KlimawandelStreit auf hohem Plateau

Der Anstieg der Erderwärmung scheint langsamer zu verlaufen, als die Klimamodelle prognostiziert haben. Wo liegt der Fehler? von Adrian Meyer

Steigen sie oder steigen sie nicht? Nehmen die Temperaturen nun weltweit zu, oder stagniert die Erderwärmung? Legt der Klimawandel gar »eine Pause ein«, wie in den vergangenen Wochen hie und da zu lesen war? Seitdem ein Entwurf des kommenden Berichts des Weltklimarats (IPCC) im Internet zirkuliert, ist diese Frage Gegenstand hitziger Debatten. Denn aller Forschung zum Trotz ist das Klimageschehen ähnlich unvorhersehbar wie das Schicksal der FDP.

Rätsel gibt vor allem das Phänomen des »Temperaturplateaus« auf: Seit Beginn des neuen Jahrtausends hat sich der Anstieg der weltweiten Oberflächentemperatur verlangsamt. Zwar war das vergangene Jahrzehnt laut Nasa das wärmste seit Beginn der Messungen, doch die Temperatur scheint auf hohem Niveau zu stagnieren – im Gegensatz zu den Prognosen der Klimamodelle, die sowohl einen kontinuierlichen Anstieg der CO₂-Konzentration als auch einen ungebrochenen Erwärmungstrend errechnet hatten.

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Das sei der Beweis, jubilieren Klimaskeptiker, dass die Modelle des IPCC fehlerhaft seien. Nicht der Mensch, sondern natürliche Klimaschwankungen seien verantwortlich für den Temperaturanstieg der vergangenen Jahrzehnte. Einige prognostizieren bereits eine bevorstehende Abkühlung.

Dem widerspricht Jochem Marotzke vehement. »Wir sind uns völlig sicher, dass es am Ende des 21. Jahrhunderts wärmer sein wird als heute«, sagt der Direktor des Max-Planck-Instituts für Meteorologie in Hamburg, einer der Autoren des neuen IPCC-Berichts. »Doch der Weg dorthin ist nicht einfach eine gerade Linie, die der CO₂-Konzentration folgt.« Tatsächlich kämen solche Temperaturplateaus auch in den Klimamodellen vor; nur sei ihr exaktes Auftreten schwer vorherzusagen.

Zur Entstehung solcher Stagnationsphasen tragen nämlich nicht nur externe Faktoren wie Vulkanausbrüche bei, sondern auch chaotische Schwankungen in der Atmosphäre und den Ozeanen. Klimaforscher vermuten, dass diese natürlichen Schwankungen seit der Jahrtausendwende die globale Erwärmungsrate von 0,2 Grad Celsius pro Jahrzehnt überlagern und sich damit gerade die Waage halten. Die bekanntesten dieser Schwankungen sind die sogenannten La-Niña- und El-Niño-Ereignisse, dazu kommen längerfristige Strömungsschwankungen in den Ozeanen, die teilweise für mehrere Jahrzehnte unterschiedliche Temperaturen an der Meeresoberfläche erzeugen, was auch die Atmosphärentemperatur beeinflusst.

El Niño

El Niño ist ein globales Wetterphänomen, das alle drei bis sieben Jahre auftritt. Auf Deutsch bedeutet El Niño "der Junge", aber auch "das Christkind". Der spanische Name rührt daher, dass El Niño, die Erwärmung des tropischen Pazifiks, in der Regel um Weihnachten herum ihren Höhepunkt hat.

Aus bislang weitgehend ungeklärten Gründen kommt es dabei zu einer Erhöhung des Luftdrucks über Südostasien und dem westlichen Pazifik, während er im östlichen Pazifik sinkt. Starke Regenfälle und Überflutungen in Teilen Südamerikas sind die Folge. Die Regenwaldregionen auf der Rückseite der Anden dagegen leiden unter Trockenheit.

La Niña

La Niña – zu Deutsch "das kleine Mädchen" – folgt oft auf El Niño und bewirkt klimatisch das Gegenteil: Eine außergewöhnlich kalte Pazifikströmung rund um den Äquator führt, grob gesagt, zu Trockenheit in Peru und erhöhtem Niederschlag in Indonesien.

Doch was ist nun der exakte Grund für den verlangsamten Temperaturanstieg? »Genau wissen wir das nicht«, gibt Jochem Marotzke zu. Auch die Frage, wie lange das Plateau bestehen bleibt und was danach passieren wird, kann die Forschung derzeit nicht beantworten. Allgemein vermutet man, dass sich die Erwärmung dann wieder beschleunigt. Dass die Oberflächentemperatur zurzeit stagniere, bedeute jedenfalls nicht, dass die Erderwärmung eine Pause mache, sagt Marotzke. Im Gegenteil: Die Erwärmung finde anderswo statt – im Ozean.

