VergleichsportaleDer Preis ist nicht alles
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Der Einfluss der Vergleichsportale wächst

So wächst die Marktmacht der Vergleichsportale: Wer auf den ersten Rängen der Portallisten landet, hat gute Chancen, der Konkurrenz Kunden abzujagen. »Stromversorger entwickeln gezielt Lockangebote, mit denen sie in den Rankings oben landen«, sagt Udo Sieverding, Bereichsleiter Energie der Verbraucherzentrale NRW. »Einige Discountanbieter gründen eigens neue Tochterfirmen, um mehrere vordere Listenplätze zu belegen.« Das Angebot auf dem Strommarkt werde dadurch intransparenter, sagt Sieverding. So wüssten etwa viele Verbraucher nicht, dass der Ökostromanbieter Löwenzahn Energie eine Tochterfirma des umstrittenen Billiganbieters Flexstrom ist.

»Die Vergleichsportale profitieren ebenso wie Billiganbieter davon, mit einer möglichst hohen Ersparnis im Vergleich zum Tarif der Grundversorger zu werben. Das grenzt teils an Bauernfängerei«, sagt Sieverding. Ein Lockangebot mit einer vermeintlichen Ersparnis von 500 Euro jährlich bringt eben mehr Neukunden und mehr Provision als ein Angebot, bei dem der Verbraucher nur 50 Euro spart. »Einige Discountanbieter legen es systematisch darauf an, Verbraucher zu täuschen. Und die Vergleichsportale unterstützen das, wenn sie solche Lockangebote an die Spitzen der Rankings setzen.« Die Portalbetreiber hätten gar kein Interesse daran, dass sich einfache, leicht vergleichbare Angebote am Markt durchsetzten. »Je komplizierter die Angebote gestaltet sind, desto eher sind Verbraucher auf die Portale angewiesen.«

So werden etwa immer wieder Tarife mit einmaligen Bonuszahlungen für das erste Jahr billiggerechnet. Sie sind allerdings mit bestimmten Stromabnahmemengen oder einer hohen Vorkasse verknüpft. Das vermeintliche Schnäppchenangebot sorgt spätestens im zweiten Jahr nach Vertragsabschluss für ein böses Erwachen, etwa wenn der Anbieter den Bonus nicht auszahlt. »Viele Billigstromanbieter machen im ersten Vertragsjahr zunächst keinen Gewinn, bitten den Kunden aber danach zur Kasse«, sagt Andreas Stender, Autor der A.-T.-Kearney-Studie. »Strukturell kann dieses Modell für die Unternehmen durchaus erfolgreich sein, da sie auf die Trägheit der Kunden beim Tarifwechsel setzen. Nachhaltige Kundenzufriedenheit werden sie damit aber wohl nicht erzielen.«

Die größte Gefahr dieser Praktiken sehen Marktbeobachter woanders: darin, dass Anbieter mit wackeligen Finanzierungsmodellen an die Spitze der Vergleichstabellen gelangen. Die Pleite des Discount-Stromanbieters Teldafax im Sommer 2011 galt in der Branche als erstes Warnsignal: Die Firma hatte mit extrem niedrigen Preisen, die teils unter dem Einkaufspreis lagen, Hunderttausende Kunden gewonnen. Da Neukunden für ein Jahr im Voraus zahlten und über das Vergleichsportal Verivox zuverlässig neue Kunden zu dem Billiganbieter geleitet wurden, der die Ranglisten dominierte, funktionierte das Modell zunächst. Bis es schließlich zusammenbrach.

Von ihren Vorauszahlungen sahen viele Teldafax-Kunden nach der Pleite keinen Cent mehr. Dadurch gerieten Vergleichsportale und Billiganbieter in die Kritik. Dies hat auch zu Verbesserungen geführt: So listet etwa Verivox Angebote mit Vorauskasse oder Kaution, also Anbieter, die sich von ihren Kunden im Voraus hohe Abschläge auf die Jahresrechnung zahlen lassen, nicht als "Tarif-Empfehlungen", da "diese als riskant gelten". Man wolle Kunden die größtmögliche Sicherheit bieten, heißt es dazu auf der Verivox-Seite. Lockangebote mit Bonuszahlungen finden sich allerdings immer noch in den Empfehlungen, wenn Portalbesucher diese Option nicht gezielt ausschalten. Auch über die Höhe der Provisionen gibt es nach wie vor keine Angaben.

