Warum hatte das SED-Mitglied Hermann Axen in der DDR Karriere gemacht? Der Liedermacher Wolf Biermann lieferte eine originelle Erklärung (in seinem Buch Klartexte im Getümmel) : »Bei dem weiß man wenigstens genau, warum er Mitglied des Politbüros wurde. Seine fantastische Hässlichkeit war immer sein politisches Kapital. Bei Gruppenfotos der Führung hatte immer Honecker das Privileg, links von ihm zu stehen. Denn jeder, der neben Axen fotografiert wird, sieht aus wie ein Hollywoodheld.«

Nach diesem Prinzip, bezogen auf die Leistung, gehen schwache Führungskräfte bei der Personalauswahl vor: Wer Mitarbeiter um sich schart, die nicht gerade hell sind, poliert damit sein eigenes (trübes) Licht auf. Dieses Credo wenden die Stümper, die Pfuscher, die Nichtskönner an, denn eines können sie dann doch: sich vor ungünstigen Vergleichen schützen. Weil sie die Maßstäbe selbst festlegen.

Und so kommt es, dass Chef Müller lauter Müllerchens um sich versammelt, Mitarbeiter, die ihm das Wasser nicht reichen können. Am deutlichsten wird das bei seinem Stellvertreter: Der muss fachlich so inkompetent sein, dass Müller daneben wie ein Lexikon wirkt. Und er muss mindestens so begriffsstutzig sein, dass Müller im Vergleich als Ein-Mann-Denkfabrik gilt. Jeder, der es mit diesem Stellvertreter zu tun bekommt, wird von der Sehnsucht nach Müller gepackt – so wie einer, der im Hagel steht, schon einen prasselnden Regen als besseres Wetter sieht.

Nur wer stark ist, sagt Roosevelt, kann sich erlauben, leise zu sprechen. Wer schwach ist, macht Lärm und umgibt sich mit noch Schwächeren. Ein Maßstab, der nach unten manipuliert wird, verschleiert die eigene Unfähigkeit. Die Zeche zahlen die Firmen und die abgewiesenen Bewerber. Ausgerechnet ein gelungener Auftritt im Vorstellungsgespräch, der Kompetenz verrät, schüchtert einen schwachbrüstigen Chef ein. Die Absage bekommt der Bewerber nicht, weil es ihm an den nötigen Qualitäten gefehlt hätte, sondern weil er sie gehabt hätte.

So entsteht ein Team, das den Namen Gurkentruppe redlich verdient; ein Schwacher führt Schwächere. In jeder großen Firma gibt es solche Einheiten, die berüchtigt für ihre Inkompetenz sind. Warum sie oft über Jahre geduldet werden? Weil die anderen Teams es genießen, im Vergleich so gut dazustehen. Jedes Mal, wenn sie auf die Gurkentruppen schimpfen, werten sie sich selbst heimlich auf. Wer neben Hermann Axen steht, sieht einfach besser aus!