Computerspionage : Die Löcher im Netz
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"Sieben ernste Hackerangriffe pro Tag" auf die Bundesregierung

Genau das ist also ein Teil des Problems: dass alle Welt die gleichen Computer mit den gleichen Programmen einsetzt. Sie bieten ein gefundenes Fressen für Schädlinge aller Art, ganz ähnlich wie bei einer Monokultur in der Landwirtschaft. Die Hersteller solcher Standardprogramme verspüren auch nur wenig Anreize, allzu viel über Sicherheitsfragen nachzudenken: Weder haften sie für Hackerangriffe bei ihren Kunden, noch müssen sie hohe Sicherheitsstandards gegenüber Behörden garantieren. 

Aus Bequemlichkeits- und Kostengründen werden ihre Programme trotzdem eingesetzt, und zwar nicht nur in Büros, in denen geheime Dokumente entstehen, sondern zunehmend auch in Steueranlagen für Einrichtungen in der Industrie, in Krankenhäusern oder im Militär. Gerade erst warnte die amerikanische Computersicherheitsbehörde US-CERT, dass ungewöhnlich viele Schadprogramme in Kraftwerken und großen Industrieanlagen gefunden würden. 2011 wurden sogar in den Steuersystemen amerikanischer militärischer Drohnen Computerviren entdeckt, die üblicherweise Büro-PCs befallen.

Also doch von Nordkorea lernen und lieber eigene Computer konstruieren, eigene Programme für Regierungen und sensible Einrichtungen schreiben? »Auch bei den Computern der Bundesregierung gibt es inzwischen im Durchschnitt sieben ernste Hackerangriffe pro Tag«, sagt Sandro Gaycken, ein Computerwissenschaftler an der FU Berlin und Exhacker beim Chaos Computer Club, der das Auswärtige Amt berät. Vergleichsweise sicher seien eigentlich bloß handgeschriebene Zettel – und Datenverarbeitungssysteme, die ganz auf Hochsicherheit getrimmt sind.

Die Letzteren, sagt Gaycken, müsse man aber erst noch erfinden. Er will der Bundesregierung jetzt vorschlagen, genau das zu tun. Auch Deutschland brauche ein eigenes, neues Betriebssystem und neue Programme für sensible Einsätze. »Wir fangen an, den Computer noch mal völlig neu zu entwickeln«, kündigt der ehemalige Hacker bereits an. Und wenn er so redet, klingt es fast wie in Nordkorea.

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