Verbraucherschützer Sieverding traut Billiganbietern und Portalbetreibern jedenfalls nach wie vor nicht recht über den Weg. »Portale wie Verivox haben in Sachen Verbraucherschutz inzwischen nachgebessert, weil ihr Image durch den Teldafax-Skandal massiv gelitten hat«, sagt er. »Allerdings stehen auf den ersten vier oder fünf Plätzen der Rankings oftmals trotzdem noch immer Anbieter, über die sich bei den Verbraucherzentralen die Beschwerden häufen und gegen deren Praktiken wir teils vor Gericht vorgehen.«

Sieverding ruft aber auch die Kunden auf, sich bei einem Tarif- oder Versicherungswechsel die Vertragsbedingungen genau anzusehen und die Qualität des Anbieters zu prüfen: »Der Preis ist nicht alles.« Bei der Auswahl eines Anbieters lohne immer auch eine Recherche in Kundenforen und auf den Seiten der Verbraucherschützer, um herauszufinden, ob man es mit einem vertrauenswürdigen und solventen Unternehmen zu tun habe.

Anmerkung: Im drittletzten Absatz wurde eine Information nach Drucklegung für die Online-Veröffentlichung korrigiert. In der gedruckten Ausgabe der ZEIT heißt es, Verivox liste Anbieter, die hohe Vorauszahlungen verlangten, seit Dezember separat. Tatsächlich werden diese Anbieter schon länger nicht als "Tarif-Empfehlungen" geführt. (ae)

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Leserkommentare
  1. OK, auch mich traf " die " Insolvenz der Strombranche. TelDaFax. Mit nem blauen Auge davon gekommen.

    Doch selbst jetzt, Politiker wie auch " Experten " der Medien raten zum Anbieterwechsel.

    Wechselwillige sind aber - entgegen der markigen Sprüche - nie abgesichert. Die aktuellen Meldungen belegen es, erneut sperren Versorger bei Stromanbietern, Nutzer wandern in die Grundversorgung ( vergl. Wuppertal ).

    Nicht besser Autoversicherung - auch da gab es genug Pleiten.

    Vergleichsportale bewegen sich im legalen Rahmen - daher ist der Rahmen falsch gesetzt. Durch die Politik allerdings!
    Es ist die Politik welche - in Ermangelung greifener Gesetze - den ganzen Schindluder so haben will, indirekt zumindest so fördert.

    Nur so am Rande, nebenbei

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    • tokas
    • 27. Januar 2013 15:01 Uhr

    Wozu staatliche Garantie? Wer mit einem Billigangebot spart,
    und für ein Jahr Vorauskasse leistet, geht ein Risiko ein.
    Daß der Anbieter pleitegehen kann, ist ihm hoffentlich bewußt,
    nach den Meldungen zu Teldafax und diesem Artikel.
    Das Einzige, wofür der Staat sorgen sollte, ist,
    daß der Kunde deutlich auf dieses Risiko hingewiesen wird.

    Und diese Lockangebote - daß das so funktioniert,
    wundert mich zwar, aber ich mache da gerne mit.
    Wenn ich, um das günstigste Angebot zu bekommen,
    jedes Jahr wechseln muß, warum nicht?
    Ich mache das seit Jahren so, und es kostet mich jedes Jahr
    nur ein paar Klicks. Es gibt jedes Jahr Anbieter mit
    Neukundenbonus. Es gibt keinen Treuebonus, aber einen
    "Untreuebonus". Wenn die Anbieter das so wollen, von mir aus gerne.

    Natürlich empfiehlt es sich, die Vergleicher untereinander
    auch zu vergleichen. Dabei habe ich übrigens den Eindruck
    bekommen, daß die gegenseitig voneinander abschreiben.

    »Viele Billigstromanbieter machen im ersten Vertragsjahr zunächst keinen Gewinn, bitten den Kunden aber danach zur Kasse«.
    Sofern man im zweiten Vertragsjahr noch dabei ist.
    Mit günstigen Lockangeboten arbeiten auch andere,
    das ist gängige Praxis auch bei Zeitungs-Abonnements usw.

    Bei Gas, Strom, DSL, Versicherungen usw. überprüfe und
    vergleiche ich jedes Jahr, und wechsle dabei auch meistens.
    Und ja, dabei kann man wirklich Hunderte Euro sparen.

