ZEITmagazin: Und wie haben Sie reagiert?

Ariane Friedrich: Ich hab mir das Profil sehr genau angeschaut und habe dann gleich Fotos von der Nachricht und seinem Profil gemacht.

ZEITmagazin: ... eine Art Spurensicherung.

Ariane Friedrich: Ja. So kann man das sagen. Die Nachricht und das Profil habe ich im gleichen Moment meinem Trainer und meinem Physiotherapeuten gezeigt. Wir haben zu dritt auf unser Shuttle zum Flughafen gewartet.

ZEITmagazin: Und dann hat die Kriminalistin gehandelt: Sie haben alles gesichert. Nicht nur die Nachricht, den kompletten Account, alle seine Freunde, seine Postings...

Ariane Friedrich: Richtig, mir war klar, dass ich ihn anzeigen werde. Dann habe ich im Internet nach Hinweisen gesucht, die seine Identität weiter untermauert haben. Mir war schnell klar, dass es sich nicht um ein Fake-Profil handelte, seine Einträge waren über Monate geschrieben, mit Privatfotos, Kommentaren von Freunden und Nachbarn. Dieses Profil war lange gepflegt – und echt.

ZEITmagazin: Das Profil des Mannes hätte gehackt worden sein können.

Ariane Friedrich: Das war für mich ziemlich unwahrscheinlich. Ich sehe keinen Nutzen darin, dass ein Hacker ein fremdes Profil knackt, nur um mir so eine Nachricht und ein Nacktfoto zu schicken. Also irgendwo muss man auch auf dem Teppich bleiben.

ZEITmagazin: Sie haben auch im Internet recherchiert, ob es wirklich einen Torsten D. in dieser hessischen Gemeinde gibt.

Ariane Friedrich: Ja, und ich habe ein Bild von ihm gefunden, das habe ich zusätzlich gespeichert. Er war nun einfach der Dumme, der seine wahre Identität benutzt hat, um mir so zu schreiben. Sagen wir es mal so: Das war von ihm sehr ungeschickt.

ZEITmagazin: Dann haben Sie reagiert, ihn öffentlich in Ihrer Facebook-Fangruppe geoutet, ihn aufgefordert, solche Nachrichten zu unterlassen. Wann war das?

Ariane Friedrich: Noch in der Lobby. Nach Rücksprache mit meinem Trainer – und als alles gesichert war. Wir haben ziemlich lange auf unser Shuttle gewartet. So hatte ich genug Zeit, die Beweise zu sichern und mir zu überlegen, wie ich reagiere. Ich habe mir überlegt, was ich schreibe, und nebenbei ins Strafgesetzbuch geschaut, um mich noch einmal zu vergewissern. Ich hatte auch während meiner Kommissar-Ausbildung im Strafrechtsunterricht nie gehört, dass man einen Menschen nicht öffentlich dazu auffordern darf, künftig einen solchen Schweinkram zu unterlassen.

ZEITmagazin: Den Anhang, das Bild mit dem Geschlechtsteil, haben Sie den bewusst nicht geöffnet?

Ariane Friedrich: Ich wollte dieses Bild einfach nicht sehen. Für die Ermittlungen war das aber nicht von Vorteil, weil es schwer war, dieses Bild noch einmal von Facebook zu bekommen. Herr D. hatte dann nämlich ziemlich schnell seinen Account gelöscht, und somit waren die Daten zunächst nicht mehr zugänglich und abrufbar. Da mussten sich meine Kollegen von der Polizei, die gegen Torsten D. ermittelt haben, sehr anstrengen.

ZEITmagazin: Als wesentliches Motiv, den Mann bloßgestellt zu haben, sagten Sie, Sie wollten nicht doppeltes Opfer sein. Was meinten Sie damit?

Ariane Friedrich: Einmal bin ich Opfer, weil ich so etwas bekomme. Und dann soll ich das auch noch klaglos hinnehmen. Ich habe solche Sachen jahrelang erdulden müssen, ohne dass ich mich gewehrt habe. Das war für mich ein persönlicher Befreiungsschlag, einfach mal auf den Tisch zu hauen, zu sagen: Bis hierher und nicht weiter.

ZEITmagazin: Wollten Sie ihn bloßstellen?

Ariane Friedrich: Ja, mit dem Mittel, ihn aus der Anonymität zu ziehen, habe ich ihm gezeigt, dass es Konsequenzen hat, jemanden sexuell zu belästigen. Es war auch für mich persönlich wichtig, dass ich das nicht hinnehme und mich wehre. Ich hatte in der Vergangenheit schon viel Ärger mit diesen gefälschten Pornobildern. Da wird dir per Computer die Kleidung ausgezogen, sie schneiden den Kopf ab, setzen ihn auf andere, nackte Körper drauf – und schon entstehen Bilder in abartigen Positionen. Das nimmt inzwischen Ausmaße an, die nicht mehr zu kontrollieren sind und viel Schaden anrichten.