-Anlagen sind also keine Preistreiber mehr.

    Trotzdem lohnt sich die Photovoltaik weiterhin, wenn der Strom selbst verbraucht wird. Dazu können zusätzlich Solarbatterien, ganz ähnlich Autobatterien, genutzt werden. Aber wo ist das Problem?

    Die Photovoltaik ist durch den Preisverfall weitaus preiswerter geworden, sogar mit zusätzlichen Batterien.

    Die Behauptung die Photovoltaik mit Batterie würde die Netze stören ist totaler Schwachsinn. Die Photovoltaik mit Batterie ist vom Effekt her, eine Stromsparmaßnahme wie ein energiesparender Kühlschrank, Waschmaschiene oder LED-Birne. Dass Strom sparen das Stromnetz destabilisiert ist einfach Quatsch mit Soße.

    Eine Leserempfehlung
    • OlbersD
    • 04. Februar 2013 11:39 Uhr

    50 Millionen oder 0,05 Milliarden sind tatsächlich nicht der Rede wert. Selbst die bereits deutlich gekürzte Einspeisevergütung für Photovoltaik kostet noch deutlich mehr.

    Gehen wir von 7 GW Zubau aus. Diese erzeugen knapp 7 Twh/a oder 7 Milliarden Kilowattstunde. Selbst bei nur 10 Ct/kwh wären dies immer noch 700 Millionen.

    • OIKOS
    • 04. Februar 2013 21:50 Uhr

    Der Aussage des Artikels kann ich mich nicht anschließen. Grundsätzlich sind Solarstromspeicher sinnvoll und sie werden es in Zukunft um so mehr sein, als der schwankende Solarstrom einen größeren Anteil an der gesamten Stromerzeugung haben wird. Die Kapazität der Stromspeicher sollte mindestens für 24 h ausreichen.

  1. Nach Überfliegen der zahlreichen wiedersprüchlichen Kommentare und "richtigen" Dinge frage ich mich ab wann dieses Augenzuunddurch (sagt jemand alternativlos?) das hier geplant und exekutiert wird auf den Prüfstand gestellt wird.

    Wirklich begründet wird diese hektische Aktion durch die Prognose einer Klimakatastrophe. Aber - nehmen wir an eine der vielen Klimahypothese stimmt (ich schlage mal 2.5 Grad Celsius/ Verdopplung CO2 vor).
    Bei allem was wir über die CO2 Emissionsentwicklung der Welt (China,Indien,USA,Kanada,Brasilien,Japan .....) wissen und vorhersagen können: Wird die angebliche Katastrophe durch die Energiewende um Tage, Wochen oder Monate oder gar insgesamt verhindert?
    Ich schätze maximal 2-3 Monate. (wir haben ca 1000 Monate bis zur Katastrophe 2100)
    Denn daß jeder 'kritische' CO2-Wert überschritten wird ist absehbar unvermeidlich.

    Ach ja: wie hoch schätzt man denn die Wahrscheinlichkeit daß sich nach unserem Vorbild irgendjemand orientiert? Bei dem Chaos das wir veranstalten?

    Das Projekt Energiewende erinnert immer mehr an einP bekanntes Vorbild: Wie reite ich ein totes Pferd.

    • OlbersD
    • 05. Februar 2013 15:53 Uhr

    In Deutschland wird erstmals 2012 mehr Strom aus erneuerbaren Energien gewonnen als je zuvor aus Kernenergie. Der Anteil der erneuerbaren Energien steigt stetig. Das Potential für Energiegewinnung aus Wind, Wasser und Sonne ist riesig. Wenige Prozent der Landesfläche reicht bereits aus, die Energieversorgung aus erneuerbaren Energien zu ermöglichen.

    Die völlig überzogene Förderung der Photovoltaik in den vergangenen Jahren hat aber tatsächlich wenig gebracht, insbesondere auch keine dauerhaften Arbeitsplätze.

    Trotzdem ist der Strom nicht wirklich unbezahlbar, der Preisanstieg kann durch Stromsparen zum Beispiel mittels LED-Birnen kompensiert werden.

  2. Als potentieller Hersteller von Stromspeichern auf Netzebene leiden wir im Moment stark unter den fehlenden Marktanreizen für Stromspeicher auf Netzebene, welche die Versorgungssicherheit für ALLE Bürger garantieren könnten, nicht nur für einige privilegierte Eigenheim-Besitzer mit Solarzellen auf dem Dach.

    Die geplante Förderung ist daher völligkontraproduktiv, sie ist weder technisch noch wirtschaftlich sinnvoll für unser Land und hält uns von den wahren Aufgaben ab, nämlich der Entwicklung tragfähiger Konzepte für ausreichen Stromspeicher af Netzebene, und das für ALLE Bürger.

    Ich habe meine Gedanken dazu in einem Papier zusammengefasst, speziell auch vor dem Hintergrund der volkswirtschaftlichen Konsequenzen für unser Land : http://download.rotokinet...

    Grundsätzlich kann ich Ihrem Autor nur zustimmen, dieser Unsinn kann nur als dümmliches Wahlgeschenk der Konservativen an Ihre Wählerschaft verstanden werden, sonst macht es weder volkswirtschaftlich noch technisch auch nur den geringsten Sinn. Bravo, weiter so !

    mfG aus Hamburg

    C. Wiesner
    ROTOKINETIK UG (in Gründung, immer noch)

  3. Es kommt immer darauf an aus welchem Lager die Meinung kommt.
    Wachstum ist die Ausbeutung der Natur und Nutzung der Ressourcen.Wir stellen Erdöl nicht her, sondern erschließen und verkaufen es. Warum soll daher die Unabhängigkeit des Verbrauchers nicht langsam voran kommen? 1.) Langzeitversuch über den Stromverbrauch im Haushalt machen. Dann alle Großverbraucher durch extrem sparsame Geräte ersetzten. Denn eingesparte Energie ist die Energie die nicht benötigt wird. Dann kann die PV-Anlage kleiner dimensioniert werden und der Speicher entsprechend auch. Man stelle sich nur mal die Frage, wenn die Haushalte 40% der el. Energie nicht mehr benötigen und zusätzlich 20% der Haushalte mit eigener PV oder Windkraft versorgt werden und die auch noch zu 100% speichern können und damit mehr als den Eigenbedarf decken. Der Alptraum der Energiewirtschaft schlecht hin. Jetzt gehen wir den Gedanken noch weiter; Bürger auf dem Land produzieren Strom und leiten den über eine eigene Infrastruktur in Städte und dort sind in den Gebäuden Speicher vorhanden.
    Schade klingt alles wie ein Märchen, naja nicht ganz ich für meinen Teil habe das bei mir zu Hause realisiert mit viel Eigenleistung, ohne Ingenieurtitel, wenigem technischen Vorwissen und ohne Finanzspritze vom Staat. Und wenn ich mich nicht verrechnet habe auch mit überschaubarem Kapitaleinsatz. Wofür Porsche dann zig 100T € für die Entwicklung eines E-Porsche bekommen hat, wo es den bereits beim Ruf zu kaufen gibt?
    Mein Radio ist solar!!

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