VergleichsportaleDer Preis ist nicht alles

Vergleichsportale helfen Verbrauchern, eine neue Versicherung oder einen billigen Stromanbieter zu finden. Unabhängig sind sie nicht. von Sarah Sommer

Nicht nur in Fitnessstudios herrscht Anfang des Jahres Hochbetrieb. Auch Onlinevergleichsportale wie Verivox, Check24, Toptarif und Transparo haben Saison. Jetzt wollen viele Menschen nicht nur überflüssige Pfunde loswerden, sondern auch teure Verträge für Versicherungen, Kredite oder ihre Strom- und Gasanbieter. Neun von zehn Grundversorgern und zahlreiche regionale Anbieter wollen dieses Jahr ihre Preise um durchschnittlich zwölf Prozent erhöhen.

Vergleichsportale versprechen da schnelle Hilfe: Bis zu 4.000 Euro jährlich könne eine Familie sparen, wenn sie bei Versicherungen und Tarifen für Strom, Gas, DSL und Mobilfunk zu günstigeren Anbietern wechsle, so wirbt zumindest Check24, das größte Vergleichsportal. Konkurrent Transparo spricht von bis zu 850 Euro Ersparnis allein durch einen Autoversicherungswechsel. Und das bei Strom- und Gasangeboten führende Portal Verivox lockt mit bis zu 500 Euro mehr Geld in der Haushaltskasse durch günstigere Stromtarife.

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Das Versprechen der Vergleichsseiten klingt für viele so einfach wie bestechend: Statt selbst Angebote auszuwerten, scheinen wenige Klicks auf den Seiten der Portale zu genügen, die Suche scheint erledigt – unkompliziert und kostenlos. Wer in ein Onlineformular Informationen über Haushaltsgröße oder Stromverbrauch eingibt, erhält ein Ranking günstiger Anbieter.

Aber statt Transparenz schaffen die Portale teils mehr Verunsicherung.

Was den meisten nicht bewusst ist: Die Portale sind nicht unabhängig, auch wenn sie sich gern selbst so darstellen. Ihr Geschäftsmodell ähnelt dem von Versicherungsvertretern, auch sie erhalten für vermittelte Verträge Geld von den Anbietern. Und sie erfassen nicht den ganzen Markt: In die Rangliste kommt meist nur, wer zahlt. Die Ergebnisse verschiedener Onlineportale weichen daher teils stark voneinander ab. Günter Hörmann, Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Hamburg, rät deshalb zu Vorsicht: »Verbraucher sollten niemals nur ein Vergleichsportal nutzen, sondern sich immer bei mehreren Quellen informieren.« Wiederholt wurden sogar unbestätigte Vorwürfe laut, auf den Spitzenplätzen landeten diejenigen Unternehmen, welche die höchsten Provisionen zahlten.

Vorkasse

Bei Stromtarifen mit Vorauszahlungen, auch Vorauskasse genannt, zahlt der Kunde keinen monatlichen Abschlag, sondern die gesamte jährliche Stromrechnung vorab; dafür gewähren Anbieter teils billigere Tarife. Sollte das Unternehmen im Laufe des Jahres allerdings pleitegehen, laufen Kunden Gefahr, ihre Vorauszahlung abschreiben zu müssen.

Ein Beispiel verdeutlicht zudem, wie es um die Unabhängigkeit der Portale bestellt sein könnte: Nachdem sich Check24 mit dem Versicherer HUK Coburg wegen angeblich überzogener Provisionen überworfen hatte, flog dieser aus den Rankings. Daraufhin gründete der Versicherer mit Transparo selbst ein Vergleichsportal; seitdem sieht er sich der Frage ausgesetzt, welche eigenen Interessen er mit den Rankings selbst verfolgt.

