FührungskräfteDas Zitat... und Ihr Gewinn

Theodore Roosevelt sagt: Wer stark ist, kann sich erlauben, leise zu sprechen. von 

Warum hatte das SED-Mitglied Hermann Axen in der DDR Karriere gemacht? Der Liedermacher Wolf Biermann lieferte eine originelle Erklärung (in seinem Buch Klartexte im Getümmel) : »Bei dem weiß man wenigstens genau, warum er Mitglied des Politbüros wurde. Seine fantastische Hässlichkeit war immer sein politisches Kapital. Bei Gruppenfotos der Führung hatte immer Honecker das Privileg, links von ihm zu stehen. Denn jeder, der neben Axen fotografiert wird, sieht aus wie ein Hollywoodheld.«

Nach diesem Prinzip, bezogen auf die Leistung, gehen schwache Führungskräfte bei der Personalauswahl vor: Wer Mitarbeiter um sich schart, die nicht gerade hell sind, poliert damit sein eigenes (trübes) Licht auf. Dieses Credo wenden die Stümper, die Pfuscher, die Nichtskönner an, denn eines können sie dann doch: sich vor ungünstigen Vergleichen schützen. Weil sie die Maßstäbe selbst festlegen.

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Und so kommt es, dass Chef Müller lauter Müllerchens um sich versammelt, Mitarbeiter, die ihm das Wasser nicht reichen können. Am deutlichsten wird das bei seinem Stellvertreter: Der muss fachlich so inkompetent sein, dass Müller daneben wie ein Lexikon wirkt. Und er muss mindestens so begriffsstutzig sein, dass Müller im Vergleich als Ein-Mann-Denkfabrik gilt. Jeder, der es mit diesem Stellvertreter zu tun bekommt, wird von der Sehnsucht nach Müller gepackt – so wie einer, der im Hagel steht, schon einen prasselnden Regen als besseres Wetter sieht.

Martin Wehrle
Martin Wehrle

Der Coach Martin Wehrle ist Autor mehrerer Karrierebücher und gibt jede Woche Karrieretipps in der Kolumne "Das Zitat und Ihr Gewinn".

Nur wer stark ist, sagt Roosevelt, kann sich erlauben, leise zu sprechen. Wer schwach ist, macht Lärm und umgibt sich mit noch Schwächeren. Ein Maßstab, der nach unten manipuliert wird, verschleiert die eigene Unfähigkeit. Die Zeche zahlen die Firmen und die abgewiesenen Bewerber. Ausgerechnet ein gelungener Auftritt im Vorstellungsgespräch, der Kompetenz verrät, schüchtert einen schwachbrüstigen Chef ein. Die Absage bekommt der Bewerber nicht, weil es ihm an den nötigen Qualitäten gefehlt hätte, sondern weil er sie gehabt hätte.

So entsteht ein Team, das den Namen Gurkentruppe redlich verdient; ein Schwacher führt Schwächere. In jeder großen Firma gibt es solche Einheiten, die berüchtigt für ihre Inkompetenz sind. Warum sie oft über Jahre geduldet werden? Weil die anderen Teams es genießen, im Vergleich so gut dazustehen. Jedes Mal, wenn sie auf die Gurkentruppen schimpfen, werten sie sich selbst heimlich auf. Wer neben Hermann Axen steht, sieht einfach besser aus!

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Leserkommentare
  1. von Kindesbeinen an dressiert. Kennen Sie die "schöne Lüge" Platons nicht?

    • vyras
    • 17. Februar 2013 16:59 Uhr

    Schwache Vorgesetzte treffen häufig eine Auswahl, die ihre eigene Position stabilisieren soll. Auch auf das Betriebsklima hat die Persönlichkeit eines Vorgesetzten Einfluß. Der Chef, der gerne Intrigen spinnt, Probleme lieber hinterrücks "löst", der wird sich niemanden in die Abteilung holen, bei dem schon im Vorstellungsgespräch zu erkennen ist, dass er eine solche Art nicht schätzt und sie nicht mittragen wird. Ein solcher Chef wird sich Gleichgesinnte ins Boot holen, und das merkt man dann am Umgang der Mitarbeiter miteinander.

    Diesem Beitrag der Reihe von Herrn Wehrle kann ich zustimmen, anders als manchem anderen, wo bei mir gelegentlich der Eindruck aufkommt, das nur der aktuell gültige Verhaltenskodex für den Angestellten des Monats verbreitet wird.

