Tierfotos im BüroOoohhh, wie süß!!

Tierfotos im Büro steigern die Produktivität. Sagt Hiroshi Nittono, Professor für kognitive Psychologie in Japan. von Silke Weber

DIE ZEIT: Gehören niedliche Tierbilder nicht ins Kinderzimmer statt an den Arbeitsplatz?

Hiroshi Nittino: Vielleicht halten Sie das für kindisch, in westlichen Gesellschaften ist ihr Wert unterschätzt. Wobei sich das gerade ändert. In Japan sind diese Tierbilder gesellschaftlich weit verbreitet und schon lange Teil der Populärkultur. Denken Sie etwa an "Hello Kitty". Man findet Niedliches bei uns auch in Behördenschreiben oder im Büro. Possierliche und liebenswürdige Dinge machen uns nicht nur glücklicher, sondern sie schärfen auch unsere Konzentration.

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ZEIT: Und wie funktioniert das?

Nittino: Niedliches löst positive Emotionen aus, wir wollen diesen Dingen näher kommen, achten mehr auf Details. Dieser Zustand fokussierter Aufmerksamkeit hält noch über das Betrachten hinaus an. Wir nennen das kaweii, die Kraft des Niedlichen.

ZEIT: Sie haben das in einer Studie untersucht.

Nittino: Ja. Wir haben unsere Testpersonen, 24 Männer und 24 Frauen, in drei Gruppen eingeteilt und verschiedene Aufgaben erfüllen lassen, nachdem wir ihnen Bilder von Tieren, Tierbabys und gutem Essen gezeigt haben. Die Gruppe mit den Tierbabys schnitt am bestem ab, sie war deutlich schneller, genauer und geschickter. Die mit dem Essen war am schlechtesten.

ZEIT: Also funktioniert das nicht mit jedem Tier, nur mit den besonders süßen?

Nittino: In unserer Studie hatten wir Katzen, Hunde und Welpen. Die Ergebnisse zeigen, dass Welpen noch besser wirken. Bei den erwachsenen Tieren konnte die Produktivität um fünf Prozent gesteigert werden. Bei den Tierbabys um zehn Prozent! Im Grunde sind alle Tierbabys süß.

Hiroshi Nittino

Hiroshi Nittino ist Professor für kognitive Psychologie in Japan.

ZEIT: Wie definieren Sie "süß"?

Nittino: Große Augen, runde Gesichter – das Kindchenschema. Aber es geht auch um eine bestimmte Beziehung zwischen dem Betrachter und dem Objekt. Manche Leute lieben Echsen oder Schlangen als Haustiere.

ZEIT: Also raten Sie dazu, die Bilder der Haustiere auf dem Schreibtisch zu platzieren, als Computerhintergrund einzustellen?

Nittino: Ja, niedliche Stimuli schärfen die Aufmerksamkeit, aber überreizen Sie es nicht! Nutzen sie kleine Pausen dafür. Unsere Testpersonen haben die Bilder 90 Sekunden lang betrachtet, das ist wirklich effektiv.

ZEIT: Und von welchem Tierchen haben Sie ein Foto auf dem Schreibtisch?

Nittino: Um ehrlich zu sein, mag ich Tiere eigentlich nicht besonders. Stattdessen steht da ein Bild von meinen Kindern. Das hilft aber genauso.

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    Frage 1 / 10

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    Philosophische Texte sind oft besonders unverständlich. Hier ein Beispiel: "Das mit seiner Umgebung konfrontierte gesellschaftliche Subjekt verhält sich jeweils zu den vergangenen Produktionsprozessen insgesamt so wie jenes mit seinem Nicht-Ich konfrontierte Ich zum Akt des in sich zurückgekehrten Handelns, welches als das absolute Ich durch Entgegensetzung eines Nicht-Ichs als Ich produziert."
    Was bedeutet das übersetzt?

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