SchweizFluch der Tausender

Haben Sie sich mal gefragt, warum fast zwei Drittel des Schweizer Bargelds aus 1.000-Franken-Scheinen bestehen? Eine unangenehme Antwort von Gian Trepp

Schweizer Franken

Schweizer Franken  |  © Getty Images

Die neuesten Zahlen sind frappant: Derzeit gibt es Schweizer Banknoten im Wert von rund 50 Milliarden Franken. Davon zirkulieren 30 Milliarden als 1.000-Franken-Scheine – macht also sechzig Prozent. Und obwohl es längst zur Norm geworden ist, dass wir größere Beträge mit Kreditkarte, per PayPal oder über eine der vielen E-Banking-Plattformen bezahlen, gewinnt die Schweizer Tausendernote an Bedeutung: Von 2011 bis August 2012 stieg der gesamte Notenumlauf um rund 13 Prozent, die Tausendernote aber legte um rund 16 Prozent zu.

Beides widerspricht dem weltweiten Trend – sowohl der hohe und wachsende Schweizer Notenbestand als auch die hohe und wachsende Bedeutung des größten Scheins.

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Nimmt man den Gesamtnotenbestand pro Kopf, so liegt nur Japan vor der Schweiz. In der Euro-Zone und in den USA ist der Wert etwa halb so hoch. Und in Schweden, dem Champion des bargeldlosen Zahlungsverkehrs, gibt es pro Mensch bloß ein Sechstel so viel Kronen wie Franken in der Schweiz.

Gian Trepp

führt ein Beratungsbüro in Zürich und publiziert seit Jahren über den Finanzplatz Schweiz. Zuletzt erschien von ihm das Buch »Bertelsmann. Eine deutsche Geschichte« (Unions-Verlag).

Sonderbar ist auch, dass die große Note solch ein Gewicht im Bargeldmix erhält. Zum Vergleich: Nur ein Drittel aller Euro-Noten kursiert als Fünfhunderter, also in der höchsten Stückelung überhaupt. Die 60 Prozent, welche der Tausender am Schweizer Geldwert ausmacht, stellen einen weiteren Weltrekord dar. Dies erstaunt umso mehr, als diese Note aus dem Alltag verschwunden ist – oder wann ist Ihnen zuletzt solch ein violetter Schein mit dem Porträt des Kulturhistorikers Jacob Burckhardt begegnet?

Überhaupt wirft die Tausenderschwemme Fragen auf: Wo sind diese Noten? Wozu werden sie verwendet? »Der hohe Anteil der großen Notenabschnitte deutet darauf hin, dass Banknoten nicht nur als Zahlungs-, sondern in erheblichem Umfang auch als Wertaufbewahrungsmittel verwendet werden«, erklärt die Nationalbank in ihrer entsprechenden Statistik. Mit anderen Worten: Man verwendet den Tausender zum Horten. Darüber hinaus weiß die Notenbank wenig. Ihr Mediensprecher Werner Abegg erinnert daran, dass der violette Schein in gewissen Bereichen, etwa im Handel mit Gebrauchtwagen, immer noch gerne benutzt werde, und er meldet ansonsten: »Die Noten werden verlangt, wir spüren diese Nachfrage übers Bankensystem.«

Die Tausendernote als Sparvehikel? So deutet auch UBS-Ökonom Caesar Lack in seiner jüngst erschienenen Studie das Phänomen: Banknoten – das bessere Geld. In Zeiten der Unsicherheit, so die These, misstrauen die Menschen sogar ihrem Bankkonto und suchen echtes Geld. Nur: Die Funktion der Wertaufbewahrung kann das Tausenderwachstum auf hohem Niveau auch nicht genügend erklären. Zum einen genießen Großbanken eine implizite und die meisten Kantonalbanken sowie die Postfinance eine explizite Staatsgarantie. Daher sind Sicht-, Spar- und Termingeldeinlagen dort gleich gut abgesichert wie Banknoten. Dazu kommt, dass Menschen und Unternehmen, die den Banken misstrauen, ihre Notreserven eher in Gold und andere Sachwerte umschichten als in Papiergeld.

In eine leere Schachtel Zigaretten passen rund 40.000 Franken

Eine andere Deutung liefern Geldwäscherei-Bekämpfer anderer Länder. So kam das Britische Amt zur Bekämpfung des Organisierten Schwerverbrechens (Soca) nach langen Recherchen zum Schluss: »Es gibt keinen Zweifel, dass die wichtigste Nachfrage nach 500-Euro-Noten von organisierten Schwerkriminellen kommt«, sagte Soca-Vizedirektor Ian Cruxton im Mai 2010. Seither verzichten die Mitglieder des Verbandes der britischen Banken und Wechselstuben auf den Verkauf des Fünfhunderter-Scheins.

Gleich wie in London sieht man es in Rom. Die Anti-Geldwascheinheit der Zentralbank untersuchte die Problematik der großen Euro-Scheine bereits mehrfach. Ein interner Bericht aus dem Jahre 2011, aus dem die Mailänder Tageszeitung Corriere della Sera zitierte, trägt den Titel Das Potenzial der höchstwertigen Banknote zur Geldwäsche. Darin wird der Euro-Fünfhunderter als Instrument von Steuerhinterziehung und krimineller Schattenfinanz beschrieben. Die höchste Nachfrage nach dieser Note im ganzen Land verzeichnet – wen wundert’s? – die Filiale Como der Banca d’Italia. Sie befindet sich keine zehn Kilometer von der Schweizer Grenze entfernt.

