Stalking auf FacebookNach dem Sturm

Die Spitzensportlerin Ariane Friedrich wollte sexuelle Belästigung auf Facebook nicht hinnehmen und machte den Namen des Cyber-Stalkers publik. Eine Hasskampagne ohne Beispiel war die Folge. von  und

Hochspringerin Ariane Friedrich

Hochspringerin Ariane Friedrich  |  © Andrea Diefenbach

ZEITmagazin: Sie sind im April 2012 auf Facebook von einem Mann sexuell belästigt worden und haben sich gewehrt. Sie haben den vollen Namen des Mannes und den Wohnort publik gemacht, ihn im Internet an den Pranger gestellt. Als Polizeikommissarin mussten Sie wissen, dass auch für vermeintliche Straftäter das Persönlichkeitsrecht gilt...

Ariane Friedrich: ... Moment mal. Ich bin zuallererst als Sportlerin und als Frau angemacht worden und nicht als Polizistin. Das muss man wirklich mal trennen. Ich persönlich habe diese Trennung in diesem Moment vollzogen – und als Frau reagiert.

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ZEITmagazin: Rechtliche Bedenken hatten Sie nicht?

Ariane Friedrich: Ich habe mich vorher strafrechtlich informiert, ob ich das darf oder nicht. Es ist nicht klar im Strafgesetz geregelt. Allerdings entsprach mein Verhalten nicht gerade dem vorbildlichen Verhalten einer Polizistin. Strafrechtlich habe ich mich aber nicht in die Nesseln gesetzt.

ZEITmagazin: Es war also keine spontane Unbedachtheit, sondern kalkulierte Rache, um solche Belästiger zu warnen und loszuwerden?

ARIANE FRIEDRICH

29, ist ein Ausnahmetalent. Mit 2,06 Metern hält sie den deutschen Hochsprungrekord. Dazu kommen zwölf deutsche Meistertitel und ein Halleneuropameistertitel. Die gebürtige Thüringerin begann als Vierzehnjährige an Wettkämpfen teilzunehmen. Seit 2003 springt sie für Eintracht Frankfurt, wo sie von Günter Eisinger trainiert wird. 2010 riss sie sich die Achillessehne; seither kämpft sie sich zurück. Friedrich ist Polizeikommissarin von Beruf. Im April 2012 veröffentlichte sie den Namen eines Mannes, der sie auf Facebook sexuell belästigt hatte – und wurde dafür heftig kritisiert

Ariane Friedrich: Es war keine kalkulierte Rache. Kalkuliert bedeutet, dass ich ihn vorsätzlich an den Pranger stellen wollte, das war nicht beabsichtigt. Ich bekomme ständig Mails mit Beleidigungen oder Fotos mit sexuellem Hintergrund. Immer unter dem Deckmantel der Anonymität. Es sind auch schon gefälschte Pornobilder mit mir im Internet gewesen. Je bekannter man wird, desto mehr muss man sich anscheinend gefallen lassen. Ich bin nicht mehr bereit, das einfach hinzunehmen.

ZEITmagazin: Und dann kam diese Facebook-Nachricht von Torsten D., bei der Sie gesagt haben: Jetzt reicht’s. Er schrieb Ihnen: "Willst Du mal einen schönen Schwanz sehen? Gerade geduscht und frisch rasiert." Und sein Geschlechtsteil war im Anhang als Foto zu sehen. Haben Sie das angeklickt?

Ariane Friedrich: Um Gottes willen, nein. Ich habe mir aber sofort sein Facebook-Profil angeguckt. Es waren sehr private Informationen auf seinem Profil, auch Bilder von seinem Kind, mit dem er im Zoo war.

ZEITmagazin: Heißt das, Sie waren auf Facebook miteinander befreundet?

Ariane Friedrich: Nein. Wir waren nicht befreundet. Ich hatte auf Facebook eine Fan-Gruppe, die ich gemeinsam mit einem Mitarbeiter eines Sportartikelherstellers verwaltet habe. Herr D. war Mitglied und hatte sein Profil für die Öffentlichkeit nicht gesperrt, jeder konnte es aufrufen. Ich hatte zu der Zeit zudem auch ein privates Facebook-Profil, aber nicht unter meinem echten Namen.

ZEITmagazin: Was war Ihr erster Gedanke, als diese anzügliche Offerte kam?

Ariane Friedrich: Ich saß in der Lobby des Hotels, wir waren im Trainingslager in Südafrika ...

ZEITmagazin: ... und Sie haben es auf Ihrem Handy gelesen?

Ariane Friedrich: Auf dem iPad. Ich war schlichtweg geschockt. Ich war in dem Moment sehr emotional, und ich schaffte es nicht, eine solche diffamierende Nachricht spurlos an mir vorbeigehen zu lassen. Da fehlt mir die Kaltschnäuzigkeit. In dem Moment fand ich die Nachricht unglaublich unverschämt und herabwürdigend, vor allem wie er sich mit seinem Geschlechtsteil angeboten hat. Ich habe mich in meiner Würde als Frau verletzt gefühlt. Für ihn sollte ich als Lustobjekt herhalten. Vielleicht hat er gehofft, dass ich seine sexuellen Gelüste teile und diese erwidere.

ZEITmagazin: Und wie haben Sie reagiert?

Ariane Friedrich: Ich hab mir das Profil sehr genau angeschaut und habe dann gleich Fotos von der Nachricht und seinem Profil gemacht.