Trotzdem boomt das Geschäft mit den Onlinelisten – vor allem auf dem Strom- und Gasmarkt, auf dem sich inzwischen mehr als 1.000 Anbieter tummeln. Rund 80 Prozent der wechselwilligen Stromkunden informieren sich laut einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung A.T. Kearney vor einem Wechsel ihres Strom- oder Gasversorgers über ein Vergleichsportal. Die Hälfte führt den Anbieterwechsel online durch. 30 bis 60 Euro sei Energieversorgern ein neuer Kunde wert, berichten Branchenkenner. Teils flössen auch höhere Summen, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Bei jährlich rund sieben Millionen Privatleuten, die ihren Stromanbieter wechseln, ist das potenziell ein Hunderte Millionen Euro schweres Geschäft. In den kommenden drei Jahren soll die Zahl der Wechselkunden am Strom- und Gasmarkt laut A. T. Kearney weiter stark zunehmen.

Leserkommentare
  1. OK, auch mich traf " die " Insolvenz der Strombranche. TelDaFax. Mit nem blauen Auge davon gekommen.

    Doch selbst jetzt, Politiker wie auch " Experten " der Medien raten zum Anbieterwechsel.

    Wechselwillige sind aber - entgegen der markigen Sprüche - nie abgesichert. Die aktuellen Meldungen belegen es, erneut sperren Versorger bei Stromanbietern, Nutzer wandern in die Grundversorgung ( vergl. Wuppertal ).

    Nicht besser Autoversicherung - auch da gab es genug Pleiten.

    Vergleichsportale bewegen sich im legalen Rahmen - daher ist der Rahmen falsch gesetzt. Durch die Politik allerdings!
    Es ist die Politik welche - in Ermangelung greifener Gesetze - den ganzen Schindluder so haben will, indirekt zumindest so fördert.

    Nur so am Rande, nebenbei

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    • tokas
    • 27. Januar 2013 15:01 Uhr

    Wozu staatliche Garantie? Wer mit einem Billigangebot spart,
    und für ein Jahr Vorauskasse leistet, geht ein Risiko ein.
    Daß der Anbieter pleitegehen kann, ist ihm hoffentlich bewußt,
    nach den Meldungen zu Teldafax und diesem Artikel.
    Das Einzige, wofür der Staat sorgen sollte, ist,
    daß der Kunde deutlich auf dieses Risiko hingewiesen wird.

    Und diese Lockangebote - daß das so funktioniert,
    wundert mich zwar, aber ich mache da gerne mit.
    Wenn ich, um das günstigste Angebot zu bekommen,
    jedes Jahr wechseln muß, warum nicht?
    Ich mache das seit Jahren so, und es kostet mich jedes Jahr
    nur ein paar Klicks. Es gibt jedes Jahr Anbieter mit
    Neukundenbonus. Es gibt keinen Treuebonus, aber einen
    "Untreuebonus". Wenn die Anbieter das so wollen, von mir aus gerne.

    Natürlich empfiehlt es sich, die Vergleicher untereinander
    auch zu vergleichen. Dabei habe ich übrigens den Eindruck
    bekommen, daß die gegenseitig voneinander abschreiben.

    »Viele Billigstromanbieter machen im ersten Vertragsjahr zunächst keinen Gewinn, bitten den Kunden aber danach zur Kasse«.
    Sofern man im zweiten Vertragsjahr noch dabei ist.
    Mit günstigen Lockangeboten arbeiten auch andere,
    das ist gängige Praxis auch bei Zeitungs-Abonnements usw.

    Bei Gas, Strom, DSL, Versicherungen usw. überprüfe und
    vergleiche ich jedes Jahr, und wechsle dabei auch meistens.
    Und ja, dabei kann man wirklich Hunderte Euro sparen.

  2. Die Kultur des "über den Tisch ziehen"; Er hätte den Vertrag, die AGBs ja lesen können; Das Hintergehen des Sinns eines Gesetzes, das "Mir das Meiste"; Verwirrung durch Informationsüberflutung; Täuschung durch angebliche Seriosität usw. ist heute wahrscheinlich nur sichtbarer für die "Hellhörigen". Das Recht auf freie Vertragsgestaltung gehört auf den Prüfstand, Kündigungsfristen usw. gehören auf den Prüfstand, Werksverträge u.a..

