Dorf für DementeIm Dorf des Vergessens

Im niederländischen De Hogeweyk genießen Menschen mit Demenz maximale Freiheit. Nun wird ein solches Projekt auch in Deutschland geplant. von 

Ruth weiß schon lange nicht mehr, in welcher Welt sie lebt, aber sie weiß genau, was sie will: ihrem Besucher einen Kuss geben – auch wenn es sich bei diesem um einen wildfremden Journalisten handelt. Sie nimmt meine Hand, schaut mir tief in die Augen, zieht mich zu sich herunter und küsst mich fest auf die Wange. Dann schnappt sie sich ihren Gehstock und spaziert los, einem Ziel entgegen, das sie selbst nicht kennt.

Ruth hat schwere Demenz. Aber hier, im niederländischen De Hogeweyk, darf sie sein, wie sie ist. Denn dieses Dorf ist ganz auf Menschen mit Demenz eingestellt. Seine 152 Bewohner leiden allesamt unter der Alterssenilität – und können doch tun, wonach ihnen der Sinn steht. Wer etwa, wie Ruth, nachmittags lieber im Morgenmantel spazieren geht, statt Tee zu trinken, darf dies. Denn verlaufen kann sie sich nicht. De Hogeweyk ist so verschachtelt gebaut, dass sie immer wieder an ihrem Ausgangspunkt landet.

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»Menschen mit schwerer Demenz verstehen die Welt da draußen nicht mehr. Wir schaffen ihnen eine Welt, die sie verstehen: einen normalen Alltag in einem normalen Haus«, sagt die Managerin Yvonne van Amerongen, die das weltweit einmalige Projekt vor rund 20 Jahren aus der Taufe hob. Heute ist das Demenzdorf, das 20 Kilometer von Amsterdam entfernt im Städtchen Weesp liegt, zu einer Pilgerstätte für Pflegemanager, Wissenschaftler und Gesundheitspolitiker aus aller Welt geworden. Nach dem Vorbild De Hogeweyks werden gerade in vielen Ländern ähnliche Einrichtungen geplant – auch in Deutschland.

»Normalität« ist der Schlüsselbegriff dieses Konzepts. Auf den ersten Blick gleicht De Hogeweyk einem ganz normalen niederländischen Dorf. Es gibt einen Friseur, ein Restaurant und ein Café, einen Teich und eine Promenade zum Spazierengehen. Die 23 Wohnungen sind den Milieus nachempfunden, aus denen ihre Bewohner stammen, sie reichen von Oberschicht bis Arbeiterklasse, sieben verschiedene Lebensstile gibt es in De Hogeweyk. Wer in den einzelnen WGs wohnt, verraten die Namen, die in großen und bunten Buchstaben neben den Haustüren stehen.

Die Kranken leben tagsüber mit Pflegern und Helfern zusammen. Diese tragen statt weißer Uniform Alltagskleidung. Unterscheiden kann man sie erst gegen Abend, wenn die Pflegekräfte beim Schichtwechsel nach Hause fahren. Man muss schon genau hinsehen, um die Brüche in der Illusion der Normalität zu bemerken: etwa die Tatsache, dass jede Wohnung zwei Eingangstüren hat – eine normale für den Alltag und eine versteckte, für Notfälle. Oder die Tatsache, dass das ganze Dorf nur einen zentralen Ein- und Ausgang hat, der Tag und Nacht kontrolliert wird.

Kritiker sprechen von einem »Ghetto«, in dem Demente isoliert und weggesperrt werden. Andere dagegen sehen Dörfer wie De Hogeweyk als Lösung eines immer drängender werdenden Problems. Jan Bennewitz plant im rheinland-pfälzischen Städtchen Alzey das erste deutsche Demenzdorf nach dem niederländischen Vorbild. Mitte 2014 sollen die ersten von 120 Bewohnern in die Wohnungen einziehen und »damit eine echte Alternative zum klassischen Pflegeheim haben«, wie Bennewitz sagt. Der für soziale Einrichtungen tätige Unternehmensberater ist mit seiner Partnerin Yvonne Georgi die treibende Kraft hinter dem Projekt Alzey. Das Wort »Demenzdorf« meidet Bennewitz; er redet lieber von einem »Quartier, in dem wirkliches soziales Leben stattfindet«. Ein Café soll die Alzeyer Bevölkerung dorthin locken, Arzt und Friseur sollen nicht nur für die dementen Anwohner da sein.