ZEITmagazin: ... eine Art Spurensicherung.

Ariane Friedrich: Ja. So kann man das sagen. Die Nachricht und das Profil habe ich im gleichen Moment meinem Trainer und meinem Physiotherapeuten gezeigt. Wir haben zu dritt auf unser Shuttle zum Flughafen gewartet.

ZEITmagazin: Und dann hat die Kriminalistin gehandelt: Sie haben alles gesichert. Nicht nur die Nachricht, den kompletten Account, alle seine Freunde, seine Postings...

Ariane Friedrich: Richtig, mir war klar, dass ich ihn anzeigen werde. Dann habe ich im Internet nach Hinweisen gesucht, die seine Identität weiter untermauert haben. Mir war schnell klar, dass es sich nicht um ein Fake-Profil handelte, seine Einträge waren über Monate geschrieben, mit Privatfotos, Kommentaren von Freunden und Nachbarn. Dieses Profil war lange gepflegt – und echt.

Porträt von Ariane Friedrich

Ariane Friedrich hält mit 2,06 Metern den deutschen Hochsprungrekord  |  © Andrea Diefenbach

ZEITmagazin: Das Profil des Mannes hätte gehackt worden sein können.

Ariane Friedrich: Das war für mich ziemlich unwahrscheinlich. Ich sehe keinen Nutzen darin, dass ein Hacker ein fremdes Profil knackt, nur um mir so eine Nachricht und ein Nacktfoto zu schicken. Also irgendwo muss man auch auf dem Teppich bleiben.

ZEITmagazin: Sie haben auch im Internet recherchiert, ob es wirklich einen Torsten D. in dieser hessischen Gemeinde gibt.

Ariane Friedrich: Ja, und ich habe ein Bild von ihm gefunden, das habe ich zusätzlich gespeichert. Er war nun einfach der Dumme, der seine wahre Identität benutzt hat, um mir so zu schreiben. Sagen wir es mal so: Das war von ihm sehr ungeschickt.

ZEITmagazin: Dann haben Sie reagiert, ihn öffentlich in Ihrer Facebook-Fangruppe geoutet, ihn aufgefordert, solche Nachrichten zu unterlassen. Wann war das?

Ariane Friedrich: Noch in der Lobby. Nach Rücksprache mit meinem Trainer – und als alles gesichert war. Wir haben ziemlich lange auf unser Shuttle gewartet. So hatte ich genug Zeit, die Beweise zu sichern und mir zu überlegen, wie ich reagiere. Ich habe mir überlegt, was ich schreibe, und nebenbei ins Strafgesetzbuch geschaut, um mich noch einmal zu vergewissern. Ich hatte auch während meiner Kommissar-Ausbildung im Strafrechtsunterricht nie gehört, dass man einen Menschen nicht öffentlich dazu auffordern darf, künftig einen solchen Schweinkram zu unterlassen.

ZEITmagazin: Den Anhang, das Bild mit dem Geschlechtsteil, haben Sie den bewusst nicht geöffnet?

Ariane Friedrich: Ich wollte dieses Bild einfach nicht sehen. Für die Ermittlungen war das aber nicht von Vorteil, weil es schwer war, dieses Bild noch einmal von Facebook zu bekommen. Herr D. hatte dann nämlich ziemlich schnell seinen Account gelöscht, und somit waren die Daten zunächst nicht mehr zugänglich und abrufbar. Da mussten sich meine Kollegen von der Polizei, die gegen Torsten D. ermittelt haben, sehr anstrengen.

ZEITmagazin: Als wesentliches Motiv, den Mann bloßgestellt zu haben, sagten Sie, Sie wollten nicht doppeltes Opfer sein. Was meinten Sie damit?

Ariane Friedrich: Einmal bin ich Opfer, weil ich so etwas bekomme. Und dann soll ich das auch noch klaglos hinnehmen. Ich habe solche Sachen jahrelang erdulden müssen, ohne dass ich mich gewehrt habe. Das war für mich ein persönlicher Befreiungsschlag, einfach mal auf den Tisch zu hauen, zu sagen: Bis hierher und nicht weiter.

ZEITmagazin: Wollten Sie ihn bloßstellen?

Ariane Friedrich: Ja, mit dem Mittel, ihn aus der Anonymität zu ziehen, habe ich ihm gezeigt, dass es Konsequenzen hat, jemanden sexuell zu belästigen. Es war auch für mich persönlich wichtig, dass ich das nicht hinnehme und mich wehre. Ich hatte in der Vergangenheit schon viel Ärger mit diesen gefälschten Pornobildern. Da wird dir per Computer die Kleidung ausgezogen, sie schneiden den Kopf ab, setzen ihn auf andere, nackte Körper drauf – und schon entstehen Bilder in abartigen Positionen. Das nimmt inzwischen Ausmaße an, die nicht mehr zu kontrollieren sind und viel Schaden anrichten.

ZEITmagazin: Gibt es solche Bilder von Ihnen noch im Netz?

Ariane Friedrich: Nein, die sind weg. Die haben wir über einen Spezialisten, über einen Anwalt, gegen Bezahlung aus dem Internet rausgebracht.