    Eine winzige Chance regulierend einzugreifen hätte nur der Gesetzgeber und der hat offensichtlich kein Interesse daran.

    Mein Lieblingszeichen ist seit Jahren das Sternchen hinter Angeboten mit der klein geschriebenen Erläuterung des Sternchens irgendwo "unten". Ich wünsche mir schon immer das die Erklärungen genauso groß geschrieben werden müssen wie der Preis.

    Es bleibt einem wohl nur die Möglichkeit immer davon auszugehen, dass der Andere einen übervorteilen will und zu recherchieren was das Zeug hält.

    Leider muss ich dies auch meinen Kindern beibringen.

    Vielleicht solltet ihr täglich einen Artikel zu diesem Gebahren schreiben. Rubrik: Cui bono

    4 Leserempfehlungen
    • tokas
    • 27. Januar 2013 15:01 Uhr

    Wozu staatliche Garantie? Wer mit einem Billigangebot spart,
    und für ein Jahr Vorauskasse leistet, geht ein Risiko ein.
    Daß der Anbieter pleitegehen kann, ist ihm hoffentlich bewußt,
    nach den Meldungen zu Teldafax und diesem Artikel.
    Das Einzige, wofür der Staat sorgen sollte, ist,
    daß der Kunde deutlich auf dieses Risiko hingewiesen wird.

    Und diese Lockangebote - daß das so funktioniert,
    wundert mich zwar, aber ich mache da gerne mit.
    Wenn ich, um das günstigste Angebot zu bekommen,
    jedes Jahr wechseln muß, warum nicht?
    Ich mache das seit Jahren so, und es kostet mich jedes Jahr
    nur ein paar Klicks. Es gibt jedes Jahr Anbieter mit
    Neukundenbonus. Es gibt keinen Treuebonus, aber einen
    "Untreuebonus". Wenn die Anbieter das so wollen, von mir aus gerne.

    Natürlich empfiehlt es sich, die Vergleicher untereinander
    auch zu vergleichen. Dabei habe ich übrigens den Eindruck
    bekommen, daß die gegenseitig voneinander abschreiben.

    »Viele Billigstromanbieter machen im ersten Vertragsjahr zunächst keinen Gewinn, bitten den Kunden aber danach zur Kasse«.
    Sofern man im zweiten Vertragsjahr noch dabei ist.
    Mit günstigen Lockangeboten arbeiten auch andere,
    das ist gängige Praxis auch bei Zeitungs-Abonnements usw.

    Bei Gas, Strom, DSL, Versicherungen usw. überprüfe und
    vergleiche ich jedes Jahr, und wechsle dabei auch meistens.
    Und ja, dabei kann man wirklich Hunderte Euro sparen.

    Eine Leserempfehlung
  3. ihren Anbieter gewechselt, jedoch nicht zu den vier grossen Anbietern die sich hinter Fantasienamen bei den kleinen Anbietern häufig verstecken, wie ENBW=Yello EON=E-wie einfach RWE=E-Primo etc. sowohl privat als auch gewerblich dann wäre der Strompreis bundesweit noch bei 20cent und der Verbraucher hätte die Macht. Da nur tatsächlich 8% ( weitere 11% Tarifwechsel beim eigenen Versorger) der Haushalte gewechselt haben zu einem anderen Anbieter der zumeist einer der vier grossen ist konnte bisweilen auch nur der Abzockeffekt in den Internetportalen gefördert werden, ein nicht zu brauchenender Nutzen.

    2 Leserempfehlungen
    • cpohle
    • 28. Januar 2013 17:14 Uhr

    ... finden sich "kostenlose" Vergleichsportale, die bis zu 15 Prozent "Werbekostenzuschuss" von einem vermittelten Bestattungsunternehmen kassieren. Das sind leicht einige hundert Euro, von denen der zahlende Hinterbliebene nichts ahnt.

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