PersonenrätselLebensgeschichte

von Frauke Döhring

Als Sohn eines berühmten und bewunderten Vaters hat man die Wahl: Entweder man tritt in die Fußstapfen von Senior – oder sucht sich eine eigene Bühne, um darauf groß zu werden. Genau das wurde sein Weg, wenn auch anfangs im Stillen, das meinen wir hier wörtlich: Denn vor der Kommission, die über seinen Sprung in den Traumberuf befand, gelang ihm nur ein Flüstern. Weil er für die Prüfung immer nur heimlich üben konnte, so hat er es mal erzählt. Und dass man ihn dann trotzdem aufnahm, da war er glücklich, spürte, wie er es ausdrückt, "Luft unter den Flügeln".

Die trug ihn in den Folgejahren von Spielfeld zu Spielfeld, die üblichen Ortswechsel in seinem Metier. Der Nachname war da lange schon zur Nebensache geworden. Bis zu jenem Auftritt, der ihn schlagartig in ein weitaus größeres Rampenlicht rückte, denn ohne den Schatten des Vaters hätte es das alles nie gegeben. Zufall, Schicksal? Zumindest kannten ihn nun plötzlich fast alle, und Fragen zum Verhältnis zwischen Vater und Sohn blieben nicht aus. Was ihn schon mal nervte: "Mein Vater war ja nur sporadisch zu Hause. Darum kann ich auch nie auf die Frage antworten, wie es denn unter einem so dominanten Vater gewesen sei." Letztlich sei er, der jüngste von drei Brüdern, die meiste Zeit ganz allein unter Frauen aufgewachsen: "Es gab meine Mutter, unsere geliebte Haushälterin und ein Au-pair-Mädchen."

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Übrigens haben sich auch die älteren Geschwister auf jeweils eigene Art vom Übervater emanzipieren können, einer als Historiker, der andere als Autor. Öffentlich präsent ist aber vor allem er. Doch damit kommt der früher eher schüchterne Junge mit dem nachhaltigen Blick heute gut zurecht. Sein Gesicht sei zwar bekannt, meint er, auf der Straße würden ihn Leute erkennen – sie wüssten dann aber nicht, "ob aus dem Fernsehen oder ob ich kürzlich ihre Waschmaschine repariert habe".

Übrigens ist der bekennende Fußballfan mit Frau und Tochter inzwischen sesshaft geworden: ausgerechnet in der Stadt und in dem Stadtteil, in dem er die frühen Jahre mit dem oft abwesenden Vater verbracht hat. Wer ist’s?

Lösung aus Nr. 3:

Der Antarktisforscher Ernest Shackleton (1874 bis 1922) wurde durch die Endurance-Expedition berühmt, bei der er all seine Männer rettete. Sein Rivale war Robert Scott, in dessen Schatten er nach wie vor steht

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