ZEITmagazin: Es ist auch anderen Leichtathletinnen so ergangen: der russischen Stabhochspringerin Jelena Issinbajewa und der schwedischen Mehrkämpferin, Weltmeisterin und Olympiasiegerin Carolina Klüft. Auch Ihre große Konkurrentin Blanka Vlašić wurde zum Sexualobjekt im Netz.

Ariane Friedrich: Ja, und das waren nicht einfach Playboy-Bilder, das war Hardcore. Sadomaso-Posen und dergleichen. Mich machte das fassungslos, das ist sehr verletzend.

ZEITmagazin: Gleichwohl müssen Sie sich den Vorwurf gefallen lassen, Ihrerseits die Persönlichkeitsrechte des Täters verletzt zu haben – auch wenn es in einem solchen Fall vielleicht grotesk anmutet. Es war eine Art von Selbstjustiz. Wäre es nicht besonnener gewesen, einfach nur Anzeige zu erstatten?

Ariane Friedrich: Besonnener bestimmt – im Nachhinein betrachtet. Schließlich wäre mir dadurch eine Menge Ärger erspart geblieben. Anzeige habe ich ja trotzdem erstattet. Ich bin hier das Opfer, nicht der.

ZEITmagazin: Anzeige haben Sie erst später erstattet, da war Ihre Nachricht an die Facebook-Fangruppe mit den Täterdaten schon gepostet.

Ariane Friedrich: Die Rückreise aus Südafrika hat einen Tag gedauert, sodass ich die Anzeige erst zu Hause erstatten konnte. Ich habe in Südafrika nicht mitbekommen, dass da vorher der Fall mit dem Kinderschänder in Emden gelaufen war...

ZEITmagazin: ...Sie meinen den Mord an der elfjährigen Lena in einer Tiefgarage, bei dem die Polizei zunächst einen falschen Verdächtigen festgenommen hatte...

Ariane Friedrich: ...und der im Internet zunächst sehr schlimm gemobbt wurde. Das war natürlich ziemlich unglücklich.

ZEITmagazin: Die Reaktion im Netz war entsprechend.

Ariane Friedrich: Also ich habe das online gestellt, bin zurückgeflogen. Und dann sind viele positive Kommentare gekommen, aber eben auch kritische, wo mir vorgeworfen wurde, dass ich bestimmt einen Unschuldigen verdächtige und voreilig gehandelt habe...

ZEITmagazin: ...Sie konnten sich ja wirklich nicht sicher sein, ob Sie den Richtigen erwischt oder sich gar strafbar gemacht hatten. Auch Straftäter haben ein Recht auf Schutz ihrer Privatsphäre.

Ariane Friedrich: Er hat meine Privatsphäre mit Füßen getreten. Mein Ziel war es, seinen Namen und seine Nachricht öffentlich zu machen, um ihn und vielleicht noch ein paar anderen potenziellen Belästigern zu zeigen, dass ich mich wehre. Für die, die mich belästigen, wird es eine sehr peinliche Angelegenheit. Ich habe aber niemanden dazu aufgefordert, Herrn D. zu belästigen oder zu mobben. Ich war mir außerdem ziemlich sicher, dass ich mich nicht strafbar gemacht hatte.

ZEITmagazin: Hatten Sie da schon mit dem Strafrechtler geredet?

Ariane Friedrich: Ja, mehrfach. Er sagte, alles okay, aber lass das Thema jetzt ruhen, hör einfach auf, auf die Kommentare zu antworten.

ZEITmagazin: Sicher ein guter Ratschlag.

Ariane Friedrich: Natürlich. Ich habe mich auch daran gehalten. Das Thema ist trotzdem hochgekocht. Vor allem der Umstand, dass ich Polizistin bin, führte zu vielen Kritiken.

ZEITmagazin: Bei Facebook fühlten Sie sich als Privatperson, nicht als Polizistin?

Ariane Friedrich: Mein Fanprofil war auf die Sportlerin Ariane Friedrich ausgelegt und nicht auf die Polizistin. Als Polizeibeamtin wollte ich auf Facebook auch nie in Erscheinung treten. Da gibt es spezielle Erlasse, die den Umgang mit sozialen Medien regeln. Wir dürfen beispielsweise keine Uniformfotos online stellen.

ZEITmagazin: Von einer Polizeikommissarin wird erwartet, dass sie das vorher alles bedenkt.

Ariane Friedrich: Und was wird von der Frau erwartet? Ich habe als Frau reagiert. Mir hat es aber leidgetan, dass auf einmal die Polizei angefeindet wurde. Das war nicht meine Absicht, und es tut mir leid für jeden Polizisten, der durch mich in Kritik geraten ist. Dafür möchte ich mich entschuldigen.

ZEITmagazin: Aber die Kritik zielte auch auf Sie als Privatperson.

Ariane Friedrich: Kritik kann man viele Beiträge nicht mehr nennen, das waren fiese Beleidigungen. Die Beiträge, die unter der Gürtellinie waren, habe ich in den ersten Tagen gelöscht. Eine der schlimmsten Nachrichten war, dass mir jemand bei den Olympischen Spielen einen Kreuzbandriss gewünscht hat. Da war ich sprachlos.

ZEITmagazin: Sie hatten zu diesem Zeitpunkt, vier Monate vor den Spielen in London, noch mit den Folgen eines Achillessehnenrisses zu kämpfen.

Ariane Friedrich: Und genau diese Verletzung hatte so manchem Sportler schon seinen Traum zerplatzen lassen. Und dass nun so viele Menschen mir die Pest an den Hals wünschen, hat mich total umgehauen.