Vermutlich werden bald noch andere Kommunen hierzulande ähnliche Pläne schmieden. Denn der Betreuungsnotstand in der Versorgung von Demenzpatienten ist unbestritten. Rund 1,3 Millionen Menschen leiden derzeit in Deutschland an Demenz. Für das Jahr 2050 rechnet das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung mit 2,6 Millionen Demenzkranken. Viele Familien sind von der kräftezehrenden Aufgabe der Pflege überfordert, Pflegeheime stoßen schon heute an ihre Kapazitätsgrenzen. Oft fehlt ihnen das Know-how im Umgang mit Dementen, obwohl diese einen immer größeren Teil ihrer Patienten ausmachen. Oder sie konkurrieren miteinander um Fachkräfte, die in der Not aus dem Ausland angeworben werden.

Zudem belastet die Betreuung die Sozialkassen und den Staatshaushalt, ein Pflegeheimplatz kostet mehrere Tausend Euro pro Monat. Für manche ist das ein einträgliches Geschäft. Denn in Deutschland sind Kranken- und Pflegekasse getrennt. Wird bei einem Patienten Pflegebedürftigkeit festgestellt, wechselt er von der Kranken- in die Pflegekasse. Für den Altersforscher Wolf Dieter Oswald ist das eine »unselige Trennung«. Sie führe dazu, dass nicht die Aktivierung von Menschen mit Demenz belohnt werde, sondern das Gegenteil: Je pflegebedürftiger ein Mensch sei, desto mehr Geld bringe er für die Heime. Und »dort herrscht oft Grabesruhe«, sagt Oswald, Professor am Institut für Psychogerontologie der Universität Erlangen-Nürnberg: »Die Leute werden mit Medikamenten sediert, möglichst im Bett gehalten. Denn dann gibt es die höchste Pflegestufe.« Studien zeigen, dass zwischen 26 und 42 Prozent der Kranken in irgendeiner Weise fixiert werden, fünf bis zehn Prozent werden sogar mit Gurten festgeschnallt.

Der ökonomische Druck auf die Pflegeheime, der Fachkräftemangel und das Aufbrechen traditioneller Familienstrukturen werden sich in Zukunft noch verschärfen. Ohne ein grundsätzliches Umdenken in der Gesellschaft wird der demografische Wandel ziemlich hässliche Seiten bekommen.

»Jeder bekommt Alzheimer, wenn er nur alt genug wird«, sagt Wolf Dieter Oswald provokativ. Deshalb fordert er mehr Rehabilitation, Prävention und Aktivierung: Auch im Pflegeheim sollten die Menschen gefördert und je nach Niveau gefordert werden. Dafür hat er ein Programm entworfen, das viele Punkte enthält, die auch im niederländischen De Hogeweyk umgesetzt werden.

Dort herrscht an einem Nachmittag im Dezember rege Geschäftigkeit. Aus dem dorfeigenen Café dringt der Gesang von Kindern, dazwischen hört man die Stimmen einiger Bewohner. Gerade ist eine Kindergartengruppe zu Gast, die mit den Dementen die Ankunft von Sinterklaas, dem niederländischen Nikolaus, feiert. Nebenan in der lichtdurchfluteten Einkaufspassage wird mit Unterstützung von zwei Pflegehelfern an Adventsgestecken gewerkelt – eine von vielen Aktivitäten, die Bewohner wählen können, neben Singen oder Basteln und dem unvermeidlichen Bingo. Wichtig ist, dass die Dementen aktiv sind, auch im Alltag. Deshalb werden sie bei vielen Tätigkeiten einbezogen: Sie helfen beim Kartoffelschälen, Blumenbeetharken oder Tischdecken.

Auch einkaufen gehen können die Bewohner. Im Dorfladen »Hogeweyk Super« gibt es Äpfel, Fertiglasagne und Duschlotion. »Alles ganz normal«, sagt die Managerin Yvonne van Amerongen. Ungewöhnlich ist höchstens, dass es niemand stört, wenn mit Knöpfen oder Taschentüchern bezahlt wird – alles ist erlaubt, solange es die Illusion von Normalität aufrechterhält. Und was ist mit dem Eierlikör-Regal, das schon fast leer geräumt ist? Trinkt sich hier jemand heimlich einen Rausch an? Kein Problem, die Mitarbeiter kennen schließlich jeden der 152 Bewohner. Und bevor einer von ihnen mit zwei Flaschen Eierlikör zu Hause ankommt, hat die Verkäuferin schon längst in seiner Wohngruppe angerufen und die Pfleger informiert.