Denn die Weltmeere sind der einzige Teil des Klimasystems, der eine ausreichende Kapazität hat, um viel Wärme aufzunehmen. Rund 90 Prozent aller Energie, die wegen der Treibhausgase in der Atmosphäre nicht wieder ins All zurückstrahlt, wird durch die Ozeane aufgenommen. Wie das theoretisch funktioniert, hat vor zwei Jahren die Modellstudie amerikanischer Klimaforscher um Gerald Meehl gezeigt. Ihre Computersimulationen ergaben, dass das gesamte Klimasystem immer gleich viel Wärme aufnimmt – dabei steigt entweder die Oberflächentemperatur an, oder es heizen sich die tieferen Schichten der Ozeane auf.

Leserkommentare
  1. ...wird von den meisten sog. Klimaforschern nicht verstanden; aber genau diese SchmalspurWissenschaftler, die für das IPCC, aber auch bei der NASA, leider sogar beim deu. Wetterdienst oder z.T. sogar beim weltberühmten A.Wegener Polarforschungs Institut tätig sind, verursachen immense volkswirschaftl. Schäden vor allem in der westl. Welt. Stud. Physiker scheinen wie viele Naturwissenschaftler für Führungsaufgaben nicht zu taugen.

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    Antwort auf "Vorsichtsmaßnahme"
    • Halapp
    • 04. Februar 2013 10:53 Uhr

    hat. Das ist zunächst einmal ein beruhigendes Ergebnis der
    oft aufgeregten Diskussion.
    Stimmt nur insofern nicht ganz, da unsere aufgeregeten
    Weltklimaretter die Politik soweit gebracht haben, daß wir
    vielfältige Kosten aufgebürdert bekommen mit sehr zweifel-
    haftem Nutzen.
    Die jährlichen Kosten, energiebedingte Mieterhöhungen,
    EEG Strompreiserhöhungen 20Mrd. jährlich, energiespar-
    bedingte Baukostensteigerungen, CO2 Zertifikate, die auf
    die Preise überwälzt werden.
    Und dies alles nur weil unsere Klimaforscher CO2 Thesen
    propagieren, deren Sinn zunehmend zweifelhafter erscheinen.
    15 Jahre Erwärmungspause trotz stark erhöhtem CO2 Ausstoß.
    Die Korrelation ist im Eimer. Bitte Modelle ändern.
    Hilfsweise werden jetzt die Rußpartikel ausgegraben.

    Alle Länder, die die CO2 Abgabe nicht eingeführt haben lassen uns allein das Klima retten, das garnicht gerettet
    werden will. Wie verblödet sind wir guten deutschen Bürger,
    lassen uns von ein paar Ökoinstituten mit journalistischem
    Anhang einheizen. Vorreiterrolle für was, für wen, warum.

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    Ein Abstatz vorweg: Ich bin nicht einverstanden mit der Energiepolitik von schwarz-gelb. Manche Maßnahmen, die den umstrittenen menschenverusachten Klimawandel abmildern sollen, sind hahnebüchend. Ich bin als Klimalaie davon überzeugt, dass es eigentlich eine gute Nachricht ist, dass die Menschheit durch Verringerung der Treibhausgasemissionen erreichen kann, dass Zivilisation in tausend Jahren wahrscheinlicher wird. Ich bin davon überzeugt, dass die verheerende Folgen der Nutzung fossiler Energieträger auch ohne Beweis des menschlich verursachten Klimawandels bewiesen sind. Und stelle ich hier einfach mal die freche These auf: Klimawandel hin oder her, ich handle im Sinne von Kant, wenn ich Freude daran habe, dass Auto stehen zu lassen und im Regen mit Fahrrad zur Arbeit zu fahren, auch wenn ich verständnisloses Kopfschütteln ernte. Und ich bin ziemlich sicher, dass ich aus Ihnen keinen überzeugten *Klimajünger* mache.