ZEITmagazin: Einige haben Ihnen die Todesstrafe gewünscht. Hatten Sie Angst?

Ariane Friedrich: Ich hatte immer wieder Angst in der Zeit. Ich war fertig, bin immer weiter in den Keller gefahren, und war nach zwei Wochen nervlich völlig am Ende. Es sind immer mehr Meldungen auf Facebook gekommen, auch immer mehr in anderen Foren. Und dann habe ich irgendwann nur noch die schlechten gelesen, die positiven habe ich ausgeblendet. Und damit wurde alles nur noch schlimmer. Nach drei oder vier Tagen habe ich mich zurückgezogen, ich habe nichts mehr gelesen, was da über mich geschrieben wurde. Ich habe dann kein Radio mehr angemacht und auch keine Fernsehnachrichten geguckt, aber irgendwie war das Thema trotzdem immer präsent. Ich habe mich wochenlang aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, am Ende hatte ich teilweise Angst, aus dem Haus zu gehen. Ich war unheimlich unsicher. Ach, diese Anfeindungen haben so großen Schaden angerichtet.

ZEITmagazin: Sie wurden als Polizistin angegriffen, als "Dreckschlampe" beschimpft.

Ariane Friedrich: Wenn Sie unter 200, 300 verständnisvollen Zuschriften eine negative haben, merken Sie sich die schlechte. Es waren aber viele schlechte darunter.

ZEITmagazin: Wann haben Sie realisiert, dass Sie in einen regelrechten Shitstorm geraten waren?

Ariane Friedrich: Ich kannte diesen Begriff bis dahin gar nicht.

ZEITmagazin: Der Begriff ist mit Ihrem Fall erst gängig geworden.

Ariane Friedrich: Günter Eisinger, mein Trainer, hat zum Glück von Anfang an viel abgefangen. Er hat mir immer gesagt: Guck besser nicht ins Internet, tu mir den Gefallen, guck nicht in die Medien. Und mein Freund, der beruflich in England unterwegs war, ist vorzeitig zurückgekommen, um mir Rückhalt zu geben. Wir haben vorher viel telefoniert, und ich habe oft geweint, das war ganz schwer. Dabei hatte ich gar nicht vor, so eine Lawine loszutreten.

ZEITmagazin: Damals sollten Sie die Hochsprungnorm für die Olympischen Spiele schaffen: 1,95 Meter. Es hat nicht geklappt.

Ariane Friedrich: Der Sport lief in dieser Zeit logischerweise nicht so, wie ich das wollte. Ich konnte auch in den folgenden Wettkämpfen nicht die Ariane sein, die ich sein wollte. Dieser Wirbel um meine Person hat viel kaputt gemacht. Vor allem psychisch, gar nicht körperlich. Bei zwei, drei Wettkämpfen bin ich jedes Mal am Ende in Tränen ausgebrochen, weil ich seelisch am Limit war.

ZEITmagazin: Wurde Ihnen von der Sportförderung das Geld gekürzt, weil Sie die Leistung nicht mehr brachten?

Ariane Friedrich: Ja, aber das ist im Leistungssport gang und gäbe. Stimmt die Leistung nicht, sind die Gründe dafür zweitrangig. So wird eben ganz schnell gekürzt. Leistungssport lebt vom permanenten Leistungsdruck.

ZEITmagazin: Wie haben Ihre Kollegen bei der Polizei reagiert?

Ariane Friedrich: Die haben mich die ganze Zeit aufgefangen und betreut, egal, ob sie mein Verhalten nun gut fanden oder nicht. Es war rührend, und ich bin froh, dass ich diese Zeit nicht alleine durchmachen musste. Geholfen haben mir auch mein Freund, meine Familie und Günter. Es war auch gut, dass ich von meinem Mentaltrainer unterstützt wurde.

ZEITmagazin: Hat Ihnen die Polizei Personenschutz gegeben?

Ariane Friedrich: Nein, hatte ich nicht. Ich wurde nicht als hochgefährdet eingestuft. In den ersten Tagen war meine Straße aber doch von Polizeiautos gut befahren. In dieser Zeit wurde ich von der Polizei gebeten, die Facebook-Gruppe zu schließen. Das heißt, zunächst wurde mein Trainer gebeten...

ZEITmagazin: ...der Ihnen das auch schon vorher empfohlen hatte.

Ariane Friedrich: Ja, Günter ist aber generell gegen Soziale Netzwerke. Dass sie auch etwas Positives haben, das sieht er nicht. Ich könnte die besten Argumente haben, und er würde trotzdem dagegen sein. Da kann ich mir den Mund fusselig reden. Jeder hat halt so seine Spleens. Ich bin mit Facebook groß geworden, in meinem Alter betrachten wir das Medium nicht so kritisch. Vielleicht auch, weil wir den Weitblick und die Lebenserfahrung nicht haben, die einen automatisch kritischer machen.

ZEITmagazin: Sie haben aber auch gesagt, Sie könnten Menschen verstehen, die in einer solchen Situation nicht mehr weiterwissen. Sie haben Robert Enke erwähnt, den Torhüter von Hannover 96, der sich das Leben nahm. Er litt unter Depressionen. Hatten Sie Selbstmordgedanken?