Dieser Umgang mit den Demenzkranken hat auch Markus Vögtlin beeindruckt. Er ist Direktor der Dahlia Oberaargau AG, die insgesamt vier Pflegeheime in der Schweiz führt. Nach einem Besuch in De Hogeweyk will er nun am Standort Wiedlisbach, rund 30 Kilometer von Bern entfernt, das erste Schweizer Demenzdorf bauen. 100 Plätze sind geplant; wenn alles gut läuft, können die ersten Bewohner 2019 einziehen. »Uns hat überzeugt, wie dort Normalität gelebt wurde«, sagt Vögtlin. »Wir waren beeindruckt, wie ruhig die Bewohner waren, wie glücklich. So etwas habe ich noch nie erlebt.«

Die Simulation des Alltags hat mehrere positive Effekte: Sie schafft soziale Kontakte und fördert die geistige Aktivität. Und wie wichtig diese sind, weiß auch die Wissenschaft. »Wir haben uns gefragt: Was hält das Gehirn fit?«, beschreibt Elmar Gräßel, Professor am Uni-Klinikum Erlangen, die Herausforderung. »Auf einmal ist es uns wie Schuppen von den Augen gefallen.«

Gräßel fasst die Antwort in dem Kürzel MAKS zusammen – motorische, alltagspraktische, kognitive und spirituelle Aktivität. Sein Konzept ist vom Bundesgesundheitsministerium als eines von 29 »Leuchtturmprojekten Demenz« ausgezeichnet worden. Mit geistiger Anregung, psychomotorischen Übungen, alltagspraktischen Tätigkeiten und Kommunikation in der Gruppe will Gräßel jenen Prozess verlangsamen, der das Gehirn in sich zusammenfallen lässt. Langfristig aufhalten lässt dieser sich allerdings nicht. Denn bislang gibt es keine wirksamen Medikamente, häufig zeigen Antidementiva nur einen geringen Effekt.

Umso wichtiger ist es, den Alltag möglichst lange aufrechtzuerhalten. Denn bei vielen Betroffenen setzt die beginnende Demenz einen Teufelskreis in Gang. Wer unter Vergesslichkeit leidet und sich den Anforderungen des Alltags nicht mehr ganz gewachsen fühlt, zieht sich langsam zurück. Betroffene gehen nicht mehr einkaufen und wissen irgendwann nicht mehr, wie man den Bus benutzt. Sie bleiben zu Hause, um Fehler zu vermeiden, und weichen Gesprächen aus, die sie überführen könnten – was die Isolation noch steigert und den geistigen Verfall befördert. Irgendwann greift die Krankheit auf das Langzeitgedächtnis über. Die Betroffenen wissen nicht mehr, wie man sich die Schuhe bindet und wozu eine Gabel gut ist. Sie vergessen das Gesicht des Nachbarn, haben Angst vor der Schwiegertochter, die zum Putzen vorbeikommt, haben keinen Hunger mehr und wollen um Mitternacht einen Spaziergang mit dem Hund machen, der seit 30 Jahren tot ist.

Der Weg in das Vergessen ist schmerzhaft. Die Betroffenen merken, wie nach und nach das eigene Ich zerfließt. Wehren können sie sich nicht. Noch wissen Forscher viel zu wenig über die Entstehung. Bis heute steht fest: Rund zwei Drittel der Fälle gehen auf die Alzheimer-Erkrankung zurück, rund ein Drittel sind vaskuläre Demenzen, ausgelöst durch eine Reihe kleiner Hirninfarkte. Die dritte und kleinste Gruppe sind die familiären Demenzerkrankungen, die häufig schon vor dem 60. Lebensjahr auftreten.

Wäre also ein Demenzdorf die geeignete Lösung für jene Menschen, die früher oder später stationäre Hilfe in Anspruch nehmen müssen? »Ich kann mir ein solches Modell gut in Deutschland vorstellen«, sagt Elmar Gräßel vom Uni-Klinikum Erlangen. Allerdings müsse hinter dem Projekt das entsprechende therapeutische Konzept stecken. So komme es etwa darauf an, wie gut das Dorf in das Gemeindeleben eingebunden ist. Nicht zu nah am Verkehr, aber auch nicht auf der grünen Wiese müsse es angesiedelt sein. »Ghettobildung hat sich nie bewährt«, warnt Gräßel.

