Nicht nur in Fitnessstudios herrscht Anfang des Jahres Hochbetrieb. Auch Onlinevergleichsportale wie Verivox, Check24, Toptarif und Transparo haben Saison. Jetzt wollen viele Menschen nicht nur überflüssige Pfunde loswerden, sondern auch teure Verträge für Versicherungen, Kredite oder ihre Strom- und Gasanbieter. Neun von zehn Grundversorgern und zahlreiche regionale Anbieter wollen dieses Jahr ihre Preise um durchschnittlich zwölf Prozent erhöhen.

Vergleichsportale versprechen da schnelle Hilfe: Bis zu 4.000 Euro jährlich könne eine Familie sparen, wenn sie bei Versicherungen und Tarifen für Strom, Gas, DSL und Mobilfunk zu günstigeren Anbietern wechsle, so wirbt zumindest Check24, das größte Vergleichsportal. Konkurrent Transparo spricht von bis zu 850 Euro Ersparnis allein durch einen Autoversicherungswechsel. Und das bei Strom- und Gasangeboten führende Portal Verivox lockt mit bis zu 500 Euro mehr Geld in der Haushaltskasse durch günstigere Stromtarife.

Das Versprechen der Vergleichsseiten klingt für viele so einfach wie bestechend: Statt selbst Angebote auszuwerten, scheinen wenige Klicks auf den Seiten der Portale zu genügen, die Suche scheint erledigt – unkompliziert und kostenlos. Wer in ein Onlineformular Informationen über Haushaltsgröße oder Stromverbrauch eingibt, erhält ein Ranking günstiger Anbieter.

Aber statt Transparenz schaffen die Portale teils mehr Verunsicherung.

Was den meisten nicht bewusst ist: Die Portale sind nicht unabhängig, auch wenn sie sich gern selbst so darstellen. Ihr Geschäftsmodell ähnelt dem von Versicherungsvertretern, auch sie erhalten für vermittelte Verträge Geld von den Anbietern. Und sie erfassen nicht den ganzen Markt: In die Rangliste kommt meist nur, wer zahlt. Die Ergebnisse verschiedener Onlineportale weichen daher teils stark voneinander ab. Günter Hörmann, Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Hamburg, rät deshalb zu Vorsicht: »Verbraucher sollten niemals nur ein Vergleichsportal nutzen, sondern sich immer bei mehreren Quellen informieren.« Wiederholt wurden sogar unbestätigte Vorwürfe laut, auf den Spitzenplätzen landeten diejenigen Unternehmen, welche die höchsten Provisionen zahlten.

Ein Beispiel verdeutlicht zudem, wie es um die Unabhängigkeit der Portale bestellt sein könnte: Nachdem sich Check24 mit dem Versicherer HUK Coburg wegen angeblich überzogener Provisionen überworfen hatte, flog dieser aus den Rankings. Daraufhin gründete der Versicherer mit Transparo selbst ein Vergleichsportal; seitdem sieht er sich der Frage ausgesetzt, welche eigenen Interessen er mit den Rankings selbst verfolgt.

Trotzdem boomt das Geschäft mit den Onlinelisten – vor allem auf dem Strom- und Gasmarkt, auf dem sich inzwischen mehr als 1.000 Anbieter tummeln. Rund 80 Prozent der wechselwilligen Stromkunden informieren sich laut einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung A.T. Kearney vor einem Wechsel ihres Strom- oder Gasversorgers über ein Vergleichsportal. Die Hälfte führt den Anbieterwechsel online durch. 30 bis 60 Euro sei Energieversorgern ein neuer Kunde wert, berichten Branchenkenner. Teils flössen auch höhere Summen, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Bei jährlich rund sieben Millionen Privatleuten, die ihren Stromanbieter wechseln, ist das potenziell ein Hunderte Millionen Euro schweres Geschäft. In den kommenden drei Jahren soll die Zahl der Wechselkunden am Strom- und Gasmarkt laut A. T. Kearney weiter stark zunehmen.