WochenmarktVerschärfter Wirsing

von Elisabeth Raether

Dieser bestimmte Kohlgeruch, der im Treppenhaus hängt, wenn der Eintopf fertig ist, erinnert einige an ihre Kindheit mit Couchgarnitur und einem mürrischen Vater, der immer das größte Stück vom Braten bekam. Aber überraschenderweise ist der Wirsing ein Mittelmeergemüse. Er kommt ursprünglich aus Italien.

Deshalb heißt er in manchen romanischen Sprachen sinngemäß »Milaneser Kohl«. Nur im Deutschen trägt er diesen schwierigen Namen. Einige Sorten heißen sogar, noch unschöner, »Dauerwirsing«. Das sind die, die praktisch ständig erntereif sind.

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Geben wir dem Wirsing seinen mediterranen Charme zurück, indem wir ihn mit Knoblauch, scharfer spanischer Paprikawurst und Maronen zubereiten.

Alle Wochenmarkt-Rezepte

Alle Wochenmarkt-Rezepte  |  © Miguel Medina/AFP/Getty Images

Dazu werden die Knoblauchzehen fein gehackt, und die Chorizo wird in 1 cm große Würfel geschnitten. Beides dünstet man in einer Pfanne mit Olivenöl an. Nimmt der Knoblauch Farbe an, kommt die fein gehackte Zwiebel dazu und dünstet etwa 5 Minuten lang mit.

Der Wirsing wird in Streifen geschnitten, nachdem man den Strunk entfernt hat. Man gibt die Wirsingstreifen in die Pfanne und löscht mit Wein ab.

Zugedeckt dünstet das Ganze bei mittlerer Hitze 10 bis 15 Minuten lang, bis der Kohl weich ist. Kurz vor dem Ende der Garzeit gibt man die eventuell halbierten Maronen dazu. Schließlich wird mit Zitronensaft, Salz und Pfeffer abgeschmeckt.

Wirsing mit Chorizo und Maronen
für 2 Personen

2 Knoblauchzehen
150 g Chorizo
1 EL Olivenöl
1 kleine Zwiebel
1 halber Wirsingkopf
100 ml Weißwein
100 g geschälte und gekochte Maronen
Saft einer halben Zitrone
Salz, Pfeffer

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Leserkommentare
  1. ... Chorizo, den man hierzulande als solchen angedreht bekommt, ist meistens den Namen nicht wert. Warum soll man außerdem den Eigengeschmack des "chou frisé" mit dieser Gewüzbombe abtöten?
    Ich koche den in Streifen geschnittenen Wirsing ein paar Minuten in einer Gemüsebrühe, schre3cke ihn mit kaltem Wasser ab und vermische ihn in einer Auflaufform mit den darin in wenig Butter angelassenen Schalotten- und Knoblauchwürfelchen (ohne Frabannahme, sonst wirds bitter!) und einem Bescher Crème fraîche. Reichlich geriebener Gruyère und/oder Comté darüber, noch eine dünne Schicht Semmelbrösel drauf und ab in den auf 200 °C vorgeheizten Ofen bis der Käse die gewünschte Konsistenz und Farbe angenommen hat. Mjamm.

    2 Leserempfehlungen
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    Die Sahne brauchts nicht. Das mächtet nur unnötig auf. Käse reicht. Und für den ganz besonderen Kick noch ein paar knusprig gebratene Kartoffelwürfel und der Glückseligkeit steht fast nichts mehr im Weg ;-)
    http://www.goccus.com/rez...

    Und ansonsten: Wirsingrouladen in Tomatensauce geschmort! Oder Wirsing als Mantel für Semmelknödel in Rahmsauce. Gemüse- und Sättigungsbeilage in einem. Oder Wirsing in Stampoot. Oder...

    • sauce
    • 24. Januar 2013 12:12 Uhr

    ... aber Gruyère ist ja kaum weniger würzig als Chorizo.
    Außer der Zutat Wirsing haben die beiden Rezepte kaum etwas gemeinsam - Ihres ist allerdings deutlich reichhaltiger. Ich werde beide ausprobieren!

    • Tiroler
    • 17. Januar 2013 19:49 Uhr

    Der Wirsing kommt zwar aus Italien, was zumindest für Österreicher keine Überraschung ist, da er in Österreich auch Welschkohl heißt; ein richtiges Mittelmeergemüse ist er deswegen aber noch nicht, da er fast nur in Norditalien bekannt ist, vor allem in der Gegend von Mailand. Von dort kam er auch zu k.u.k-Zeiten nach Wien. Die Italiener lieben den Wirsing übrigens als "verza alla tirolese" mit Tiroler Speck oder als Krautrouladen nach österreichischem Rezept. Auch für manche italienische Gemüsesuppen wird Wirsing neben Grünkohl (der in Italien Schwarzkohl heißt) verwendet.