Blind ist, wer denkt, nur die Euros würden als Instrument der Schattenfinanz missbraucht.

20.000 Euro passen in eine leere Schachtel Zigaretten, und in dieser Beziehung ist der Frankentausender noch einiges effizienter: Die Zigarettenschachtel fasst 40.000 Franken – eine Menge Geld in einer soliden Währung. Der Schweizer Tausender ist nach dem Singapur-Zehntausender (umgerechnet 7.700 Franken) die zweitwertvollste Standard-Banknote der Welt. Dann folgt der 500-Euro-Schein, während der US-Dollar mit einer höchsten Denomination von 100 sowie das Britische Pfund mit 50 weit darunter liegen. Auch Kanada schaffte die 1.000-Dollar-Note vor zwölf Jahren ab – die Zentralbank erklärte dies mit dem Dauermissbrauch des Scheins durch die Organisierte Kriminalität und bei der Geldwäscherei.

Mitarbeit: Ralph Pöhner

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Leserkommentare
  1. Eine interessante Geschichte. Die 1000-Note ist für den "normalen" Geschäftsverkehr völlig überflüssig, für den abnormalen nicht. Das Parlament bez. Regierung könnten diese offensichtliche Schwachstelle mit einem einfachen Entscheid sofort eliminieren und auch noch allgemein eingängig begründen. Aber wetten, dass nichts passieren wird? Rein gar nichts. Der Schwarzgeldsumpf blubbert weiter und wird von vielen, vielen stillen Helfern gehegt und gepflegt - entgegen allen anders lautender Beschönigungen.

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    Für mich ist die 1000er Note nicht überflüssig. Aber das liegt vielleicht daran dass ich so altmodisch oder sparsam bin, keine Kreditkarte zu besitzen. Und wenn man halt in einem Laden z.B. einen neuen Desktop-PC oder so kaufen will, sind 1000er Noten halt schon praktischer als ein Bündel 100er oder 200er.

  2. Für mich ist die 1000er Note nicht überflüssig. Aber das liegt vielleicht daran dass ich so altmodisch oder sparsam bin, keine Kreditkarte zu besitzen. Und wenn man halt in einem Laden z.B. einen neuen Desktop-PC oder so kaufen will, sind 1000er Noten halt schon praktischer als ein Bündel 100er oder 200er.

    10 Leserempfehlungen
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    kann man auch mit 200er oder 500er Scheinen Zahlen.
    Außerdem gibt es noch die Möglichkeit mit Maestro-Karte.

    Außerdem ist ir nicht unbedingt wohl, wenn ich mit mehrere hundert € durch die Gegend laufe.

    da sind die billiger!

    Der SFR lieg1 derzeit bei 1,23€, oder?
    Was für Maschinen kaufen Sie denn, dass Sie da 1000 Fränkli-Scheine mitnehmen müssen???

    • Statist
    • 31. Januar 2013 10:52 Uhr

    für einen Desktop PC? Sie wollten aber kein 19-Zoll-Rack mit mehreren mehrkern-Platinen-Einschüben kaufen oder?

    Ich denke, dass man selbst mit 20 Hundertern (eine immernoch praktikable Menge) gut hinkäme. Davon abgesehen müssten Sie gar keine Kreditkarte haben, eine Debt-Karte (Giro-Karte) oder eine Geld-Karte (aufladbar) würden es auch tun.

    Im übrigen sind Sie in dem Fall schon ziemlich altmodisch, eine Debt-Karte besaß sogar meine schon vor so einigen Jahren verstorbene Oma, und die war zum einen schon seit mind. 1990-95 im Besitz dieser, und zum zweiten damals schon 80. Vielleicht wäre es an der Zeit ;)

  3. Regierung und Parlament haben dazu gar nichts zu sagen. Wo leben wir denn? Richtig "Pascho86", wenn ich einkaufen gehe, keine Kreditkarte oder ähnliches... Cash ist immer noch mein Ding! Gratulation

    4 Leserempfehlungen
  4. ...tragen eben auch im entsprechenden Bankfach einer Schweizer Bank am wenigsten auf.

    Da bleibt dann auch noch Platz für weitere schwarz erworbene Kostbarkeiten...

    2 Leserempfehlungen
  5. - auch im täglichen Verkehr. Die Tausender und die Liebe zum Bargeld dienen in erster Linie der Steuerhinterziehung. Da rangieren die 1000er sogleich hinter den Kunstwerken, die ein noch grösseres und geheimes Betrugsgeld - Verschiebesystem sind.

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  6. einziehen!

  7. In China sind die größte Banknoten 100 Rmn (ca. 10€), Geld wird in Plastiktüten transportiert. Das ist, wie der Autor unterstreicht, die beste Methode gegen Schattenwirtschaft und Steuerhinterziehung.

    4 Leserempfehlungen
  8. typisch Schweiz, es gibt noch manch andere Beispiele!

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  • Schlagworte Geld | Schweiz | Notenbank
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