ZEITmagazin: Sie haben aber auch gesagt, Sie könnten Menschen verstehen, die in einer solchen Situation nicht mehr weiterwissen. Sie haben Robert Enke erwähnt, den Torhüter von Hannover 96, der sich das Leben nahm. Er litt unter Depressionen. Hatten Sie Selbstmordgedanken?

Ariane Friedrich: Nein, nein. Ich wollte nur weglaufen, irgendwohin, wo mich keiner kennt. Den Kopf frei kriegen. Ich kann aber verstehen, wenn man jahrelang immer wieder aufs Gröbste herabgesetzt und angefeindet wird, dass einen das wirklich in die Depression treiben kann.

ZEITmagazin: Vom Typ her wirken Sie heiter, optimistisch, auch stabil. Sie treten als Hochspringerin bei Wettkämpfen aufreizend auf: Pinkfarbene Haare waren lange Zeit Ihr Markenzeichen.

Ariane Friedrich: Meine Haarfarbe wechselt, nicht immer ist sie pink. Ich bin auf der einen Seite eine sehr starke Frau, aber ich bin auch eine verletzliche Frau. Ich habe Gefühle, und ich stehe dazu. Ich bin froh, dass ich kein Eisklotz bin, an dem das spurlos vorübergeht.

ZEITmagazin: Gegen Sie wurde ermittelt, weil es eine Strafanzeige gab. All Ihre Facebook-Daten wurden gesichert, Sie wurden vernommen.

Ariane Friedrich: Die Polizei hat auch meinen privaten Account bekommen, um zu sehen, dass ich mit Torsten D. keinerlei Kontakt hatte. Ich habe auch meinen privaten Account komplett gelöscht. Ich bin nicht mehr bei Facebook, und ich lebe trotzdem.

ZEITmagazin: Aber Sie haben Facebook lange Zeit intensiv verwendet. Fehlt Ihnen der direkte Draht zu Ihren Fans?

Ariane Friedrich: Es gab Zeiten, da bin ich morgens mit Facebook aufgestanden, da habe ich sofort geschaut, was über Nacht bei Facebook passiert ist. Im Nachhinein: eine falsche Welt.

ZEITmagazin: Hat Facebook Ihnen denn auch etwas gebracht?

Ariane Friedrich: Das kann ich gar nicht klar beantworten. An sich habe ich das Medium vor allem privat verwendet, um mit Freunden, alten Bekannten, Klassenkameraden zu kommunizieren. In den meisten Fällen gaukelt Facebook eine falsche Nähe vor – wenn man überlegt, wen man alles in seinen angeblichen Freundeskreis aufnimmt. Im wahren Leben spricht man kaum mit dem Menschen, aber auf Facebook teilt man privateste Dinge mit ihm.

ZEITmagazin: Hat die falsche Nähe, die Facebook vorgaukelt, Thorsten D. dazu verleitet, Ihnen dieses Bild zu schicken?

AF: Ich glaube eher, er hat das Medium für seine Zwecke benutzt, weil es die einzige Möglichkeit war, mit mir online in Kontakt zu treten – meine E-Mail-Adresse ist ja geheim. Aber es ist schon so, dass das Internet generell Hemmschwellen senkt, auch durch die Anonymität bedingt.

ZEITmagazin: Wären Sie noch bei Facebook – würden Sie wieder so handeln?

Ariane Friedrich: Ich würde mich wieder wehren. Aber ich würde den Namen nicht mehr posten. Anderen Betroffenen würde ich empfehlen, das Umfeld des Belästigers darauf aufmerksam zu machen, was er da so macht und dass das nicht richtig ist. Und ich würde raten, Anzeige zu erstatten.

ZEITmagazin: Wie hat denn der Täter auf die von Ihnen gewählte Form der Selbstjustiz reagiert?

Ariane Friedrich: Er wollte uns irreführen und tat so, als könnte das Foto mit dem Schwanz auch das Hinterteil eines rasierten, weißen Pudels zeigen. Anzeige gegen mich hat er aber nicht erstattet. Er hatte wohl seine Gründe dafür. Und dann hat sein Verteidiger versucht, Druck auf uns auszuüben. Er hat meinen Trainer massiv bearbeitet. Einmal telefonierte er mit Günter, als dieser gerade von der Kriminalpolizei als Zeuge angehört wurde.

ZEITmagazin: Was wollte der Anwalt von Ihnen?

Ariane Friedrich: Er wollte sich mit uns treffen, um die Angelegenheit unter den Tisch zu kehren. Auch Torsten D. selbst hatte sich vorher schon telefonisch gemeldet und bei Günter um ein Treffen gebeten. Wir haben uns darauf nicht eingelassen.