    2 Leserempfehlungen
  2. Dieses Problem tritt stärker auf je mehr Macht jemand hat. Nur so lassen sich unmenschliche Entscheidungen überhaupt erklären. Kein nicht völlig abgehobener und selbstgerechter Mensch würde Entscheidungen wie die nichtfreigabe des Patents der guten Aidsmittel für Afrika (indem es sowieso keinen Markt dafür gibt weil keine Konsumenten dafür viele Betroffene) erklären.
    Auch die Entscheidungen der Deutsche Bank Chefs (Dreckspapiere absichtlich in Umlauf bringen) können nur so erklärt werden.
    In der Politik geht es weiter: Guttenberg, Schäuble und co sind auch so von sich überzeugt das ihre "Politik" auch mal negativ sein kann (Guttenberg kampagne in Bild durch Deal mit Bundeswehr Werbung/Annahme von Schmiergeld von Waffenhändlern sowie Übernahme der Lobbypapiere der Deutschen Bank zur Lösung der Finanzkrise).

    Wir brauchen flachere Strukturen! Das ist effizienter (BMW versucht sowas, Toyota etc.) und sehr viel moralischer! Wenn der Mensch eines Ladens seinen Angestellten in die Augen sehen muss, genauso wie den umliegenden Bewohnern, dann kann er nicht so einfach die Umwelt verpesten und Zulieferer Firmen in Armen Ländern zu unmenschlichen Bedingungen zwingen! Die Machtstrukturen sind viel zu groß und Geil auf weitere Macht geworden. (Zum Beispiel Finanzindustrie mit Attacken auf Europa und einsetzen von Männern in die Staatsspitzen wie Monti oder MArio Dragi) Vor allem Amerika ist völlig übergeschnappt durch Macht der Drohnenkrieg wäre nicht machbar in lokalen Strukturen!

    2 Leserempfehlungen
  3. Mittelmäßigkeit zieht Mittelmäßigkeit an.

    Der schwache Stellvertreter hat noch einen weiteren Vorteil: Wer massiv von seinem Chef gestützt werden muss, reagiert auch loyaler diesem Chef gegenüber und wird kaum auf eine andere Stelle befördert.

    Was das in der Praxis bedeutet, kann man gut bei der CDU bewundern: Die, im Vergleich zu allen anderen Kanzlern der BRD, äußerst schwache Merkel steht einer absoluten Grukentruppe vor. Bei Konzepten und fähigen Personal ist bundesweit Fehlanzeige.

    10 Leserempfehlungen
    • WilBlu
    • 17. Februar 2013 18:47 Uhr

    Habe das leider selbst bei einem Autohersteller in K. erlebt. Eigeninitiative ist genauso unbeliebt wie die Wahrheiten zu sagen und Dinge zu verändern, die z.B. dem Handel helfen. Zum Weiterkommen haben nur die Kopfnicker und Jasager und Arschkriecher eine Chance. Deshalb findet auch keine Veränderung statt, doch ein Vorteil hat das Ganze. Irgendwann wird man von der Firma nicht mehr hören und sie verschwindet von der Bildfläche.

    Eine Leserempfehlung
    • zimra1
    • 17. Februar 2013 19:35 Uhr

    Schwache Minister, einzige Anforderung: Treue bedingungslose
    Ergebenheit.

    3 Leserempfehlungen
  4. zu zitieren, der dies imltho nicht so gesagt hat, sondern "Speak softly and carry a big stick; you will go far" was etwas anderes bedeutet, das deutsche Sprichwort "Wo der Geist nicht blitzt, da donnert die Stimme" nehmen können, gibt aber auch im Englischen ein besseres "Empty vessels make the most noise."

    Ansonsten einer der besseren Artikel dieser Reihe, der in D den Nagel auf den Kopf trifft und auch die Stagnation des Landes erklärt, leider vergaß der Autor auch noch den Zusammenhang zwischen Macht und Dummheit zu beleuchten eine der gefährlichsten Kombinationen die in D zur Perfektion geführt wurden.

    Einziger Negativpkt. man macht sich nicht über Tote lustig (obwohl die meisten ZEIT Leser Axen mMn nicht kennen dürften und man sich nicht über Überlebenden des Holocaust lustig machen sollte) egal wofür sie standen, denn da gibt es Gestalten des aktuellen Politbetriebes als Beispiel besser geeignet wären.

    Zur Einleitung, für sein Aussehen kann keiner etwas und es hat auch nichts mit Intellekt zu tun, aber es zeigt wohl, welches Geistes Kind Biermann ist.

    Eine Leserempfehlung
  5. ..dieses Prozedere ist leider auch im Uni- bzw. Hochschulbetrieb nicht selten.
    Institute stellen mit Vorliebe Leute ein, die sich Niveau-technisch nicht als echte Konkurrenz behaupten könnten, sondern bestenfalls Mitläufer mit gering ausgeprägter eigener Meinung sind.
    Unter Dummen fällt die Dummheit des Dummen nicht auf.

    Eine Leserempfehlung

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