Andere sehen solche Einrichtungen kritischer. »Dort wird eine Art Disneyland aufgebaut, das mit der Realität nichts mehr zu tun hat«, schimpft Peter Michell-Auli, Geschäftsführer des Kuratoriums Deutsche Altershilfe. Ihm schwebt anderes vor. »Fast immer wollen die Menschen so lange wie möglich zu Hause bleiben, das sollten wir ihnen ermöglichen«, sagt er. Er plädiert für eine enge Einbindung der Demenzkranken innerhalb ihres gewohnten Wohnquartiers mit nachbarschaftlicher Hilfe, einem barrierefreien öffentlichen Raum, einem Netz aus Beratung und Dienstleistungen. »Darauf müssen wir viel mehr achtgeben als auf solche Sonderformen wie das geplante Demenzdorf in Alzey«, sagt er.

Noch radikaler ist Reimer Gronemeyer. Der emeritierte Professor von der Universität Gießen empfindet es als Kränkung, eine Illusion wie in De Hogeweyk mit allen Mittel aufrechtzuerhalten. Überhaupt sollten wir aufhören, Demenz als Krankheit zu sehen, fordert er. Vielmehr sei sie ein Teil des Lebens, das »vierte Lebensalter«: »Wir müssen uns fragen, wie wir diese große humane Aufgabe lösen, ohne uns wegzudrehen und zu sagen: Gebt sie doch den Ärzten.«

Auch Klaus Pawletko war skeptisch, als er zum ersten Mal von der Idee der Demenzdörfer hörte. Der Vorsitzende des Vereins »Freunde alter Menschen« in Berlin gründete schon Mitte der neunziger Jahre die erste »Demenz-WG«, in der Kranke und Gesunde zusammenleben. Mittlerweile hat das Konzept Nachahmer in ganz Deutschland. In der Gesellschaft habe sich seitdem eine ganze Menge verändert, glaubt Pawletko: »Wir sind unglaublich viel weiter, einfach deshalb, weil über die Krankheit geredet wird.« Künstliche Welten wie in De Hogeweyk habe er anfangs abgelehnt, erzählt er. Nach und nach aber habe er seine Meinung geändert, auch weil Kollegen ihm berichteten, noch nie so entspannte Demenzkranke wie in De Hogeweyk gesehen zu haben. »Mittlerweile kann ich mir ein Demenzdorf grundsätzlich hier vorstellen«, sagt er. »Ich weiß nur nicht, ob das mit der Mentalität der Deutschen zusammenpasst.«

Fragt man ihn nach seiner Idealvorstellung, skizziert Pawletko eine ähnliche Utopie wie Michell-Auli. »Keine Spezialeinrichtungen mehr. Menschen mit Demenz können frei auf der Straße herumlaufen, Nachbarn und die Menschen auf der Straße sind hoch sensibilisiert. Aber um das zu erreichen, müsste man in so viele Bereiche eingreifen«, sagt er und klingt dabei eher skeptisch.

Dass das im Prinzip funktionieren kann, hat der Erlanger Professor Elmar Gräßel selbst einmal erlebt, als er in Irland auf dem Weg zu einer Tagung war: In seinem Bus saß eine offensichtlich verwirrte Dame, die an jeder Haltestelle aussteigen wollte. Doch der Busfahrer hielt sie zurück. Erst an der richtigen Adresse rief der Fahrer der Frau zu, nun könne sie aussteigen, dort drüben sei ihr Haus. Dann nahm die Frau ihre Einkaufstüten und machte sich auf den Heimweg.

Leider klappt so eine aufmerksame nachbarschaftliche Hilfe eher in überschaubaren Räumen als in Großstädten. Doch die Diskussion, wie wir in Zukunft mit unseren vergesslichen Alten umgehen wollen, hat in Deutschland gerade erst begonnen. Klar ist nur, dass sie unsere Vorstellung einer optimierten Leistungsgesellschaft massiv infrage stellt. Denn uns allen droht am Ende der Sturz ins Vergessen, unabhängig von Schicht und Bildung.

»Wir müssen akzeptieren, dass Leben Wandel ist«, sagt Elmar Gräßel. »Deshalb sollten wir tolerant sein und bedenken, dass nichts so bleibt, wie es ist.«

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Leserkommentare
  1. "Leider klappt so eine aufmerksame nachbarschaftliche Hilfe... Klar ist nur, dass sie unsere Vorstellung einer optimierten Leistungsgesellschaft massiv infrage stellt. "

    Nicht nur alte demente Menschen, auch Kinder, und auch ich als Teil der arbeitenden Bevölkerung brauche das aufmerksame nachbarschaftliche Miteinander...