Ariane Friedrich: Nein, nein. Ich wollte nur weglaufen, irgendwohin, wo mich keiner kennt. Den Kopf frei kriegen. Ich kann aber verstehen, wenn man jahrelang immer wieder aufs Gröbste herabgesetzt und angefeindet wird, dass einen das wirklich in die Depression treiben kann.

ZEITmagazin: Vom Typ her wirken Sie heiter, optimistisch, auch stabil. Sie treten als Hochspringerin bei Wettkämpfen aufreizend auf: Pinkfarbene Haare waren lange Zeit Ihr Markenzeichen.

Ariane Friedrich: Meine Haarfarbe wechselt, nicht immer ist sie pink. Ich bin auf der einen Seite eine sehr starke Frau, aber ich bin auch eine verletzliche Frau. Ich habe Gefühle, und ich stehe dazu. Ich bin froh, dass ich kein Eisklotz bin, an dem das spurlos vorübergeht.

ZEITmagazin: Gegen Sie wurde ermittelt, weil es eine Strafanzeige gab. All Ihre Facebook-Daten wurden gesichert, Sie wurden vernommen.

Ariane Friedrich: Die Polizei hat auch meinen privaten Account bekommen, um zu sehen, dass ich mit Torsten D. keinerlei Kontakt hatte. Ich habe auch meinen privaten Account komplett gelöscht. Ich bin nicht mehr bei Facebook, und ich lebe trotzdem.

ZEITmagazin: Aber Sie haben Facebook lange Zeit intensiv verwendet. Fehlt Ihnen der direkte Draht zu Ihren Fans?

Ariane Friedrich: Es gab Zeiten, da bin ich morgens mit Facebook aufgestanden, da habe ich sofort geschaut, was über Nacht bei Facebook passiert ist. Im Nachhinein: eine falsche Welt.

ZEITmagazin: Hat Facebook Ihnen denn auch etwas gebracht?

Ariane Friedrich: Das kann ich gar nicht klar beantworten. An sich habe ich das Medium vor allem privat verwendet, um mit Freunden, alten Bekannten, Klassenkameraden zu kommunizieren. In den meisten Fällen gaukelt Facebook eine falsche Nähe vor – wenn man überlegt, wen man alles in seinen angeblichen Freundeskreis aufnimmt. Im wahren Leben spricht man kaum mit dem Menschen, aber auf Facebook teilt man privateste Dinge mit ihm.

ZEITmagazin: Hat die falsche Nähe, die Facebook vorgaukelt, Thorsten D. dazu verleitet, Ihnen dieses Bild zu schicken?

AF: Ich glaube eher, er hat das Medium für seine Zwecke benutzt, weil es die einzige Möglichkeit war, mit mir online in Kontakt zu treten – meine E-Mail-Adresse ist ja geheim. Aber es ist schon so, dass das Internet generell Hemmschwellen senkt, auch durch die Anonymität bedingt.

ZEITmagazin: Wären Sie noch bei Facebook – würden Sie wieder so handeln?

Ariane Friedrich: Ich würde mich wieder wehren. Aber ich würde den Namen nicht mehr posten. Anderen Betroffenen würde ich empfehlen, das Umfeld des Belästigers darauf aufmerksam zu machen, was er da so macht und dass das nicht richtig ist. Und ich würde raten, Anzeige zu erstatten.

ZEITmagazin: Wie hat denn der Täter auf die von Ihnen gewählte Form der Selbstjustiz reagiert?

Ariane Friedrich: Er wollte uns irreführen und tat so, als könnte das Foto mit dem Schwanz auch das Hinterteil eines rasierten, weißen Pudels zeigen. Anzeige gegen mich hat er aber nicht erstattet. Er hatte wohl seine Gründe dafür. Und dann hat sein Verteidiger versucht, Druck auf uns auszuüben. Er hat meinen Trainer massiv bearbeitet. Einmal telefonierte er mit Günter, als dieser gerade von der Kriminalpolizei als Zeuge angehört wurde.

ZEITmagazin: Was wollte der Anwalt von Ihnen?

Ariane Friedrich: Er wollte sich mit uns treffen, um die Angelegenheit unter den Tisch zu kehren. Auch Torsten D. selbst hatte sich vorher schon telefonisch gemeldet und bei Günter um ein Treffen gebeten. Wir haben uns darauf nicht eingelassen.

ZEITmagazin: Haben Sie sich mal in die Rolle des Torsten D. hineinversetzt? Haben Sie sich mal gefragt, warum der so etwas macht?

Ariane Friedrich: Ja, warum macht einer so was? Für mich war klar, dass er damit seine sexuellen Gelüste befriedigen will. Ich wüsste nicht, warum sonst ein Mann einer Frau eine solche Nachricht schicken sollte.

ZEITmagazin: Lebten Sie in der ständigen Furcht, dass er Sie aufstöbern könnte, vom Cyber-Stalker zum realen Stalker wird? Sie haben den Standort beim Training dauernd verändert. Konnten Sie sich überhaupt ungestört auf die Olympischen Spiele vorbereiten?

Ariane Friedrich: Ich habe genau das trainiert, was ich trainieren wollte. Aber die Fahrten zum Training waren eben länger. Wir hatten immer die Sorge, dass an den Trainingsorten ein Team mit einer Kamera wartet. Wären wir einem Team begegnet, hätte ich gleich wieder nach Hause fahren können.

ZEITmagazin: Die wollten Sie alle zu Ihrem Facebook-Fall interviewen?

