KultusministerWo sind sie geblieben?

Die CDU verliert ihren letzten Kultusminister von 

Vor zwei Jahren wurde an dieser Stelle notiert, dass die CDU nur noch in fünf Bundesländern den Kultusminister stellt. Damals mit dem Hintergedanken, damit den Tiefpunkt der christdemokratischen Bildungspolitik zu beschreiben. Doch der war noch lange nicht erreicht, die Talfahrt ging weiter: Im Halbjahresrhythmus ist ein CDU-Kultusminister nach dem anderen aus dem Amt geschieden.

Nun markiert die Wahl in Niedersachsen den schwärzesten Tag der schwarzen Bildungspolitik. Mit dem Sieg von Rot-Grün muss jetzt auch Bernd Althusmann seinen Hut nehmen. Er war der letzte Kultusminister mit CDU-Parteibuch.

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Man muss es noch mal wiederholen: Die CDU stellt nun in keinem einzigen Bundesland mehr den Kultusminister!

Ausgerechnet jene Partei, die jahrzehntelang eine durchaus erfolgreiche Bildungspolitik betrieben hat, die vor zehn Jahren als politischer Sieger aus dem Pisa-Bundesländervergleich hervorgegangen ist, jene Partei, die bundesweit bekannte Bildungspolitiker wie etwa Hanna-Renate Laurien oder Bernhard Vogel hervorgebracht hat.

Heute steht sie auf einem der wichtigsten Politikfelder nackt da. Ihr bildungspolitisches Programm ist modern, aber kaum entfernt von dem der SPD und der Grünen. Persönlichkeiten, die die CDU-Bildungspolitik prägen wollen und können, sind nicht in Sicht. Dass sich eine Volkspartei aus der Bildungspolitik quasi verabschiedet, ist ein Problem nicht nur für die Unionsanhänger.

Manchmal lernt man ja nur in der Krise, die ist jetzt da. Besondere Verantwortung kommt dabei den CDU-Ministerpräsidenten zu, etwa der Saarländerin Annegret Kramp-Karrenbauer oder dem Sachsen Stanislaw Tillich, die durchaus in der Bildungspolitik etwas zu sagen haben.

Sie müssen jetzt schnell ihre Hausaufgaben machen.

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Leserkommentare
  1. 1. Hessen

    In Hessen ist zwar die Kultusministerin eine Liberale, ihr Staatssekretär ist allerdings von der Union. Insofern hat sich diese nicht gänzlich aus dem bereich Kultus und Schulpolitik verabschiedet.

  2. gibt es doch noch Frau Schavan?

    Ansonsten betreibt die Union seit ein paar Jahren eine Politik der Verabschiedung von ihren Inhalten. Warum sollte das in der Bildungspolitik anders sein?

    Im Endeffekt ist dies sogar ehrlich: Der Wähler der Union weiß, dass er nicht weiß, welche Politk die von ihm gewählte Partei später machen wird. Die anderen Parteien stellen immer noch irgendwelche Programme auf, von denen wir aus Eerfahrung wissen, dass sie sich dann sowieso nicht dran halten werden.

    Wir haben also die Wahl, offen eingeforderte Willkür über uns zu wählen - oder den bereits im Voraus durchschauten Wahlbetrug.

    Mir fällt da nur noch ein klassisches Zitat aus der deutschen Hochkultur ein: "Welches Schweinchen hättens denn gern?"

    3 Leserempfehlungen
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    1. Sie bekleidet lediglich das Bundeministerium für Bildung und Forschung als Ministerin, nicht einer der vielen Ämter als KultusministerIn.
    2. Ist insbesondere der politische Bereich der Bildung in unserem föderalisitschen System Ländersache, daher ist ihr Einfluss stark begrenzt, bzw. sie selbst auf die Kooperationsbereitschaft der Länder angewiesen, was nebenbei mit Personen gleicher Partei grundsätzlich einfacher ist.

  3. Man sollte an dieser Stelle nicht auf die Erwähnung von Frau Merkel (CDU) verzichten. Immerhin hatte diese im Jahr 2008 mit großem Getöse die "Bildungsrepublik Deutschland" ausgerufen und eine Tournee durch deutsche Bildungseinrichtungen unternommen. Es folgten ein "Bildungsgipfel" und ein "Qualifizierungsgipfel".