    Eine Leserempfehlung
    • mirido
    • 02. Februar 2013 11:59 Uhr

    Ich habe zuletzt in einem Haus gearbeitet, wo über sieben Etagen jeder Quadratzentimeter verplant war.
    Einige Bewohner trugen Fluchtarmbänder, viele/allzuviele waren fixiert, mit Bauchgurten im Rollstuhl, mit Medikamenten, mit Bettgittern oder in fahrbaren Gestellen.
    Das Haus ist nachträglich zum Seniorenheim umfunktioniert worden.
    Auch die Mitarbeiter hatten kaum Möglichkeiten sich frei zu bewegen oder ihre Dinge unterzubringen.
    Ein Wohnkomplex der neu entworfen ist, möglichst mit großem begrünten Innenhof und ausreichend vielen Mitarbeitern, die ausreichend in der Kommunikation mit Demenzerkrankten, Kinästhetik und/oder Basaler Stimmulation ausgebildet sind ist für alle Beteiligten ein Segen. Menschen aus Berufsgruppen der Pflege kommen als Bewohner in Seniorenheimen kaum vor. Die haben sich schon viel früher kaputt geschuftet.

    3 Leserempfehlungen
  2. So schön dieses Demenzdorf klingt, es ist doch nichts anderes als ein Zeichen der im gesellschaftlichem Konsens getroffenen Resignation vor einem Problem.

    Ich halte das für Falsch. Sicherlich sollten Demenzkranke mit größtmöglicher Würde und Fürsorge behandelt werden, aber ein "Aus den Augen aus dem Sinn" Prinzip wird diesem Problem sicher nicht gerecht.

    Vielmehr sollte Demenz allgegenwärtig bleiben, denn nur so ist es ein Ansporn für die Wissenschaft eine Heilung zu finden. Denn eine Heilung von Demenz ist der einzig wirklich menschenwürdige Weg der beschritten werden kann. Nich die symptomatische Behandlung einer ganzen Gesellschaft.

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    • mirido
    • 02. Februar 2013 13:07 Uhr

    Die Angehörigen müssen in den Alltag der Seniorenheime eingebunden werden. Aus den Augen und dem Sinn sind die wenigsten. Nur können Demenzerkrankte ab einem gewissen Demenzgrad nur noch unter größtem Aufwand in den Familien Leben.
    Wer will riskieren, das das Haus abbrennt oder Mutter bzw. Vater auf der Autobahn herum läuft.

    • Halben
    • 10. Februar 2013 14:46 Uhr

    noch keinen wirklichen Erfolgsdurchbruch in der Demenzbehandlung gibt,sind solche Alternativen durchaus sinnvoll und,im Gegenzug zu derzeitigen Beispielen mit überfüllten Pflegeheimen und überforderten Pflegern,absolut human und durch die kontrollierte Selbstbestimmung ebenso würdevoll.

    • mirido
    • 02. Februar 2013 13:07 Uhr

    Die Angehörigen müssen in den Alltag der Seniorenheime eingebunden werden. Aus den Augen und dem Sinn sind die wenigsten. Nur können Demenzerkrankte ab einem gewissen Demenzgrad nur noch unter größtem Aufwand in den Familien Leben.
    Wer will riskieren, das das Haus abbrennt oder Mutter bzw. Vater auf der Autobahn herum läuft.

    3 Leserempfehlungen
  3. Die zitierten Kritiker dieser sogenannten "Demenz-Dörfer" schlagen ja, anstatt der vermeintlichen Ghettos, eine stärkere Einbindung des natürlichen Umfelds der Patienten vor. Natürlich scheint das die beste Lösung für Patienten zu sein, allerdings muss man dabei davon ausgehen, dass das Umfeld auch mitspielt und zwar in Form von hundertprozentiger Kooperation. Dass das nicht funktionieren kann, ist wohl offensichtlich.
    Selbst wenn dies der Fall wäre, müssten die Patienten irgendwann ohnehin in eine Einrichtung, da der konstante Verfall des Gehirns nicht zu stoppen ist.

    Da das Pflegeheim, aus Gründen, die wohl nicht weiter erläutert werden müssen, wegfällt, werden diese Dörfer also in Zukunft die einzige humane Lösung sein.

    Hoffentlich ergreifen noch mehr Pflegeheime die Initiative und verbessern den Standard beim Umgang mit Dementen.

