StilkolumneGold is back

In der Mode 2013 glänzt es an jeder Ecke: Gold ist wieder da, am Handgelenk oder als Abendkleid. Die Symbolik des Trends: nicht Prunk, sondern Wirtschaftskrise. von 

Schöner Schein: Goldenes Kleid von Ralph Lauren Collection 8950 Euro

Schöner Schein: Goldenes Kleid von Ralph Lauren Collection 8950 Euro  |  © Peter Langer

In der Mode dieses Winters, aber auch des nächsten Frühlings, glitzert und blinkt es wie schon lange nicht mehr. Goldglanz bei Paco Rabanne, Ralph Lauren, Prabal Gurung, Giambattista Valli, Elie Saab und Lanvin. Überall schimmerte es golden auf den Laufstegen – als wollten die Modedesigner sichergehen, dass die Filmstars bei der nächsten Oscar-Verleihung selbst aussehen wie die Trophäe.

Nun ist Metallic keine Stilrichtung, die sich leicht auf der Straße durchsetzt. Was eigentlich schade ist, denn es lässt sich unkomplizierter tragen, als die meisten denken. Nicht als kompletter Look, damit sieht man schnell aus wie eine Leuchtgranate, wohl aber als Detail: Ein Metallic-Rock, eine schimmernde Handtasche oder auch nur glitzernde Armreifen setzen Akzente mit der Wucht eines Scheinwerfers.

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Interessant ist allerdings die Frage, warum so viel Metall und vor allem schimmerndes Gold in den Kollektionen auftaucht. Metallic ist ein immer wiederkehrendes Motiv in der Mode – aber stets erscheint es in neuem Zusammenhang. In den sechziger Jahren stand es für futuristische Mode. Designer wie Pierre Cardin und Paco Rabanne wollten mit Mode die Zukunftssehnsucht ihrer Zeit ausdrücken. Kleider sollten aussehen wie Raumschiffe, sie sollten zum Mond fliegen und zurück, sie sollten das Morgen erklären. Die Zukunft bestand dann doch nicht aus neuen Gesellschaftsordnungen, sondern eher in der Vergnügungssucht der siebziger Jahre, als sogar gestandene Männer Paillettenjacken trugen, weil sie so aussehen wollten wie eine Discokugel.

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Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick

Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick   |  © Peter Langer

Derzeit verzehrt sich die Öffentlichkeit weder nach neuen Gesellschaftsformen, noch erlebt sie die Welt als großen Tanzball. Wie passt da all der Goldglanz hinein, den wir auf den Laufstegen sehen? Vielleicht lohnt es sich, darüber nachzudenken, in welchen Zusammenhängen Gold in unserer Zeit auftritt. Eben nicht als Bling – jener verschwenderische Goldglitter, den die Hip-Hop-Mode verbreitet hat. Sondern als das Einzige, worauf man sich noch verlassen kann. Gold ist die Anlageform für magere Zeiten; wer in Gold investiert, ist pessimistisch. Somit ist Gold in der heutigen Mode ein konservatives Statement. Alles soll so bleiben, wie es ist. Das würde vielen für 2013 schon reichen.

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  • Serie Stilkolumne
  • Schlagworte Frühling | Gold | Metall | Mode | Mond | Pierre Cardin
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