Ariane Friedrich: Ja, das war der Hammer. Günter hat am 23. April 2012 Buch geführt: 8.36 Uhr RTL, 8.57 Uhr NDR, 10.10 Uhr MDR, 10.16 Uhr ZDF, 11.03 Uhr N24, 11.10 Uhr HR, 11.22 Uhr ZDF, 11.40 Uhr Sat.1, ... und so ging das weiter. Es waren über 40 Fernsehanstalten, auch japanische und amerikanische, die mich interviewen und in ihre Sendungen einladen wollten. Und da muss man einfach zusehen, dass man irgendwo ist, wo man nicht gefunden wird. Außerdem durften wir ja auch nichts zum Stand der Ermittlungen und zu den Hintergründen sagen. Und genau diese Verschwiegenheit hat einige Journalisten auf die Palme gebracht – so sind einige Unwahrheiten veröffentlicht worden.

ZEITmagazin: Wie sehr hat Sie das alles eingeschränkt?

Ariane Friedrich: Trainingstechnisch hat mich das nicht eingeschränkt. Ich habe mein Programm abgespult. Aber beim Leistungssport müssen Psyche und Körper zusammen funktionieren, und das war auf einmal ganz schwierig. Ich habe plötzlich an mir in jeder Hinsicht gezweifelt, an meiner Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, Gut und Böse voneinander zu unterscheiden, Unrecht von Recht. In den ersten Wochen habe ich mich selbst verloren. Mich wiederzufinden hat viel Kraft gekostet.

ZEITmagazin: Dabei war das große Problem, der Riss der Achillessehne, mit seinen Folgen noch gar nicht überwunden. Es ist doch so ziemlich das Schlimmste, was einer Hochspringerin passieren kann...

Ariane Friedrich: ...auch noch am Sprungfuß, das ist das Tödlichste, was es gibt.

ZEITmagazin: Dachten Sie im vorigen Jahr auch mal ans Aufhören?

Ariane Friedrich: Es kamen auch bei mir Gedanken auf nach dem Motto: Warum mache ich das überhaupt noch? Warum tue ich mir diese Öffentlichkeit an? Natürlich ist es auf der einen Seite schön, im Rampenlicht zu stehen. Weil man davon viele Vorteile hat. Aber es hat auch viele Schattenseiten. Also, sagen wir’s mal so: Würde ich den Weg noch einmal gehen können, würde ich heute lieber ein ganz normaler Mensch sein.

ZEITmagazin: Sie sind jetzt 29...

Ariane Friedrich: ...ja, ich weiß. Für eine Leistungssportlerin schon ein gestandenes Alter...

ZEITmagazin: ...und haben sich beim Gewichtheben im Training auch noch eine Sehne in der Schulter angerissen.

Ariane Friedrich: Aber seit zehn Wochen kann ich wieder zu hundert Prozent trainieren. Das sind neun bis zehn Einheiten pro Woche.

ZEITmagazin: Und wie lange dauert das?

Ariane Friedrich: Minimum anderthalb, manchmal drei Stunden. Ich möchte dieses Jahr noch mal Vollgas geben.

ZEITmagazin: Im Sommer sind die Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Moskau.

Ariane Friedrich: Zwei Meter im Hochsprung ist mein Ziel, dafür trainiere ich jeden Tag.

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ZEITmagazin: Sie sind ein Wettkampftyp. Viel Publikum stimuliert Sie?

Ariane Friedrich: Je mehr zuschauen, desto besser.

ZEITmagazin: Auf der Theaterbühne nennt man solche Akteure Rampensau.

Ariane Friedrich: Ja, dann bin ich eine Kampfsau. Wer mir das austreiben will – meine Art, meine Haare, mein Auftreten –, der nimmt mir auch die Leistung. Das gehört zu meinem Typ, das ist wirklich so.

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Leserkommentare
  1. Entschuldigung, aber ist diese Geschichte wirklich wert in der Form des Titelthemas des ZEIT-Magazins besprochen zu werden? Mehrere Seiten für einen Sachverhalt und inhaltliche Positionen, die schon nach max. einer Seite völlig ausdiskutiert sind?

    Das ist jetzt schon das zweite Mal in kurzem Abstand (das andere Mal war die ebenso überdimensionierte Reportage über das Verhältnis zwischen Sigmar Gabriel und seinem Vater), dass sich die ZEIT meiner Meinung völlig verschätzt wieviel Platz einem Sachverhalt gebührt.

    35 Leserempfehlungen
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    Und in 2013 ist das Netz ein wichtiger Teil der Gesellschaft. Manche meinen irrtümlich, das Netz sei ein rechtsfreier Teil. Diese Menschen nutzen die - scheinbare - Anonymität des Netzes für vorzivilisatorisches Verhalten.

    Dabei geht es um sexuelle Belästigung, wie im Artikel; aber auch auch Infamie, Beleidigung, Rufmord, Geschäftsschädigung usw.

    Viele Opfer wissen gar nicht, dass sie sich wehren können und dürfen. Ich selbst wurde aufs Übelste in einem (skandalös schlecht moderierten) Bewertungsforum (nämlich Qype) verleumdet- Vom Bekannten eines "Wettbewerbers", wie sich später herausstellte.