    Davon ist jedoch nichts übrig geblieben. Nicht einmal auf ihrer Homepage ist davon noch die Rede. Der letzte Eintrag zu diesem Thema stammt vom Dezember 2009.

    4 Leserempfehlungen
  4. 1. Sie bekleidet lediglich das Bundeministerium für Bildung und Forschung als Ministerin, nicht einer der vielen Ämter als KultusministerIn.
    2. Ist insbesondere der politische Bereich der Bildung in unserem föderalisitschen System Ländersache, daher ist ihr Einfluss stark begrenzt, bzw. sie selbst auf die Kooperationsbereitschaft der Länder angewiesen, was nebenbei mit Personen gleicher Partei grundsätzlich einfacher ist.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Aber da"
  5. ... zeichnet diesen Artikel aus, wenn es um die Rolle von Herrn Tillich in der Bildungspolitik geht.

    Ich bin u. a. als freiberuflicher Dozent sowohl in der Weiterbildung als auch in der Ausbildung in verschiedenen sächsischen Städten tätig. Mein Eindruck ist, dass Sachsen zwar in Pisa- und sonstigen Studien immer prima abschneidet, aber viele auf der Strecke bleiben. Ich erlebe häufig funktionale Analphabeten mit Realschulabschluss, junge Menschen, denen jede politische Bildung fehlt, eine "freie" Berufsschulszene, die vom freistaat jedes Jahr weniger gefördert wird.

    Die Quote der Schulabbrecher ist in Sachsen eine der höchsten in Deutschland, aber Pisa? Außen hui, innen pfui! Das Denkmal für Herrn Tillich steht schon (Personenkult wie in der DDR): Die letzte Raststätte vor der Landeshauptstadt an der A4 heißt "Dresdner Tor".

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    An dieser Stelle muss ich widersprechen.
    Als ausgebildeter Gymnasiallehrer und Mittelschullehrer in Dresden kann ich diese Aussagen nicht nachvollziehen.
    Seit Jahren bilden wir starke Schüler aus, die deutschlandweit anerkannte Abschlüsse vorweisen.
    Die Bildungspolitik allerdings ist tatsächlich fragwürdig. Wenn Gelder für die Ausbildung von 300 Referendaren freigegeben werden, dann aber 290 davon nicht eingestellt, sondern anderen Bundesländer zur Verfügung gestellt werden.

  6. "Ihr bildungspolitisches Programm ist modern, aber kaum entfernt von dem der SPD und der Grünen. "

    Naja: so klein ist die Entfernung ja auch nicht, insbesondere nicht von der Bildungspolitik der Grünen, die das dreigliedrige System der deutschen Pisa-Gewinnerländer lieber heute als morgen endgültig beerdingen würden.

    Ein Gutes hat die Sache vielleicht aber: Wenn jetzt Deutschland mehr und mehr vergesamtschult oder vereinheitsschult wird, haben wir in "Pisa 2025" vielleicht eine valide Datenbasis, ob die vielgepriesene Schule für alle tatsächlich das Gelbe vom Ei war oder doch nicht.

    Dumm nur für die "Versuchskaninchen" (sprich: Schüler) in diesen Jahren, wenn es eben nicht besser sondern immer schlechter wird.

    2 Leserempfehlungen
  7. An dieser Stelle muss ich widersprechen.
    Als ausgebildeter Gymnasiallehrer und Mittelschullehrer in Dresden kann ich diese Aussagen nicht nachvollziehen.
    Seit Jahren bilden wir starke Schüler aus, die deutschlandweit anerkannte Abschlüsse vorweisen.
    Die Bildungspolitik allerdings ist tatsächlich fragwürdig. Wenn Gelder für die Ausbildung von 300 Referendaren freigegeben werden, dann aber 290 davon nicht eingestellt, sondern anderen Bundesländer zur Verfügung gestellt werden.

    • NEUMON
    • 01. Februar 2013 15:55 Uhr
    8. Zitat

    Zitat "Das Denkmal für Herrn Tillich steht schon (Personenkult wie in der DDR): Die letzte Raststätte vor der Landeshauptstadt an der A4 heißt "Dresdner Tor"."

    Lol!!! :-)))

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  • Schlagworte Kultusministerium | CDU | Schule | Bildung | Bildungspolitik
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