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    • fudge
    • 19. Januar 2013 14:54 Uhr

    ... sagte mein Mitkoch und -esser und leerte seinen Teller immer langsamer.

    Ein super Rezept! Donnerstag gesehen und heute nachgekocht. Wir änderten nur zwei Dinge: Bei den Zutaten nahmen wir ca. 100g Chorizo und 150g Maronen und bei der Zubereitung entschied ich mich, Knoblauch, Chorizo und Zwiebeln zusammen in die Pfanne zu werfen. Es ist ja nichts ärgerlicher als wenn der Knoblauch schon völlig angebrannt ist bis die Zwiebeln glasig sind. Auch habe ich einen selbstgemachten Brüheiswürfen und etwas Salz beim Ablöschen hinzugegeben. Beim Abschmecken wurde nicht an Zitronensaft gespart.

    Das Ergebnis: LECKER! Ein wenig herb (Wirsing), säuerlich (Zitrone), süßlich (Maronen) und salzig mit leichter Schärfe (Chorizo) -- super ausgewogener Geschmack. Wird auf jeden Fall wieder gekocht!

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  2. 4. DANKE

    für das wundervolle Rezept, danke auch an Mycroft Holmes, auch das werde ich ausprobieren, denn mir ist es auch ohne Chorizo lieber. Stattdessen würde ich besser eine schöne kräftige Bio-wurst hineingeben.

  3. megafein, werde ich gleich dieser Tage testen, Montignac nennt Wirsing "Grünkohl"....
    Also alleine die Idee mit den Maronen klingt sehr verführerisch und, zuerst die Zwiebel, dann der Knofel und was die Wurst angeht, die ist mit Pökelsalz in der REgel, das vertrage ich nicht, das lasse ich lieber, allerdings hat das Rezept Charme, ich werde es in den nächsten Tagen kochen....

  4. Die Sahne brauchts nicht. Das mächtet nur unnötig auf. Käse reicht. Und für den ganz besonderen Kick noch ein paar knusprig gebratene Kartoffelwürfel und der Glückseligkeit steht fast nichts mehr im Weg ;-)
    http://www.goccus.com/rez...

    Und ansonsten: Wirsingrouladen in Tomatensauce geschmort! Oder Wirsing als Mantel für Semmelknödel in Rahmsauce. Gemüse- und Sättigungsbeilage in einem. Oder Wirsing in Stampoot. Oder...

    Antwort auf "DER ..."
  5. Wirsing gab und gibt es bei uns oft.

    Aber bitte mal eine (nicht repräsentative) Abstimmung:
    -- bei uns roch es in den 50er Jahren nach Kohl im Treppenhaus.
    -- wir hatten einen mürrischen Vater
    -- der Vater bekam das größte Stück Fleisch

    Bei mir stimmt das alles nicht. Wir hatten einen normal gelaunten Vater (Bruder und Schwester waren wesentlich öfter missgelaunt). Mein Vater nahm viel lieber vom Gemüse und von den Kartoffeln als vom Fleisch. Meine Mutter hat gern gekocht.
    Wir waren auch katholisch und ich wurde als Messdiener nicht missbraucht. Meine Mutter hat für die Caritas gesammelt. Mein Vater hat auf dem Gemeindefriedhof mit anderen Männer ohne Bezahlung Wege gemacht und Papier gesammelt. Wir wurden aufgeklärt. Meine Mutter hatte Verständnis für Pubertätsprobleme ihrer Kinder.

    Ich hätte gern mal eine Untersuchung, woher die 10% der Menschen kommen, welche die 50er als so entsetzlich primitiv klischeehaft erlebt haben.

    3 Leserempfehlungen
  6. Wirsing mit Curry und Sahne schmeckt hervorragend als Gemüse zu Fisch. Und in die blanchierten Blätter ohne Strunk kann man leckere Sachen einpacken. Roh als Salat schmeckt er auch. Hauptsache, man kocht ihn nicht mit Kartoffeln durcheinander bis er nur noch Pampe ist. So gab es Wirsing bei meiner Oma, war halt rustikale Nachkriegsküche, deswegen sei es ihr und allen anderen Omas verziehen !!!

    2 Leserempfehlungen

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