  2. Auch wenn sich auf hohem Niveau die Experten streiten, ob und wie und wenn und überhaupt...
    es ist dumm, Ressourcen (Kohle, Erdöl, Gas ect.)in der Art zu verbrauchen, nicht nur, weil es die Umwelt belastet, sondern weil sie dann weg sind, in dem Sinne, dass diese Energie umgewandelt wurde. Zum Teil auch in Wärme, die uns womöglich erhalten bleibt, aber Erdöl zB. werden wir noch lange für die Erzeugung verschiedenster Produkte brauchen, aber nicht unbedingt zum Betrieb von Heizungen, Strom und Verbrennungsmotoren! Da gibt es tatsächlich schon genug Alternativen, die nur deshalb noch nicht richtig "greifen", weil Investitionen von der Höhe des zu erwartenden Gewinnes abhängig sind und viele Geldgeber (womöglich auf Grund ihres Alters?) zu kurz denken..
    Im Endeffekt wird ja auch nicht "die Umwelt" belastet, sondern der Mensch, der sich wie es aussieht, ohnehin nur mehr auf die Auswirkungen des Klimawandels einstellen und anpassen kann. Wenn der Golfstrom durch die Erwärmung der Nordhalbkugel abbrechen sollte, wird es in Europa übrigens empfindlich kälter werden und nicht wärmer!

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    • Peugeot
    • 04. Februar 2013 17:13 Uhr

    Bitte, bitte... dieses Schreckgespenst darf ich wohl verbannen. Ich denke, selbst Rahmsdorf gibt mir dazu das okay. ;-) (siehe *klimalounge*)

    Die letzte kurzzeitige (so ca. 800 jahre) starke Abschwächung des Atlantikstromes wurde durch das restliche Abschmelzen des nordamer. Kontinentaleises inkl. der Entleerung des sich bereits vorher gebildeten Inland- Sees innerhalb kurzer Zeit verursacht.

    Um das zu wiederholen müsste irgendwelchen Berechnungen zufolge Grönland komplett innerhalb weniger hundert Jahre abschmelzen.

  3. Es ist sicher richtig, dass auch Forscher mit einem Auge auf ihre finanziellen Resourcen schauen, deshalb fangen sie aber nicht gleich an, im großen Stil Lügen zu produzieren. Menschliche Aktivität hat auf diesem Planeten eine absolut dominante Rolle: 7 Mrd. Menschen überschreiten die globale Kapazität um ein Vielfaches, natürliche Regelkreise sind durch Landwirtschaft, Fischerei und Enerie- und Resourcenverbrauch ausser Kraft. Die akzeptierten Daten über Konzentrationen von Spurengasen in der Atmosphäre sprechen eine unmissverständliche Sprache, dass wir Veränderungen angeschoben haben, die nicht ohne Rückwirkung bleiben können. Was soll in diesem Zusammenhang also das Gezerre um das goldene Kalb? Wir müssen anders leben und mit deutlich weniger Resourcen auskommen, wenn alle Menschen eine lebenswerte Teilhabe bekommen sollen und nicht irgendwelche Effekte, präzise vorausberechnet oder auch nicht, uns unsere gemeinsame Lebensgrundlage entziehen. Es reicht, einen großen Rückversicherer zu fragen, wenn man Zweifel an den negativen Wirkungen der globalen Umweltveränderungen hat.

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    • Halapp
    • 04. Februar 2013 11:53 Uhr

    steigen die Kosten der Versicherer. Mehr Menschen, mehr Wohnungen, mehr Großstädte, mehr Infrastruktur = mehr Versicherungen = mehr Versicherungsschäden.
    Die Biomasse der Termiten soll, wenn ich es recht mitbekommen habe die Biomasse der Menschen übertreffen.
    In reichen, entwickelten Ländern stagniert die Bevölkerungs-
    entwicklung (bitte kein Alarmismus).
    Reiche entwickelte Gesellschaften können sich Öko, Bieo und
    Umweltschutz leisten.
    Wenn alle entwickelt sind ist, alles besser.
    Die Problemlösungskompetenz wächst mit der Entwicklung.

    • Peugeot
    • 04. Februar 2013 14:15 Uhr

    beklagen, gleichzeitig lebenswerte Teilhabe aller Menschen fordern und wiederum gleichzeitig den großen Rückversicherungen Glauben schenken.

    Manchmal ist's recht amüsant.

    • Halapp
    • 04. Februar 2013 11:53 Uhr

    steigen die Kosten der Versicherer. Mehr Menschen, mehr Wohnungen, mehr Großstädte, mehr Infrastruktur = mehr Versicherungen = mehr Versicherungsschäden.
    Die Biomasse der Termiten soll, wenn ich es recht mitbekommen habe die Biomasse der Menschen übertreffen.
    In reichen, entwickelten Ländern stagniert die Bevölkerungs-
    entwicklung (bitte kein Alarmismus).
    Reiche entwickelte Gesellschaften können sich Öko, Bieo und
    Umweltschutz leisten.
    Wenn alle entwickelt sind ist, alles besser.
    Die Problemlösungskompetenz wächst mit der Entwicklung.