    5 Leserempfehlungen
    • RHO8019
    • 02. Februar 2013 13:32 Uhr

    Liebe Mitleser. KLar ist das Projekt gegen das was wir gerade in unseren Häusern finden, ein Paradies. Aber nehmen wir mal an wir hätten das hier, wer soll das den finanzieren?
    Wir haben in unserem Haus zu wenig Personal, wir bekommen auch keine neuen Mitarbeiter. Hauswirtschaftspersonal fehlt und wie sagt das MDK so schön...87b Personal darf kein Essen anreichen, also müssen es die Pfleger machen, die sind aber jetzt schon überfodert mit all den Arbeiten. Ich selbst bin auf 4 Ebenen als Demenzbetreuer tätig + habe rund 60 Menschen in der Woche zu betreuen. Die Menschen brauchen mehr als mal eine Stunde am Tag(wenn überhaupt)an Zuwendung. Aber ist nicht drin,nicht finanzierbar.
    So sitzen sie den ganzen Tag am Tisch + warten auf die nächste Mahlzeit und Pflege. MDK und QM System ist Menschenverachtend. Hört sich alles gut an was sie vorschlagen,ist aber nicht umzusetzen mit wenig Personal und Geld. Wenn die Heimaufsicht kommt,wird das Personal zusammengepfiffen + betrogen,"aber eine gute Note springt raus".Das Leid + den Stress von Menschen die darunter leiden, werden so nicht ernsthaft wahrgenommen. Mir tut es in der Seele weh, wenn ich die Pflegerkollegen seh,wie sie nach und nach vor die Hunde gehen und resignieren. Der Staat muß mehr ausgeben, mehr investieren. Die Politfuzies sollten sich mal hinstellen und die Arbeit machen, Demenzkranke begleiten, würde vieles verändern. Es gibt viele gute Projekte, aber wer hat das Geld + das Personal?
    LG an alle Kollegen Bundesweit.

    6 Leserempfehlungen
  4. ein immer größer werdender Teil der Altenpflege (und der Krankenpflege) in die Hände sogenannter Investoren fallen konnte.

    Investoren investieren Geld, um eine möglichst hohe Rendite zu erzielen.
    Rendite lässt sich aber nur erzielen, wenn überall gespart wird: an den MitarbeiterInnen, an der Aufmerksamkeit und Pflege, die Einzelnen noch zu Gute kommt.

    So wird jetzt Rendite erzielt auf dem Rücken der MitarbeiterInnen und der zu Pflegenden.
    Das ist pervers und dekadent angesichts des Leids der zu Pflegenden und der Arbeitsverdichtung und Ausbeutung der MitarbeiterInnen.

    Und das ist dekadent und pervers angesichts der Millionen Arbietslosen/ Arbeitssuchenden, die wir hier und überall haben.

    Dafür können jetzt die Investoren ordentlich Rendite aus ihrem Invest in die Pflege ziehen, bezahlt von uns allen, in mehrfacher Hinsicht. Zum einen durch die Kranken-und Plegekassenbeiträge der arbeitenden Bevölkerung und zum anderen durch das Sozialamt, wenn Rente und Pflegeversicherung nicht ausreichen.

    Und die Investoren können jetzt Schritt für Schritt schön reich werden, denn die Alten und Kranken sind ein immer "Nachwachsender Rohstoff".

    Eine Leserempfehlung
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    • mirido
    • 02. Februar 2013 21:14 Uhr

    Die Instanzen, die Seniorenheime überprüfen, überprüfen nicht die tatsächliche Situation, sondern die Dokumentationen und die Hygiene. Der Dekubitus einer bettlägerigen Demenzerkrankten bleibt da in der Regel unerkannt.
    Hauptsache man schreibt. Dies gilt auch für die Betreuung nach § 87b. Da muss irgend was eingetragen sein. Ob das dann auch stattgefunden hat, wird nicht geprüft.

    • mirido
    • 02. Februar 2013 21:14 Uhr

    Die Instanzen, die Seniorenheime überprüfen, überprüfen nicht die tatsächliche Situation, sondern die Dokumentationen und die Hygiene. Der Dekubitus einer bettlägerigen Demenzerkrankten bleibt da in der Regel unerkannt.
    Hauptsache man schreibt. Dies gilt auch für die Betreuung nach § 87b. Da muss irgend was eingetragen sein. Ob das dann auch stattgefunden hat, wird nicht geprüft.

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