ZEITmagazin: Gibt es solche Bilder von Ihnen noch im Netz?

Ariane Friedrich: Nein, die sind weg. Die haben wir über einen Spezialisten, über einen Anwalt, gegen Bezahlung aus dem Internet rausgebracht.

ZEITmagazin: Es ist auch anderen Leichtathletinnen so ergangen: der russischen Stabhochspringerin Jelena Issinbajewa und der schwedischen Mehrkämpferin, Weltmeisterin und Olympiasiegerin Carolina Klüft. Auch Ihre große Konkurrentin Blanka Vlašić wurde zum Sexualobjekt im Netz.

Ariane Friedrich: Ja, und das waren nicht einfach Playboy-Bilder, das war Hardcore. Sadomaso-Posen und dergleichen. Mich machte das fassungslos, das ist sehr verletzend.

ZEITmagazin: Gleichwohl müssen Sie sich den Vorwurf gefallen lassen, Ihrerseits die Persönlichkeitsrechte des Täters verletzt zu haben – auch wenn es in einem solchen Fall vielleicht grotesk anmutet. Es war eine Art von Selbstjustiz. Wäre es nicht besonnener gewesen, einfach nur Anzeige zu erstatten?

Ariane Friedrich: Besonnener bestimmt – im Nachhinein betrachtet. Schließlich wäre mir dadurch eine Menge Ärger erspart geblieben. Anzeige habe ich ja trotzdem erstattet. Ich bin hier das Opfer, nicht der.

ZEITmagazin: Anzeige haben Sie erst später erstattet, da war Ihre Nachricht an die Facebook-Fangruppe mit den Täterdaten schon gepostet.

Ariane Friedrich: Die Rückreise aus Südafrika hat einen Tag gedauert, sodass ich die Anzeige erst zu Hause erstatten konnte. Ich habe in Südafrika nicht mitbekommen, dass da vorher der Fall mit dem Kinderschänder in Emden gelaufen war...

ZEITmagazin: ...Sie meinen den Mord an der elfjährigen Lena in einer Tiefgarage, bei dem die Polizei zunächst einen falschen Verdächtigen festgenommen hatte...

Ariane Friedrich: ...und der im Internet zunächst sehr schlimm gemobbt wurde. Das war natürlich ziemlich unglücklich.

ZEITmagazin: Die Reaktion im Netz war entsprechend.

Ariane Friedrich: Also ich habe das online gestellt, bin zurückgeflogen. Und dann sind viele positive Kommentare gekommen, aber eben auch kritische, wo mir vorgeworfen wurde, dass ich bestimmt einen Unschuldigen verdächtige und voreilig gehandelt habe...

ZEITmagazin: ...Sie konnten sich ja wirklich nicht sicher sein, ob Sie den Richtigen erwischt oder sich gar strafbar gemacht hatten. Auch Straftäter haben ein Recht auf Schutz ihrer Privatsphäre.

Ariane Friedrich: Er hat meine Privatsphäre mit Füßen getreten. Mein Ziel war es, seinen Namen und seine Nachricht öffentlich zu machen, um ihn und vielleicht noch ein paar anderen potenziellen Belästigern zu zeigen, dass ich mich wehre. Für die, die mich belästigen, wird es eine sehr peinliche Angelegenheit. Ich habe aber niemanden dazu aufgefordert, Herrn D. zu belästigen oder zu mobben. Ich war mir außerdem ziemlich sicher, dass ich mich nicht strafbar gemacht hatte.

ZEITmagazin: Hatten Sie da schon mit dem Strafrechtler geredet?

Ariane Friedrich: Ja, mehrfach. Er sagte, alles okay, aber lass das Thema jetzt ruhen, hör einfach auf, auf die Kommentare zu antworten.

ZEITmagazin: Sicher ein guter Ratschlag.

Ariane Friedrich: Natürlich. Ich habe mich auch daran gehalten. Das Thema ist trotzdem hochgekocht. Vor allem der Umstand, dass ich Polizistin bin, führte zu vielen Kritiken.

ZEITmagazin: Bei Facebook fühlten Sie sich als Privatperson, nicht als Polizistin?

Ariane Friedrich: Mein Fanprofil war auf die Sportlerin Ariane Friedrich ausgelegt und nicht auf die Polizistin. Als Polizeibeamtin wollte ich auf Facebook auch nie in Erscheinung treten. Da gibt es spezielle Erlasse, die den Umgang mit sozialen Medien regeln. Wir dürfen beispielsweise keine Uniformfotos online stellen.