    3 Leserempfehlungen
  4. Ein Abstatz vorweg: Ich bin nicht einverstanden mit der Energiepolitik von schwarz-gelb. Manche Maßnahmen, die den umstrittenen menschenverusachten Klimawandel abmildern sollen, sind hahnebüchend. Ich bin als Klimalaie davon überzeugt, dass es eigentlich eine gute Nachricht ist, dass die Menschheit durch Verringerung der Treibhausgasemissionen erreichen kann, dass Zivilisation in tausend Jahren wahrscheinlicher wird. Ich bin davon überzeugt, dass die verheerende Folgen der Nutzung fossiler Energieträger auch ohne Beweis des menschlich verursachten Klimawandels bewiesen sind. Und stelle ich hier einfach mal die freche These auf: Klimawandel hin oder her, ich handle im Sinne von Kant, wenn ich Freude daran habe, dass Auto stehen zu lassen und im Regen mit Fahrrad zur Arbeit zu fahren, auch wenn ich verständnisloses Kopfschütteln ernte. Und ich bin ziemlich sicher, dass ich aus Ihnen keinen überzeugten *Klimajünger* mache.

  5. Dennoch möchte ich auf Ihren Kommentar antworten. Warum? Zunächst liegt mir daran, dass Vorurteil abzubauen, dass alle verblödet sind, die meinen, dass wir – die Nutznießer des wohlen Konsums – einen Einfluss auf das Klima haben. Dann ist nach meiner Wahrnehmung ziemlich gut belegt, dass die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen für die Menschheit teurer ist als die Subventionierung ökologischer Innovation. Dann möchte ich von Ihnen wenigstens ein Argument erfahren, warum die Korrelation der Klimaforschung im Eimer ist, weil es angeblich die 15 Jahre Erwärmungspause gibt - trotz stark erhöhtem CO2 Ausstoß. Meines Wissens sind 15 Jahre in der Klimaforschung ein Wimpernschlag.
    Gerecht ist die schwarz-gelbe Klimapolitik nicht. Warum sehe ich das so? Weil auf den Finanzmärkten dutzendfach mehr Gelder toben als in der Realwirtschaft – zum Schaden von Mehrheit und Demokratie. Weil auf Konten in den Steuerparadiesen Billionen von Geldeinheiten gebunkert sind. Es ist Geld da. Die Demokratien müssen noch mehr lernen, es nachhaltig vernünftig auszugeben. Zum Schluss möchte ich vehement bestreiten, dass es überhaupt ein Klimahype gibt. Die Klimadebatte spielt in den Medien eine marginale Rolle. Man betrache nur ZEIT-Online als Ganzes.

    • Peugeot
    • 04. Februar 2013 14:05 Uhr

    Sehr geehrter Herr Niese,

    ganz allgemein sollte eine Verschiebung der Getreideanbaugrenze nach SÜDEN eine allgemeine Abkühlung anzeigen.

    Im Besonderen ist der verlinkte Zeit-Artikel "Das Ende der Pasta?" ziemlich verwirrend, was wohl auch auf den Kommentator wirkt. Ich habe keine Ahnung, wieso er die Anbaugrenze nach Süden verlegt, das gibt der Link (o. g. Artikel)gar nicht her.
    Im Artikel wird munter Hartweizen (für Pasta) und *normaler Weizen* in einem Topf verrührt und sogar mit falschen Behauptungen argumentiert ("Weizen mag es kühl und feucht"), was für Weizen schon nicht stimmt und für Hartweizen schon gar nicht.
    Auch ansonsten ist aus meiner Sicht in diesem Artikel einiges zu beanstanden.

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    Antwort auf "Guten Morgen, Peugeot"
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    Ich bin mir bewusst, dass gerade im Informationstsunamie Internet auch auf Seiten der *Klimajünger* haufenweise Falschinformationen kursieren, die sich hartnäckig halten. Also wette ich nicht meine Altersrente gegen ein Hustenbonbon, dass der ZEIT-Artikel "Das Ende der Pasta" ein Bonmot der Aufklärung ist. Im Gegeteil, eher schenke ich ihren Ausführungen Aufmerksamkeit.

    Was mich aber interessiert: Ich gehe davon aus, dass wir uns einig sind, dass sich die Weizengrenze nach Süden verschiebt. Das mag isoliert betrachtet keinesfalls ein Beweis für die allgemeine Erderwärmung sein, aber im Kontext mit anderen wissenschaftlichen Ergebnissen durchaus ein Hinweis, dass sich das Klima ändert. Ich wollte wissen, ob sie dieser These zustimmen würden, oder, ob Sie eher anderen Faktoren zur Erklärung parat haben.

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  • Schlagworte Klima | Klimaschutz | Klimawandel | Erderwärmung
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