    Mir war es eine gute und hilfreiche Information, dass man nicht nur die Anonymität (per Staatsanwalt) aufdecken lassen kann; man hat überdies das Recht auf den "publizistischen Gegenschlag". Dieses Recht ist nicht nur ein moralisches, sondern juristischen Recht, wohlgemerkt.

    Das die verleumdenden und stalkenden Säue in ihrem eigenen Mist sitzen müssen, sollte nur sie selbst stören - und andere von Sauereien abhalten.

    • Jokus
    • 27. Januar 2013 10:34 Uhr

    Von wegen "Aufgeblasene Geschichte" - Ganz im Gegenteil. Solche Internet-Spanner/Spinner gehören - und zwar ausführlich - in die Öffentlichkeit.

    >Entschuldigung, aber ist diese Geschichte wirklich wert
    > in der Form des Titelthemas des ZEIT-Magazins besprochen

    Ja das ist sie.
    Sonst noch was?

    Ich finde den Artikel nicht aufgeblasen, sondern gemäß der Vollständigkeit und Tragweite durchaus notwendig.

    Und insbesondere lese ich zeit.de, WEIL es hier umfangreichere und ausführlichere Artikel zu lesen gibt als bei SPON.

    • MarcoG.
    • 27. Januar 2013 17:08 Uhr

    ist die Geschichte es wert. Denn es bietet ein sehr eindeutiges Beispiel von Sexismus. Und sollten die Fakten so stimmen, ist die Veröffentlichung der Persondaten nach meiner Meinung äußerst angebracht. Und alle Männer die Bedenken bei der Sexismusdebatte haben (unter anderem auch ich) sollten sich hier klar positionieren. Sonst wären die Diskussionen sinnlos.

    Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke die Redaktion/mo.

    • Rychard
    • 24. Januar 2013 20:05 Uhr

    bleibt der Stalker auf sich selbst sitzen. Betroffene sind auf das Glück angewiesen, Unterstützung zu haben oder zu finden. Die Reaktion und Antworten von Frau Friedrich finde ich nicht nur in Anbetracht ihres persönlichen Rechts auf Wiederstand sondern auch als Vorbild für Mädchen und Frauen, die mehr für scheinbare Ruhe erdulden als ihnen Lieb ist, eine gute und mutige Entscheidung ..

    45 Leserempfehlungen
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    Es geht doch nichts über die gute alte Selbstjustiz.
    Zum Glück bleibt sie unseren leidenden Prominenten vorenthalten, sonst bräuchten wir wohl mehr Laternenmasten und viele mehr Seile.
    Bei solchen Polizisten fühle ich mich doch richtig gut aufgehoben. Da fällt mir ein - das war sie in diesem Augenblick ja garnicht. Sie hatte ja entschieden, dass sie als Frau reagiert und nicht als Polizistin. Als es dann um die 'Spurensicherung' ging, war sie allerdings ganz schnell wieder Polizistin. So ein schneller Wechsel ist doch praktisch. Mal halte ich mich an rechtsstaatliche Prinzipien und mal nicht.

    Leider lässt es sich nicht vermeiden, extra erwähnen zu müssen, dass ich keinerlei Mitleid mit dem Stalker habe - diese Form der Selbstjustiz jedoch auch noch zu bejubeln, weißt jedoch in eine Richtung, über die vermutlich die wenigsten, die Frau Friedrich loben, je nachgedacht haben. Was passiert, wenn sich die oder der Gestalkte beim nächsten Mal irrt und jemanden zu unrecht anprangert? Wenn sie sich einfach irrt und nicht so genau hinschaut? Und wollen wir wirklich Polizisten, die ihr Rechtsverständnis nach belieben an- und ausschalten und, wenn es ihnen gerade passt, zur Selbstjustiz greifen?

    und Menschen machen Fehler. Dass es ein Fehler war die ganzen Daten online preis zu geben leugnet Frau Friedrich ja nicht.
    Aber den Spieß jetzt umzudrehen und auf Frau Friedrich einzuhauen find ich absurder denn je.
    Provoziere ich mit einer solchen (vor allem sehr anstößigen) Tat eine Gegenreaktion, kann ich nicht erwarten, dass diese Gegenreaktion unter allen Regeln der Vernunft mit entgegen kommt.

    • riehm.
    • 25. Januar 2013 12:45 Uhr

    Kennen Sie das "Gefangenendilemma"? Ich erklär's jetzt nicht, kann man nachlesen bei
    http://de.wikipedia.org/wiki/Gefangenendilemma.
    Die erfolgversprechendste Strategie, um im Gefangenendilemma zu bestehen heißt "tit-for-tat", wie du mir, so ich dir. Auch Täter und Opfer verbindet ein vergleichbares Dilemma, und auch hier halte ich tit-for-tat für die richtige Strategie, um dem Opfer wenigstens Gerechtigkeit zurück zu geben. Recht, wer will schon Recht, wenn es um Gerechtigkeit, um Kontenausgleich zwischen Opfer und Täter geht. Mal wieder Kleist's Michael Kohlhaas lesen.
    Gerecht und richtig haben Sie gehandelt, Frau Friedrich, und mutig. Mein allerhöchstes Kompliment für Ihre Courage.

    26 Leserempfehlungen
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    "Gerecht und richtig haben Sie gehandelt, Frau Friedrich, und mutig. Mein allerhöchstes Kompliment für Ihre Courage."