  2. Die Kultur des "über den Tisch ziehen"; Er hätte den Vertrag, die AGBs ja lesen können; Das Hintergehen des Sinns eines Gesetzes, das "Mir das Meiste"; Verwirrung durch Informationsüberflutung; Täuschung durch angebliche Seriosität usw. ist heute wahrscheinlich nur sichtbarer für die "Hellhörigen". Das Recht auf freie Vertragsgestaltung gehört auf den Prüfstand, Kündigungsfristen usw. gehören auf den Prüfstand, Werksverträge u.a..

    Eine winzige Chance regulierend einzugreifen hätte nur der Gesetzgeber und der hat offensichtlich kein Interesse daran.

    Mein Lieblingszeichen ist seit Jahren das Sternchen hinter Angeboten mit der klein geschriebenen Erläuterung des Sternchens irgendwo "unten". Ich wünsche mir schon immer das die Erklärungen genauso groß geschrieben werden müssen wie der Preis.

    Es bleibt einem wohl nur die Möglichkeit immer davon auszugehen, dass der Andere einen übervorteilen will und zu recherchieren was das Zeug hält.

    Leider muss ich dies auch meinen Kindern beibringen.

    Vielleicht solltet ihr täglich einen Artikel zu diesem Gebahren schreiben. Rubrik: Cui bono

    4 Leserempfehlungen
    • tokas
    • 27. Januar 2013 15:01 Uhr

    Wozu staatliche Garantie? Wer mit einem Billigangebot spart,
    und für ein Jahr Vorauskasse leistet, geht ein Risiko ein.
    Daß der Anbieter pleitegehen kann, ist ihm hoffentlich bewußt,
    nach den Meldungen zu Teldafax und diesem Artikel.
    Das Einzige, wofür der Staat sorgen sollte, ist,
    daß der Kunde deutlich auf dieses Risiko hingewiesen wird.

    Und diese Lockangebote - daß das so funktioniert,
    wundert mich zwar, aber ich mache da gerne mit.
    Wenn ich, um das günstigste Angebot zu bekommen,
    jedes Jahr wechseln muß, warum nicht?
    Ich mache das seit Jahren so, und es kostet mich jedes Jahr
    nur ein paar Klicks. Es gibt jedes Jahr Anbieter mit
    Neukundenbonus. Es gibt keinen Treuebonus, aber einen
    "Untreuebonus". Wenn die Anbieter das so wollen, von mir aus gerne.

    Natürlich empfiehlt es sich, die Vergleicher untereinander
    auch zu vergleichen. Dabei habe ich übrigens den Eindruck
    bekommen, daß die gegenseitig voneinander abschreiben.

    »Viele Billigstromanbieter machen im ersten Vertragsjahr zunächst keinen Gewinn, bitten den Kunden aber danach zur Kasse«.
    Sofern man im zweiten Vertragsjahr noch dabei ist.
    Mit günstigen Lockangeboten arbeiten auch andere,
    das ist gängige Praxis auch bei Zeitungs-Abonnements usw.

    Bei Gas, Strom, DSL, Versicherungen usw. überprüfe und
    vergleiche ich jedes Jahr, und wechsle dabei auch meistens.
    Und ja, dabei kann man wirklich Hunderte Euro sparen.

    Eine Leserempfehlung
  3. ihren Anbieter gewechselt, jedoch nicht zu den vier grossen Anbietern die sich hinter Fantasienamen bei den kleinen Anbietern häufig verstecken, wie ENBW=Yello EON=E-wie einfach RWE=E-Primo etc. sowohl privat als auch gewerblich dann wäre der Strompreis bundesweit noch bei 20cent und der Verbraucher hätte die Macht. Da nur tatsächlich 8% ( weitere 11% Tarifwechsel beim eigenen Versorger) der Haushalte gewechselt haben zu einem anderen Anbieter der zumeist einer der vier grossen ist konnte bisweilen auch nur der Abzockeffekt in den Internetportalen gefördert werden, ein nicht zu brauchenender Nutzen.

    2 Leserempfehlungen
    • cpohle
    • 28. Januar 2013 17:14 Uhr

    ... finden sich "kostenlose" Vergleichsportale, die bis zu 15 Prozent "Werbekostenzuschuss" von einem vermittelten Bestattungsunternehmen kassieren. Das sind leicht einige hundert Euro, von denen der zahlende Hinterbliebene nichts ahnt.

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