    Was daran Courage ist, jemanden vom warmen Wohnzimmer aus, wegen einer vergleichsweise harmlosen Belästigung (noch dazu per Email!) zu entblößen und dem vorhersehbaren Hass des Internetmobs auszuliefern, das bleibt Ihr Geheimnis.

    Das war unverhältnismäßig, Frau Friedrich hat den Mann (und Namensgleiche) in ihrer sozialen Existenz gefährdet, u.U. sogar in Gefahr für Leib und Leben gebracht. Glücklicherweise ist nichts passiert.

    Ich habe eine andere Auffassung darüber, was Mut ist.

  2. ... Stalkers veröffentlicht? Richtig!

    33 Leserempfehlungen
  3. ...oh wait...
    es kann ja durchaus vorkommen, dass Menschen einen identischen Namen haben, und man die Personen verwechseln können...

    die Geschichte ist länger her und damals wurde das ganz gut ausdiskutiert, dass Frau Friedrich da einen Fehler begannen hat und somit auch zur Täterin wurde. Auch wenn das in einer völlig anderen Dimension spielt als das, was ihr angetan wurde. Das möchte ich nicht hinunterspielen.

    Als Polizisten hätte ich mehr Ratio erwartet in der Reaktion und weniger Emotionen.

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    • dacapo
    • 27. Januar 2013 15:25 Uhr

    In manchen Situationen wird jeder Mensch mal zum Täter, Sie natürlich ausgeschlossen. Ratio wird von jedem Menschen abverlangt, in allen Situationen, das müssten Sie doch wissen, der Sie nie zum Täter geworden sind oder werden.

  4. 6. [...]

    Entfernt. Bitte bemühen Sie sich um eine sachliche Wortwahl. Danke. Die Redaktion/kvk

    6 Leserempfehlungen
    • Nexic
    • 27. Januar 2013 8:43 Uhr

    Klar ist es irgentwie "gerecht" wenn man den Täter, der selbst aus dem Schutz der Anonymität handelt, derart bloßstellen kann.
    Aber was wäre gewesen wenn die von ihr "ermittelte" Person nicht der Täter gewesen ist? Dann hätte sie eine völlig unbeteiligte Person in aller Öffentlichkeit mit falschen Anschuldigungen diffamiert. Die Möglichkeit eines gehackten Accounts hat sie ja in betracht gezogen aber gleich wieder verworfen, weil:

    "Ich sehe keinen Nutzen darin, dass ein Hacker ein fremdes Profil knackt, nur um mir so eine Nachricht und ein Nacktfoto zu schicken. Also irgendwo muss man auch auf dem Teppich bleiben."

    Tut mir leid gute Frau aber ich sehe den nutzen sehr deutlich, nämlich um eine falsche Spur zu legen.
    Die Wahrscheinlichkeit ist, zugegeben, sehr gering. Trotzdem muss man es in Betracht ziehen und die Ermittlungsbehörden können sowas dann mit den angeforderten Daten von Facebook entweder bestätigen oder verwerfen. Das muss man den Ermittlern überlassen, man kann nicht einfach selbst loslegen. Sonst nimmt bald jeder das Recht in seine eigene Hand und der Facebook Pranger geht der Rechtssprechung voraus, Kollateralschaden inklusive.

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    • H.v.T.
    • 27. Januar 2013 9:07 Uhr

    Ich kann Ihrem Beitrag nur zustimmen, denn sollte jemand Facebook dazu nutzen, einem Anderen großen Schaden zu bringen, so weiß er nun, wie es geht.
    Man bediene sich des Namens, erstelle ein passendes Profil, befülle es mit Kenntnissen aus dem persönlichen Lebensbereich desjenigen (Nachbar/Bekannte/Exliebhaber etc. haben entsprechende Kenntnis), stelle zudem manipulierte Bilder (Frau Friedrich hat ja beschrieben, wie per Fotomontage ihr Kopf auf einen anderen nackten Körper in sadomasochistischer Position öffentlich ausgestellt wurde) hinzu, und wende sich mit allem in widerlicher und strafrechtlich relevanter Form an eine Person des öffentlichen Lebens. Und schon hat derjenige ein riesen Problem.

    Das war ein Pläoyer gegen Klarnamen im Internet !

    • mc6206
    • 27. Januar 2013 8:51 Uhr

    richtig gehandelt.

    10 Leserempfehlungen
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    Ich mache derzeit eine ähnliche Erfahrung, allerdings mit einem Cyberstalker, der sich unter wechselnden Profilen versteckt. Frau Friedrichs Reaktion kann ich verstehen, auch wenn ich selber nicht diesen Weg gehen würde: Aber man ist machtlos, schockiert, verletzt.
    Dass die negativen Reaktionen dann diese Verletzung noch verstärken, liegt auf der Hand. Daher Hut ab vor Frau Friedrich, die so weiter machen kann in ihrem Sport. Anderen Frauen (und auch Männern) gelingt dies nicht!

    Naja, kurz und bündig hätte sie gefeuert werden müssen. Ein Polizist der Selbstjustiz übt - schon interessant wie leicht unsere rechtstaatlichen Ansprüche an ferne Länder bei uns auf einmal nichts mehr gelten. Wäre Sie ein Mann, belästigt von einem anderen Mann und das ganze fände in Russland/USA statt - man weiß was die Zeit dazu schreiben würde.

    Ihr Handeln ist verständlich. Nur, was ist so schwer daran zu verstehen, dass es trotzdem falsch war?

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